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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Gattung: Acipenser.
liert, indem sich mit der Zeit die Spitzen und Kanten jener Platten abstum-
pfen. Die Knochen des Schädels sind nichts weiter als Hautknochen oder so-
genannte Belegknochen. Die nicht mit Knochen belegten Hautstellen zeigen
sich rauh, indem dieselben mit bald kleineren, bald grösseren Knochenkernen
und Knochenspitzen besetzt sind. Auf dem nach aufwärts gebogenen, den
oberen Lappen der Schwanzflosse bildenden Schwanzende besteht diese harte
Hautbedeckung aus gestreckten, zugespitzten Platten, welche nach Art der
Schuppen vieler Knochenfische dachziegelförmig übereinander liegen. Eine
Seitenlinie macht sich nirgends bemerkbar. Die Kiemen sind wie bei den
Knochenfischen angeordnet; die beiden Hauptkiemendeckel, welche nach
hinten die Kiemen nicht vollständig bedecken, tragen auf ihrer inneren Fläche
eine kammförmige Nebenkieme. Die zwei Flossenpaare, sowie die drei un-
paarigen Flossen werden von gegliederten biegsamen Knochenstrahlen ge-
stützt, nur die beiden Brustflossen besitzen ausserdem noch einen sehr star-
ken, unbiegsamen Knochen als ersten Flossenstrahl. Die kurze Rückenflosse
ist stets so weit nach hinten gerückt, dass unter ihrem Ende die Afterflosse
beginnt.

Alle unsere Störarten bewohnen das Meer, verlassen aber während der
wärmeren Jahreszeit auf mehrere Monate diesen Aufenthalt, um die grösseren
Flüsse hinaufzusteigen und in denselben ihr Laichgeschäft abzumachen. Die-
selben gelangen aber nicht, wie andere aus dem Meere aufsteigende Wander-
fische, so weit gegen die Quellen der Flüsse hinauf, so dass sie daher für die
Fauna von Mitteleuropa und Mitteldeutschland nur zu den Seltenheiten ge-
hören und mehr als verirrte Fremdlinge betrachtet werden müssen.

Von den sieben Störarten, welche dem schwarzen Meere angehören und
regelmässig die Donau bis Ungarn hinauf wandern, gelangen die meisten, ob-
wohl selten auch bis Oestreich, und einige höchst selten bis Bayern. Leider
sind über diese seltenen Gäste fast immer nur sehr unzureichende Notizen
bekannt gemacht worden, so dass sich bei dem Versuche, diese Störe syste-
matisch zu bestimmen, verschiedene Schwierigkeiten in den Weg stellen.

Da der reife Rogen der verschiedenen Störarten als beliebte Delicatesse
einen theuren Handelsartikel ausmacht, so werden diese Wanderfische durch
die Gewinnsucht des Menschen bei ihrem Fortpflanzungsgeschäfte so stark
verfolgt, dass man sich nicht wundern kann, wenn von allen Seiten über die
bedeutende Abnahme dieser Thiere geklagt wird.

1. Art. A. glaber Heck. Glatt-Stör.

Syn. u. Citate.

Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 270. Acipenser glaber.

Heckel u. Kner Nr. 13: pag. 332. Fig. 169 bis 171. Acipenser glaber, Glattdick.


Gattung: Acipenser.
liert, indem sich mit der Zeit die Spitzen und Kanten jener Platten abstum-
pfen. Die Knochen des Schädels sind nichts weiter als Hautknochen oder so-
genannte Belegknochen. Die nicht mit Knochen belegten Hautstellen zeigen
sich rauh, indem dieselben mit bald kleineren, bald grösseren Knochenkernen
und Knochenspitzen besetzt sind. Auf dem nach aufwärts gebogenen, den
oberen Lappen der Schwanzflosse bildenden Schwanzende besteht diese harte
Hautbedeckung aus gestreckten, zugespitzten Platten, welche nach Art der
Schuppen vieler Knochenfische dachziegelförmig übereinander liegen. Eine
Seitenlinie macht sich nirgends bemerkbar. Die Kiemen sind wie bei den
Knochenfischen angeordnet; die beiden Hauptkiemendeckel, welche nach
hinten die Kiemen nicht vollständig bedecken, tragen auf ihrer inneren Fläche
eine kammförmige Nebenkieme. Die zwei Flossenpaare, sowie die drei un-
paarigen Flossen werden von gegliederten biegsamen Knochenstrahlen ge-
stützt, nur die beiden Brustflossen besitzen ausserdem noch einen sehr star-
ken, unbiegsamen Knochen als ersten Flossenstrahl. Die kurze Rückenflosse
ist stets so weit nach hinten gerückt, dass unter ihrem Ende die Afterflosse
beginnt.

Alle unsere Störarten bewohnen das Meer, verlassen aber während der
wärmeren Jahreszeit auf mehrere Monate diesen Aufenthalt, um die grösseren
Flüsse hinaufzusteigen und in denselben ihr Laichgeschäft abzumachen. Die-
selben gelangen aber nicht, wie andere aus dem Meere aufsteigende Wander-
fische, so weit gegen die Quellen der Flüsse hinauf, so dass sie daher für die
Fauna von Mitteleuropa und Mitteldeutschland nur zu den Seltenheiten ge-
hören und mehr als verirrte Fremdlinge betrachtet werden müssen.

Von den sieben Störarten, welche dem schwarzen Meere angehören und
regelmässig die Donau bis Ungarn hinauf wandern, gelangen die meisten, ob-
wohl selten auch bis Oestreich, und einige höchst selten bis Bayern. Leider
sind über diese seltenen Gäste fast immer nur sehr unzureichende Notizen
bekannt gemacht worden, so dass sich bei dem Versuche, diese Störe syste-
matisch zu bestimmen, verschiedene Schwierigkeiten in den Weg stellen.

Da der reife Rogen der verschiedenen Störarten als beliebte Delicatesse
einen theuren Handelsartikel ausmacht, so werden diese Wanderfische durch
die Gewinnsucht des Menschen bei ihrem Fortpflanzungsgeschäfte so stark
verfolgt, dass man sich nicht wundern kann, wenn von allen Seiten über die
bedeutende Abnahme dieser Thiere geklagt wird.

1. Art. A. glaber Heck. Glatt-Stör.

Syn. u. Citate.

Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 270. Acipenser glaber.

Heckel u. Kner Nr. 13: pag. 332. Fig. 169 bis 171. Acipenser glaber, Glattdick.


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[359/0372] Gattung: Acipenser. liert, indem sich mit der Zeit die Spitzen und Kanten jener Platten abstum- pfen. Die Knochen des Schädels sind nichts weiter als Hautknochen oder so- genannte Belegknochen. Die nicht mit Knochen belegten Hautstellen zeigen sich rauh, indem dieselben mit bald kleineren, bald grösseren Knochenkernen und Knochenspitzen besetzt sind. Auf dem nach aufwärts gebogenen, den oberen Lappen der Schwanzflosse bildenden Schwanzende besteht diese harte Hautbedeckung aus gestreckten, zugespitzten Platten, welche nach Art der Schuppen vieler Knochenfische dachziegelförmig übereinander liegen. Eine Seitenlinie macht sich nirgends bemerkbar. Die Kiemen sind wie bei den Knochenfischen angeordnet; die beiden Hauptkiemendeckel, welche nach hinten die Kiemen nicht vollständig bedecken, tragen auf ihrer inneren Fläche eine kammförmige Nebenkieme. Die zwei Flossenpaare, sowie die drei un- paarigen Flossen werden von gegliederten biegsamen Knochenstrahlen ge- stützt, nur die beiden Brustflossen besitzen ausserdem noch einen sehr star- ken, unbiegsamen Knochen als ersten Flossenstrahl. Die kurze Rückenflosse ist stets so weit nach hinten gerückt, dass unter ihrem Ende die Afterflosse beginnt. Alle unsere Störarten bewohnen das Meer, verlassen aber während der wärmeren Jahreszeit auf mehrere Monate diesen Aufenthalt, um die grösseren Flüsse hinaufzusteigen und in denselben ihr Laichgeschäft abzumachen. Die- selben gelangen aber nicht, wie andere aus dem Meere aufsteigende Wander- fische, so weit gegen die Quellen der Flüsse hinauf, so dass sie daher für die Fauna von Mitteleuropa und Mitteldeutschland nur zu den Seltenheiten ge- hören und mehr als verirrte Fremdlinge betrachtet werden müssen. Von den sieben Störarten, welche dem schwarzen Meere angehören und regelmässig die Donau bis Ungarn hinauf wandern, gelangen die meisten, ob- wohl selten auch bis Oestreich, und einige höchst selten bis Bayern. Leider sind über diese seltenen Gäste fast immer nur sehr unzureichende Notizen bekannt gemacht worden, so dass sich bei dem Versuche, diese Störe syste- matisch zu bestimmen, verschiedene Schwierigkeiten in den Weg stellen. Da der reife Rogen der verschiedenen Störarten als beliebte Delicatesse einen theuren Handelsartikel ausmacht, so werden diese Wanderfische durch die Gewinnsucht des Menschen bei ihrem Fortpflanzungsgeschäfte so stark verfolgt, dass man sich nicht wundern kann, wenn von allen Seiten über die bedeutende Abnahme dieser Thiere geklagt wird. 1. Art. A. glaber Heck. Glatt-Stör. Syn. u. Citate. Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 270. Acipenser glaber. Heckel u. Kner Nr. 13: pag. 332. Fig. 169 bis 171. Acipenser glaber, Glattdick.

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 359. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/372>, abgerufen am 23.03.2019.