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Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 2. Nordhausen, 1737.

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Wissen, einigen Umgang mit ihnen gehabt. Der
andere Feyertag verstrich auch zu meinem größten
Leidwesen, allein am dritten bekam ich früh mor-
gens von einem unbekannten Knaben folgende Zei-
len eingeliefert:

Monsieur,

Mein abgeschickter Freund hat mir eures
Wesens halber wahrhafften Bericht
abgestattet, ich erkenne daraus, daß ihr nur
noch sehr wenig Schritte von dem benebel-
ten güldenen Hause der himmlischen Weisheit
entfernet seyd, iedoch durch die allergeringste
Unbehutsamkeit, gar leichtlich in einen sol-
chen Jrr-Garten gerathen könnet, worinnen
ehe der Todt, als der gewünschte richtige
Rück-Weg zu finden ist. Mir ist nicht er-
laubt, euch weitere Nachricht zu geben als
diese: Erweget denjenigen Zweck sehr wohl,
wornach ihr so begierig zielet, und fraget euer
Gewissen ohne Heucheley, was geschehen
soll, wenn derselbe getroffen ist. Lasset euch
im übrigen meine und meines Freundes ge-
haltenen Reden nicht aus den Gedancken fal-
len. Jst eure Absicht ohne Tadel, so wird
euer Thun gelingen, wo nicht! so schlägt es
fehl. Jnzwischen habt ihr von eurem Wirth,
ein versiegeltes
Paquet abzufordern, worinnen
500. Stück
Ducaten sind, die euch nach Er-
fahrung dessen, daß ihr unterwegs von den
Räubern geplündert worden, zu einiger
Re-
creation
überreicht, und im Zweifel stehet, ob
er ferner mit euch handeln darff, dennoch

aber

Wiſſen, einigen Umgang mit ihnen gehabt. Der
andere Feyertag verſtrich auch zu meinem groͤßten
Leidweſen, allein am dritten bekam ich fruͤh mor-
gens von einem unbekannten Knaben folgende Zei-
len eingeliefert:

Monſieur,

Mein abgeſchickter Freund hat mir eures
Weſens halber wahrhafften Bericht
abgeſtattet, ich erkenne daraus, daß ihr nur
noch ſehr wenig Schritte von dem benebel-
ten guͤldenen Hauſe der himmliſchen Weisheit
entfernet ſeyd, iedoch durch die allergeringſte
Unbehutſamkeit, gar leichtlich in einen ſol-
chen Jrr-Garten gerathen koͤnnet, worinnen
ehe der Todt, als der gewuͤnſchte richtige
Ruͤck-Weg zu finden iſt. Mir iſt nicht er-
laubt, euch weitere Nachricht zu geben als
dieſe: Erweget denjenigen Zweck ſehr wohl,
wornach ihr ſo begierig zielet, und fraget euer
Gewiſſen ohne Heucheley, was geſchehen
ſoll, wenn derſelbe getroffen iſt. Laſſet euch
im uͤbrigen meine und meines Freundes ge-
haltenen Reden nicht aus den Gedancken fal-
len. Jſt eure Abſicht ohne Tadel, ſo wird
euer Thun gelingen, wo nicht! ſo ſchlaͤgt es
fehl. Jnzwiſchen habt ihr von eurem Wirth,
ein verſiegeltes
Paquet abzufordern, worinnen
500. Stuͤck
Ducaten ſind, die euch nach Er-
fahrung deſſen, daß ihr unterwegs von den
Raͤubern gepluͤndert worden, zu einiger
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creation
uͤberreicht, und im Zweifel ſtehet, ob
er ferner mit euch handeln darff, dennoch

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[306/0320] Wiſſen, einigen Umgang mit ihnen gehabt. Der andere Feyertag verſtrich auch zu meinem groͤßten Leidweſen, allein am dritten bekam ich fruͤh mor- gens von einem unbekannten Knaben folgende Zei- len eingeliefert: Monſieur, Mein abgeſchickter Freund hat mir eures Weſens halber wahrhafften Bericht abgeſtattet, ich erkenne daraus, daß ihr nur noch ſehr wenig Schritte von dem benebel- ten guͤldenen Hauſe der himmliſchen Weisheit entfernet ſeyd, iedoch durch die allergeringſte Unbehutſamkeit, gar leichtlich in einen ſol- chen Jrr-Garten gerathen koͤnnet, worinnen ehe der Todt, als der gewuͤnſchte richtige Ruͤck-Weg zu finden iſt. Mir iſt nicht er- laubt, euch weitere Nachricht zu geben als dieſe: Erweget denjenigen Zweck ſehr wohl, wornach ihr ſo begierig zielet, und fraget euer Gewiſſen ohne Heucheley, was geſchehen ſoll, wenn derſelbe getroffen iſt. Laſſet euch im uͤbrigen meine und meines Freundes ge- haltenen Reden nicht aus den Gedancken fal- len. Jſt eure Abſicht ohne Tadel, ſo wird euer Thun gelingen, wo nicht! ſo ſchlaͤgt es fehl. Jnzwiſchen habt ihr von eurem Wirth, ein verſiegeltes Paquet abzufordern, worinnen 500. Stuͤck Ducaten ſind, die euch nach Er- fahrung deſſen, daß ihr unterwegs von den Raͤubern gepluͤndert worden, zu einiger Re- creation uͤberreicht, und im Zweifel ſtehet, ob er ferner mit euch handeln darff, dennoch aber

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Zitationshilfe: Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 2. Nordhausen, 1737, S. 306. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata02_1737/320>, abgerufen am 15.10.2019.