Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Seip, Johann Philipp: Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Hannover, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Cap. III. Natürliche Beschreibung
Rinnen, noch sonst irgendswo den geringsten
Tophum oder Toff-Stein, und ist solches um
so viel merckwürdiger, weil nicht weit von die-
sen Brunnen die Stein-Quellen gefunden wer-
den, wie wir §. 2. angeführet haben, welche da-
her unter der Erden gar keine Gemeinschafft
mit denen Gesund-Brunnen haben müssen.

In denen warmen mineralischen Wassern
ist der Toff-Stein fast etwas allgemeines, da
sich um die Ausgänge, in die Röhren und allent-
halben an die Rände, Bretter und Kasten, wo-
mit dieselben eingefasset, viele Stein-Rinden
und grosse Stücke anlegen, welche öffters mit
Gewalt müssen weggebrochen werden, damit
solche nicht alle Gänge und Rinnen verstopffen
und verderben. Daher ist offenbahr, daß der
Halt derer kalten mineralischen Wasser nicht
so grob und schwehr als derer warmen Bäder
sey.

§. 32.

Wenn die Bewegung der Hitze zu
denen Menstruis * kommt, so solviren solche
viel stärcker und hefftiger. Da man zum Ex-
empel einen schwachen Spiritum Nitri, Vitrio-
li &c.
über ein Metall giesset, und derselbe
solches nicht angreiffen will, so lässet man es nur
auf einem Ofen mit einander erwärmen, als-
denn fängt der Spiritus bald an zu arbeiten und
aufzulösen, auch wohl dasjenige, was er nicht

hal-
* Ein warmes Menstruum solviret stärcker als ein
kaltes.

Cap. III. Natuͤrliche Beſchreibung
Rinnen, noch ſonſt irgendswo den geringſten
Tophum oder Toff-Stein, und iſt ſolches um
ſo viel merckwuͤrdiger, weil nicht weit von die-
ſen Brunnen die Stein-Quellen gefunden wer-
den, wie wir §. 2. angefuͤhret haben, welche da-
her unter der Erden gar keine Gemeinſchafft
mit denen Geſund-Brunnen haben muͤſſen.

In denen warmen mineraliſchen Waſſern
iſt der Toff-Stein faſt etwas allgemeines, da
ſich um die Ausgaͤnge, in die Roͤhren und allent-
halben an die Raͤnde, Bretter und Kaſten, wo-
mit dieſelben eingefaſſet, viele Stein-Rinden
und groſſe Stuͤcke anlegen, welche oͤffters mit
Gewalt muͤſſen weggebrochen werden, damit
ſolche nicht alle Gaͤnge und Rinnen verſtopffen
und verderben. Daher iſt offenbahr, daß der
Halt derer kalten mineraliſchen Waſſer nicht
ſo grob und ſchwehr als derer warmen Baͤder
ſey.

§. 32.

Wenn die Bewegung der Hitze zu
denen Menſtruis * kommt, ſo ſolviren ſolche
viel ſtaͤrcker und hefftiger. Da man zum Ex-
empel einen ſchwachen Spiritum Nitri, Vitrio-
li &c.
uͤber ein Metall gieſſet, und derſelbe
ſolches nicht angreiffen will, ſo laͤſſet man es nur
auf einem Ofen mit einander erwaͤrmen, als-
denn faͤngt der Spiritus bald an zu arbeiten und
aufzuloͤſen, auch wohl dasjenige, was er nicht

hal-
* Ein warmes Menſtruum ſolviret ſtaͤrcker als ein
kaltes.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0086" n="66"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq">Cap. III.</hi> Natu&#x0364;rliche Be&#x017F;chreibung</fw><lb/>
Rinnen, noch &#x017F;on&#x017F;t irgendswo den gering&#x017F;ten<lb/><hi rendition="#aq">Tophum</hi> oder Toff-Stein, und i&#x017F;t &#x017F;olches um<lb/>
&#x017F;o viel merckwu&#x0364;rdiger, weil nicht weit von die-<lb/>
&#x017F;en Brunnen die Stein-Quellen gefunden wer-<lb/>
den, wie wir §. 2. angefu&#x0364;hret haben, welche da-<lb/>
her unter der Erden gar keine Gemein&#x017F;chafft<lb/>
mit denen Ge&#x017F;und-Brunnen haben mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p>In denen warmen <hi rendition="#aq">minerali</hi>&#x017F;chen Wa&#x017F;&#x017F;ern<lb/>
i&#x017F;t der Toff-Stein fa&#x017F;t etwas allgemeines, da<lb/>
&#x017F;ich um die Ausga&#x0364;nge, in die Ro&#x0364;hren und allent-<lb/>
halben an die Ra&#x0364;nde, Bretter und Ka&#x017F;ten, wo-<lb/>
mit die&#x017F;elben eingefa&#x017F;&#x017F;et, viele Stein-Rinden<lb/>
und gro&#x017F;&#x017F;e Stu&#x0364;cke anlegen, welche o&#x0364;ffters mit<lb/>
Gewalt mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en weggebrochen werden, damit<lb/>
&#x017F;olche nicht alle Ga&#x0364;nge und Rinnen ver&#x017F;topffen<lb/>
und verderben. Daher i&#x017F;t offenbahr, daß der<lb/>
Halt derer kalten <hi rendition="#aq">minerali</hi>&#x017F;chen Wa&#x017F;&#x017F;er nicht<lb/>
&#x017F;o grob und &#x017F;chwehr als derer warmen Ba&#x0364;der<lb/>
&#x017F;ey.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 32.</head>
          <p>Wenn die Bewegung der Hitze zu<lb/>
denen <hi rendition="#aq">Men&#x017F;truis</hi> <note place="foot" n="*">Ein warmes <hi rendition="#aq">Men&#x017F;truum &#x017F;olvi</hi>ret &#x017F;ta&#x0364;rcker als ein<lb/>
kaltes.</note> kommt, &#x017F;o <hi rendition="#aq">&#x017F;olvi</hi>ren &#x017F;olche<lb/>
viel &#x017F;ta&#x0364;rcker und hefftiger. Da man zum Ex-<lb/>
empel einen &#x017F;chwachen <hi rendition="#aq">Spiritum Nitri, Vitrio-<lb/>
li &amp;c.</hi> u&#x0364;ber ein Metall gie&#x017F;&#x017F;et, und der&#x017F;elbe<lb/>
&#x017F;olches nicht angreiffen will, &#x017F;o la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et man es nur<lb/>
auf einem Ofen mit einander erwa&#x0364;rmen, als-<lb/>
denn fa&#x0364;ngt der <hi rendition="#aq">Spiritus</hi> bald an zu arbeiten und<lb/>
aufzulo&#x0364;&#x017F;en, auch wohl dasjenige, was er nicht<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hal-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[66/0086] Cap. III. Natuͤrliche Beſchreibung Rinnen, noch ſonſt irgendswo den geringſten Tophum oder Toff-Stein, und iſt ſolches um ſo viel merckwuͤrdiger, weil nicht weit von die- ſen Brunnen die Stein-Quellen gefunden wer- den, wie wir §. 2. angefuͤhret haben, welche da- her unter der Erden gar keine Gemeinſchafft mit denen Geſund-Brunnen haben muͤſſen. In denen warmen mineraliſchen Waſſern iſt der Toff-Stein faſt etwas allgemeines, da ſich um die Ausgaͤnge, in die Roͤhren und allent- halben an die Raͤnde, Bretter und Kaſten, wo- mit dieſelben eingefaſſet, viele Stein-Rinden und groſſe Stuͤcke anlegen, welche oͤffters mit Gewalt muͤſſen weggebrochen werden, damit ſolche nicht alle Gaͤnge und Rinnen verſtopffen und verderben. Daher iſt offenbahr, daß der Halt derer kalten mineraliſchen Waſſer nicht ſo grob und ſchwehr als derer warmen Baͤder ſey. §. 32. Wenn die Bewegung der Hitze zu denen Menſtruis * kommt, ſo ſolviren ſolche viel ſtaͤrcker und hefftiger. Da man zum Ex- empel einen ſchwachen Spiritum Nitri, Vitrio- li &c. uͤber ein Metall gieſſet, und derſelbe ſolches nicht angreiffen will, ſo laͤſſet man es nur auf einem Ofen mit einander erwaͤrmen, als- denn faͤngt der Spiritus bald an zu arbeiten und aufzuloͤſen, auch wohl dasjenige, was er nicht hal- * Ein warmes Menſtruum ſolviret ſtaͤrcker als ein kaltes.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/seip_gesundbrunnen_1717
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/seip_gesundbrunnen_1717/86
Zitationshilfe: Seip, Johann Philipp: Neue Beschreibung der Pyrmontischen Gesund-Brunnen. Hannover, 1717, S. 66. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/seip_gesundbrunnen_1717/86>, abgerufen am 22.04.2019.