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Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839.

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I. Abschnitt.
Ueber die Structur und das Wachsthum der
Chorda dorsalis und der Knorpel.

1. Chorda dorsalis.

Die Chorda dorsalis liegt bei den Froschlarven, wie bei
den Fischen in oder bei einigen unter den Körpern der
Wirbel und setzt sich hinter dem Steissbein in der ganzen
Länge des Schwanzes fort. Sie ist von einer festen Scheide
umschlossen und bildet einen spindelförmigen konsistent
gallertartigen durchscheinenden Strang, der am Anfange
des Schwanzes am dicksten ist und von da nach beiden
Seiten bis zum Schädel und zur Schwanzspitze allmählig
sich verschmälert. An dem frisch getödteten Thiere lässt
sie sich nicht gut im Zusammenhange lostrennen, wohl
aber lassen sich dann am besten feine Querschnitte der-
selben erhalten. Lässt man das Thier 24 Stunden oder
länger nach seinem Tode in Wasser liegen und schneidet
dann den Schwanz an seiner Ursprungstelle durch, so
kann man die Chorda dorsalis durch leises Streichen von
der Schwanzspitze oder vom Kopfe gegen die Wunde hin
ohne Schwierigkeit ganz herausdrücken. Da diess nicht
gelingt, wenn man das Thier ebensolange nach seinem
Tode ausser Wasser liegen lässt, so scheint die leichtere
Trennbarkeit der Chorda dorsalis bloss auf einem Eindrin-
gen des Wassers zwischen sie und ihre Scheide, die festere
Verbindung derselben aber im frischen Zustande nur auf
einer innigern Berührung, einer Einkeilung der Chorda dor-


I. Abschnitt.
Ueber die Structur und das Wachsthum der
Chorda dorsalis und der Knorpel.

1. Chorda dorsalis.

Die Chorda dorsalis liegt bei den Froschlarven, wie bei
den Fischen in oder bei einigen unter den Körpern der
Wirbel und setzt sich hinter dem Steiſsbein in der ganzen
Länge des Schwanzes fort. Sie ist von einer festen Scheide
umschlossen und bildet einen spindelförmigen konsistent
gallertartigen durchscheinenden Strang, der am Anfange
des Schwanzes am dicksten ist und von da nach beiden
Seiten bis zum Schädel und zur Schwanzspitze allmählig
sich verschmälert. An dem frisch getödteten Thiere läſst
sie sich nicht gut im Zusammenhange lostrennen, wohl
aber lassen sich dann am besten feine Querschnitte der-
selben erhalten. Läſst man das Thier 24 Stunden oder
länger nach seinem Tode in Wasser liegen und schneidet
dann den Schwanz an seiner Ursprungstelle durch, so
kann man die Chorda dorsalis durch leises Streichen von
der Schwanzspitze oder vom Kopfe gegen die Wunde hin
ohne Schwierigkeit ganz herausdrücken. Da dieſs nicht
gelingt, wenn man das Thier ebensolange nach seinem
Tode auſser Wasser liegen läſst, so scheint die leichtere
Trennbarkeit der Chorda dorsalis bloſs auf einem Eindrin-
gen des Wassers zwischen sie und ihre Scheide, die festere
Verbindung derselben aber im frischen Zustande nur auf
einer innigern Berührung, einer Einkeilung der Chorda dor-

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[[11]/0035] I. Abschnitt. Ueber die Structur und das Wachsthum der Chorda dorsalis und der Knorpel. 1. Chorda dorsalis. Die Chorda dorsalis liegt bei den Froschlarven, wie bei den Fischen in oder bei einigen unter den Körpern der Wirbel und setzt sich hinter dem Steiſsbein in der ganzen Länge des Schwanzes fort. Sie ist von einer festen Scheide umschlossen und bildet einen spindelförmigen konsistent gallertartigen durchscheinenden Strang, der am Anfange des Schwanzes am dicksten ist und von da nach beiden Seiten bis zum Schädel und zur Schwanzspitze allmählig sich verschmälert. An dem frisch getödteten Thiere läſst sie sich nicht gut im Zusammenhange lostrennen, wohl aber lassen sich dann am besten feine Querschnitte der- selben erhalten. Läſst man das Thier 24 Stunden oder länger nach seinem Tode in Wasser liegen und schneidet dann den Schwanz an seiner Ursprungstelle durch, so kann man die Chorda dorsalis durch leises Streichen von der Schwanzspitze oder vom Kopfe gegen die Wunde hin ohne Schwierigkeit ganz herausdrücken. Da dieſs nicht gelingt, wenn man das Thier ebensolange nach seinem Tode auſser Wasser liegen läſst, so scheint die leichtere Trennbarkeit der Chorda dorsalis bloſs auf einem Eindrin- gen des Wassers zwischen sie und ihre Scheide, die festere Verbindung derselben aber im frischen Zustande nur auf einer innigern Berührung, einer Einkeilung der Chorda dor-

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Zitationshilfe: Schwann, Theodor: Mikroskopische Untersuchungen über die Uebereinstimmung in der Struktur und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen. Berlin, 1839, S. [11]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwann_mikroskopische_1839/35>, abgerufen am 21.03.2019.