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Seip, Johann Philipp: Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Hannover, 1717.

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der Pyrmontischen Gesund-Brunnen.
Tiegel von dem Spiritu Sulphuris volatili be-
freyet, und alsdenn aufs neue crystallisiret
wird, so werden die beschriebene Crystalli & fi-
gurae parallelo-grammaticae
groß, schön und
durchsichtig, und habe ich eine Menge von den-
selben, welche über einen halben Zoll lang und
ungefähr 1/6 oder 1/8 ihrer Länge breit sind, wel-
ches sehr angenehm anzusehen; andere liegen
kurtz und dick auf einander, doch alle viereckig,
wie die Crystallen des Salis mirabilis Glau-
beri.

Wenn man dieses Saltz über einer gelinden
Wärme austrocknen lässet, so wird ein schnee-
weisses Pulver daraus. Der Geschmack* ist
der gelindeste unter allen Saltzen, dabey küh-
lend und durchaus bitter. Man empfindet a-
ber nicht die allergeringste Spuhr von einem
Alaun-Geschmack, wie einige Autores gantz
unrecht und fälschlich vorgeben.

§. 61.

Die Crystallen sind so solubel,** daß,
wenn man gleiches Gewicht z.E. ein Loth Was-
ser und eben so viel Saltz zusammen in ein Glaß
thut, das Saltz durch Umschütteln und die ge-
linde Wärme der Hand gar bald biß auf weni-
ge Körnlein zergehet, welches von keinem Sale
neutro
ausser dem Tartaro solubili und der
Terra foliata Tartari, und solches doch nicht so
wol, zu geschehen pfleget. Wenn man das

auff-
* Geschmack.
** Solubilitas in Aqua.
H 4

der Pyrmontiſchen Geſund-Brunnen.
Tiegel von dem Spiritu Sulphuris volatili be-
freyet, und alsdenn aufs neue cryſtalliſiret
wird, ſo werden die beſchriebene Cryſtalli & fi-
guræ parallelo-grammaticæ
groß, ſchoͤn und
durchſichtig, und habe ich eine Menge von den-
ſelben, welche uͤber einen halben Zoll lang und
ungefaͤhr ⅙ oder ⅛ ihrer Laͤnge breit ſind, wel-
ches ſehr angenehm anzuſehen; andere liegen
kurtz und dick auf einander, doch alle viereckig,
wie die Cryſtallen des Salis mirabilis Glau-
beri.

Wenn man dieſes Saltz uͤber einer gelinden
Waͤrme austrocknen laͤſſet, ſo wird ein ſchnee-
weiſſes Pulver daraus. Der Geſchmack* iſt
der gelindeſte unter allen Saltzen, dabey kuͤh-
lend und durchaus bitter. Man empfindet a-
ber nicht die allergeringſte Spuhr von einem
Alaun-Geſchmack, wie einige Autores gantz
unrecht und faͤlſchlich vorgeben.

§. 61.

Die Cryſtallen ſind ſo ſolubel,** daß,
wenn man gleiches Gewicht z.E. ein Loth Waſ-
ſer und eben ſo viel Saltz zuſammen in ein Glaß
thut, das Saltz durch Umſchuͤtteln und die ge-
linde Waͤrme der Hand gar bald biß auf weni-
ge Koͤrnlein zergehet, welches von keinem Sale
neutro
auſſer dem Tartaro ſolubili und der
Terra foliata Tartari, und ſolches doch nicht ſo
wol, zu geſchehen pfleget. Wenn man das

auff-
* Geſchmack.
** Solubilitas in Aqua.
H 4
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[119/0139] der Pyrmontiſchen Geſund-Brunnen. Tiegel von dem Spiritu Sulphuris volatili be- freyet, und alsdenn aufs neue cryſtalliſiret wird, ſo werden die beſchriebene Cryſtalli & fi- guræ parallelo-grammaticæ groß, ſchoͤn und durchſichtig, und habe ich eine Menge von den- ſelben, welche uͤber einen halben Zoll lang und ungefaͤhr ⅙ oder ⅛ ihrer Laͤnge breit ſind, wel- ches ſehr angenehm anzuſehen; andere liegen kurtz und dick auf einander, doch alle viereckig, wie die Cryſtallen des Salis mirabilis Glau- beri. Wenn man dieſes Saltz uͤber einer gelinden Waͤrme austrocknen laͤſſet, ſo wird ein ſchnee- weiſſes Pulver daraus. Der Geſchmack * iſt der gelindeſte unter allen Saltzen, dabey kuͤh- lend und durchaus bitter. Man empfindet a- ber nicht die allergeringſte Spuhr von einem Alaun-Geſchmack, wie einige Autores gantz unrecht und faͤlſchlich vorgeben. §. 61. Die Cryſtallen ſind ſo ſolubel, ** daß, wenn man gleiches Gewicht z.E. ein Loth Waſ- ſer und eben ſo viel Saltz zuſammen in ein Glaß thut, das Saltz durch Umſchuͤtteln und die ge- linde Waͤrme der Hand gar bald biß auf weni- ge Koͤrnlein zergehet, welches von keinem Sale neutro auſſer dem Tartaro ſolubili und der Terra foliata Tartari, und ſolches doch nicht ſo wol, zu geſchehen pfleget. Wenn man das auff- * Geſchmack. ** Solubilitas in Aqua. H 4

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Zitationshilfe: Seip, Johann Philipp: Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Hannover, 1717, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/seip_gesundbrunnen_1717/139>, abgerufen am 22.04.2019.