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Siemens, Werner von: Gesammelte Abhandlungen und Vorträge. Berlin, 1881.

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Ueber die
Abhängigkeit der elektrischen Leitungsfähig-
keit des Selens von Wärme und Licht.

(Mon.ber. d. Berl. Akad. d. W. v. 17. Febr.)

1876.



Das von Berzelius 1817 entdeckte Selen steht wie das Tellur
auf der Grenze zwischen den Metallen und Metalloiden und hat
sowohl chemische wie physikalische Eigenschaften beider Klassen
von Körpern.

Die physikalischen Eigenschaften des Selens sind namentlich
von Hittorf1) in seiner Abhandlung über die Allotropie des Se-
lens untersucht. Er fand, dass es bei 217 °C. schmilzt, dass es
bei der Abkühlung bis weit unter seinen Schmelzpunkt flüssig
bleibt, dass es bei weiterer schneller Abkühlung zu einer glasigen,
amorphen, die Elektricität nicht leitenden Masse von etwas grün-
lichem Ansehen vom specifischen Gewichte 4,276 erstarrt, ohne
seine latente Schmelzwärme abzugeben. Wird dies amorphe Selen
wieder erhitzt, so beginnt bereits bei 80 °C. eine Umwandlung
desselben. Es bekommt ein weisses, metallisches Ansehen, ein
feinkörniges, krystallinisches Gefüge, verdichtet sich zum speci-
fischen Gewichte 4,7962) und entbindet dabei eine so bedeutende
Wärmemenge, dass es sich in grösseren Mengen bis zu seinem
Schmelzpunkte erhitzt. Es leitet in diesem krystallinischen Zu-
stande die Elektricität wie die Kohle, das Tellur und die Elek-

1) Pogg. Ann. Bd. 84, pag. 214. 1851.
2) Rammelsberg hat neuerdings das sp. Gewicht des amorphen Selens
auf 4,28, das des krystallinischen auf 4,8 resp. 4,5 bestimmt.
Ueber die
Abhängigkeit der elektrischen Leitungsfähig-
keit des Selens von Wärme und Licht.

(Mon.ber. d. Berl. Akad. d. W. v. 17. Febr.)

1876.



Das von Berzelius 1817 entdeckte Selen steht wie das Tellur
auf der Grenze zwischen den Metallen und Metalloiden und hat
sowohl chemische wie physikalische Eigenschaften beider Klassen
von Körpern.

Die physikalischen Eigenschaften des Selens sind namentlich
von Hittorf1) in seiner Abhandlung über die Allotropie des Se-
lens untersucht. Er fand, dass es bei 217 °C. schmilzt, dass es
bei der Abkühlung bis weit unter seinen Schmelzpunkt flüssig
bleibt, dass es bei weiterer schneller Abkühlung zu einer glasigen,
amorphen, die Elektricität nicht leitenden Masse von etwas grün-
lichem Ansehen vom specifischen Gewichte 4,276 erstarrt, ohne
seine latente Schmelzwärme abzugeben. Wird dies amorphe Selen
wieder erhitzt, so beginnt bereits bei 80 °C. eine Umwandlung
desselben. Es bekommt ein weisses, metallisches Ansehen, ein
feinkörniges, krystallinisches Gefüge, verdichtet sich zum speci-
fischen Gewichte 4,7962) und entbindet dabei eine so bedeutende
Wärmemenge, dass es sich in grösseren Mengen bis zu seinem
Schmelzpunkte erhitzt. Es leitet in diesem krystallinischen Zu-
stande die Elektricität wie die Kohle, das Tellur und die Elek-

1) Pogg. Ann. Bd. 84, pag. 214. 1851.
2) Rammelsberg hat neuerdings das sp. Gewicht des amorphen Selens
auf 4,28, das des krystallinischen auf 4,8 resp. 4,5 bestimmt.
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[[377]/0395] Ueber die Abhängigkeit der elektrischen Leitungsfähig- keit des Selens von Wärme und Licht. (Mon.ber. d. Berl. Akad. d. W. v. 17. Febr.) 1876. Das von Berzelius 1817 entdeckte Selen steht wie das Tellur auf der Grenze zwischen den Metallen und Metalloiden und hat sowohl chemische wie physikalische Eigenschaften beider Klassen von Körpern. Die physikalischen Eigenschaften des Selens sind namentlich von Hittorf 1) in seiner Abhandlung über die Allotropie des Se- lens untersucht. Er fand, dass es bei 217 °C. schmilzt, dass es bei der Abkühlung bis weit unter seinen Schmelzpunkt flüssig bleibt, dass es bei weiterer schneller Abkühlung zu einer glasigen, amorphen, die Elektricität nicht leitenden Masse von etwas grün- lichem Ansehen vom specifischen Gewichte 4,276 erstarrt, ohne seine latente Schmelzwärme abzugeben. Wird dies amorphe Selen wieder erhitzt, so beginnt bereits bei 80 °C. eine Umwandlung desselben. Es bekommt ein weisses, metallisches Ansehen, ein feinkörniges, krystallinisches Gefüge, verdichtet sich zum speci- fischen Gewichte 4,796 2) und entbindet dabei eine so bedeutende Wärmemenge, dass es sich in grösseren Mengen bis zu seinem Schmelzpunkte erhitzt. Es leitet in diesem krystallinischen Zu- stande die Elektricität wie die Kohle, das Tellur und die Elek- 1) Pogg. Ann. Bd. 84, pag. 214. 1851. 2) Rammelsberg hat neuerdings das sp. Gewicht des amorphen Selens auf 4,28, das des krystallinischen auf 4,8 resp. 4,5 bestimmt.

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Zitationshilfe: Siemens, Werner von: Gesammelte Abhandlungen und Vorträge. Berlin, 1881, S. [377]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siemens_abhandlungen_1881/395>, abgerufen am 20.04.2019.