Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schottel, Justus Georg: Grausame Beschreibung und Vorstellung Der Hölle Und der Höllischen Qwal . Wolfenbüttel, 1676.

Bild:
<< vorherige Seite
der Hölle und Höllischen Zustandes.
V.
WAn ein Schiff in grossem Sturm' an der
Klipp zu trümmern gehet/
Einer schaut diß ohn Gefahr/ der am Ufer sicher
stehet/
Dem kommt zwar ein Grauen an/ freut sich zwar/
doch hütet sich;
Schaustu hier die Höllenglut/ freu dich auch/
doch hute dich.


Wann ein Schiff in grossem Sturm etc.)
Wann einer am Ufer/ würde bey grossem Sturm und in
dem erzörnten Meere/ ein daher fliegendes schwankendes
Schiff auf einen heraußragenden Felsen Mastloß sehen
antreiben/ Ruffen und Geschricht der Fahrenden höret[e]
man/ ihr Winken und Flehen üm Hülffe sehe man/ so
würde dennoch keine Menschliche Errettung bei solchem
Zustande verhanden seyn/ sondern man würde das/ an
den Felß sich zerschmetternde Schiff/ zertrümmert/ dahin
sinken und alle Menschen daselbst mit untergehen sehen/
darüber nicht unbillig sich entsetzen/ und nicht ohn Mit-
leiden/ doch dabei zugleich erfreut seyn/ daß man ausser der
Gefahr sich am Ufer befinde/ und zugleich gedenken/ sich
für den gefährlichen Klippen Ort bei Sturmszeiten hin-
füro wol zu hüten.

Ein Schrekken voller Lust und angenehmes Grausen/
Wenn man die wilde See in voller Wüt' und Brausen
Von fernen überschaut/ wenn man kan sicher sehen
Ohn selbsten-Untergang/ die andern untergehen.

Schaustu hier die Höllenglut/ freu dich auch/
doch hüte dich
) Was die Höllenglut seyn werde/ zei-
get uns GOttes Wort gnugsam/ und wird der Leser in

die-
B ij
der Hoͤlle und Hoͤlliſchen Zuſtandes.
V.
WAn ein Schiff in groſſem Sturm’ an der
Klipp zu truͤmmern gehet/
Einer ſchaut diß ohn Gefahr/ der am Ufer ſicher
ſtehet/
Dem kom̃t zwar ein Grauen an/ freut ſich zwar/
doch huͤtet ſich;
Schauſtu hier die Hoͤllenglut/ freu dich auch/
doch hůte dich.


Wann ein Schiff in groſſem Sturm ꝛc.)
Wann einer am Ufer/ wuͤrde bey groſſem Sturm und in
dem erzoͤrnten Meere/ ein daher fliegendes ſchwankendes
Schiff auf einen heraußragenden Felſen Maſtloß ſehen
antreiben/ Ruffen und Geſchricht der Fahrenden hoͤret[e]
man/ ihr Winken und Flehen uͤm Huͤlffe ſehe man/ ſo
wuͤrde dennoch keine Menſchliche Errettung bei ſolchem
Zuſtande verhanden ſeyn/ ſondern man wuͤrde das/ an
den Felß ſich zerſchmetternde Schiff/ zertruͤmmert/ dahin
ſinken und alle Menſchen daſelbſt mit untergehen ſehen/
daruͤber nicht unbillig ſich entſetzen/ und nicht ohn Mit-
leiden/ doch dabei zugleich erfreut ſeyn/ daß man auſſer der
Gefahr ſich am Ufer befinde/ und zugleich gedenken/ ſich
fuͤr den gefaͤhrlichen Klippen Ort bei Sturmszeiten hin-
fuͤro wol zu huͤten.

Ein Schrekken voller Luſt und angenehmes Grauſen/
Wenn man die wilde See in voller Wuͤt’ und Brauſen
Von fernen uͤberſchaut/ wenn man kan ſicher ſehen
Ohn ſelbſten-Untergang/ die andern untergehen.

Schauſtu hier die Hoͤllenglut/ freu dich auch/
doch huͤte dich
) Was die Hoͤllenglut ſeyn werde/ zei-
get uns GOttes Wort gnugſam/ und wird der Leſer in

die-
B ij
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0087" n="19"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">der Ho&#x0364;lle und Ho&#x0364;lli&#x017F;chen Zu&#x017F;tandes.</hi> </fw><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#aq">V.</hi> </head><lb/>
        <lg type="poem">
          <l><hi rendition="#in">W</hi>An ein Schiff in gro&#x017F;&#x017F;em Sturm&#x2019; an der</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Klipp zu tru&#x0364;mmern gehet/</hi> </l><lb/>
          <l>Einer &#x017F;chaut diß ohn Gefahr/ der am Ufer &#x017F;icher</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">&#x017F;tehet/</hi> </l><lb/>
          <l>Dem kom&#x0303;t zwar ein Grauen an/ freut &#x017F;ich zwar/</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">doch hu&#x0364;tet &#x017F;ich;</hi> </l><lb/>
          <l>Schau&#x017F;tu hier die Ho&#x0364;llenglut/ <hi rendition="#fr">freu</hi> dich auch/</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">doch <hi rendition="#fr">h&#x016F;te</hi> dich.</hi> </l>
        </lg><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p><hi rendition="#fr">Wann ein Schiff in gro&#x017F;&#x017F;em Sturm &#xA75B;c.</hi>)<lb/>
Wann einer am Ufer/ wu&#x0364;rde bey gro&#x017F;&#x017F;em Sturm und in<lb/>
dem erzo&#x0364;rnten Meere/ ein daher fliegendes &#x017F;chwankendes<lb/>
Schiff auf einen heraußragenden Fel&#x017F;en Ma&#x017F;tloß &#x017F;ehen<lb/>
antreiben/ Ruffen und Ge&#x017F;chricht der Fahrenden ho&#x0364;ret<supplied>e</supplied><lb/>
man/ ihr Winken und Flehen u&#x0364;m Hu&#x0364;lffe &#x017F;ehe man/ &#x017F;o<lb/>
wu&#x0364;rde dennoch keine Men&#x017F;chliche Errettung bei &#x017F;olchem<lb/>
Zu&#x017F;tande verhanden &#x017F;eyn/ &#x017F;ondern man wu&#x0364;rde das/ an<lb/>
den Felß &#x017F;ich zer&#x017F;chmetternde Schiff/ zertru&#x0364;mmert/ dahin<lb/>
&#x017F;inken und alle Men&#x017F;chen da&#x017F;elb&#x017F;t mit untergehen &#x017F;ehen/<lb/>
daru&#x0364;ber nicht unbillig &#x017F;ich ent&#x017F;etzen/ und nicht ohn Mit-<lb/>
leiden/ doch dabei zugleich erfreut &#x017F;eyn/ daß man au&#x017F;&#x017F;er der<lb/>
Gefahr &#x017F;ich am Ufer befinde/ und zugleich gedenken/ &#x017F;ich<lb/>
fu&#x0364;r den gefa&#x0364;hrlichen Klippen Ort bei Sturmszeiten hin-<lb/>
fu&#x0364;ro wol zu hu&#x0364;ten.</p><lb/>
        <lg type="poem">
          <l>Ein Schrekken voller Lu&#x017F;t und angenehmes Grau&#x017F;en/</l><lb/>
          <l>Wenn man die wilde See in voller Wu&#x0364;t&#x2019; und Brau&#x017F;en</l><lb/>
          <l>Von fernen u&#x0364;ber&#x017F;chaut/ wenn man kan &#x017F;icher &#x017F;ehen</l><lb/>
          <l>Ohn &#x017F;elb&#x017F;ten-Untergang/ die andern untergehen.</l>
        </lg><lb/>
        <p><hi rendition="#fr">Schau&#x017F;tu hier die Ho&#x0364;llenglut/ freu dich auch/<lb/>
doch hu&#x0364;te dich</hi>) Was die Ho&#x0364;llenglut &#x017F;eyn werde/ zei-<lb/>
get uns GOttes Wort gnug&#x017F;am/ und wird der Le&#x017F;er in<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">B ij</fw><fw place="bottom" type="catch">die-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[19/0087] der Hoͤlle und Hoͤlliſchen Zuſtandes. V. WAn ein Schiff in groſſem Sturm’ an der Klipp zu truͤmmern gehet/ Einer ſchaut diß ohn Gefahr/ der am Ufer ſicher ſtehet/ Dem kom̃t zwar ein Grauen an/ freut ſich zwar/ doch huͤtet ſich; Schauſtu hier die Hoͤllenglut/ freu dich auch/ doch hůte dich. Wann ein Schiff in groſſem Sturm ꝛc.) Wann einer am Ufer/ wuͤrde bey groſſem Sturm und in dem erzoͤrnten Meere/ ein daher fliegendes ſchwankendes Schiff auf einen heraußragenden Felſen Maſtloß ſehen antreiben/ Ruffen und Geſchricht der Fahrenden hoͤrete man/ ihr Winken und Flehen uͤm Huͤlffe ſehe man/ ſo wuͤrde dennoch keine Menſchliche Errettung bei ſolchem Zuſtande verhanden ſeyn/ ſondern man wuͤrde das/ an den Felß ſich zerſchmetternde Schiff/ zertruͤmmert/ dahin ſinken und alle Menſchen daſelbſt mit untergehen ſehen/ daruͤber nicht unbillig ſich entſetzen/ und nicht ohn Mit- leiden/ doch dabei zugleich erfreut ſeyn/ daß man auſſer der Gefahr ſich am Ufer befinde/ und zugleich gedenken/ ſich fuͤr den gefaͤhrlichen Klippen Ort bei Sturmszeiten hin- fuͤro wol zu huͤten. Ein Schrekken voller Luſt und angenehmes Grauſen/ Wenn man die wilde See in voller Wuͤt’ und Brauſen Von fernen uͤberſchaut/ wenn man kan ſicher ſehen Ohn ſelbſten-Untergang/ die andern untergehen. Schauſtu hier die Hoͤllenglut/ freu dich auch/ doch huͤte dich) Was die Hoͤllenglut ſeyn werde/ zei- get uns GOttes Wort gnugſam/ und wird der Leſer in die- B ij

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schottel_hoelle_1676
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schottel_hoelle_1676/87
Zitationshilfe: Schottel, Justus Georg: Grausame Beschreibung und Vorstellung Der Hölle Und der Höllischen Qwal . Wolfenbüttel, 1676, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schottel_hoelle_1676/87>, abgerufen am 13.10.2019.