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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862.

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Primäres suffix -ja.
§. 221.grundf. ak-an ist, zeigt nom. plur. brothrahan-s (fratres), grundf.
also bhra-tar-ak-an-as, vgl. die weiterbildung des suffixes urspr.
-tar durch k im lateinischen und irischen; das an ak getretene
suffix an ist im gotischen ser belibt.

Suffix -tra, neutra bildend, findet sich in maur-thra, nom.
sg. maur-thr (homicidium), wurz. mar (mori); althd. bluos-tar,
got also blos-tr für *blot-tr (§. 202, 1, sacrificium), wurz. got.
blot, ahd. bluoß (got. blot-an, ahd. bluoß-an sacrificare); ahd.
hlah-tar (risus), wurz. hlah (hlah-en ridere); ahd. ruo-dar (re-
mus), wurz. ra = ar (vgl. ar-are, ar-oun u. s. f.) u. a.

Als secundäres suffix findet sich -tra z. b. in avi-stra (ntr.
ovile) mit vor geschlagenem s, wie nicht selten vor dem t ge-
rade dises suffixes, stamm *avi (ovis) u. a.

Ein hierher gehöriges femininum ist ne-thla (acus) mit l
für urspr. r von einer wurzel na (vgl. ahd. na-t sutura, na-jan
suere).

Weiterbildung des suffixes mittels ja zeigt stamm blos-trja,
nom. sing. blos-treis (guth-blostreis cultor dei), d. i. blos-trja-s
(§. 113, 4), wurz. blot (sacrificare), vgl. oben ahd. bluostar, got.
blostr.

§. 222.
Suffix -ja. Participium necessitatis des altindischen
auf -ja.

Wie die meisten stambildenden suffixa des indogermani-
schen in merfacher function erscheinen, so auch das häufig pri-
mär und secundär verwante suffix -ja (vgl. die pronominalwur-
zel ja mit relativer und demonstrativer function, z. b. nom.
sg. masc. altind. ja-s qui, lit. ji-s ille, is). In merfacher func-
tion gelten ja auch die stambildenden elemente der einfacher
organisierten sprachen; eben so auch die hilfswurzeln, welche
an die bedeutungslaute isolierender sprachen lose an treten.
Auß solchen hilfswurzeln sind eben die suffixa auch des indo-
germanischen erwachsen. Das suffix -ja ist der indogermani-
schen ursprache natürlich bereits eigen gewesen.

Im altindischen bildet diß suffix regelmäßig ein participium
necessitatis; von diser function des ja finden sich in den andern
indogermanischen sprachen nur spuren. Es ist eine häufige

Primäres suffix -ja.
§. 221.grundf. ak-an ist, zeigt nom. plur. brôthrahan-s (fratres), grundf.
also bhrâ-tar-ak-an-as, vgl. die weiterbildung des suffixes urspr.
-tar durch k im lateinischen und irischen; das an ak getretene
suffix an ist im gotischen ser belibt.

Suffix -tra, neutra bildend, findet sich in maúr-thra, nom.
sg. maúr-thr (homicidium), wurz. mar (mori); althd. bluos-tar,
got also blôs-tr für *blôt-tr (§. 202, 1, sacrificium), wurz. got.
blôt, ahd. bluoƷ (got. blôt-an, ahd. bluoƷ-an sacrificare); ahd.
hlah-tar (risus), wurz. hlah (hlah-ên ridere); ahd. ruo-dar (re-
mus), wurz. ra = ar (vgl. ar-are, ἀρ-οῦν u. s. f.) u. a.

Als secundäres suffix findet sich -tra z. b. in avi-stra (ntr.
ovile) mit vor geschlagenem s, wie nicht selten vor dem t ge-
rade dises suffixes, stamm *avi (ovis) u. a.

Ein hierher gehöriges femininum ist nê-thla (acus) mit l
für urspr. r von einer wurzel na (vgl. ahd. nâ-t sutura, nâ-jan
suere).

Weiterbildung des suffixes mittels ja zeigt stamm blôs-trja,
nom. sing. blôs-treis (guth-blôstreis cultor dei), d. i. blôs-trja-s
(§. 113, 4), wurz. blôt (sacrificare), vgl. oben ahd. bluostar, got.
blôstr.

§. 222.
Suffix -ja. Participium necessitatis des altindischen
auf -ja.

Wie die meisten stambildenden suffixa des indogermani-
schen in merfacher function erscheinen, so auch das häufig pri-
mär und secundär verwante suffix -ja (vgl. die pronominalwur-
zel ja mit relativer und demonstrativer function, z. b. nom.
sg. masc. altind. ja-s qui, lit. ji-s ille, is). In merfacher func-
tion gelten ja auch die stambildenden elemente der einfacher
organisierten sprachen; eben so auch die hilfswurzeln, welche
an die bedeutungslaute isolierender sprachen lose an treten.
Auß solchen hilfswurzeln sind eben die suffixa auch des indo-
germanischen erwachsen. Das suffix -ja ist der indogermani-
schen ursprache natürlich bereits eigen gewesen.

Im altindischen bildet diß suffix regelmäßig ein participium
necessitatis; von diser function des ja finden sich in den andern
indogermanischen sprachen nur spuren. Es ist eine häufige

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[344/0070] Primäres suffix -ja. grundf. ak-an ist, zeigt nom. plur. brôthrahan-s (fratres), grundf. also bhrâ-tar-ak-an-as, vgl. die weiterbildung des suffixes urspr. -tar durch k im lateinischen und irischen; das an ak getretene suffix an ist im gotischen ser belibt. §. 221. Suffix -tra, neutra bildend, findet sich in maúr-thra, nom. sg. maúr-thr (homicidium), wurz. mar (mori); althd. bluos-tar, got also blôs-tr für *blôt-tr (§. 202, 1, sacrificium), wurz. got. blôt, ahd. bluoƷ (got. blôt-an, ahd. bluoƷ-an sacrificare); ahd. hlah-tar (risus), wurz. hlah (hlah-ên ridere); ahd. ruo-dar (re- mus), wurz. ra = ar (vgl. ar-are, ἀρ-οῦν u. s. f.) u. a. Als secundäres suffix findet sich -tra z. b. in avi-stra (ntr. ovile) mit vor geschlagenem s, wie nicht selten vor dem t ge- rade dises suffixes, stamm *avi (ovis) u. a. Ein hierher gehöriges femininum ist nê-thla (acus) mit l für urspr. r von einer wurzel na (vgl. ahd. nâ-t sutura, nâ-jan suere). Weiterbildung des suffixes mittels ja zeigt stamm blôs-trja, nom. sing. blôs-treis (guth-blôstreis cultor dei), d. i. blôs-trja-s (§. 113, 4), wurz. blôt (sacrificare), vgl. oben ahd. bluostar, got. blôstr. Suffix -ja. Participium necessitatis des altindischen auf -ja. Wie die meisten stambildenden suffixa des indogermani- schen in merfacher function erscheinen, so auch das häufig pri- mär und secundär verwante suffix -ja (vgl. die pronominalwur- zel ja mit relativer und demonstrativer function, z. b. nom. sg. masc. altind. ja-s qui, lit. ji-s ille, is). In merfacher func- tion gelten ja auch die stambildenden elemente der einfacher organisierten sprachen; eben so auch die hilfswurzeln, welche an die bedeutungslaute isolierender sprachen lose an treten. Auß solchen hilfswurzeln sind eben die suffixa auch des indo- germanischen erwachsen. Das suffix -ja ist der indogermani- schen ursprache natürlich bereits eigen gewesen. Im altindischen bildet diß suffix regelmäßig ein participium necessitatis; von diser function des ja finden sich in den andern indogermanischen sprachen nur spuren. Es ist eine häufige

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 2. Weimar, 1862, S. 344. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische02_1862/70>, abgerufen am 22.04.2019.