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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Familie: Cyprinoidei.
kennen. Bujack (Nr. 97: pag. 339) führt ebenfalls den Cyprinus Aphya mit
dem Provincial-Namen "Mutterloseken" in seiner preussischen Fauna auf,
aber nur mit der mangelhaften Beschreibung, welche die schwedischen Fau-
nisten von dem Cyprinus Aphya gegeben haben, woraus hervorgeht, dass der-
selbe keine preussischen Mutterloseken als Muster vor sich gehabt hat. Von
Rathke) Nr. 98 b: pag. 22) erfahren wir, dass er diese Fische aus den Gewäs-
sern Preussens noch nicht habe erhalten können; bei meiner letzten Anwesen-
heit in Königsberg im Jahre 1860 fand ich in dem dortigen zoologischen Cabi-
nete noch immer keine Moderliesken aufbewahrt, auch konnte mir ein Königs-
berger Fischer, den ich nach diesem Fische befragte, im Pregel nichts anderes
als gewöhnliche Rothaugen-Brut zeigen, die er für Moderlieskens erklärte. Um
so überraschender war es mir, als mich mein Freund Lievin in Danzig darauf
aufmerksam machte, dass in dem Heubuder See ohnweit Danzig ein kleiner
Fisch vorkomme, der von den Fischern "Modke" genannt werde. Da mir die-
ser Name eine Abkürzung von Moderlieske zu sein schien, liess ich in dem ge-
nannten See nach diesen Modkes fischen und erhielt glücklicherweise einige
Individuen davon, in denen ich zu meiner grössten Freude den Leucaspius de-
lineatus
wieder erkannte, den ich bereits von Braunsberg und Nikolaiken aber
ohne deutschen Namen erhalten hatte. Von ganz besonderem Interesse war es
mir endlich, dass mir bei meinem Aufenthalte in Braunschweig mitgetheilt
wurde, der Leucaspius delineatus, welchen Blasius in einem Nebenflüsschen
der Ocker entdeckt hatte, komme auch bei Gifhorn (fünf Stunden von Braun-
schweig) in Torfstichgräben vor, und führe dort den Namen "Moderliesken".

XVI. Gattung: Idus (nach Heckel).

Gattungscharakter: Die Schlundzähne in zwei Reihen zu 3 und 5
stehend, mit seitlich zusammengedrückten und an der
Spitze hakenförmig umgebogenen Kronen; Rückenflosse
und Afterflosse mit kurzer Basis.

1. Art. I. melanotus Heck. Nerfling, Aland.

Syn. u. Citate.

Baldner Nr. 42: pag. 172. Taf. 17. Rottel.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 14, Descr. spec. pag. 6. n. 1, Syn. nom. pisc. pag. 14.
n. 30 und pag. 7. n. 11.

Linne Nr. 2: pag. 529. n. 17. Cyprinus Idus und pag. 530. n. 20. Cyprinus Jeses.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 45. Taf. 6. Cyprinus Jeses, Aland.

Hartmann Nr. 38 b: pag. 210. Cyprinus Idus.


Familie: Cyprinoidei.
kennen. Bujack (Nr. 97: pag. 339) führt ebenfalls den Cyprinus Aphya mit
dem Provincial-Namen »Mutterloseken« in seiner preussischen Fauna auf,
aber nur mit der mangelhaften Beschreibung, welche die schwedischen Fau-
nisten von dem Cyprinus Aphya gegeben haben, woraus hervorgeht, dass der-
selbe keine preussischen Mutterloseken als Muster vor sich gehabt hat. Von
Rathke) Nr. 98 b: pag. 22) erfahren wir, dass er diese Fische aus den Gewäs-
sern Preussens noch nicht habe erhalten können; bei meiner letzten Anwesen-
heit in Königsberg im Jahre 1860 fand ich in dem dortigen zoologischen Cabi-
nete noch immer keine Moderliesken aufbewahrt, auch konnte mir ein Königs-
berger Fischer, den ich nach diesem Fische befragte, im Pregel nichts anderes
als gewöhnliche Rothaugen-Brut zeigen, die er für Moderlieskens erklärte. Um
so überraschender war es mir, als mich mein Freund Liévin in Danzig darauf
aufmerksam machte, dass in dem Heubuder See ohnweit Danzig ein kleiner
Fisch vorkomme, der von den Fischern »Modke« genannt werde. Da mir die-
ser Name eine Abkürzung von Moderlieske zu sein schien, liess ich in dem ge-
nannten See nach diesen Modkes fischen und erhielt glücklicherweise einige
Individuen davon, in denen ich zu meiner grössten Freude den Leucaspius de-
lineatus
wieder erkannte, den ich bereits von Braunsberg und Nikolaiken aber
ohne deutschen Namen erhalten hatte. Von ganz besonderem Interesse war es
mir endlich, dass mir bei meinem Aufenthalte in Braunschweig mitgetheilt
wurde, der Leucaspius delineatus, welchen Blasius in einem Nebenflüsschen
der Ocker entdeckt hatte, komme auch bei Gifhorn (fünf Stunden von Braun-
schweig) in Torfstichgräben vor, und führe dort den Namen »Moderliesken«.

XVI. Gattung: Idus (nach Heckel).

Gattungscharakter: Die Schlundzähne in zwei Reihen zu 3 und 5
stehend, mit seitlich zusammengedrückten und an der
Spitze hakenförmig umgebogenen Kronen; Rückenflosse
und Afterflosse mit kurzer Basis.

1. Art. I. melanotus Heck. Nerfling, Aland.

Syn. u. Citate.

Baldner Nr. 42: pag. 172. Taf. 17. Rottel.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 14, Descr. spec. pag. 6. n. 1, Syn. nom. pisc. pag. 14.
n. 30 und pag. 7. n. 11.

Linné Nr. 2: pag. 529. n. 17. Cyprinus Idus und pag. 530. n. 20. Cyprinus Jeses.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 45. Taf. 6. Cyprinus Jeses, Aland.

Hartmann Nr. 38 b: pag. 210. Cyprinus Idus.


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[176/0189] Familie: Cyprinoidei. kennen. Bujack (Nr. 97: pag. 339) führt ebenfalls den Cyprinus Aphya mit dem Provincial-Namen »Mutterloseken« in seiner preussischen Fauna auf, aber nur mit der mangelhaften Beschreibung, welche die schwedischen Fau- nisten von dem Cyprinus Aphya gegeben haben, woraus hervorgeht, dass der- selbe keine preussischen Mutterloseken als Muster vor sich gehabt hat. Von Rathke) Nr. 98 b: pag. 22) erfahren wir, dass er diese Fische aus den Gewäs- sern Preussens noch nicht habe erhalten können; bei meiner letzten Anwesen- heit in Königsberg im Jahre 1860 fand ich in dem dortigen zoologischen Cabi- nete noch immer keine Moderliesken aufbewahrt, auch konnte mir ein Königs- berger Fischer, den ich nach diesem Fische befragte, im Pregel nichts anderes als gewöhnliche Rothaugen-Brut zeigen, die er für Moderlieskens erklärte. Um so überraschender war es mir, als mich mein Freund Liévin in Danzig darauf aufmerksam machte, dass in dem Heubuder See ohnweit Danzig ein kleiner Fisch vorkomme, der von den Fischern »Modke« genannt werde. Da mir die- ser Name eine Abkürzung von Moderlieske zu sein schien, liess ich in dem ge- nannten See nach diesen Modkes fischen und erhielt glücklicherweise einige Individuen davon, in denen ich zu meiner grössten Freude den Leucaspius de- lineatus wieder erkannte, den ich bereits von Braunsberg und Nikolaiken aber ohne deutschen Namen erhalten hatte. Von ganz besonderem Interesse war es mir endlich, dass mir bei meinem Aufenthalte in Braunschweig mitgetheilt wurde, der Leucaspius delineatus, welchen Blasius in einem Nebenflüsschen der Ocker entdeckt hatte, komme auch bei Gifhorn (fünf Stunden von Braun- schweig) in Torfstichgräben vor, und führe dort den Namen »Moderliesken«. XVI. Gattung: Idus (nach Heckel). Gattungscharakter: Die Schlundzähne in zwei Reihen zu 3 und 5 stehend, mit seitlich zusammengedrückten und an der Spitze hakenförmig umgebogenen Kronen; Rückenflosse und Afterflosse mit kurzer Basis. 1. Art. I. melanotus Heck. Nerfling, Aland. Syn. u. Citate. Baldner Nr. 42: pag. 172. Taf. 17. Rottel. Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 14, Descr. spec. pag. 6. n. 1, Syn. nom. pisc. pag. 14. n. 30 und pag. 7. n. 11. Linné Nr. 2: pag. 529. n. 17. Cyprinus Idus und pag. 530. n. 20. Cyprinus Jeses. Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 45. Taf. 6. Cyprinus Jeses, Aland. Hartmann Nr. 38 b: pag. 210. Cyprinus Idus.

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/189>, abgerufen am 25.03.2019.