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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

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Altbaktrisch. Vocale.
der qualität diser laute bestimt worden sein, doch wagten wir
nicht, in die tabelle ein gutturales und palatales n auf zu ne-
men, da die schrift ein solches nicht unterscheidet und die
außsprache als dentales n vor gutturalen und palatalen mög-
lich ist.

Der unterschid in der außsprache von e und e ist kaum
zu bestimmen; ich würde vor schlagen ersteres wie franz. e fer-
me und lang, lezteres wie e ouvert (wie ä) zu sprechen. Die
quantität des e ist schwer zu ermitteln, villeicht war es weder
entschiden lang, noch entschiden kurz; stäts kurz ist e.

Die außsprache der diphthonge ergibt sich auß der schrei-
bung (die von Spiegel und Bopp für ae, ao geforderte auß-
sprache als ai, au ist schon auß dem grunde unstatthaft, weil
ai, au von ae, ao durch die zendschrift geschiden sind).

§. 17.
Vocale des altbaktrischen.

Der vocalismus des altbaktrischen ist durch lautgesetze
vom ursprünglichen stande vil stärker ab gewichen, als der des
altindischen. So ist vor allem durch spät ein getretene lautge-
setze die große anzal der diphthonge diser sprache entstanden.

Das a unterligt nicht nur dem schwunde und der schwä-
chung, sondern es erscheint auch nicht selten zu e und o ge-
färbt (lezteres war im altindischen nur bei o = as der fall).

Der vocal r = ar felt, an seiner stelle erscheint ere auch
are für er, ar, da dem r in der regel (s. §. 28) ein e nach
schlägt. Das altbaktrische zeigt also, da e = a ist, die ur-
sprüngliche lautstufe ar, nicht die geschwächte wie das altindi-
sche (eir und aur treten demnach für dises er = ar nicht ein, wie
im altindischen für r).

Die denung des i und u zu ei und au ist häufiger als im
altindischen. Für ai und au ist ae (wol = ae) und ao eingetre-
ten durch assimilation des zweiten elementes ans erste.

Die vocalische assimilation hat ein weites gebiet gewonnen;
auch die consonanten wirken in diser sprache vil stärker auf
die inen vorauß gehenden und folgenden vocale ein, als diß im
altindischen der fall war. Vor allem bedeutend ist das gesetz,

Altbaktrisch. Vocale.
der qualität diser laute bestimt worden sein, doch wagten wir
nicht, in die tabelle ein gutturales und palatales n auf zu ne-
men, da die schrift ein solches nicht unterscheidet und die
außsprache als dentales n vor gutturalen und palatalen mög-
lich ist.

Der unterschid in der außsprache von ê und è ist kaum
zu bestimmen; ich würde vor schlagen ersteres wie franz. é fer-
mé und lang, lezteres wie e ouvert (wie ä) zu sprechen. Die
quantität des è ist schwer zu ermitteln, villeicht war es weder
entschiden lang, noch entschiden kurz; stäts kurz ist e.

Die außsprache der diphthonge ergibt sich auß der schrei-
bung (die von Spiegel und Bopp für aê, ao geforderte auß-
sprache als ai, au ist schon auß dem grunde unstatthaft, weil
ai, au von aê, ao durch die zendschrift geschiden sind).

§. 17.
Vocale des altbaktrischen.

Der vocalismus des altbaktrischen ist durch lautgesetze
vom ursprünglichen stande vil stärker ab gewichen, als der des
altindischen. So ist vor allem durch spät ein getretene lautge-
setze die große anzal der diphthonge diser sprache entstanden.

Das a unterligt nicht nur dem schwunde und der schwä-
chung, sondern es erscheint auch nicht selten zu e und o ge-
färbt (lezteres war im altindischen nur bei ô = as der fall).

Der vocal r = ar felt, an seiner stelle erscheint ere auch
are für er, ar, da dem r in der regel (s. §. 28) ein e nach
schlägt. Das altbaktrische zeigt also, da e = a ist, die ur-
sprüngliche lautstufe ar, nicht die geschwächte wie das altindi-
sche (îr und ûr treten demnach für dises er = ar nicht ein, wie
im altindischen für r).

Die denung des i und u zu î und û ist häufiger als im
altindischen. Für ai und au ist (wol = ae) und ao eingetre-
ten durch assimilation des zweiten elementes ans erste.

Die vocalische assimilation hat ein weites gebiet gewonnen;
auch die consonanten wirken in diser sprache vil stärker auf
die inen vorauß gehenden und folgenden vocale ein, als diß im
altindischen der fall war. Vor allem bedeutend ist das gesetz,

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[32/0046] Altbaktrisch. Vocale. der qualität diser laute bestimt worden sein, doch wagten wir nicht, in die tabelle ein gutturales und palatales n auf zu ne- men, da die schrift ein solches nicht unterscheidet und die außsprache als dentales n vor gutturalen und palatalen mög- lich ist. Der unterschid in der außsprache von ê und è ist kaum zu bestimmen; ich würde vor schlagen ersteres wie franz. é fer- mé und lang, lezteres wie e ouvert (wie ä) zu sprechen. Die quantität des è ist schwer zu ermitteln, villeicht war es weder entschiden lang, noch entschiden kurz; stäts kurz ist e. Die außsprache der diphthonge ergibt sich auß der schrei- bung (die von Spiegel und Bopp für aê, ao geforderte auß- sprache als ai, au ist schon auß dem grunde unstatthaft, weil ai, au von aê, ao durch die zendschrift geschiden sind). Vocale des altbaktrischen. Der vocalismus des altbaktrischen ist durch lautgesetze vom ursprünglichen stande vil stärker ab gewichen, als der des altindischen. So ist vor allem durch spät ein getretene lautge- setze die große anzal der diphthonge diser sprache entstanden. Das a unterligt nicht nur dem schwunde und der schwä- chung, sondern es erscheint auch nicht selten zu e und o ge- färbt (lezteres war im altindischen nur bei ô = as der fall). Der vocal r = ar felt, an seiner stelle erscheint ere auch are für er, ar, da dem r in der regel (s. §. 28) ein e nach schlägt. Das altbaktrische zeigt also, da e = a ist, die ur- sprüngliche lautstufe ar, nicht die geschwächte wie das altindi- sche (îr und ûr treten demnach für dises er = ar nicht ein, wie im altindischen für r). Die denung des i und u zu î und û ist häufiger als im altindischen. Für ai und au ist aê (wol = ae) und ao eingetre- ten durch assimilation des zweiten elementes ans erste. Die vocalische assimilation hat ein weites gebiet gewonnen; auch die consonanten wirken in diser sprache vil stärker auf die inen vorauß gehenden und folgenden vocale ein, als diß im altindischen der fall war. Vor allem bedeutend ist das gesetz,

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 32. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/46>, abgerufen am 21.04.2019.