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Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839.

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so muss die starke Entwicklung einer festen Intercellular-
substanz in diesen Fällen mit zu Hülfe genommen werden,
eine Eigenthümlichkeit, die sonst nirgendwo vorkommt.

Von den hierher gehörigen Geweben haben wir die
Knorpel und Knochen schon oben betrachtet. Allein theils
um Behufs einer Zurückführung der Zähne auf die Kno-
chen die Struktur der letzteren wieder ins Gedächtniss
zurückzurufen, theils um einige seitdem gemachte Beob-
achtungen daran zu knüpfen, sei es mir erlaubt, in der
Kürze die Hauptsache über die Knorpel und Knochen zu
wiederholen. Die früheren Beobachtungen wurden schon
im Februar niedergeschrieben, wo ich nur wenige und nur
erwachsene Froschlarven hatte, und auch Säugethierfötus
selten waren. Es ist daher Manches nachzutragen, was
früher zweifelhaft bleiben musste.

1) Knorpel und Knochen.

Die Struktur der Knorpel ist überall wesentlich dieselbe.
Sie bestehen aus Elementarzellen mit dazwischen liegender
Intercellularsubstanz. Letztere ist entweder in so gerin-
ger Quantität vorhanden, dass sich die Zellenwände an
den meisten Stellen unmittelbar berühren und desshalb zu
einer polyedrischen Form gegen einander abplatten, z. B.
bei den Kiemenknorpeln der Fische, oder sie ist in grö-
sserer Quantität vorhanden, so dass die Zellen darin zer-
streut erscheinen, wie in dem Fucusgewebe. Das Wachs-
thum der Knorpel geschieht theils durch Entwicklung der
vorhandenen Zellen, theils durch Bildung neuer Zellen.
Die Entwicklung der vorhandenen Zellen besteht in einer
Ausdehnung derselben, einer Verdickung ihrer Wände, Um-
wandlung ihres Inhaltes, und oft ist damit auch Vermeh-
rung der Intercellularsubstanz verbunden. Diese Processe
scheinen in der ganzen Dicke des Knorpels vor sich ge-
hen zu können. Anders verhält es sich mit der Entste-
hung neuer Zellen. Diese geschieht nur an gewissen Stel-
len, nämlich an der Oberfläche des Knorpels oder zwi-

so muſs die starke Entwicklung einer festen Intercellular-
substanz in diesen Fällen mit zu Hülfe genommen werden,
eine Eigenthümlichkeit, die sonst nirgendwo vorkommt.

Von den hierher gehörigen Geweben haben wir die
Knorpel und Knochen schon oben betrachtet. Allein theils
um Behufs einer Zurückführung der Zähne auf die Kno-
chen die Struktur der letzteren wieder ins Gedächtniſs
zurückzurufen, theils um einige seitdem gemachte Beob-
achtungen daran zu knüpfen, sei es mir erlaubt, in der
Kürze die Hauptsache über die Knorpel und Knochen zu
wiederholen. Die früheren Beobachtungen wurden schon
im Februar niedergeschrieben, wo ich nur wenige und nur
erwachsene Froschlarven hatte, und auch Säugethierfötus
selten waren. Es ist daher Manches nachzutragen, was
früher zweifelhaft bleiben muſste.

1) Knorpel und Knochen.

Die Struktur der Knorpel ist überall wesentlich dieselbe.
Sie bestehen aus Elementarzellen mit dazwischen liegender
Intercellularsubstanz. Letztere ist entweder in so gerin-
ger Quantität vorhanden, daſs sich die Zellenwände an
den meisten Stellen unmittelbar berühren und deſshalb zu
einer polyedrischen Form gegen einander abplatten, z. B.
bei den Kiemenknorpeln der Fische, oder sie ist in grö-
ſserer Quantität vorhanden, so daſs die Zellen darin zer-
streut erscheinen, wie in dem Fucusgewebe. Das Wachs-
thum der Knorpel geschieht theils durch Entwicklung der
vorhandenen Zellen, theils durch Bildung neuer Zellen.
Die Entwicklung der vorhandenen Zellen besteht in einer
Ausdehnung derselben, einer Verdickung ihrer Wände, Um-
wandlung ihres Inhaltes, und oft ist damit auch Vermeh-
rung der Intercellularsubstanz verbunden. Diese Processe
scheinen in der ganzen Dicke des Knorpels vor sich ge-
hen zu können. Anders verhält es sich mit der Entste-
hung neuer Zellen. Diese geschieht nur an gewissen Stel-
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[111/0135] so muſs die starke Entwicklung einer festen Intercellular- substanz in diesen Fällen mit zu Hülfe genommen werden, eine Eigenthümlichkeit, die sonst nirgendwo vorkommt. Von den hierher gehörigen Geweben haben wir die Knorpel und Knochen schon oben betrachtet. Allein theils um Behufs einer Zurückführung der Zähne auf die Kno- chen die Struktur der letzteren wieder ins Gedächtniſs zurückzurufen, theils um einige seitdem gemachte Beob- achtungen daran zu knüpfen, sei es mir erlaubt, in der Kürze die Hauptsache über die Knorpel und Knochen zu wiederholen. Die früheren Beobachtungen wurden schon im Februar niedergeschrieben, wo ich nur wenige und nur erwachsene Froschlarven hatte, und auch Säugethierfötus selten waren. Es ist daher Manches nachzutragen, was früher zweifelhaft bleiben muſste. 1) Knorpel und Knochen. Die Struktur der Knorpel ist überall wesentlich dieselbe. Sie bestehen aus Elementarzellen mit dazwischen liegender Intercellularsubstanz. Letztere ist entweder in so gerin- ger Quantität vorhanden, daſs sich die Zellenwände an den meisten Stellen unmittelbar berühren und deſshalb zu einer polyedrischen Form gegen einander abplatten, z. B. bei den Kiemenknorpeln der Fische, oder sie ist in grö- ſserer Quantität vorhanden, so daſs die Zellen darin zer- streut erscheinen, wie in dem Fucusgewebe. Das Wachs- thum der Knorpel geschieht theils durch Entwicklung der vorhandenen Zellen, theils durch Bildung neuer Zellen. Die Entwicklung der vorhandenen Zellen besteht in einer Ausdehnung derselben, einer Verdickung ihrer Wände, Um- wandlung ihres Inhaltes, und oft ist damit auch Vermeh- rung der Intercellularsubstanz verbunden. Diese Processe scheinen in der ganzen Dicke des Knorpels vor sich ge- hen zu können. Anders verhält es sich mit der Entste- hung neuer Zellen. Diese geschieht nur an gewissen Stel- len, nämlich an der Oberfläche des Knorpels oder zwi-

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Zitationshilfe: Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwann_mikroskopische_1839/135>, abgerufen am 20.03.2019.