Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

Bild:
<< vorherige Seite
Altirisch. Conson. lautges. Außlaut. Altbulg. Consonanten.
§. 174.
Der Außlaut

hat fast gar keine ursprünglich auß lauten-
den consonanten mer auf zu weisen, außer in iren wirkungen;
sie sind in der regel sämtlich selbst mit dem vorher gehenden
vocale verflüchtigt.

So ist das ursprünglich ser häufig auß lautende s geschwun-
den in fällen wie fer = lat. vir auß *viros; beram = lat. fe-
rimus,
altind. und urspr. bharamasi; athraib = lat. patribus,
urspr. patar-bhjams u. s. f.

Ja selbst consonanten vor ursprünglich auß lautenden vo-
calen hielten nicht immer stand, z. b. bir = *birei auß *birisi,
*berisi = altind. u. urspr. bharasi (fers; hier kann man an den
schwund von s zwischen vocalen denken, s. oben §. 170, 2);
beir neben berid auß *beridi für *beriti, altind. u. urspr. bharati
u. dergl.

m schwand z. b. im acc. sing. der nomina, z. b. athir =
patrem urspr. patar-am; die ursprünglich auß lautenden na-
sale wirken indes durch einfluß auf den anlaut des folgenden
wortes noch fort.

t ist hier und da erhalten, so in cid = lat. quid urspr.
ki-t (darneben aber auch ce, cia, co, ca als ntr. pron. interr.);
aber sogar beir neben berid auß altind. u. urspr. bhara-ti (fert),
wie so eben an gefürt ward.

§. 175.
Consonanten des altbulgarischen.

Die übersicht der altbulgarischen consonanten gibt §. 76.

Das slawische und das litauische kennen keine aspiraten,
die ursprünglichen aspiraten werden hier durch die nicht aspi-
rierten tönenden consonanten ersezt (vgl. das altbaktrische, kel-
tische, teilweise auch das lateinische, gotische, wo die selbe
lautentsprechung gilt), so daß die slawolettische media doppel-
ter art ist, 1) = ursprünglicher aspirata, 2) = ursprünglicher
media.

Die gutturalen sind merfach zu spiranten geworden, one
daß das gesetz hierfür klar ersichtlich ist; nämlich g zu z, k
zu s (vgl. hierüber Beiträge I, 107 flg.), wodurch nun im s

Altirisch. Conson. lautges. Außlaut. Altbulg. Consonanten.
§. 174.
Der Außlaut

hat fast gar keine ursprünglich auß lauten-
den consonanten mer auf zu weisen, außer in iren wirkungen;
sie sind in der regel sämtlich selbst mit dem vorher gehenden
vocale verflüchtigt.

So ist das ursprünglich ser häufig auß lautende s geschwun-
den in fällen wie fer = lat. vir auß *viros; beram = lat. fe-
rimus,
altind. und urspr. bhárâmasi; athraib = lat. patribus,
urspr. patar-bhjaṁs u. s. f.

Ja selbst consonanten vor ursprünglich auß lautenden vo-
calen hielten nicht immer stand, z. b. bir = *birî auß *birisi,
*berisi = altind. u. urspr. bhárasi (fers; hier kann man an den
schwund von s zwischen vocalen denken, s. oben §. 170, 2);
beir neben berid auß *beridi für *beriti, altind. u. urspr. bhárati
u. dergl.

m schwand z. b. im acc. sing. der nomina, z. b. athir =
patrem urspr. patar-am; die ursprünglich auß lautenden na-
sale wirken indes durch einfluß auf den anlaut des folgenden
wortes noch fort.

t ist hier und da erhalten, so in cid = lat. quid urspr.
ki-t (darneben aber auch ce, cia, co, ca als ntr. pron. interr.);
aber sogar beir neben berid auß altind. u. urspr. bhára-ti (fert),
wie so eben an gefürt ward.

§. 175.
Consonanten des altbulgarischen.

Die übersicht der altbulgarischen consonanten gibt §. 76.

Das slawische und das litauische kennen keine aspiraten,
die ursprünglichen aspiraten werden hier durch die nicht aspi-
rierten tönenden consonanten ersezt (vgl. das altbaktrische, kel-
tische, teilweise auch das lateinische, gotische, wo die selbe
lautentsprechung gilt), so daß die slawolettische media doppel-
ter art ist, 1) = ursprünglicher aspirata, 2) = ursprünglicher
media.

Die gutturalen sind merfach zu spiranten geworden, one
daß das gesetz hierfür klar ersichtlich ist; nämlich g zu z, k
zu s (vgl. hierüber Beiträge I, 107 flg.), wodurch nun im s

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <pb facs="#f0248" n="234"/>
                <fw place="top" type="header">Altirisch. Conson. lautges. Außlaut. Altbulg. Consonanten.</fw>
                <note place="left">§. 174.</note>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>Der <hi rendition="#g">Außlaut</hi></head>
                <p>hat fast gar keine ursprünglich auß lauten-<lb/>
den consonanten mer auf zu weisen, außer in iren wirkungen;<lb/>
sie sind in der regel sämtlich selbst mit dem vorher gehenden<lb/>
vocale verflüchtigt.</p><lb/>
                <p>So ist das ursprünglich ser häufig auß lautende <hi rendition="#i">s</hi> geschwun-<lb/>
den in fällen wie <hi rendition="#i">fer</hi> = lat. <hi rendition="#i">vir</hi> auß *<hi rendition="#i">viros; beram</hi> = lat. <hi rendition="#i">fe-<lb/>
rimus,</hi> altind. und urspr. <hi rendition="#i">bhárâmasi; athraib</hi> = lat. <hi rendition="#i">patribus,</hi><lb/>
urspr. <hi rendition="#i">patar-bhja&#x1E41;s</hi> u. s. f.</p><lb/>
                <p>Ja selbst consonanten vor ursprünglich auß lautenden vo-<lb/>
calen hielten nicht immer stand, z. b. <hi rendition="#i">bir</hi> = *<hi rendition="#i">birî</hi> auß *<hi rendition="#i">birisi</hi>,<lb/>
*<hi rendition="#i">berisi</hi> = altind. u. urspr. <hi rendition="#i">bhárasi</hi> (fers; hier kann man an den<lb/>
schwund von <hi rendition="#i">s</hi> zwischen vocalen denken, s. oben §. 170, 2);<lb/><hi rendition="#i">beir</hi> neben <hi rendition="#i">berid</hi> auß *<hi rendition="#i">beridi</hi> für *<hi rendition="#i">beriti</hi>, altind. u. urspr. <hi rendition="#i">bhárati</hi><lb/>
u. dergl.</p><lb/>
                <p><hi rendition="#i">m</hi> schwand z. b. im acc. sing. der nomina, z. b. <hi rendition="#i">athir</hi> =<lb/><hi rendition="#i">patrem</hi> urspr. <hi rendition="#i">patar-am;</hi> die ursprünglich auß lautenden na-<lb/>
sale wirken indes durch einfluß auf den anlaut des folgenden<lb/>
wortes noch fort.</p><lb/>
                <p><hi rendition="#i">t</hi> ist hier und da erhalten, so in <hi rendition="#i">cid</hi> = lat. <hi rendition="#i">quid</hi> urspr.<lb/><hi rendition="#i">ki-t</hi> (darneben aber auch <hi rendition="#i">ce</hi>, <hi rendition="#i">cia</hi>, <hi rendition="#i">co, ca</hi> als ntr. pron. interr.);<lb/>
aber sogar <hi rendition="#i">beir</hi> neben <hi rendition="#i">berid</hi> auß altind. u. urspr. <hi rendition="#i">bhára-ti</hi> (fert),<lb/>
wie so eben an gefürt ward.</p>
                <note place="left">§. 175.</note>
              </div>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>Consonanten des altbulgarischen.</head><lb/>
              <p>Die übersicht der altbulgarischen consonanten gibt §. 76.</p><lb/>
              <p>Das slawische und das litauische kennen keine aspiraten,<lb/>
die ursprünglichen aspiraten werden hier durch die nicht aspi-<lb/>
rierten tönenden consonanten ersezt (vgl. das altbaktrische, kel-<lb/>
tische, teilweise auch das lateinische, gotische, wo die selbe<lb/>
lautentsprechung gilt), so daß die slawolettische media doppel-<lb/>
ter art ist, 1) = ursprünglicher aspirata, 2) = ursprünglicher<lb/>
media.</p><lb/>
              <p>Die gutturalen sind merfach zu spiranten geworden, one<lb/>
daß das gesetz hierfür klar ersichtlich ist; nämlich <hi rendition="#i">g</hi> zu <hi rendition="#i">z</hi>, <hi rendition="#i">k</hi><lb/>
zu <hi rendition="#i">s</hi> (vgl. hierüber Beiträge I, 107 flg.), wodurch nun im <hi rendition="#i">s</hi><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[234/0248] Altirisch. Conson. lautges. Außlaut. Altbulg. Consonanten. Der Außlauthat fast gar keine ursprünglich auß lauten- den consonanten mer auf zu weisen, außer in iren wirkungen; sie sind in der regel sämtlich selbst mit dem vorher gehenden vocale verflüchtigt. So ist das ursprünglich ser häufig auß lautende s geschwun- den in fällen wie fer = lat. vir auß *viros; beram = lat. fe- rimus, altind. und urspr. bhárâmasi; athraib = lat. patribus, urspr. patar-bhjaṁs u. s. f. Ja selbst consonanten vor ursprünglich auß lautenden vo- calen hielten nicht immer stand, z. b. bir = *birî auß *birisi, *berisi = altind. u. urspr. bhárasi (fers; hier kann man an den schwund von s zwischen vocalen denken, s. oben §. 170, 2); beir neben berid auß *beridi für *beriti, altind. u. urspr. bhárati u. dergl. m schwand z. b. im acc. sing. der nomina, z. b. athir = patrem urspr. patar-am; die ursprünglich auß lautenden na- sale wirken indes durch einfluß auf den anlaut des folgenden wortes noch fort. t ist hier und da erhalten, so in cid = lat. quid urspr. ki-t (darneben aber auch ce, cia, co, ca als ntr. pron. interr.); aber sogar beir neben berid auß altind. u. urspr. bhára-ti (fert), wie so eben an gefürt ward. Consonanten des altbulgarischen. Die übersicht der altbulgarischen consonanten gibt §. 76. Das slawische und das litauische kennen keine aspiraten, die ursprünglichen aspiraten werden hier durch die nicht aspi- rierten tönenden consonanten ersezt (vgl. das altbaktrische, kel- tische, teilweise auch das lateinische, gotische, wo die selbe lautentsprechung gilt), so daß die slawolettische media doppel- ter art ist, 1) = ursprünglicher aspirata, 2) = ursprünglicher media. Die gutturalen sind merfach zu spiranten geworden, one daß das gesetz hierfür klar ersichtlich ist; nämlich g zu z, k zu s (vgl. hierüber Beiträge I, 107 flg.), wodurch nun im s

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/248
Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 234. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/248>, abgerufen am 21.04.2019.