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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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3. ber-i, grundf. babhar-ja-t
(§. 113, 4)
baira-i, grundf. bhara-i-t
(§. 203, 3, a)
plur. 1. ber-ei-m-a, grundf. babhar-
ja-mas
(§. 203, 3, b); dual.
ber-ei-v-a
baira-i-m-a, grundf. bhara-i-
mas,
dual. baira-i-v-a
2. ber-ei-th, grdf. babhar-ja-tas;
dualis ber-ei-ts
baira-i-th, grdf. bhara-i-tas
dual. baira-i-ts
3. ber-ei-n-a, grdf. babhar-ja-nt
(§. 203, 3, b)
baira-i-n-a, grdf. bhara-i-nt.
Anm. sijau, sijais, sijai u. s. f. ist gebildet wie von einem
praesensstamme sija; d. h. der optativstamm urspr. as-ja, dar-
auß got. *is-ija, sija, ist als a-stamm betrachtet und daran die
bei a-stämmen gebräuchliche optativendung getreten (in der 1. 2.
pers. plur., dual. indic. gilt ebenfals diß dem optativ entnommene
sij als stamm, z. b. sij-u-m u. s. f.).
Tempusstämme.
§. 291.

Perfectstamm. Als die indogermanische sprache noch
auf der ältesten stufe morphologischer form stund, war natür-
lich die wurzel zugleich wort, also auch tempusstamm. Auf
diser stufe besizt die sprache, um die beziehung der steige-
rung auß zu drücken, kein anderes mittel als die widerholung,
zunächst die verdoppelung der wurzel. So existierte demnach
z. b. neben einem vid auch ein vid vid. Die function der ver-
doppelung ist stäts im algemeinen die der steigerung, welche
aber ser verschidene, später gesonderte beziehungen umfaßt,
so z. b. die intensive und iterative beziehung, welche sich
später in den verbis intensivis entwickelte; dise beziehung ist
in den reduplicierten aoristen noch deutlich warnembar. Die
beziehung der dauer bezeichnet die wurzelverdoppelung in den
reduplicierten praesensstämmen; die der vollendeten handlung
im perfectum. Wir nemen also an auf grund der wirklich vor
ligenden formen des indogermanischen perfects, der gesetze des
sprachlebens überhaupt und der analogie der sprachen, die auf
älteren formstufen stehen gebliben sind, daß die älteste form
des perfectstammes auß der doppelt gesezten wurzel bestund,

3. bêr-i, grundf. babhâr-jâ-t
(§. 113, 4)
baíra-i, grundf. bhara-i-t
(§. 203, 3, a)
plur. 1. bêr-ei-m-a, grundf. babhâr-
jâ-mas
(§. 203, 3, b); dual.
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baíra-i-m-a, grundf. bhara-i-
mas,
dual. baíra-i-v-a
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dualis bêr-ei-ts
baíra-i-th, grdf. bhara-i-tas
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3. bêr-ei-n-a, grdf. babhâr-jâ-nt
(§. 203, 3, b)
baíra-i-n-a, grdf. bhara-i-nt.
Anm. sijau, sijais, sijai u. s. f. ist gebildet wie von einem
praesensstamme sija; d. h. der optativstamm urspr. as-jâ, dar-
auß got. *is-ija, sija, ist als a-stamm betrachtet und daran die
bei a-stämmen gebräuchliche optativendung getreten (in der 1. 2.
pers. plur., dual. indic. gilt ebenfals diß dem optativ entnommene
sij als stamm, z. b. sij-u-m u. s. f.).
Tempusstämme.
§. 291.

Perfectstamm. Als die indogermanische sprache noch
auf der ältesten stufe morphologischer form stund, war natür-
lich die wurzel zugleich wort, also auch tempusstamm. Auf
diser stufe besizt die sprache, um die beziehung der steige-
rung auß zu drücken, kein anderes mittel als die widerholung,
zunächst die verdoppelung der wurzel. So existierte demnach
z. b. neben einem vid auch ein vid vid. Die function der ver-
doppelung ist stäts im algemeinen die der steigerung, welche
aber ser verschidene, später gesonderte beziehungen umfaßt,
so z. b. die intensive und iterative beziehung, welche sich
später in den verbis intensivis entwickelte; dise beziehung ist
in den reduplicierten aoristen noch deutlich warnembar. Die
beziehung der dauer bezeichnet die wurzelverdoppelung in den
reduplicierten praesensstämmen; die der vollendeten handlung
im perfectum. Wir nemen also an auf grund der wirklich vor
ligenden formen des indogermanischen perfects, der gesetze des
sprachlebens überhaupt und der analogie der sprachen, die auf
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[552/0278] Perfectstamm. 3. bêr-i, grundf. babhâr-jâ-t (§. 113, 4) baíra-i, grundf. bhara-i-t (§. 203, 3, a) plur. 1. bêr-ei-m-a, grundf. babhâr- jâ-mas (§. 203, 3, b); dual. bêr-ei-v-a baíra-i-m-a, grundf. bhara-i- mas, dual. baíra-i-v-a 2. bêr-ei-th, grdf. babhâr-jâ-tas; dualis bêr-ei-ts baíra-i-th, grdf. bhara-i-tas dual. baíra-i-ts 3. bêr-ei-n-a, grdf. babhâr-jâ-nt (§. 203, 3, b) baíra-i-n-a, grdf. bhara-i-nt. Anm. sijau, sijais, sijai u. s. f. ist gebildet wie von einem praesensstamme sija; d. h. der optativstamm urspr. as-jâ, dar- auß got. *is-ija, sija, ist als a-stamm betrachtet und daran die bei a-stämmen gebräuchliche optativendung getreten (in der 1. 2. pers. plur., dual. indic. gilt ebenfals diß dem optativ entnommene sij als stamm, z. b. sij-u-m u. s. f.). Tempusstämme. Perfectstamm. Als die indogermanische sprache noch auf der ältesten stufe morphologischer form stund, war natür- lich die wurzel zugleich wort, also auch tempusstamm. Auf diser stufe besizt die sprache, um die beziehung der steige- rung auß zu drücken, kein anderes mittel als die widerholung, zunächst die verdoppelung der wurzel. So existierte demnach z. b. neben einem vid auch ein vid vid. Die function der ver- doppelung ist stäts im algemeinen die der steigerung, welche aber ser verschidene, später gesonderte beziehungen umfaßt, so z. b. die intensive und iterative beziehung, welche sich später in den verbis intensivis entwickelte; dise beziehung ist in den reduplicierten aoristen noch deutlich warnembar. Die beziehung der dauer bezeichnet die wurzelverdoppelung in den reduplicierten praesensstämmen; die der vollendeten handlung im perfectum. Wir nemen also an auf grund der wirklich vor ligenden formen des indogermanischen perfects, der gesetze des sprachlebens überhaupt und der analogie der sprachen, die auf älteren formstufen stehen gebliben sind, daß die älteste form des perfectstammes auß der doppelt gesezten wurzel bestund,

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 552. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/278>, abgerufen am 25.04.2019.