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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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Partic. act. auf -ant, -nt. Got.; Part. act. auf urspr. -vant.
§. 215.

Gotisch. Als participium wird der stamm stäts durch
-an, im femininum durch -jan, älter wol -jan, vermert, d. h. die
stämme auf -nda, -ndja werden nach art des bestimten adjectivs
(s. unten) zu n-stämmen; nur im nom. sg. msc. erscheint eine
form one dise vermerung durch n, die höchst warscheinlich auch
als stamm auf a, nicht als consonantisch auf zu faßen ist, z. b.
nom. sg. masc. bairands, d. i. *bira-nda-s, grundf. bhara-nta-s,
nicht bhara-nt-s, wurz. bar (ferre), praesensstamm baira für *bira
(§. 111, 1) auß urspr. bhara, aber acc. sg masc. bairandan,
grundf. bhara-ntan-am, loc. (dat.) bairandin, grundf. bhara-ntan-i,
nom. sg. fem. bairandei, d. i. bhara-ntjan-s, gen. bairandeins,
d. i. bhara-ntjan-as u. s. f.

Werden dise participien substantivisch gebraucht, so zeigen
sie noch deutlich den älteren, consonantisch schließenden stamm
in mereren casus, z. b. nom. sg. giba-nds (dator) von wurzel
gab, praesensstamm giba; bi-sita-nds (vicinus) von wurz. sat,
praesensstamm sita (sedere); hier faßen wir dise nominative als
echt consonantisch und setzen also -ant-s als grundform irer
endung an, da inen ein echt consonantischer locativ, z. b. (bi)-
sitand
= *sada-nt-i und nom. plur., z. b. sitands = *sada-nt-as
(§. 113) zur seite steht. In anderen casus folgen jedoch auch
dise stämme der analogie der a-stämme.

§. 216.
Das participium activi auf ursprüngl. -vant.

Durch die übereinstimmung von arisch, griechisch, slawisch
als der ursprache an gehörig bezeugt.

Das suffix vant tritt ursprünglich an die verdoppelte wur-
zel an und bildet so das participium perfecti activi. In diser
function als suffix des part. perf. act. zeigt es in den sprachen
nicht selten die unursprüngl. wandlung von t in s, die nach n
überhaupt leicht ein tritt.

Dises suffix scheint auß zwei elementen zusammen gesezt
zu sein, auß va und nt = ant (vgl. d. vor. paragr.), wie das
verwante suffix mant auß ma und (a)nt. Wie -ant, -mant,
-vant, so stehen im altindischen die suffixa -an, -man, -van;
-in
, -min, -vin neben einander. Wie überhaupt nicht selten

Partic. act. auf -ant, -nt. Got.; Part. act. auf urspr. -vant.
§. 215.

Gotisch. Als participium wird der stamm stäts durch
-an, im femininum durch -jan, älter wol -jân, vermert, d. h. die
stämme auf -nda, -ndja werden nach art des bestimten adjectivs
(s. unten) zu n-stämmen; nur im nom. sg. msc. erscheint eine
form one dise vermerung durch n, die höchst warscheinlich auch
als stamm auf a, nicht als consonantisch auf zu faßen ist, z. b.
nom. sg. masc. baírands, d. i. *bira-nda-s, grundf. bhara-nta-s,
nicht bhara-nt-s, wurz. bar (ferre), praesensstamm baíra für *bira
(§. 111, 1) auß urspr. bhara, aber acc. sg masc. baírandan,
grundf. bhara-ntan-am, loc. (dat.) baírandin, grundf. bhara-ntan-i,
nom. sg. fem. baírandei, d. i. bhara-ntjân-s, gen. baírandeins,
d. i. bhara-ntjân-as u. s. f.

Werden dise participien substantivisch gebraucht, so zeigen
sie noch deutlich den älteren, consonantisch schließenden stamm
in mereren casus, z. b. nom. sg. giba-nds (dator) von wurzel
gab, praesensstamm giba; bi-sita-nds (vicinus) von wurz. sat,
praesensstamm sita (sedere); hier faßen wir dise nominative als
echt consonantisch und setzen also -ant-s als grundform irer
endung an, da inen ein echt consonantischer locativ, z. b. (bi)-
sitand
= *sada-nt-i und nom. plur., z. b. sitands = *sada-nt-as
(§. 113) zur seite steht. In anderen casus folgen jedoch auch
dise stämme der analogie der a-stämme.

§. 216.
Das participium activi auf ursprüngl. -vant.

Durch die übereinstimmung von arisch, griechisch, slawisch
als der ursprache an gehörig bezeugt.

Das suffix vant tritt ursprünglich an die verdoppelte wur-
zel an und bildet so das participium perfecti activi. In diser
function als suffix des part. perf. act. zeigt es in den sprachen
nicht selten die unursprüngl. wandlung von t in s, die nach n
überhaupt leicht ein tritt.

Dises suffix scheint auß zwei elementen zusammen gesezt
zu sein, auß va und nt = ant (vgl. d. vor. paragr.), wie das
verwante suffix mant auß ma und (a)nt. Wie -ant, -mant,
-vant, so stehen im altindischen die suffixa -an, -man, -van;
-in
, -min, -vin neben einander. Wie überhaupt nicht selten

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[316/0042] Partic. act. auf -ant, -nt. Got.; Part. act. auf urspr. -vant. Gotisch. Als participium wird der stamm stäts durch -an, im femininum durch -jan, älter wol -jân, vermert, d. h. die stämme auf -nda, -ndja werden nach art des bestimten adjectivs (s. unten) zu n-stämmen; nur im nom. sg. msc. erscheint eine form one dise vermerung durch n, die höchst warscheinlich auch als stamm auf a, nicht als consonantisch auf zu faßen ist, z. b. nom. sg. masc. baírands, d. i. *bira-nda-s, grundf. bhara-nta-s, nicht bhara-nt-s, wurz. bar (ferre), praesensstamm baíra für *bira (§. 111, 1) auß urspr. bhara, aber acc. sg masc. baírandan, grundf. bhara-ntan-am, loc. (dat.) baírandin, grundf. bhara-ntan-i, nom. sg. fem. baírandei, d. i. bhara-ntjân-s, gen. baírandeins, d. i. bhara-ntjân-as u. s. f. Werden dise participien substantivisch gebraucht, so zeigen sie noch deutlich den älteren, consonantisch schließenden stamm in mereren casus, z. b. nom. sg. giba-nds (dator) von wurzel gab, praesensstamm giba; bi-sita-nds (vicinus) von wurz. sat, praesensstamm sita (sedere); hier faßen wir dise nominative als echt consonantisch und setzen also -ant-s als grundform irer endung an, da inen ein echt consonantischer locativ, z. b. (bi)- sitand = *sada-nt-i und nom. plur., z. b. sitands = *sada-nt-as (§. 113) zur seite steht. In anderen casus folgen jedoch auch dise stämme der analogie der a-stämme. Das participium activi auf ursprüngl. -vant. Durch die übereinstimmung von arisch, griechisch, slawisch als der ursprache an gehörig bezeugt. Das suffix vant tritt ursprünglich an die verdoppelte wur- zel an und bildet so das participium perfecti activi. In diser function als suffix des part. perf. act. zeigt es in den sprachen nicht selten die unursprüngl. wandlung von t in s, die nach n überhaupt leicht ein tritt. Dises suffix scheint auß zwei elementen zusammen gesezt zu sein, auß va und nt = ant (vgl. d. vor. paragr.), wie das verwante suffix mant auß ma und (a)nt. Wie -ant, -mant, -vant, so stehen im altindischen die suffixa -an, -man, -van; -in, -min, -vin neben einander. Wie überhaupt nicht selten

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 316. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/42>, abgerufen am 23.04.2019.