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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Familie: Acipenserini.

Artcharakter: Die Rückenschilde vorn und hinten niedrig, in der
Mitte am höchsten; die grossen Seitenschilde dicht anein-
andergereiht; die Schnauze ein mässig langes gleich-
schenkliges Dreieck darstellend; die Bartfäden einfach;
Oberlippe schmal, Unterlippe wulstig und in der Mitte ge-
theilt.

Der gemeine Stör, welcher von vielen süddeutschen Faunisten mit dem
Sterlet verwechselt worden ist, weicht durch seine kürzere Schnauze, sowie
durch seine ganz anders gebildeten Knochenschilder-Reihen wesentlich von
dem Sterlete ab. Die Zahl seiner Rücken- und Bauchschilder schwankt zwi-
schen 11 und 13, die seiner grossen Seitenschilder zwischen 30 und 33; die
Hautstellen, welche nicht von den Knochenschilder-Reihen bedeckt sind,
zeigen sich mit vielen kleinen, rauhen Knochenkernen besetzt.

Seine Färbung ist heller als die des Sterlets; an Grösse übertrifft der
gemeine Stör den Sterlet um ein beträchtliches, indem derselbe gewöhnlich
eine Länge von 5 bis 6 Fuss erreicht, aber auch bis zu 18 Fuss heranwach-
sen kann.

Die Heimath des gemeinen Störs ist der atlantische Ocean, die Nord-
und Ostsee, sowie das mittelländische und adriatische Meer, von wo aus der-
selbe mit dem beginnenden Frühjahre in alle diesen Meeren zufliessenden
Ströme aufsteigt, um in denselben das Fortpflanzungsgeschäft zu vollziehen,
wobei derselbe den norddeutschen Fischern, namentlich den Elbfischern, all-
jährlich einen ansehnlichen Beitrag zum Anfertigen des sogenannten klein-
körnigen Caviars liefert.

Die Bergreise des gemeinen Störs im Rhein erstreckt sich selten über
den Niederrhein hinaus, daher sein Erscheinen im Mittelrhein schon eine
Seltenheit ist. Noch seltner versteigt sich dieser Stör bis Basel, wo nach
Angabe Hartmann's 1) ein solcher von 70 Pfund Schwere gefangen wurde.
Ein im Jahre 1859 Ende Juli bei Speyer im Rhein gefangener Stör von 51/2 Fuss
Länge wird im hiesigen zoologischen Cabinete aufbewahrt.

7. Art. A. Huso Lin. Hausen.

Syn. u. Citate.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 65. n. 2, Syn. nom. pisc. pag. 92. n. 2.

Linne Nr. 2: pag. 403. n. 3. Acipenser Huso.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 79. Taf. 129. Acipenser Huso, Hausen.

Schrank Nr. 23 a: pag. 306. nr. 278. Acipenser Huso, Hausen.

Reuss Nr. 21: pag. 445. Acipenser Huso, Hausen.

Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 320. Acipenser Huso.

Heckel und Kner Nr. 13: pag. 365. Fig. 197 bis 199. Acipenser Huso, Hausen.


1) A. a. O. pag. 39.
Familie: Acipenserini.

Artcharakter: Die Rückenschilde vorn und hinten niedrig, in der
Mitte am höchsten; die grossen Seitenschilde dicht anein-
andergereiht; die Schnauze ein mässig langes gleich-
schenkliges Dreieck darstellend; die Bartfäden einfach;
Oberlippe schmal, Unterlippe wulstig und in der Mitte ge-
theilt.

Der gemeine Stör, welcher von vielen süddeutschen Faunisten mit dem
Sterlet verwechselt worden ist, weicht durch seine kürzere Schnauze, sowie
durch seine ganz anders gebildeten Knochenschilder-Reihen wesentlich von
dem Sterlete ab. Die Zahl seiner Rücken- und Bauchschilder schwankt zwi-
schen 11 und 13, die seiner grossen Seitenschilder zwischen 30 und 33; die
Hautstellen, welche nicht von den Knochenschilder-Reihen bedeckt sind,
zeigen sich mit vielen kleinen, rauhen Knochenkernen besetzt.

Seine Färbung ist heller als die des Sterlets; an Grösse übertrifft der
gemeine Stör den Sterlet um ein beträchtliches, indem derselbe gewöhnlich
eine Länge von 5 bis 6 Fuss erreicht, aber auch bis zu 18 Fuss heranwach-
sen kann.

Die Heimath des gemeinen Störs ist der atlantische Ocean, die Nord-
und Ostsee, sowie das mittelländische und adriatische Meer, von wo aus der-
selbe mit dem beginnenden Frühjahre in alle diesen Meeren zufliessenden
Ströme aufsteigt, um in denselben das Fortpflanzungsgeschäft zu vollziehen,
wobei derselbe den norddeutschen Fischern, namentlich den Elbfischern, all-
jährlich einen ansehnlichen Beitrag zum Anfertigen des sogenannten klein-
körnigen Caviars liefert.

Die Bergreise des gemeinen Störs im Rhein erstreckt sich selten über
den Niederrhein hinaus, daher sein Erscheinen im Mittelrhein schon eine
Seltenheit ist. Noch seltner versteigt sich dieser Stör bis Basel, wo nach
Angabe Hartmann’s 1) ein solcher von 70 Pfund Schwere gefangen wurde.
Ein im Jahre 1859 Ende Juli bei Speyer im Rhein gefangener Stör von 5½ Fuss
Länge wird im hiesigen zoologischen Cabinete aufbewahrt.

7. Art. A. Huso Lin. Hausen.

Syn. u. Citate.

Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 65. n. 2, Syn. nom. pisc. pag. 92. n. 2.

Linné Nr. 2: pag. 403. n. 3. Acipenser Huso.

Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 79. Taf. 129. Acipenser Huso, Hausen.

Schrank Nr. 23 a: pag. 306. nr. 278. Acipenser Huso, Hausen.

Reuss Nr. 21: pag. 445. Acipenser Huso, Hausen.

Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 320. Acipenser Huso.

Heckel und Kner Nr. 13: pag. 365. Fig. 197 bis 199. Acipenser Huso, Hausen.


1) A. a. O. pag. 39.
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[364/0377] Familie: Acipenserini. Artcharakter: Die Rückenschilde vorn und hinten niedrig, in der Mitte am höchsten; die grossen Seitenschilde dicht anein- andergereiht; die Schnauze ein mässig langes gleich- schenkliges Dreieck darstellend; die Bartfäden einfach; Oberlippe schmal, Unterlippe wulstig und in der Mitte ge- theilt. Der gemeine Stör, welcher von vielen süddeutschen Faunisten mit dem Sterlet verwechselt worden ist, weicht durch seine kürzere Schnauze, sowie durch seine ganz anders gebildeten Knochenschilder-Reihen wesentlich von dem Sterlete ab. Die Zahl seiner Rücken- und Bauchschilder schwankt zwi- schen 11 und 13, die seiner grossen Seitenschilder zwischen 30 und 33; die Hautstellen, welche nicht von den Knochenschilder-Reihen bedeckt sind, zeigen sich mit vielen kleinen, rauhen Knochenkernen besetzt. Seine Färbung ist heller als die des Sterlets; an Grösse übertrifft der gemeine Stör den Sterlet um ein beträchtliches, indem derselbe gewöhnlich eine Länge von 5 bis 6 Fuss erreicht, aber auch bis zu 18 Fuss heranwach- sen kann. Die Heimath des gemeinen Störs ist der atlantische Ocean, die Nord- und Ostsee, sowie das mittelländische und adriatische Meer, von wo aus der- selbe mit dem beginnenden Frühjahre in alle diesen Meeren zufliessenden Ströme aufsteigt, um in denselben das Fortpflanzungsgeschäft zu vollziehen, wobei derselbe den norddeutschen Fischern, namentlich den Elbfischern, all- jährlich einen ansehnlichen Beitrag zum Anfertigen des sogenannten klein- körnigen Caviars liefert. Die Bergreise des gemeinen Störs im Rhein erstreckt sich selten über den Niederrhein hinaus, daher sein Erscheinen im Mittelrhein schon eine Seltenheit ist. Noch seltner versteigt sich dieser Stör bis Basel, wo nach Angabe Hartmann’s 1) ein solcher von 70 Pfund Schwere gefangen wurde. Ein im Jahre 1859 Ende Juli bei Speyer im Rhein gefangener Stör von 5½ Fuss Länge wird im hiesigen zoologischen Cabinete aufbewahrt. 7. Art. A. Huso Lin. Hausen. Syn. u. Citate. Artedi Nr. 1: Gen. pisc. pag. 65. n. 2, Syn. nom. pisc. pag. 92. n. 2. Linné Nr. 2: pag. 403. n. 3. Acipenser Huso. Bloch Nr. 3 a: Th. I. pag. 79. Taf. 129. Acipenser Huso, Hausen. Schrank Nr. 23 a: pag. 306. nr. 278. Acipenser Huso, Hausen. Reuss Nr. 21: pag. 445. Acipenser Huso, Hausen. Fitzinger und Heckel Nr. 12: pag. 320. Acipenser Huso. Heckel und Kner Nr. 13: pag. 365. Fig. 197 bis 199. Acipenser Huso, Hausen. 1) A. a. O. pag. 39.

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 364. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/377>, abgerufen am 20.03.2019.