Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

Bild:
<< vorherige Seite

Gattung: Chondrostoma.
Bächen von Mitteleuropa ist dieser niedliche Fisch anzutreffen. Ebenso be-
wohnt derselbe auch gern grössere und kleinere Seen und scheut selbst sehr
hochgelegene Gebirgsseen nicht, zu welchen er in den rauschendsten Bächen
hinaufsteigt. Merkwürdig ist das Vorkommen der Pfrille in dem oberhalb des
Königssees über 6000 Fuss hoch gelegenen Funtensee, während derselbe
Fisch in dem weniger hoch gelegenen Grünsee fehlt 1). In dem neben dem
Eibsee gelegenen kleinen Pfrillensee habe ich keine einzige Pfrille, sondern
nur Rothfedern (Scardin. erythrophth.) mit ganz blassgefärbten Flossen an-
getroffen.

Es gehört die Pfrille zu unseren kleinsten Fischen, derselbe erreicht nur
selten eine Grösse von 5 Zoll, am häufigsten wird er zwischen 3 und 4 Zoll
gross auf den Münchener Markt gebracht. Er dient in hiesiger Gegend den
Anglern als beliebter Köderfisch, und wird von den Fischern in Menge
eingefangen, um den in den Wasserbehältern aufbewahrten Salmoneern als
Futter vorgeworfen zu werden.

Ueber die unter dem Namen Cyprinus aphya vorgekommenen Verwechs-
lungen des Phoxinus laevis mit anderen Cyprinoiden habe ich mich bereits bei
Telestes Agassizii ausgesprochen.

XXII. Gattung: Chondrostoma (nach Agassiz).

Gattungscharakter: Fünf, sechs oder sieben Schlundzähne in ein-
facher Reihe mit sehr stark seitlich zusammengedrückten
langen Kronen, deren eine Seite fast ihrer ganzen Länge
nach abgeschliffen wird; die knorpelige Schnauze bald
mehr bald weniger hervorragend; die Mundspalte unter-
ständig und vollkommen quer mit scharfkantigen, von einer
gelben, hornartigen Epidermis überzogenen Kieferrän-
dern; Rücken- und Afterflosse mit kurzer Basis
.

1. Art. Ch. Nasus Lin. Nase.

Syn. u. Citate.

Baldner Nr. 42: pag. 168. Taf. 15. Naass.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 15, Syn. nom. pisc. pag. 6. n. 9. Nasus.

Linne Nr. 2: pag. 530. n. 21. Cyprinus Nasus.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 35. Taf. III. Cyprinus Nasus, Nase.


1) Vergl. hierüber Schrank und Moll: Naturhistorische Briefe über Oestreich, Salz-
burg etc. Bd. I. pag. 288.
v. Siebold, Fische. 15

Gattung: Chondrostoma.
Bächen von Mitteleuropa ist dieser niedliche Fisch anzutreffen. Ebenso be-
wohnt derselbe auch gern grössere und kleinere Seen und scheut selbst sehr
hochgelegene Gebirgsseen nicht, zu welchen er in den rauschendsten Bächen
hinaufsteigt. Merkwürdig ist das Vorkommen der Pfrille in dem oberhalb des
Königssees über 6000 Fuss hoch gelegenen Funtensee, während derselbe
Fisch in dem weniger hoch gelegenen Grünsee fehlt 1). In dem neben dem
Eibsee gelegenen kleinen Pfrillensee habe ich keine einzige Pfrille, sondern
nur Rothfedern (Scardin. erythrophth.) mit ganz blassgefärbten Flossen an-
getroffen.

Es gehört die Pfrille zu unseren kleinsten Fischen, derselbe erreicht nur
selten eine Grösse von 5 Zoll, am häufigsten wird er zwischen 3 und 4 Zoll
gross auf den Münchener Markt gebracht. Er dient in hiesiger Gegend den
Anglern als beliebter Köderfisch, und wird von den Fischern in Menge
eingefangen, um den in den Wasserbehältern aufbewahrten Salmoneern als
Futter vorgeworfen zu werden.

Ueber die unter dem Namen Cyprinus aphya vorgekommenen Verwechs-
lungen des Phoxinus laevis mit anderen Cyprinoiden habe ich mich bereits bei
Telestes Agassizii ausgesprochen.

XXII. Gattung: Chondrostoma (nach Agassiz).

Gattungscharakter: Fünf, sechs oder sieben Schlundzähne in ein-
facher Reihe mit sehr stark seitlich zusammengedrückten
langen Kronen, deren eine Seite fast ihrer ganzen Länge
nach abgeschliffen wird; die knorpelige Schnauze bald
mehr bald weniger hervorragend; die Mundspalte unter-
ständig und vollkommen quer mit scharfkantigen, von einer
gelben, hornartigen Epidermis überzogenen Kieferrän-
dern; Rücken- und Afterflosse mit kurzer Basis
.

1. Art. Ch. Nasus Lin. Nase.

Syn. u. Citate.

Baldner Nr. 42: pag. 168. Taf. 15. Naass.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 15, Syn. nom. pisc. pag. 6. n. 9. Nasus.

Linné Nr. 2: pag. 530. n. 21. Cyprinus Nasus.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 35. Taf. III. Cyprinus Nasus, Nase.


1) Vergl. hierüber Schrank und Moll: Naturhistorische Briefe über Oestreich, Salz-
burg etc. Bd. I. pag. 288.
v. Siebold, Fische. 15
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <p><pb facs="#f0238" n="225"/><fw place="top" type="header">Gattung: Chondrostoma.</fw><lb/>
Bächen von Mitteleuropa ist dieser niedliche Fisch anzutreffen. Ebenso be-<lb/>
wohnt derselbe auch gern grössere und kleinere Seen und scheut selbst sehr<lb/>
hochgelegene Gebirgsseen nicht, zu welchen er in den rauschendsten Bächen<lb/>
hinaufsteigt. Merkwürdig ist das Vorkommen der Pfrille in dem oberhalb des<lb/>
Königssees über 6000 Fuss hoch gelegenen Funtensee, während derselbe<lb/>
Fisch in dem weniger hoch gelegenen Grünsee fehlt <note place="foot" n="1)">Vergl. hierüber <hi rendition="#k">Schrank</hi> und <hi rendition="#k">Moll</hi>: Naturhistorische Briefe über Oestreich, Salz-<lb/>
burg etc. Bd. I. pag. 288.</note>. In dem neben dem<lb/>
Eibsee gelegenen kleinen Pfrillensee habe ich keine einzige Pfrille, sondern<lb/>
nur Rothfedern <hi rendition="#i">(Scardin. erythrophth.)</hi> mit ganz blassgefärbten Flossen an-<lb/>
getroffen.</p><lb/>
                <p>Es gehört die Pfrille zu unseren kleinsten Fischen, derselbe erreicht nur<lb/>
selten eine Grösse von 5 Zoll, am häufigsten wird er zwischen 3 und 4 Zoll<lb/>
gross auf den Münchener Markt gebracht. Er dient in hiesiger Gegend den<lb/>
Anglern als beliebter Köderfisch, und wird von den Fischern in Menge<lb/>
eingefangen, um den in den Wasserbehältern aufbewahrten <hi rendition="#i">Salmoneern</hi> als<lb/>
Futter vorgeworfen zu werden.</p><lb/>
                <p>Ueber die unter dem Namen <hi rendition="#i">Cyprinus aphya</hi> vorgekommenen Verwechs-<lb/>
lungen des <hi rendition="#i">Phoxinus laevis</hi> mit anderen <hi rendition="#i">Cyprinoiden</hi> habe ich mich bereits bei<lb/><hi rendition="#i">Telestes Agassizii</hi> ausgesprochen.</p>
              </div>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>XXII. Gattung: <hi rendition="#b">Chondrostoma</hi> (nach <hi rendition="#k">Agassiz</hi>).</head><lb/>
              <p><hi rendition="#b">Gattungscharakter:</hi><hi rendition="#g">Fünf, sechs oder sieben Schlundzähne in ein-<lb/>
facher Reihe mit sehr stark seitlich zusammengedrückten<lb/>
langen Kronen, deren eine Seite fast ihrer ganzen Länge<lb/>
nach abgeschliffen wird; die knorpelige Schnauze bald<lb/>
mehr bald weniger hervorragend; die Mundspalte unter-<lb/>
ständig und vollkommen quer mit scharfkantigen, von einer<lb/>
gelben, hornartigen Epidermis überzogenen Kieferrän-<lb/>
dern; Rücken- und Afterflosse mit kurzer Basis</hi>.</p><lb/>
              <div n="5">
                <head> <hi rendition="#b">1. Art. Ch. Nasus Lin. <hi rendition="#i">Nase</hi>.</hi> </head><lb/>
                <p> <hi rendition="#b">Syn. u. Citate.</hi> </p><lb/>
                <p><hi rendition="#k">Baldner</hi> Nr. 42: pag. 168. Taf. 15. <hi rendition="#g">Naass</hi>.</p><lb/>
                <p><hi rendition="#k">Artedi</hi> Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 15, Syn. nom. pisc. pag. 6. n. 9. <hi rendition="#i">Nasus.</hi></p><lb/>
                <p><hi rendition="#k">Linné</hi> Nr. 2: pag. 530. n. 21. <hi rendition="#i">Cyprinus Nasus.</hi></p><lb/>
                <p><hi rendition="#k">Bloch</hi> Nr. 3 a: Th. I. pag. 35. Taf. III. <hi rendition="#i">Cyprinus Nasus,</hi> <hi rendition="#g">Nase</hi>.</p><lb/>
                <fw place="bottom" type="sig">v. <hi rendition="#g">Siebold</hi>, Fische. 15</fw><lb/>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[225/0238] Gattung: Chondrostoma. Bächen von Mitteleuropa ist dieser niedliche Fisch anzutreffen. Ebenso be- wohnt derselbe auch gern grössere und kleinere Seen und scheut selbst sehr hochgelegene Gebirgsseen nicht, zu welchen er in den rauschendsten Bächen hinaufsteigt. Merkwürdig ist das Vorkommen der Pfrille in dem oberhalb des Königssees über 6000 Fuss hoch gelegenen Funtensee, während derselbe Fisch in dem weniger hoch gelegenen Grünsee fehlt 1). In dem neben dem Eibsee gelegenen kleinen Pfrillensee habe ich keine einzige Pfrille, sondern nur Rothfedern (Scardin. erythrophth.) mit ganz blassgefärbten Flossen an- getroffen. Es gehört die Pfrille zu unseren kleinsten Fischen, derselbe erreicht nur selten eine Grösse von 5 Zoll, am häufigsten wird er zwischen 3 und 4 Zoll gross auf den Münchener Markt gebracht. Er dient in hiesiger Gegend den Anglern als beliebter Köderfisch, und wird von den Fischern in Menge eingefangen, um den in den Wasserbehältern aufbewahrten Salmoneern als Futter vorgeworfen zu werden. Ueber die unter dem Namen Cyprinus aphya vorgekommenen Verwechs- lungen des Phoxinus laevis mit anderen Cyprinoiden habe ich mich bereits bei Telestes Agassizii ausgesprochen. XXII. Gattung: Chondrostoma (nach Agassiz). Gattungscharakter: Fünf, sechs oder sieben Schlundzähne in ein- facher Reihe mit sehr stark seitlich zusammengedrückten langen Kronen, deren eine Seite fast ihrer ganzen Länge nach abgeschliffen wird; die knorpelige Schnauze bald mehr bald weniger hervorragend; die Mundspalte unter- ständig und vollkommen quer mit scharfkantigen, von einer gelben, hornartigen Epidermis überzogenen Kieferrän- dern; Rücken- und Afterflosse mit kurzer Basis. 1. Art. Ch. Nasus Lin. Nase. Syn. u. Citate. Baldner Nr. 42: pag. 168. Taf. 15. Naass. Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 5. n. 15, Syn. nom. pisc. pag. 6. n. 9. Nasus. Linné Nr. 2: pag. 530. n. 21. Cyprinus Nasus. Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 35. Taf. III. Cyprinus Nasus, Nase. 1) Vergl. hierüber Schrank und Moll: Naturhistorische Briefe über Oestreich, Salz- burg etc. Bd. I. pag. 288. v. Siebold, Fische. 15

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/238
Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 225. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/238>, abgerufen am 26.03.2019.