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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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Verba. III. pers. dual. Medium.
ada-tam; optativ praesentis sja-tam, bhare-tam; imperativ§. 277.
bhara-tam u. s. f.

Altbaktr. primär -to und tho, d. i. -tas (vgl. Bopp, vgl.
Gr. II2, §. 465 anm., pag. 306 und Spiegel, Beitr. II, 34),
z. b. praes. vakhsaja-to, vom causalstamme vakhsaja, wurz.
vakhs (crescere); thwereca-to, wurzel thwerec (creare). Die se-
cundäre form ist nicht belegt.

Griech. gilt -ton (= ton der zweiten person) als primär,
z. b. praes. phere-ton, perfect. leloipa-ton; -ten, vgl. altind.
-tam, ist secundär, z. b. opt. praes. pheroi-ten, imperf. ephere-
ten; -ton
, von -ten nur durch den vocal geschiden, gilt für
den imperativ, z. b. phere-ton.

Ital. und Altir. felt.

Altbulg. Die ältere endung ist -te; später trat -ta, -te
ein, wie bei der zweiten pers. dualis, mit welcher also die dritte
lautlich zusammen fält.

Litauisch u. Gotisch felt. Die 3. dual. wird im lit., wie
die 3. plural., durch den singular ersezt. Im got. wird die 3.
dual. durch die 3. plur. ersezt.

Personalendungen des medium.§. 278.

Die personalendungen des medium entstunden ur-
sprüngl. (pg. 504) durch zwei mal an tretende pronominalwur-
zel. Das medium ist erhalten im altindischen, altbaktrischen,
altgriechischen und, in resten (im indic. und optat. praes., jedoch
nicht im dual, fast überall mit passiver function), im gotischen;
im italokeltischen wird es durch eine neubildung ersezt, welche
auch im slawolettischen, wenn auch weniger volkommen ent-
wickelt, vor ligt.

Der größere lautliche umfang der medialendungen, so wie
die neigung der sprachen zwei gleiche sich unmittelbar folgende
elemente zu beseitigen, haben bei den medialendungen noch
größere veränderungen ein treten laßen, als bei denen des ac-
tivs, so daß die erklärung der in den sprachen vor ligenden
endungen oft kaum möglich ist.

Wie das activ, so sondert auch das medium primäre und
secundäre endungen und ferner die des imperativs.

34*

Verba. III. pers. dual. Medium.
ádâ-tâm; optativ praesentis sjấ-tâm, bhárê-tâm; imperativ§. 277.
bhára-tâm u. s. f.

Altbaktr. primär -tô und thô, d. i. -tas (vgl. Bopp, vgl.
Gr. II2, §. 465 anm., pag. 306 und Spiegel, Beitr. II, 34),
z. b. praes. vakhśaja-tô, vom causalstamme vakhśaja, wurz.
vakhś (crescere); thwereça-tô, wurzel thwereç (creare). Die se-
cundäre form ist nicht belegt.

Griech. gilt -τον (= τον der zweiten person) als primär,
z. b. praes. φέρε-τον, perfect. λελοίπα-τον; -την, vgl. altind.
-tâm, ist secundär, z. b. opt. praes. φεροί-την, imperf. ἐφερέ-
την; -των
, von -την nur durch den vocal geschiden, gilt für
den imperativ, z. b. φερέ-των.

Ital. und Altir. felt.

Altbulg. Die ältere endung ist -te; später trat -ta, -tě
ein, wie bei der zweiten pers. dualis, mit welcher also die dritte
lautlich zusammen fält.

Litauisch u. Gotisch felt. Die 3. dual. wird im lit., wie
die 3. plural., durch den singular ersezt. Im got. wird die 3.
dual. durch die 3. plur. ersezt.

Personalendungen des medium.§. 278.

Die personalendungen des medium entstunden ur-
sprüngl. (pg. 504) durch zwei mal an tretende pronominalwur-
zel. Das medium ist erhalten im altindischen, altbaktrischen,
altgriechischen und, in resten (im indic. und optat. praes., jedoch
nicht im dual, fast überall mit passiver function), im gotischen;
im italokeltischen wird es durch eine neubildung ersezt, welche
auch im slawolettischen, wenn auch weniger volkommen ent-
wickelt, vor ligt.

Der größere lautliche umfang der medialendungen, so wie
die neigung der sprachen zwei gleiche sich unmittelbar folgende
elemente zu beseitigen, haben bei den medialendungen noch
größere veränderungen ein treten laßen, als bei denen des ac-
tivs, so daß die erklärung der in den sprachen vor ligenden
endungen oft kaum möglich ist.

Wie das activ, so sondert auch das medium primäre und
secundäre endungen und ferner die des imperativs.

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[527/0253] Verba. III. pers. dual. Medium. ádâ-tâm; optativ praesentis sjấ-tâm, bhárê-tâm; imperativ bhára-tâm u. s. f. §. 277. Altbaktr. primär -tô und thô, d. i. -tas (vgl. Bopp, vgl. Gr. II2, §. 465 anm., pag. 306 und Spiegel, Beitr. II, 34), z. b. praes. vakhśaja-tô, vom causalstamme vakhśaja, wurz. vakhś (crescere); thwereça-tô, wurzel thwereç (creare). Die se- cundäre form ist nicht belegt. Griech. gilt -τον (= τον der zweiten person) als primär, z. b. praes. φέρε-τον, perfect. λελοίπα-τον; -την, vgl. altind. -tâm, ist secundär, z. b. opt. praes. φεροί-την, imperf. ἐφερέ- την; -των, von -την nur durch den vocal geschiden, gilt für den imperativ, z. b. φερέ-των. Ital. und Altir. felt. Altbulg. Die ältere endung ist -te; später trat -ta, -tě ein, wie bei der zweiten pers. dualis, mit welcher also die dritte lautlich zusammen fält. Litauisch u. Gotisch felt. Die 3. dual. wird im lit., wie die 3. plural., durch den singular ersezt. Im got. wird die 3. dual. durch die 3. plur. ersezt. Personalendungen des medium. Die personalendungen des medium entstunden ur- sprüngl. (pg. 504) durch zwei mal an tretende pronominalwur- zel. Das medium ist erhalten im altindischen, altbaktrischen, altgriechischen und, in resten (im indic. und optat. praes., jedoch nicht im dual, fast überall mit passiver function), im gotischen; im italokeltischen wird es durch eine neubildung ersezt, welche auch im slawolettischen, wenn auch weniger volkommen ent- wickelt, vor ligt. Der größere lautliche umfang der medialendungen, so wie die neigung der sprachen zwei gleiche sich unmittelbar folgende elemente zu beseitigen, haben bei den medialendungen noch größere veränderungen ein treten laßen, als bei denen des ac- tivs, so daß die erklärung der in den sprachen vor ligenden endungen oft kaum möglich ist. Wie das activ, so sondert auch das medium primäre und secundäre endungen und ferner die des imperativs. 34*

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 527. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/253>, abgerufen am 23.04.2019.