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Schliemann, Heinrich: Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja. Leipzig, 1874.

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die ruinen von troja.
V.

Seit meinem Bericht vom 18. und 21. d. M. habe ich,
trotz des fortwährenden Regenwetters, noch drei Tage
gearbeitet; leider aber sehe ich mich jetzt gezwungen,
die Ausgrabungen für den Winter einzustellen, um sie
erst am 1. April 1872 wieder fortzusetzen. Es ist nicht
wahrscheinlich, dass hier der Winter vor Mitte Decem-
ber eintritt, und ich hätte, ungeachtet des Regens, gar
zu gern bis dahin fortgearbeitet, besonders da ich jetzt
ganz bestimmt glaube, schon in den Ruinen von Troja
zu sein. Seit vorgestern morgen nämlich finde ich auf
der ganzen Ausdehnung meiner Excavationen fast nichts
als grosse, theils behauene, theils unbehauene Steine,
und es kommen darunter gewaltige Blöcke vor. So
z. B. habe ich diesen Morgen mit 65 Arbeitern drei
Stunden lang daran gearbeitet, eine einzige Thürschwelle
mittels Taue und Rollen fortzuschaffen.

Die beiden grossen Seitenwege bin ich genöthigt
gewesen, schon bei 7 Meter Tiefe ganz aufzugeben, und
habe seitdem allen Schutt und alle kleinen Steine in
Körben und Schiebkarren durch den grossen Ausgangs-
kanal bringen und an dessen Ende auf Seitenwegen vom

die ruinen von troja.
V.

Seit meinem Bericht vom 18. und 21. d. M. habe ich,
trotz des fortwährenden Regenwetters, noch drei Tage
gearbeitet; leider aber sehe ich mich jetzt gezwungen,
die Ausgrabungen für den Winter einzustellen, um sie
erst am 1. April 1872 wieder fortzusetzen. Es ist nicht
wahrscheinlich, dass hier der Winter vor Mitte Decem-
ber eintritt, und ich hätte, ungeachtet des Regens, gar
zu gern bis dahin fortgearbeitet, besonders da ich jetzt
ganz bestimmt glaube, schon in den Ruinen von Troja
zu sein. Seit vorgestern morgen nämlich finde ich auf
der ganzen Ausdehnung meiner Excavationen fast nichts
als grosse, theils behauene, theils unbehauene Steine,
und es kommen darunter gewaltige Blöcke vor. So
z. B. habe ich diesen Morgen mit 65 Arbeitern drei
Stunden lang daran gearbeitet, eine einzige Thürschwelle
mittels Taue und Rollen fortzuschaffen.

Die beiden grossen Seitenwege bin ich genöthigt
gewesen, schon bei 7 Meter Tiefe ganz aufzugeben, und
habe seitdem allen Schutt und alle kleinen Steine in
Körben und Schiebkarren durch den grossen Ausgangs-
kanal bringen und an dessen Ende auf Seitenwegen vom

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[37/0103] die ruinen von troja. V. Auf dem Berge Hissarlik, 24. November 1871. Seit meinem Bericht vom 18. und 21. d. M. habe ich, trotz des fortwährenden Regenwetters, noch drei Tage gearbeitet; leider aber sehe ich mich jetzt gezwungen, die Ausgrabungen für den Winter einzustellen, um sie erst am 1. April 1872 wieder fortzusetzen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass hier der Winter vor Mitte Decem- ber eintritt, und ich hätte, ungeachtet des Regens, gar zu gern bis dahin fortgearbeitet, besonders da ich jetzt ganz bestimmt glaube, schon in den Ruinen von Troja zu sein. Seit vorgestern morgen nämlich finde ich auf der ganzen Ausdehnung meiner Excavationen fast nichts als grosse, theils behauene, theils unbehauene Steine, und es kommen darunter gewaltige Blöcke vor. So z. B. habe ich diesen Morgen mit 65 Arbeitern drei Stunden lang daran gearbeitet, eine einzige Thürschwelle mittels Taue und Rollen fortzuschaffen. Die beiden grossen Seitenwege bin ich genöthigt gewesen, schon bei 7 Meter Tiefe ganz aufzugeben, und habe seitdem allen Schutt und alle kleinen Steine in Körben und Schiebkarren durch den grossen Ausgangs- kanal bringen und an dessen Ende auf Seitenwegen vom

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Zitationshilfe: Schliemann, Heinrich: Trojanische Alterthümer. Bericht über die Ausgrabungen in Troja. Leipzig, 1874, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schliemann_trojanische_1874/103>, abgerufen am 20.03.2019.