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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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Verbalstämme.
§. 207.participien und infinitive; 3. die bildung des comparativs und des
superlativs; 4. die bildung der cardinal- und ordinalzalen. Lez-
teren abschnitt fügen wir bei, obschon er für die anschauung
vom bau der sprache von untergeordneter bedeutung ist, weil
das zalwort in anderer beziehung von hohem interesse ist. Wir
verlaßen daher auch in disem lezteren capitel die morphologi-
sche anordnung völlig, und halten uns außschließlich an die
function, indem wir die einzelnen zalen der reihe nach bespre-
chen, ab gesehen von irem lautlichen außdrucke.

1. Die bildung ab geleiteter verbalstämme.§. 208.
Von den ab geleiteten verbalstämmen im alge-
meinen
.
Anm. Die bildung der stämme der stamverba gehört eigentlich
hierher und nicht in die darstellung der wortbildung (conjuga-
tion), in welcher nur die lere von den personalendungen zu be-
handeln ist, da nur die lezteren diejenigen elemente sind, durch
welche die verbalstämme wirkliche sazglider, worte werden. Um
jedoch den stoff nicht in einer noch ungewönlichen weise zu
trennen, wodurch für den an das bisher übliche gewönten leser
der gebrauch dises buches erschwert würde, haben wir es vor
gezogen, die lere von den tempusstämmen und moduselementen
bei der wortbildung (conjugation) zu belaßen.

Diejenigen verba, deren tempusstämme außer der einfachen
oder reduplicierten wurzel, welche bei einem teile der verba
in gewißen tempusformen des indicativs one weiteren zusatz
als stamm erscheinen kann (z. b. as-ti 3. sing. praes., lat. es-t;
as
ist hier wurzel und zugleich praesensstamm), nur zur bil-
dung des praesensstammes dienende elemente aber keine in den
nicht praesensformen des verbi haftenden stambildungselemente
enthalten, gelten im algemeinen als stammverba; diejenigen
dagegen, welche constantere bildungselemente enthalten, die
nicht auf den praesensstamm beschränkt sind, als ab geleitete
verba. In der späteren lebensperiode der sprachen verwachsen
leicht die praesensstambildenden elemente so fest mit der ver-
balwurzel, daß sie auch in nichtpraesensformen bleiben, z. b.
ju-n-g-o, wurz. jug, n ist praesenszusatz, aber dennoch im per-

Verbalstämme.
§. 207.participien und infinitive; 3. die bildung des comparativs und des
superlativs; 4. die bildung der cardinal- und ordinalzalen. Lez-
teren abschnitt fügen wir bei, obschon er für die anschauung
vom bau der sprache von untergeordneter bedeutung ist, weil
das zalwort in anderer beziehung von hohem interesse ist. Wir
verlaßen daher auch in disem lezteren capitel die morphologi-
sche anordnung völlig, und halten uns außschließlich an die
function, indem wir die einzelnen zalen der reihe nach bespre-
chen, ab gesehen von irem lautlichen außdrucke.

1. Die bildung ab geleiteter verbalstämme.§. 208.
Von den ab geleiteten verbalstämmen im alge-
meinen
.
Anm. Die bildung der stämme der stamverba gehört eigentlich
hierher und nicht in die darstellung der wortbildung (conjuga-
tion), in welcher nur die lere von den personalendungen zu be-
handeln ist, da nur die lezteren diejenigen elemente sind, durch
welche die verbalstämme wirkliche sazglider, worte werden. Um
jedoch den stoff nicht in einer noch ungewönlichen weise zu
trennen, wodurch für den an das bisher übliche gewönten leser
der gebrauch dises buches erschwert würde, haben wir es vor
gezogen, die lere von den tempusstämmen und moduselementen
bei der wortbildung (conjugation) zu belaßen.

Diejenigen verba, deren tempusstämme außer der einfachen
oder reduplicierten wurzel, welche bei einem teile der verba
in gewißen tempusformen des indicativs one weiteren zusatz
als stamm erscheinen kann (z. b. as-ti 3. sing. praes., lat. es-t;
as
ist hier wurzel und zugleich praesensstamm), nur zur bil-
dung des praesensstammes dienende elemente aber keine in den
nicht praesensformen des verbi haftenden stambildungselemente
enthalten, gelten im algemeinen als stammverba; diejenigen
dagegen, welche constantere bildungselemente enthalten, die
nicht auf den praesensstamm beschränkt sind, als ab geleitete
verba. In der späteren lebensperiode der sprachen verwachsen
leicht die praesensstambildenden elemente so fest mit der ver-
balwurzel, daß sie auch in nichtpraesensformen bleiben, z. b.
ju-n-g-o, wurz. jug, n ist praesenszusatz, aber dennoch im per-

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[292/0018] Verbalstämme. participien und infinitive; 3. die bildung des comparativs und des superlativs; 4. die bildung der cardinal- und ordinalzalen. Lez- teren abschnitt fügen wir bei, obschon er für die anschauung vom bau der sprache von untergeordneter bedeutung ist, weil das zalwort in anderer beziehung von hohem interesse ist. Wir verlaßen daher auch in disem lezteren capitel die morphologi- sche anordnung völlig, und halten uns außschließlich an die function, indem wir die einzelnen zalen der reihe nach bespre- chen, ab gesehen von irem lautlichen außdrucke. §. 207. 1. Die bildung ab geleiteter verbalstämme. Von den ab geleiteten verbalstämmen im alge- meinen. Anm. Die bildung der stämme der stamverba gehört eigentlich hierher und nicht in die darstellung der wortbildung (conjuga- tion), in welcher nur die lere von den personalendungen zu be- handeln ist, da nur die lezteren diejenigen elemente sind, durch welche die verbalstämme wirkliche sazglider, worte werden. Um jedoch den stoff nicht in einer noch ungewönlichen weise zu trennen, wodurch für den an das bisher übliche gewönten leser der gebrauch dises buches erschwert würde, haben wir es vor gezogen, die lere von den tempusstämmen und moduselementen bei der wortbildung (conjugation) zu belaßen. Diejenigen verba, deren tempusstämme außer der einfachen oder reduplicierten wurzel, welche bei einem teile der verba in gewißen tempusformen des indicativs one weiteren zusatz als stamm erscheinen kann (z. b. as-ti 3. sing. praes., lat. es-t; as ist hier wurzel und zugleich praesensstamm), nur zur bil- dung des praesensstammes dienende elemente aber keine in den nicht praesensformen des verbi haftenden stambildungselemente enthalten, gelten im algemeinen als stammverba; diejenigen dagegen, welche constantere bildungselemente enthalten, die nicht auf den praesensstamm beschränkt sind, als ab geleitete verba. In der späteren lebensperiode der sprachen verwachsen leicht die praesensstambildenden elemente so fest mit der ver- balwurzel, daß sie auch in nichtpraesensformen bleiben, z. b. ju-n-g-o, wurz. jug, n ist praesenszusatz, aber dennoch im per-

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 292. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/18>, abgerufen am 20.04.2019.