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Schwenter, Daniel: Deliciae physico-mathematicae oder mathematische und philosophische Erquickstunden. Nürnberg, 1636.

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Ander Theil der Erquickstunden.
mehrter Geometria, Tract. 1. fol. 98. einen Weg weisen/ wie ein Circkel
mit einer Feder/ soll auff ein Papier gerissen werden.

Diß ist eine artliche vnd sonderliche invention, dadurch einer dem A-
pelli
gar nahe kommet: Doch hat Apelles seine Circkel von freyer Hand
gemacht/ wir müssen einen Finger aufflegen/ vnd geschiehet also:

Nimb ein zimblich rund geschnidten Papier/ in der grösse einer flachen
Hand/ faß eine Feder als ob du sonst schreiben woltest/ lege den Arm auff den
Tisch/ daß er darauff ruhe/ den Goldfinger aber setz vngefehr mitten auff
das Papier/ daß die eingedunckte Feder auch auff dem Papier aufflige/ er-
greiff mit der andern Hand das Papier/ vnd trehe es fein gleichförmig her-
umb/ daß der Finger vnverruckt bleibe/ so wird die Feder einen justen Circkel
beschreiben/ welchs mit verwunderung zu sehen.

Die III. Auffgab.
Mit einer Schreibfeder vnd Steckhäfftlein/ in mangel eines
Circkels ein Circkelriß zu beschreiben.

Man steckt das Häfftlein vngefehr ein Zoll hoch von vntenher/ also in
die Feder/ daß es schlims durch gehe abwarts/ daß das vntere theil der Feder
mit der Klufen oder Steckhäfftlein/ die Form habe eines offnen Circkels:
Darnach setzt man deß Häfftleins Spitz ins Centrum, vnd mit der einge-
dunckten Feder reiset man den Circkelriß.

Die IV. Auffgab.
Eine andere Manier in der noth so man kein Circkel/ Feder oder
Steckhäfftlein hat/ einen Circkel zu verzeichnen.

M. Schwenter in seim ersten Geometrischen Tractat fol. 98. lehrts
also verrichten: Nimb ein Papierlein eines Fingers lang/ länger oder kür-
tzer/ legs fein geheb mit eim bruch zusamm so gibt der bruch eine gerade Lini/ an
solchem verzeichen mit den Nägeln oder etwas anders/ den halben Diame-
ter eines Circkels nach deinem belieben/ den einen Punct lege in das Cen-
trum,
nach dem andern Punct aber verzeichne in der noth den Circkel mit
Pünctlein.

Die V. Auffgab.
Mit der Kreiden an eine Wandeinen Circkel von freyer hand zureissen.
Nimb
S

Ander Theil der Erquickſtunden.
mehrter Geometria, Tract. 1. fol. 98. einen Weg weiſen/ wie ein Circkel
mit einer Feder/ ſoll auff ein Papier geriſſen werden.

Diß iſt eine artliche vnd ſonderliche invention, dadurch einer dem A-
pelli
gar nahe kommet: Doch hat Apelles ſeine Circkel von freyer Hand
gemacht/ wir muͤſſen einen Finger aufflegen/ vnd geſchiehet alſo:

Nimb ein zimblich rund geſchnidten Papier/ in der groͤſſe einer flachen
Hand/ faß eine Feder als ob du ſonſt ſchreiben wolteſt/ lege den Arm auff den
Tiſch/ daß er darauff ruhe/ den Goldfinger aber ſetz vngefehr mitten auff
das Papier/ daß die eingedunckte Feder auch auff dem Papier aufflige/ er-
greiff mit der andern Hand das Papier/ vnd trehe es fein gleichfoͤrmig her-
umb/ daß der Finger vnverruckt bleibe/ ſo wird die Feder einen juſten Circkel
beſchreiben/ welchs mit verwunderung zu ſehen.

Die III. Auffgab.
Mit einer Schreibfeder vnd Steckhaͤfftlein/ in mangel eines
Circkels ein Circkelriß zu beſchreiben.

Man ſteckt das Haͤfftlein vngefehr ein Zoll hoch von vntenher/ alſo in
die Feder/ daß es ſchlims durch gehe abwarts/ daß das vntere theil der Feder
mit der Klufen oder Steckhaͤfftlein/ die Form habe eines offnen Circkels:
Darnach ſetzt man deß Haͤfftleins Spitz ins Centrum, vnd mit der einge-
dunckten Feder reiſet man den Circkelriß.

Die IV. Auffgab.
Eine andere Manier in der noth ſo man kein Circkel/ Feder oder
Steckhaͤfftlein hat/ einen Circkel zu verzeichnen.

M. Schwenter in ſeim erſten Geometriſchen Tractat fol. 98. lehrts
alſo verrichten: Nimb ein Papierlein eines Fingers lang/ laͤnger oder kuͤr-
tzer/ legs fein geheb mit eim bruch zuſam̃ ſo gibt der bruch eine gerade Lini/ an
ſolchem verzeichen mit den Naͤgeln oder etwas anders/ den halben Diame-
ter eines Circkels nach deinem belieben/ den einen Punct lege in das Cen-
trum,
nach dem andern Punct aber verzeichne in der noth den Circkel mit
Puͤnctlein.

Die V. Auffgab.
Mit der Kreiden an eine Wandeinen Circkel von freyer hand zureiſſen.
Nimb
S
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[129/0143] Ander Theil der Erquickſtunden. mehrter Geometria, Tract. 1. fol. 98. einen Weg weiſen/ wie ein Circkel mit einer Feder/ ſoll auff ein Papier geriſſen werden. Diß iſt eine artliche vnd ſonderliche invention, dadurch einer dem A- pelli gar nahe kommet: Doch hat Apelles ſeine Circkel von freyer Hand gemacht/ wir muͤſſen einen Finger aufflegen/ vnd geſchiehet alſo: Nimb ein zimblich rund geſchnidten Papier/ in der groͤſſe einer flachen Hand/ faß eine Feder als ob du ſonſt ſchreiben wolteſt/ lege den Arm auff den Tiſch/ daß er darauff ruhe/ den Goldfinger aber ſetz vngefehr mitten auff das Papier/ daß die eingedunckte Feder auch auff dem Papier aufflige/ er- greiff mit der andern Hand das Papier/ vnd trehe es fein gleichfoͤrmig her- umb/ daß der Finger vnverruckt bleibe/ ſo wird die Feder einen juſten Circkel beſchreiben/ welchs mit verwunderung zu ſehen. Die III. Auffgab. Mit einer Schreibfeder vnd Steckhaͤfftlein/ in mangel eines Circkels ein Circkelriß zu beſchreiben. Man ſteckt das Haͤfftlein vngefehr ein Zoll hoch von vntenher/ alſo in die Feder/ daß es ſchlims durch gehe abwarts/ daß das vntere theil der Feder mit der Klufen oder Steckhaͤfftlein/ die Form habe eines offnen Circkels: Darnach ſetzt man deß Haͤfftleins Spitz ins Centrum, vnd mit der einge- dunckten Feder reiſet man den Circkelriß. Die IV. Auffgab. Eine andere Manier in der noth ſo man kein Circkel/ Feder oder Steckhaͤfftlein hat/ einen Circkel zu verzeichnen. M. Schwenter in ſeim erſten Geometriſchen Tractat fol. 98. lehrts alſo verrichten: Nimb ein Papierlein eines Fingers lang/ laͤnger oder kuͤr- tzer/ legs fein geheb mit eim bruch zuſam̃ ſo gibt der bruch eine gerade Lini/ an ſolchem verzeichen mit den Naͤgeln oder etwas anders/ den halben Diame- ter eines Circkels nach deinem belieben/ den einen Punct lege in das Cen- trum, nach dem andern Punct aber verzeichne in der noth den Circkel mit Puͤnctlein. Die V. Auffgab. Mit der Kreiden an eine Wandeinen Circkel von freyer hand zureiſſen. Nimb S

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Zitationshilfe: Schwenter, Daniel: Deliciae physico-mathematicae oder mathematische und philosophische Erquickstunden. Nürnberg, 1636, S. 129. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwenter_deliciae_1636/143>, abgerufen am 21.08.2018.