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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

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Griechisch. Conson. g = urspr. g.
bezug auf die bedeutung vgl. terpesthai edetuos), die altind.
wurz. tarp hat beide bedeutungsfunctionen, lit. tarpti (crescere,
provenire); hier ist villeicht r die ursache der ursprünglichen
aspiration, was in -thro-n = tro-n entschiden der fall ist (vgl.
das altbaktrische, wo r aspirierende kraft hat, das in rede ste-
hende suffix lautet also im altbaktrischen stäts -thra).

§. 143.
Momentane tönende nicht aspirierte consonanten.

In folge des überganges der tönenden aspiraten in stumme
aspiraten trat im griechischen auch ein teil der tönenden nicht
aspirierten consonanten in die entsprechenden stummen laute
über. Es werden nämlich im griechischen an lautende tönende
nicht aspirierte consonanten solcher wurzeln, welche auf eine
aspirata auß lauten, meist in die entsprechenden stummen con-
sonanten gewandelt; in disem lautwechsel ist assimilation des
an lautenden consonanten an den momentanen lautteil der grie-
chischen (stummen) aspirata, welche die wurzelsilbe schließt, wol
nicht zu verkennen, z. b. altind. bahus (brachium), d. i. *baghus,
vgl. altn. bogr, althd. buoc (das in disen deutschen worten an
lautende b weist eigentlich auf urspr. bh), aber griech. pekhus;
altind. bahu-s, d. i. *baghu-s (multus), aber griech. pakhu-s (cras-
sus, obesus); altind. wurz. budh (scire, expergisci), got. wurz.
bud, hochd. but (in unserm biete, bot; auch hier findet sich im
deutschen b, das urspr. bh entspricht, nicht p, das ein ursprüng-
liches b ersetzen würde), aber griechisch puth in punthanomai,
puth-esthai; altind. wurz. guh, d. i. *gudh (abscondere), griech.
kuth in keutho.

Indes finden sich doch auch verbindungen wie bath-u-s,
baph-e, graph-ein u. a., welche trotz des aspirierten consonan-
ten im wurzelaußlaute einen tönenden nicht aspirierten conso-
nanten als anlaut der wurzel zeigen.

1. Urspr. g = griech. g, b.

Griech. g = urspr. g (über z = gj vgl. d. lautges.), z. b.
wurz. gen in genos, gi-g(e)n-omai urspr. gan (gignere, nasci);
wurz. gno = gna auß gan (nosse) in gi-gno-sko, gno-me; gonu
= altind. ganu, vgl. lat. genu, got. kniu; wurz. zug urspr.

Griechisch. Conson. γ = urspr. g.
bezug auf die bedeutung vgl. τέϱπεσϑαι ἐδητύος), die altind.
wurz. tarp hat beide bedeutungsfunctionen, lit. tàrpti (crescere,
provenire); hier ist villeicht ϱ die ursache der ursprünglichen
aspiration, was in -ϑϱο-ν = τϱο-ν entschiden der fall ist (vgl.
das altbaktrische, wo r aspirierende kraft hat, das in rede ste-
hende suffix lautet also im altbaktrischen stäts -thra).

§. 143.
Momentane tönende nicht aspirierte consonanten.

In folge des überganges der tönenden aspiraten in stumme
aspiraten trat im griechischen auch ein teil der tönenden nicht
aspirierten consonanten in die entsprechenden stummen laute
über. Es werden nämlich im griechischen an lautende tönende
nicht aspirierte consonanten solcher wurzeln, welche auf eine
aspirata auß lauten, meist in die entsprechenden stummen con-
sonanten gewandelt; in disem lautwechsel ist assimilation des
an lautenden consonanten an den momentanen lautteil der grie-
chischen (stummen) aspirata, welche die wurzelsilbe schließt, wol
nicht zu verkennen, z. b. altind. bâhús (brachium), d. i. *bâghus,
vgl. altn. bôgr, althd. buoc (das in disen deutschen worten an
lautende b weist eigentlich auf urspr. bh), aber griech. πῆχυς;
altind. bahú-s, d. i. *baghu-s (multus), aber griech. παχύ-ς (cras-
sus, obesus); altind. wurz. budh (scire, expergisci), got. wurz.
bud, hochd. but (in unserm biete, bot; auch hier findet sich im
deutschen b, das urspr. bh entspricht, nicht p, das ein ursprüng-
liches b ersetzen würde), aber griechisch πυϑ in πυνϑάνομαι,
πυϑ-έσϑαι; altind. wurz. guh, d. i. *gudh (abscondere), griech.
ϰυϑ in ϰεύϑω.

Indes finden sich doch auch verbindungen wie βαϑ-ύ-ς,
βαφ-ή, γϱάφ-ειν u. a., welche trotz des aspirierten consonan-
ten im wurzelaußlaute einen tönenden nicht aspirierten conso-
nanten als anlaut der wurzel zeigen.

1. Urspr. g = griech. γ, β.

Griech. γ = urspr. g (über ζ = gj vgl. d. lautges.), z. b.
wurz. γεν in γένος, γί-γ(ε)ν-ομαι urspr. gan (gignere, nasci);
wurz. γνο = gna auß gan (nosse) in γι-γνώ-σϰω, γνώ-μη; γόνυ
= altind. ǵấnu, vgl. lat. genu, got. kniu; wurz. ζυγ urspr.

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[176/0190] Griechisch. Conson. γ = urspr. g. bezug auf die bedeutung vgl. τέϱπεσϑαι ἐδητύος), die altind. wurz. tarp hat beide bedeutungsfunctionen, lit. tàrpti (crescere, provenire); hier ist villeicht ϱ die ursache der ursprünglichen aspiration, was in -ϑϱο-ν = τϱο-ν entschiden der fall ist (vgl. das altbaktrische, wo r aspirierende kraft hat, das in rede ste- hende suffix lautet also im altbaktrischen stäts -thra). Momentane tönende nicht aspirierte consonanten. In folge des überganges der tönenden aspiraten in stumme aspiraten trat im griechischen auch ein teil der tönenden nicht aspirierten consonanten in die entsprechenden stummen laute über. Es werden nämlich im griechischen an lautende tönende nicht aspirierte consonanten solcher wurzeln, welche auf eine aspirata auß lauten, meist in die entsprechenden stummen con- sonanten gewandelt; in disem lautwechsel ist assimilation des an lautenden consonanten an den momentanen lautteil der grie- chischen (stummen) aspirata, welche die wurzelsilbe schließt, wol nicht zu verkennen, z. b. altind. bâhús (brachium), d. i. *bâghus, vgl. altn. bôgr, althd. buoc (das in disen deutschen worten an lautende b weist eigentlich auf urspr. bh), aber griech. πῆχυς; altind. bahú-s, d. i. *baghu-s (multus), aber griech. παχύ-ς (cras- sus, obesus); altind. wurz. budh (scire, expergisci), got. wurz. bud, hochd. but (in unserm biete, bot; auch hier findet sich im deutschen b, das urspr. bh entspricht, nicht p, das ein ursprüng- liches b ersetzen würde), aber griechisch πυϑ in πυνϑάνομαι, πυϑ-έσϑαι; altind. wurz. guh, d. i. *gudh (abscondere), griech. ϰυϑ in ϰεύϑω. Indes finden sich doch auch verbindungen wie βαϑ-ύ-ς, βαφ-ή, γϱάφ-ειν u. a., welche trotz des aspirierten consonan- ten im wurzelaußlaute einen tönenden nicht aspirierten conso- nanten als anlaut der wurzel zeigen. 1. Urspr. g = griech. γ, β. Griech. γ = urspr. g (über ζ = gj vgl. d. lautges.), z. b. wurz. γεν in γένος, γί-γ(ε)ν-ομαι urspr. gan (gignere, nasci); wurz. γνο = gna auß gan (nosse) in γι-γνώ-σϰω, γνώ-μη; γόνυ = altind. ǵấnu, vgl. lat. genu, got. kniu; wurz. ζυγ urspr.

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/190>, abgerufen am 25.04.2019.