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Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900.

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Vorwort.


Das vorliegende Werk ist die einzige umfassende Darstellung des "eisernen
Gewerbes". Die universelle Bedeutung, welche diesem Zweige mensch-
licher Thätigkeit in unserem Culturleben zukommt, ist so auffällig, daß
es kaum nothwendig erscheint, diesen Sachverhalt mit vielen Worten hervorzuheben.
Unsere Zeit steht im Zeichen der Arbeit. Und zwar ist es die maschinelle Arbeit.
Die Größe der von den technischen Wissenszweigen zu bewältigenden Aufgaben
hat die Hilfsmittel, welche hierzu nöthig sind, unendlich vervielfältigt. Aber diese
Hilfsmittel sind nicht aus einer unsicheren und tappenden Empirie hervorgegangen,
sondern aus den Werkstätten der Denker, welch letztere die rohe Materie bändigten,
den schwachen Menschenhänden die Kraft verliehen, die Naturgesetze sich dienstbar
zu machen.

Alles Große und Gewaltige, das uns auf dem Gebiete der Technik vor
Augen tritt, ist ein Product dieser Doppelthätigkeit des Geistes und der mate-
riellen Kraft. Jede Entdeckung im Laboratorium, jeder theoretische Fortschritt in
der Gelehrtenstube zieht irgend einen bedeutsamen Erfolg im praktischen Leben
nach sich. In dem Werke, das hier einem größeren Leserkreise, welcher sich für die
großartigen Leistungen des Eisengewerkes interessirt, geboten wird, hat der Ver-
fasser versucht, dem vorstehend erörterten Sachverhalte gerecht zu werden. Die
Aufgabe war insofern eine dankbare, als die Entwickelung der Eisentechnik in
allen ihren vielfachen Auszweigungen uns überzeugender als irgend eine andere
menschliche Thätigkeit die Richtigkeit des Satzes vor Augen führt, daß jede
materielle Leistung von der wissenschaftlichen Vorarbeit abhängt.

Man vergegenwärtige sich den großen Unterschied, welcher im Gebrauche des
nützlichsten Metalles, des Eisens, einst und jetzt besteht; man vergleiche die be-
scheidenen Anfänge der Dampfarbeit mit deren großartiger Entfaltung in der
Gegenwart und man wird begreifen, daß alle diese Erfolge nicht einem plötzlichen,
endgiltigen und vollständigen Impulse zu verdanken sind, sondern vielmehr dem
Ergebnisse eines mühsamen, schrittweisen Fortschrittes, den die Wissenschaft jeweils
einzuleiten, die Ausnützung der Naturkräfte zu verwirklichen hatte.

Vorwort.


Das vorliegende Werk iſt die einzige umfaſſende Darſtellung des »eiſernen
Gewerbes«. Die univerſelle Bedeutung, welche dieſem Zweige menſch-
licher Thätigkeit in unſerem Culturleben zukommt, iſt ſo auffällig, daß
es kaum nothwendig erſcheint, dieſen Sachverhalt mit vielen Worten hervorzuheben.
Unſere Zeit ſteht im Zeichen der Arbeit. Und zwar iſt es die maſchinelle Arbeit.
Die Größe der von den techniſchen Wiſſenszweigen zu bewältigenden Aufgaben
hat die Hilfsmittel, welche hierzu nöthig ſind, unendlich vervielfältigt. Aber dieſe
Hilfsmittel ſind nicht aus einer unſicheren und tappenden Empirie hervorgegangen,
ſondern aus den Werkſtätten der Denker, welch letztere die rohe Materie bändigten,
den ſchwachen Menſchenhänden die Kraft verliehen, die Naturgeſetze ſich dienſtbar
zu machen.

Alles Große und Gewaltige, das uns auf dem Gebiete der Technik vor
Augen tritt, iſt ein Product dieſer Doppelthätigkeit des Geiſtes und der mate-
riellen Kraft. Jede Entdeckung im Laboratorium, jeder theoretiſche Fortſchritt in
der Gelehrtenſtube zieht irgend einen bedeutſamen Erfolg im praktiſchen Leben
nach ſich. In dem Werke, das hier einem größeren Leſerkreiſe, welcher ſich für die
großartigen Leiſtungen des Eiſengewerkes intereſſirt, geboten wird, hat der Ver-
faſſer verſucht, dem vorſtehend erörterten Sachverhalte gerecht zu werden. Die
Aufgabe war inſofern eine dankbare, als die Entwickelung der Eiſentechnik in
allen ihren vielfachen Auszweigungen uns überzeugender als irgend eine andere
menſchliche Thätigkeit die Richtigkeit des Satzes vor Augen führt, daß jede
materielle Leiſtung von der wiſſenſchaftlichen Vorarbeit abhängt.

Man vergegenwärtige ſich den großen Unterſchied, welcher im Gebrauche des
nützlichſten Metalles, des Eiſens, einſt und jetzt beſteht; man vergleiche die be-
ſcheidenen Anfänge der Dampfarbeit mit deren großartiger Entfaltung in der
Gegenwart und man wird begreifen, daß alle dieſe Erfolge nicht einem plötzlichen,
endgiltigen und vollſtändigen Impulſe zu verdanken ſind, ſondern vielmehr dem
Ergebniſſe eines mühſamen, ſchrittweiſen Fortſchrittes, den die Wiſſenſchaft jeweils
einzuleiten, die Ausnützung der Naturkräfte zu verwirklichen hatte.

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[VII/0015] Vorwort. Das vorliegende Werk iſt die einzige umfaſſende Darſtellung des »eiſernen Gewerbes«. Die univerſelle Bedeutung, welche dieſem Zweige menſch- licher Thätigkeit in unſerem Culturleben zukommt, iſt ſo auffällig, daß es kaum nothwendig erſcheint, dieſen Sachverhalt mit vielen Worten hervorzuheben. Unſere Zeit ſteht im Zeichen der Arbeit. Und zwar iſt es die maſchinelle Arbeit. Die Größe der von den techniſchen Wiſſenszweigen zu bewältigenden Aufgaben hat die Hilfsmittel, welche hierzu nöthig ſind, unendlich vervielfältigt. Aber dieſe Hilfsmittel ſind nicht aus einer unſicheren und tappenden Empirie hervorgegangen, ſondern aus den Werkſtätten der Denker, welch letztere die rohe Materie bändigten, den ſchwachen Menſchenhänden die Kraft verliehen, die Naturgeſetze ſich dienſtbar zu machen. Alles Große und Gewaltige, das uns auf dem Gebiete der Technik vor Augen tritt, iſt ein Product dieſer Doppelthätigkeit des Geiſtes und der mate- riellen Kraft. Jede Entdeckung im Laboratorium, jeder theoretiſche Fortſchritt in der Gelehrtenſtube zieht irgend einen bedeutſamen Erfolg im praktiſchen Leben nach ſich. In dem Werke, das hier einem größeren Leſerkreiſe, welcher ſich für die großartigen Leiſtungen des Eiſengewerkes intereſſirt, geboten wird, hat der Ver- faſſer verſucht, dem vorſtehend erörterten Sachverhalte gerecht zu werden. Die Aufgabe war inſofern eine dankbare, als die Entwickelung der Eiſentechnik in allen ihren vielfachen Auszweigungen uns überzeugender als irgend eine andere menſchliche Thätigkeit die Richtigkeit des Satzes vor Augen führt, daß jede materielle Leiſtung von der wiſſenſchaftlichen Vorarbeit abhängt. Man vergegenwärtige ſich den großen Unterſchied, welcher im Gebrauche des nützlichſten Metalles, des Eiſens, einſt und jetzt beſteht; man vergleiche die be- ſcheidenen Anfänge der Dampfarbeit mit deren großartiger Entfaltung in der Gegenwart und man wird begreifen, daß alle dieſe Erfolge nicht einem plötzlichen, endgiltigen und vollſtändigen Impulſe zu verdanken ſind, ſondern vielmehr dem Ergebniſſe eines mühſamen, ſchrittweiſen Fortſchrittes, den die Wiſſenſchaft jeweils einzuleiten, die Ausnützung der Naturkräfte zu verwirklichen hatte.

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Zitationshilfe: Schweiger-Lerchenfeld, Amand von: Im Reiche der Cyklopen: eine populäre Darstellung der Stahl- und Eisentechnik. Wien u. a., 1900, S. VII. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schweiger_cyklopen_1900/15>, abgerufen am 20.03.2019.