Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 1. Chemnitz, 1705.

Bild:
<< vorherige Seite

Untersuchung/ derer von super-klugen
den lernen/ als wenn ihr ihme alle Tage etliche
Pfund Bettel-Brodt/ durch eine dumme Kin-
der-Wärterin einpfropffen ließt.

Das 14. Capitel.

Wenn man verreiset/ oder sonst um
ein oder anderer Verrichtung halber aus
dem Hauß gehet/ und vergisset etwas/ soll
man nicht wieder umkehren/ sondern soll
lieber das vergessene/ durch iemanden
anders nachbringen/ oder ho-
len lassen.

DIe Frage ist: Warum dieses geschehe?
Antwort: Es ist nicht gut/ und gehet ei-
nen auff dem Wege nicht wohl/ gehen
auch sonst alle vorhabende Verrichtungen hinter
sich. Dieses mag glauben wer da will/ ich glau-
be es nicht/ sondern sage vielmehr: Wer wieder
zurück gehet/ wenn er etwas vergessen hat/ der
führet seine Sache wohl aus/ und ist glücklicher
als ein anderer/ der nicht umkehret. Welches
aus vielen Exempeln zu erweisen wäre. Aber
nur eines einfältigen zu gedencken: Es gehet
ein Weib auff den Marckt/ ein und das andere
einzukauffen/ hat aber den Beutel oder das Geld
vergessen/ sie will aber nicht umkehren selbigen
zu holen/ sondern vermeinet/ wenn sie etwas an-
ständiges antreffe/ sey es Zeit genug/ die Magd

nach

Unterſuchung/ derer von ſuper-klugen
den lernen/ als wenn ihr ihme alle Tage etliche
Pfund Bettel-Brodt/ durch eine dumme Kin-
der-Waͤrterin einpfropffen ließt.

Das 14. Capitel.

Wenn man verreiſet/ oder ſonſt um
ein oder anderer Verrichtung halber aus
dem Hauß gehet/ und vergiſſet etwas/ ſoll
man nicht wieder umkehren/ ſondern ſoll
lieber das vergeſſene/ durch iemanden
anders nachbringen/ oder ho-
len laſſen.

DIe Frage iſt: Warum dieſes geſchehe?
Antwort: Es iſt nicht gut/ und gehet ei-
nen auff dem Wege nicht wohl/ gehen
auch ſonſt alle vorhabende Verrichtungen hinter
ſich. Dieſes mag glauben wer da will/ ich glau-
be es nicht/ ſondern ſage vielmehr: Wer wieder
zuruͤck gehet/ wenn er etwas vergeſſen hat/ der
fuͤhret ſeine Sache wohl aus/ und iſt gluͤcklicher
als ein anderer/ der nicht umkehret. Welches
aus vielen Exempeln zu erweiſen waͤre. Aber
nur eines einfaͤltigen zu gedencken: Es gehet
ein Weib auff den Marckt/ ein und das andere
einzukauffen/ hat aber den Beutel oder das Geld
vergeſſen/ ſie will aber nicht umkehren ſelbigen
zu holen/ ſondern vermeinet/ wenn ſie etwas an-
ſtaͤndiges antreffe/ ſey es Zeit genug/ die Magd

nach
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0052" n="30"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">Unter&#x017F;uchung/ derer von</hi><hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">&#x017F;uper-</hi></hi><hi rendition="#fr">klugen</hi></fw><lb/>
den lernen/ als wenn ihr ihme alle Tage etliche<lb/>
Pfund Bettel-Brodt/ durch eine dumme Kin-<lb/>
der-Wa&#x0364;rterin einpfropffen ließt.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Das 14. Capitel.</hi> </head><lb/>
        <argument>
          <p>Wenn man verrei&#x017F;et/ oder &#x017F;on&#x017F;t um<lb/>
ein oder anderer Verrichtung halber aus<lb/>
dem Hauß gehet/ und vergi&#x017F;&#x017F;et etwas/ &#x017F;oll<lb/>
man nicht wieder umkehren/ &#x017F;ondern &#x017F;oll<lb/><hi rendition="#c">lieber das verge&#x017F;&#x017F;ene/ durch iemanden<lb/>
anders nachbringen/ oder ho-<lb/>
len la&#x017F;&#x017F;en.</hi></p>
        </argument><lb/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>Ie Frage i&#x017F;t: Warum die&#x017F;es ge&#x017F;chehe?<lb/>
Antwort: Es i&#x017F;t nicht gut/ und gehet ei-<lb/>
nen auff dem Wege nicht wohl/ gehen<lb/>
auch &#x017F;on&#x017F;t alle vorhabende Verrichtungen hinter<lb/>
&#x017F;ich. Die&#x017F;es mag glauben wer da will/ ich glau-<lb/>
be es nicht/ &#x017F;ondern &#x017F;age vielmehr: Wer wieder<lb/>
zuru&#x0364;ck gehet/ wenn er etwas verge&#x017F;&#x017F;en hat/ der<lb/>
fu&#x0364;hret &#x017F;eine Sache wohl aus/ und i&#x017F;t glu&#x0364;cklicher<lb/>
als ein anderer/ der nicht umkehret. Welches<lb/>
aus vielen Exempeln zu erwei&#x017F;en wa&#x0364;re. Aber<lb/>
nur eines einfa&#x0364;ltigen zu gedencken: Es gehet<lb/>
ein Weib auff den Marckt/ ein und das andere<lb/>
einzukauffen/ hat aber den Beutel oder das Geld<lb/>
verge&#x017F;&#x017F;en/ &#x017F;ie will aber nicht umkehren &#x017F;elbigen<lb/>
zu holen/ &#x017F;ondern vermeinet/ wenn &#x017F;ie etwas an-<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;ndiges antreffe/ &#x017F;ey es Zeit genug/ die Magd<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">nach</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0052] Unterſuchung/ derer von ſuper-klugen den lernen/ als wenn ihr ihme alle Tage etliche Pfund Bettel-Brodt/ durch eine dumme Kin- der-Waͤrterin einpfropffen ließt. Das 14. Capitel. Wenn man verreiſet/ oder ſonſt um ein oder anderer Verrichtung halber aus dem Hauß gehet/ und vergiſſet etwas/ ſoll man nicht wieder umkehren/ ſondern ſoll lieber das vergeſſene/ durch iemanden anders nachbringen/ oder ho- len laſſen. DIe Frage iſt: Warum dieſes geſchehe? Antwort: Es iſt nicht gut/ und gehet ei- nen auff dem Wege nicht wohl/ gehen auch ſonſt alle vorhabende Verrichtungen hinter ſich. Dieſes mag glauben wer da will/ ich glau- be es nicht/ ſondern ſage vielmehr: Wer wieder zuruͤck gehet/ wenn er etwas vergeſſen hat/ der fuͤhret ſeine Sache wohl aus/ und iſt gluͤcklicher als ein anderer/ der nicht umkehret. Welches aus vielen Exempeln zu erweiſen waͤre. Aber nur eines einfaͤltigen zu gedencken: Es gehet ein Weib auff den Marckt/ ein und das andere einzukauffen/ hat aber den Beutel oder das Geld vergeſſen/ ſie will aber nicht umkehren ſelbigen zu holen/ ſondern vermeinet/ wenn ſie etwas an- ſtaͤndiges antreffe/ ſey es Zeit genug/ die Magd nach

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705/52
Zitationshilfe: Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 1. Chemnitz, 1705, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia01_1705/52>, abgerufen am 23.04.2019.