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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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Genusbezeichnung.
§. 243.

Anders verhält es sich bei den pronominibus. Hier tritt
eine erweiterung des pronominalstammes vor gewissen casusele-
menten in den verschidenen sprachen unseres stammes in so
überein stimmender weise auf, daß sie auß der ursprache stam-
men muß. Diß und einzelne mer oder minder ab weichende
casussuffixe (d. h. es haben sich beim pronomen casuselemente
erhalten, die außerdem nicht mer in anwendung sind) machen
eine gesonderte betrachtung der declination der pronominal-
stämme notwendig.

Durch besondere unregelmäßigkeiten (stamwechsel) unter-
scheiden sich die stämme der persönlichen ungeschlechtigen pro-
nomina. Wir scheiden also nominale und pronominale
declination
und declination des persönlichen, unge-
schlechtigen pronomens
.

Die casuselemente sind natürlich ursprünglich überall die
selben, da die beziehung des casus überall die selbe ist. Es
gibt nur eine einzige declination, die unterschide der declina-
tionsweise, die wir in der vor ligenden sprache bemerken, sind
gröstenteils erst später ein getreten, es sind die wirkungen
der bei verschidenen nominalstämmen verschidenen stammauß-
laute; beim pronomen tritt, wie gesagt, wechsel im stamme
selbst ein.

§. 244.
Von der genusbezeichnung.

Vom wesen des genus*) und vom verhältnis des genus zu
der bedeutung der worte zu handeln, ligt der functionslere ob.
Hier geht uns nur die lautliche bezeichnung des genus am
nomen an.

Das indogermanische kent bekantlich einen dreifachen ge-

*) Vgl. Aug. Schleicher, die genusbezeichnung im indogermani-
schen, Beitr. III, pg. 92; ferner Pott, Geschlecht (grammatisches) in Ersch
und Grubers encyclopädie, erste section LXII, pg. 393--460, wo man
die frühere litteratur an gefürt findet. Eine besonders wichtige erscheinung
auf indogermanischem sprachgebiete behandelt Jacob Grimm, von ver-
tretung männlicher durch weibliche namensformen, abh. der k. akad. der
wiß. zu Berlin, phil.-hist. classe 1858, pg. 33--88; auch in besonderem
abdrucke erschinen.
Genusbezeichnung.
§. 243.

Anders verhält es sich bei den pronominibus. Hier tritt
eine erweiterung des pronominalstammes vor gewissen casusele-
menten in den verschidenen sprachen unseres stammes in so
überein stimmender weise auf, daß sie auß der ursprache stam-
men muß. Diß und einzelne mer oder minder ab weichende
casussuffixe (d. h. es haben sich beim pronomen casuselemente
erhalten, die außerdem nicht mer in anwendung sind) machen
eine gesonderte betrachtung der declination der pronominal-
stämme notwendig.

Durch besondere unregelmäßigkeiten (stamwechsel) unter-
scheiden sich die stämme der persönlichen ungeschlechtigen pro-
nomina. Wir scheiden also nominale und pronominale
declination
und declination des persönlichen, unge-
schlechtigen pronomens
.

Die casuselemente sind natürlich ursprünglich überall die
selben, da die beziehung des casus überall die selbe ist. Es
gibt nur eine einzige declination, die unterschide der declina-
tionsweise, die wir in der vor ligenden sprache bemerken, sind
gröstenteils erst später ein getreten, es sind die wirkungen
der bei verschidenen nominalstämmen verschidenen stammauß-
laute; beim pronomen tritt, wie gesagt, wechsel im stamme
selbst ein.

§. 244.
Von der genusbezeichnung.

Vom wesen des genus*) und vom verhältnis des genus zu
der bedeutung der worte zu handeln, ligt der functionslere ob.
Hier geht uns nur die lautliche bezeichnung des genus am
nomen an.

Das indogermanische kent bekantlich einen dreifachen ge-

*) Vgl. Aug. Schleicher, die genusbezeichnung im indogermani-
schen, Beitr. III, pg. 92; ferner Pott, Geschlecht (grammatisches) in Ersch
und Grubers encyclopädie, erste section LXII, pg. 393—460, wo man
die frühere litteratur an gefürt findet. Eine besonders wichtige erscheinung
auf indogermanischem sprachgebiete behandelt Jacob Grimm, von ver-
tretung männlicher durch weibliche namensformen, abh. der k. akad. der
wiß. zu Berlin, phil.-hist. classe 1858, pg. 33—88; auch in besonderem
abdrucke erschinen.
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[416/0142] Genusbezeichnung. Anders verhält es sich bei den pronominibus. Hier tritt eine erweiterung des pronominalstammes vor gewissen casusele- menten in den verschidenen sprachen unseres stammes in so überein stimmender weise auf, daß sie auß der ursprache stam- men muß. Diß und einzelne mer oder minder ab weichende casussuffixe (d. h. es haben sich beim pronomen casuselemente erhalten, die außerdem nicht mer in anwendung sind) machen eine gesonderte betrachtung der declination der pronominal- stämme notwendig. Durch besondere unregelmäßigkeiten (stamwechsel) unter- scheiden sich die stämme der persönlichen ungeschlechtigen pro- nomina. Wir scheiden also nominale und pronominale declination und declination des persönlichen, unge- schlechtigen pronomens. Die casuselemente sind natürlich ursprünglich überall die selben, da die beziehung des casus überall die selbe ist. Es gibt nur eine einzige declination, die unterschide der declina- tionsweise, die wir in der vor ligenden sprache bemerken, sind gröstenteils erst später ein getreten, es sind die wirkungen der bei verschidenen nominalstämmen verschidenen stammauß- laute; beim pronomen tritt, wie gesagt, wechsel im stamme selbst ein. Von der genusbezeichnung. Vom wesen des genus *) und vom verhältnis des genus zu der bedeutung der worte zu handeln, ligt der functionslere ob. Hier geht uns nur die lautliche bezeichnung des genus am nomen an. Das indogermanische kent bekantlich einen dreifachen ge- *) Vgl. Aug. Schleicher, die genusbezeichnung im indogermani- schen, Beitr. III, pg. 92; ferner Pott, Geschlecht (grammatisches) in Ersch und Grubers encyclopädie, erste section LXII, pg. 393—460, wo man die frühere litteratur an gefürt findet. Eine besonders wichtige erscheinung auf indogermanischem sprachgebiete behandelt Jacob Grimm, von ver- tretung männlicher durch weibliche namensformen, abh. der k. akad. der wiß. zu Berlin, phil.-hist. classe 1858, pg. 33—88; auch in besonderem abdrucke erschinen.

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 416. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/142>, abgerufen am 26.04.2019.