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Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Bd. 1. Leipzig, 1900.

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Die ältere und die jüngere deutsche historische Schule.
(Die Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter, 2 Bde., 1887) mit seinen
tüchtigen Schülern Grünberg, Fuchs, Wittich eine ganz neue, zuverlässige Erkenntnis
der deutschen Entwickelung in den letzten Jahrhunderten geschaffen und M. Sering (Innere
Kolonisation im östlichen Deutschland, 1893), M. Weber und andere haben die schwebenden
Agrarfragen der Gegenwart durchforscht und gefördert.

Nicht minder bedeutsam ist, was deutsche Gelehrte in den letzten dreißig Jahren
über andere Länder, besonders über England, wirtschaftsgeschichtlich geleistet haben.
Man könnte fast sagen, der Reichtum der englischen Archive, Blaubücher und Enqueten
sei in erster Linie durch deutsche Gelehrte aufgeschlossen worden, wozu freilich auch die
Socialisten beigetragen haben. Voran steht -- zugleich als der Führer einer ganzen
liberal-demokratisch socialpolitischen Schule -- Lujo Brentano; sein Werk über die
Arbeitergilden der Gegenwart (2 Bde., 1871) ist auch für die einschlägige englische
Gewerkvereinslitteratur der Ausgangspunkt geworden; die Schriften über das Arbeits-
verhältnis nach dem heutigen Recht (1877), die Arbeitsversicherung gemäß der heutigen
Wirtschaftsordnung (1879) schließen sich an sein Hauptwerk an. Mit seinen gesammelten
Aufsätzen (1, 1899), und einer Agrarpolitik (1, 1897) hat er das agrarische Gebiet betreten.
Sonst nenne ich: G. Schanz (Die englische Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters,
2 Bde., 1881), A. Held (Die neuere sociale Geschichte Englands, 1881), G. Cohn (Über
die englische Eisenbahnpolitik, 2 Bde., 1875), W. Hasbach (Über das englische Arbeiter-
versicherungswesen, 1883, und Die englischen Landarbeiter in den letzten 100 Jahren
und die Einhegungen, 1894). Als Kenner der französischen Volkswirtschaft hat sich
Lexis bewährt (Die französischen Ausfuhrprämien, 1870; Gewerkvereine und Unternehmer-
verbände in Frankreich, 1870), als solche der Vereinigten Staaten Sartorius von Walters-
hausen, Sering, Fuchs, v. Halle, Schumacher.

Auch die längst in England mit monographischer Specialuntersuchung bedachten
Gebiete der Preisgeschichte, des Geld-, Bank- und Börsenwesens fanden in Deutschland
ihre Specialforscher; die Untersuchungen J. v. Helferichs und Soetbeers, E. Nasses und
A. Wagners, Lexis' und Arendts, Cohns und Strucks stehen auf der Höhe der Wissen-
schaft und haben würdig vollendet, was einst J. G. Büsch begonnen.

Und die scheinbar den meisten deutschen Forschern entgegenstehenden österreichischen
Gelehrten, unter welchen C. Menger (Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, 1871) und
E. v. Böhm-Bawerk (Kapital und Kapitalzins, 2 Bde., 1884--89; Theorie des wirt-
schaftlichen Güterwerts, J. f. N. 2. F. 13, 1886) in erster Linie zu nennen sind, haben
zwar zunächst abstrakt deduktive Erörterungen und Begriffsanalysen im Anschluß an die
ältere Schule geben wollen, aber zugleich haben sie mit ihrer neuen Wertlehre, ähnlich
wie Jevons in England, gewisse psychologische Wert- und Marktvorgänge empirisch
schärfer erfaßt, das praktische Leben an bestimmten Punkten richtiger analysiert.

Das schon erwähnte Zusammenwirken zahlreicher Kräfte fand seinen Ausdruck in
verschiedener Form. Der Verein für Socialpolitik hat seit 1872 80--90 Bände Schriften
publiziert, meist Berichte und Gutachten verschiedener über denselben Gegenstand und
darunter musterhafte Sammlungen, wie z. B. die über das deutsche Handwerk, über das
Hausiergewerbe, die ländlichen Arbeiter. Andere Vereine, wie der Armenpflegerkongreß,
sind ebenso vorgegangen. An die statistischen Bureaus und an die staatswissenschaftlichen
Seminare der Universitäten haben sich eine ganze Reihe von Serien wissenschaftlicher
Publikationen angeknüpft, meist deskriptiver Art; darunter vortreffliche Schriften, wie
die Industrie- und Arbeiterschilderungen von Thun, Sering, Sax, Schnapper-Arndt,
Herkner, Francke. Die stattliche Reihe von Zeitschriften, welche staatswissenschaftlichen
Zwecken dienen (Schäffle, Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, seit 1844;
Hildebrand-Conrad, Jahrbücher für Statistik und Nationalökonomie, seit 1863; Schmoller,
Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reich, seit 1881
beziehungsweise seit 1872; H. Braun, Archiv für sociale Gesetzgebung und Statistik, seit 1888;
die österreichische Zeitschrift für Volkswirtschaft, Socialpolitik und Verwaltung, seit 1892;
Schanz, Finanzarchiv, seit 1884; Böhmert, Arbeiterfreund, seit 1859--62; Hirth, Annalen

Die ältere und die jüngere deutſche hiſtoriſche Schule.
(Die Bauernbefreiung und der Urſprung der Landarbeiter, 2 Bde., 1887) mit ſeinen
tüchtigen Schülern Grünberg, Fuchs, Wittich eine ganz neue, zuverläſſige Erkenntnis
der deutſchen Entwickelung in den letzten Jahrhunderten geſchaffen und M. Sering (Innere
Koloniſation im öſtlichen Deutſchland, 1893), M. Weber und andere haben die ſchwebenden
Agrarfragen der Gegenwart durchforſcht und gefördert.

Nicht minder bedeutſam iſt, was deutſche Gelehrte in den letzten dreißig Jahren
über andere Länder, beſonders über England, wirtſchaftsgeſchichtlich geleiſtet haben.
Man könnte faſt ſagen, der Reichtum der engliſchen Archive, Blaubücher und Enqueten
ſei in erſter Linie durch deutſche Gelehrte aufgeſchloſſen worden, wozu freilich auch die
Socialiſten beigetragen haben. Voran ſteht — zugleich als der Führer einer ganzen
liberal-demokratiſch ſocialpolitiſchen Schule — Lujo Brentano; ſein Werk über die
Arbeitergilden der Gegenwart (2 Bde., 1871) iſt auch für die einſchlägige engliſche
Gewerkvereinslitteratur der Ausgangspunkt geworden; die Schriften über das Arbeits-
verhältnis nach dem heutigen Recht (1877), die Arbeitsverſicherung gemäß der heutigen
Wirtſchaftsordnung (1879) ſchließen ſich an ſein Hauptwerk an. Mit ſeinen geſammelten
Aufſätzen (1, 1899), und einer Agrarpolitik (1, 1897) hat er das agrariſche Gebiet betreten.
Sonſt nenne ich: G. Schanz (Die engliſche Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters,
2 Bde., 1881), A. Held (Die neuere ſociale Geſchichte Englands, 1881), G. Cohn (Über
die engliſche Eiſenbahnpolitik, 2 Bde., 1875), W. Hasbach (Über das engliſche Arbeiter-
verſicherungsweſen, 1883, und Die engliſchen Landarbeiter in den letzten 100 Jahren
und die Einhegungen, 1894). Als Kenner der franzöſiſchen Volkswirtſchaft hat ſich
Lexis bewährt (Die franzöſiſchen Ausfuhrprämien, 1870; Gewerkvereine und Unternehmer-
verbände in Frankreich, 1870), als ſolche der Vereinigten Staaten Sartorius von Walters-
hauſen, Sering, Fuchs, v. Halle, Schumacher.

Auch die längſt in England mit monographiſcher Specialunterſuchung bedachten
Gebiete der Preisgeſchichte, des Geld-, Bank- und Börſenweſens fanden in Deutſchland
ihre Specialforſcher; die Unterſuchungen J. v. Helferichs und Soetbeers, E. Naſſes und
A. Wagners, Lexis’ und Arendts, Cohns und Strucks ſtehen auf der Höhe der Wiſſen-
ſchaft und haben würdig vollendet, was einſt J. G. Büſch begonnen.

Und die ſcheinbar den meiſten deutſchen Forſchern entgegenſtehenden öſterreichiſchen
Gelehrten, unter welchen C. Menger (Grundſätze der Volkswirtſchaftslehre, 1871) und
E. v. Böhm-Bawerk (Kapital und Kapitalzins, 2 Bde., 1884—89; Theorie des wirt-
ſchaftlichen Güterwerts, J. f. N. 2. F. 13, 1886) in erſter Linie zu nennen ſind, haben
zwar zunächſt abſtrakt deduktive Erörterungen und Begriffsanalyſen im Anſchluß an die
ältere Schule geben wollen, aber zugleich haben ſie mit ihrer neuen Wertlehre, ähnlich
wie Jevons in England, gewiſſe pſychologiſche Wert- und Marktvorgänge empiriſch
ſchärfer erfaßt, das praktiſche Leben an beſtimmten Punkten richtiger analyſiert.

Das ſchon erwähnte Zuſammenwirken zahlreicher Kräfte fand ſeinen Ausdruck in
verſchiedener Form. Der Verein für Socialpolitik hat ſeit 1872 80—90 Bände Schriften
publiziert, meiſt Berichte und Gutachten verſchiedener über denſelben Gegenſtand und
darunter muſterhafte Sammlungen, wie z. B. die über das deutſche Handwerk, über das
Hauſiergewerbe, die ländlichen Arbeiter. Andere Vereine, wie der Armenpflegerkongreß,
ſind ebenſo vorgegangen. An die ſtatiſtiſchen Bureaus und an die ſtaatswiſſenſchaftlichen
Seminare der Univerſitäten haben ſich eine ganze Reihe von Serien wiſſenſchaftlicher
Publikationen angeknüpft, meiſt deſkriptiver Art; darunter vortreffliche Schriften, wie
die Induſtrie- und Arbeiterſchilderungen von Thun, Sering, Sax, Schnapper-Arndt,
Herkner, Francke. Die ſtattliche Reihe von Zeitſchriften, welche ſtaatswiſſenſchaftlichen
Zwecken dienen (Schäffle, Zeitſchrift für die geſamte Staatswiſſenſchaft, ſeit 1844;
Hildebrand-Conrad, Jahrbücher für Statiſtik und Nationalökonomie, ſeit 1863; Schmoller,
Jahrbuch für Geſetzgebung, Verwaltung und Volkswirtſchaft im Deutſchen Reich, ſeit 1881
beziehungsweiſe ſeit 1872; H. Braun, Archiv für ſociale Geſetzgebung und Statiſtik, ſeit 1888;
die öſterreichiſche Zeitſchrift für Volkswirtſchaft, Socialpolitik und Verwaltung, ſeit 1892;
Schanz, Finanzarchiv, ſeit 1884; Böhmert, Arbeiterfreund, ſeit 1859—62; Hirth, Annalen

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[119/0135] Die ältere und die jüngere deutſche hiſtoriſche Schule. (Die Bauernbefreiung und der Urſprung der Landarbeiter, 2 Bde., 1887) mit ſeinen tüchtigen Schülern Grünberg, Fuchs, Wittich eine ganz neue, zuverläſſige Erkenntnis der deutſchen Entwickelung in den letzten Jahrhunderten geſchaffen und M. Sering (Innere Koloniſation im öſtlichen Deutſchland, 1893), M. Weber und andere haben die ſchwebenden Agrarfragen der Gegenwart durchforſcht und gefördert. Nicht minder bedeutſam iſt, was deutſche Gelehrte in den letzten dreißig Jahren über andere Länder, beſonders über England, wirtſchaftsgeſchichtlich geleiſtet haben. Man könnte faſt ſagen, der Reichtum der engliſchen Archive, Blaubücher und Enqueten ſei in erſter Linie durch deutſche Gelehrte aufgeſchloſſen worden, wozu freilich auch die Socialiſten beigetragen haben. Voran ſteht — zugleich als der Führer einer ganzen liberal-demokratiſch ſocialpolitiſchen Schule — Lujo Brentano; ſein Werk über die Arbeitergilden der Gegenwart (2 Bde., 1871) iſt auch für die einſchlägige engliſche Gewerkvereinslitteratur der Ausgangspunkt geworden; die Schriften über das Arbeits- verhältnis nach dem heutigen Recht (1877), die Arbeitsverſicherung gemäß der heutigen Wirtſchaftsordnung (1879) ſchließen ſich an ſein Hauptwerk an. Mit ſeinen geſammelten Aufſätzen (1, 1899), und einer Agrarpolitik (1, 1897) hat er das agrariſche Gebiet betreten. Sonſt nenne ich: G. Schanz (Die engliſche Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters, 2 Bde., 1881), A. Held (Die neuere ſociale Geſchichte Englands, 1881), G. Cohn (Über die engliſche Eiſenbahnpolitik, 2 Bde., 1875), W. Hasbach (Über das engliſche Arbeiter- verſicherungsweſen, 1883, und Die engliſchen Landarbeiter in den letzten 100 Jahren und die Einhegungen, 1894). Als Kenner der franzöſiſchen Volkswirtſchaft hat ſich Lexis bewährt (Die franzöſiſchen Ausfuhrprämien, 1870; Gewerkvereine und Unternehmer- verbände in Frankreich, 1870), als ſolche der Vereinigten Staaten Sartorius von Walters- hauſen, Sering, Fuchs, v. Halle, Schumacher. Auch die längſt in England mit monographiſcher Specialunterſuchung bedachten Gebiete der Preisgeſchichte, des Geld-, Bank- und Börſenweſens fanden in Deutſchland ihre Specialforſcher; die Unterſuchungen J. v. Helferichs und Soetbeers, E. Naſſes und A. Wagners, Lexis’ und Arendts, Cohns und Strucks ſtehen auf der Höhe der Wiſſen- ſchaft und haben würdig vollendet, was einſt J. G. Büſch begonnen. Und die ſcheinbar den meiſten deutſchen Forſchern entgegenſtehenden öſterreichiſchen Gelehrten, unter welchen C. Menger (Grundſätze der Volkswirtſchaftslehre, 1871) und E. v. Böhm-Bawerk (Kapital und Kapitalzins, 2 Bde., 1884—89; Theorie des wirt- ſchaftlichen Güterwerts, J. f. N. 2. F. 13, 1886) in erſter Linie zu nennen ſind, haben zwar zunächſt abſtrakt deduktive Erörterungen und Begriffsanalyſen im Anſchluß an die ältere Schule geben wollen, aber zugleich haben ſie mit ihrer neuen Wertlehre, ähnlich wie Jevons in England, gewiſſe pſychologiſche Wert- und Marktvorgänge empiriſch ſchärfer erfaßt, das praktiſche Leben an beſtimmten Punkten richtiger analyſiert. Das ſchon erwähnte Zuſammenwirken zahlreicher Kräfte fand ſeinen Ausdruck in verſchiedener Form. Der Verein für Socialpolitik hat ſeit 1872 80—90 Bände Schriften publiziert, meiſt Berichte und Gutachten verſchiedener über denſelben Gegenſtand und darunter muſterhafte Sammlungen, wie z. B. die über das deutſche Handwerk, über das Hauſiergewerbe, die ländlichen Arbeiter. Andere Vereine, wie der Armenpflegerkongreß, ſind ebenſo vorgegangen. An die ſtatiſtiſchen Bureaus und an die ſtaatswiſſenſchaftlichen Seminare der Univerſitäten haben ſich eine ganze Reihe von Serien wiſſenſchaftlicher Publikationen angeknüpft, meiſt deſkriptiver Art; darunter vortreffliche Schriften, wie die Induſtrie- und Arbeiterſchilderungen von Thun, Sering, Sax, Schnapper-Arndt, Herkner, Francke. Die ſtattliche Reihe von Zeitſchriften, welche ſtaatswiſſenſchaftlichen Zwecken dienen (Schäffle, Zeitſchrift für die geſamte Staatswiſſenſchaft, ſeit 1844; Hildebrand-Conrad, Jahrbücher für Statiſtik und Nationalökonomie, ſeit 1863; Schmoller, Jahrbuch für Geſetzgebung, Verwaltung und Volkswirtſchaft im Deutſchen Reich, ſeit 1881 beziehungsweiſe ſeit 1872; H. Braun, Archiv für ſociale Geſetzgebung und Statiſtik, ſeit 1888; die öſterreichiſche Zeitſchrift für Volkswirtſchaft, Socialpolitik und Verwaltung, ſeit 1892; Schanz, Finanzarchiv, ſeit 1884; Böhmert, Arbeiterfreund, ſeit 1859—62; Hirth, Annalen

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Zitationshilfe: Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Bd. 1. Leipzig, 1900, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schmoller_grundriss01_1900/135>, abgerufen am 16.12.2018.