Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700.

Bild:
<< vorherige Seite

Das andere Capitel.
kan; daß also wo ich hart gegen selbige zu eiffern einigen geschienen/ besser-
verständige leicht erkennen werden/ der jenige verwerffe eine sache nicht/ son-
dern ehre sie in der wahrheit/ welcher derselben verderbnüß gebessert/ und sie
ihrem zweck gemäß eingerichtet zu werden verlanget. Hingegen hoffe ich/
werden alle diejenige/ so selbs an solchen orten sind/ und gern alles zu der ehre
Gottes dirigiret sehen möchten/ manches/ was sie sehen und sehen müssen/ zu
gegenwärtiger zeit beseufftzen. Mein einiger haupt-zweck/ den ich an allen or-
ten bey hohen schulen nach meiner einfalt verlangte/ würde derjenige seyn/
daß was das studium Theologicum und die Philosophiam (wie sie mit de-
nen/ welche zu jenem bestimmet sind/ gehandelt wird) anlangt/ alles nach der
absicht eingerichtet würde/ wie am füglichsten die jugend zu der Heil. Schrifft
selbs angewiesen/ und der verstand derselben durch treuliche beybringung
der sprachen/ und so viel aus andern menschlichen wissenschafften den ver-
stand zu einer solchen fähigkeit mehr bereiten kan/ derselben mehr erleichtert
würde: so dann daß so wol die materien selbs also gehandelt als auff alle ü-
brige mögliche weise dieses gesucht würde/ daß die zu einem solchen heiligen
zweck gewidmete jugend zu einem solchen leben gebracht/ und die gemüther
also durch göttliche gnade bereitet würden/ daß sie ihre studia in wahrer got-
tesforcht führten/ und also solche subjecta wären/ die nicht nur mit ihrem
menschlichen fleiß von ihren Praeceptoribus lerneten/ sondern durch dieselbe
und in ihrer eigenen arbeit/ lesen und meditiren wahrhafftig der wirckung
des Heiligen Geistes fähig wären/ von ihrer Theologia eine nicht nur
buchstäbliche sondern wahrhafftig lebendige erkäntnüß zu haben: von wel-
cherley leuten wir gewißlich gar viel anders/ als wir leider jetzo insgemein
zu geschehen sehen/ in der Christlichen kirche nutzen haben möchten. Auff die-
se beyde stücke gehet alle meine absicht/ und hoffe ich/ daß alle cordati und der
reinen Evangelischen wahrheit (was Papisten anlangt/ müssen wir densel-
ben nachgeben/ daß sie ihrem principio gemäß zu der schrifft die ihrige nicht
führen/ sondern der kirche lehr zu ihrer regel machen.) liebhaber mit mir
einstimmig seyn werden. Daher von demselben vor andern mich versehe/
daß dessen zweck auff gleiches ziehlen werde: wie solte mich aber auch dabey
erfreuen/ da von demselben benachrichtiget werden könte/ daß deroselben ihre
Universität nach solchem zweck in allem sich regulire: so ich allen von grund
der seelen wünsche. 1683.

SECTIO IV.
An einen Doctorem Theologiae von anfüh-
rung der Studiosorum Theologiae.
Jch

Das andere Capitel.
kan; daß alſo wo ich hart gegen ſelbige zu eiffern einigen geſchienen/ beſſer-
verſtaͤndige leicht erkennen werden/ der jenige verwerffe eine ſache nicht/ ſon-
dern ehre ſie in der wahrheit/ welcher derſelben verderbnuͤß gebeſſert/ und ſie
ihrem zweck gemaͤß eingerichtet zu werden verlanget. Hingegen hoffe ich/
werden alle diejenige/ ſo ſelbs an ſolchen orten ſind/ und gern alles zu der ehre
Gottes dirigiret ſehen moͤchten/ manches/ was ſie ſehen und ſehen muͤſſen/ zu
gegenwaͤrtiger zeit beſeufftzen. Mein einiger haupt-zweck/ den ich an allen or-
ten bey hohen ſchulen nach meiner einfalt verlangte/ wuͤrde derjenige ſeyn/
daß was das ſtudium Theologicum und die Philoſophiam (wie ſie mit de-
nen/ welche zu jenem beſtimmet ſind/ gehandelt wird) anlangt/ alles nach der
abſicht eingerichtet wuͤrde/ wie am fuͤglichſten die jugend zu der Heil. Schrifft
ſelbs angewieſen/ und der verſtand derſelben durch treuliche beybringung
der ſprachen/ und ſo viel aus andern menſchlichen wiſſenſchafften den ver-
ſtand zu einer ſolchen faͤhigkeit mehr bereiten kan/ derſelben mehr erleichtert
wuͤrde: ſo dann daß ſo wol die materien ſelbs alſo gehandelt als auff alle uͤ-
brige moͤgliche weiſe dieſes geſucht wuͤrde/ daß die zu einem ſolchen heiligen
zweck gewidmete jugend zu einem ſolchen leben gebracht/ und die gemuͤther
alſo durch goͤttliche gnade bereitet wuͤrden/ daß ſie ihre ſtudia in wahrer got-
tesforcht fuͤhrten/ und alſo ſolche ſubjecta waͤren/ die nicht nur mit ihrem
menſchlichen fleiß von ihren Præceptoribus lerneten/ ſondern durch dieſelbe
und in ihrer eigenen arbeit/ leſen und meditiren wahrhafftig der wirckung
des Heiligen Geiſtes faͤhig waͤren/ von ihrer Theologia eine nicht nur
buchſtaͤbliche ſondern wahrhafftig lebendige erkaͤntnuͤß zu haben: von wel-
cherley leuten wir gewißlich gar viel anders/ als wir leider jetzo insgemein
zu geſchehen ſehen/ in der Chriſtlichen kirche nutzen haben moͤchten. Auff die-
ſe beyde ſtuͤcke gehet alle meine abſicht/ und hoffe ich/ daß alle cordati und der
reinen Evangeliſchen wahrheit (was Papiſten anlangt/ muͤſſen wir denſel-
ben nachgeben/ daß ſie ihrem principio gemaͤß zu der ſchrifft die ihrige nicht
fuͤhren/ ſondern der kirche lehr zu ihrer regel machen.) liebhaber mit mir
einſtimmig ſeyn werden. Daher von demſelben vor andern mich verſehe/
daß deſſen zweck auff gleiches ziehlen werde: wie ſolte mich aber auch dabey
erfreuen/ da von demſelben benachrichtiget werden koͤnte/ daß deroſelben ihre
Univerſitaͤt nach ſolchem zweck in allem ſich regulire: ſo ich allen von grund
der ſeelen wuͤnſche. 1683.

SECTIO IV.
An einen Doctorem Theologiæ von anfuͤh-
rung der Studioſorum Theologiæ.
Jch
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0420" n="404"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das andere Capitel.</hi></fw><lb/>
kan; daß al&#x017F;o wo ich hart gegen &#x017F;elbige zu eiffern einigen ge&#x017F;chienen/ be&#x017F;&#x017F;er-<lb/>
ver&#x017F;ta&#x0364;ndige leicht erkennen werden/ der jenige verwerffe eine &#x017F;ache nicht/ &#x017F;on-<lb/>
dern ehre &#x017F;ie in der wahrheit/ welcher der&#x017F;elben verderbnu&#x0364;ß gebe&#x017F;&#x017F;ert/ und &#x017F;ie<lb/>
ihrem zweck gema&#x0364;ß eingerichtet zu werden verlanget. Hingegen hoffe ich/<lb/>
werden alle diejenige/ &#x017F;o &#x017F;elbs an &#x017F;olchen orten &#x017F;ind/ und gern alles zu der ehre<lb/>
Gottes <hi rendition="#aq">dirigi</hi>ret &#x017F;ehen mo&#x0364;chten/ manches/ was &#x017F;ie &#x017F;ehen und &#x017F;ehen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en/ zu<lb/>
gegenwa&#x0364;rtiger zeit be&#x017F;eufftzen. Mein einiger haupt-zweck/ den ich an allen or-<lb/>
ten bey hohen &#x017F;chulen nach meiner einfalt verlangte/ wu&#x0364;rde derjenige &#x017F;eyn/<lb/>
daß was das <hi rendition="#aq">&#x017F;tudium Theologicum</hi> und die <hi rendition="#aq">Philo&#x017F;ophiam</hi> (wie &#x017F;ie mit de-<lb/>
nen/ welche zu jenem be&#x017F;timmet &#x017F;ind/ gehandelt wird) anlangt/ alles nach der<lb/>
ab&#x017F;icht eingerichtet wu&#x0364;rde/ wie am fu&#x0364;glich&#x017F;ten die jugend zu der Heil. Schrifft<lb/>
&#x017F;elbs angewie&#x017F;en/ und der ver&#x017F;tand der&#x017F;elben durch treuliche beybringung<lb/>
der &#x017F;prachen/ und &#x017F;o viel aus andern men&#x017F;chlichen wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chafften den ver-<lb/>
&#x017F;tand zu einer &#x017F;olchen fa&#x0364;higkeit mehr bereiten kan/ der&#x017F;elben mehr erleichtert<lb/>
wu&#x0364;rde: &#x017F;o dann daß &#x017F;o wol die materien &#x017F;elbs al&#x017F;o gehandelt als auff alle u&#x0364;-<lb/>
brige mo&#x0364;gliche wei&#x017F;e die&#x017F;es ge&#x017F;ucht wu&#x0364;rde/ daß die zu einem &#x017F;olchen heiligen<lb/>
zweck gewidmete jugend zu einem &#x017F;olchen leben gebracht/ und die gemu&#x0364;ther<lb/>
al&#x017F;o durch go&#x0364;ttliche gnade bereitet wu&#x0364;rden/ daß &#x017F;ie ihre <hi rendition="#aq">&#x017F;tudia</hi> in wahrer got-<lb/>
tesforcht fu&#x0364;hrten/ und al&#x017F;o &#x017F;olche <hi rendition="#aq">&#x017F;ubjecta</hi> wa&#x0364;ren/ die nicht nur mit ihrem<lb/>
men&#x017F;chlichen fleiß von ihren <hi rendition="#aq">Præceptoribus</hi> lerneten/ &#x017F;ondern durch die&#x017F;elbe<lb/>
und in ihrer eigenen arbeit/ le&#x017F;en und <hi rendition="#aq">mediti</hi>ren wahrhafftig der wirckung<lb/>
des Heiligen Gei&#x017F;tes fa&#x0364;hig wa&#x0364;ren/ von ihrer <hi rendition="#aq">Theologia</hi> eine nicht nur<lb/>
buch&#x017F;ta&#x0364;bliche &#x017F;ondern wahrhafftig lebendige erka&#x0364;ntnu&#x0364;ß zu haben: von wel-<lb/>
cherley leuten wir gewißlich gar viel anders/ als wir leider jetzo insgemein<lb/>
zu ge&#x017F;chehen &#x017F;ehen/ in der Chri&#x017F;tlichen kirche nutzen haben mo&#x0364;chten. Auff die-<lb/>
&#x017F;e beyde &#x017F;tu&#x0364;cke gehet alle meine ab&#x017F;icht/ und hoffe ich/ daß alle <hi rendition="#aq">cordati</hi> und der<lb/>
reinen Evangeli&#x017F;chen wahrheit (was Papi&#x017F;ten anlangt/ mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en wir den&#x017F;el-<lb/>
ben nachgeben/ daß &#x017F;ie ihrem <hi rendition="#aq">principio</hi> gema&#x0364;ß zu der &#x017F;chrifft die ihrige nicht<lb/>
fu&#x0364;hren/ &#x017F;ondern der kirche lehr zu ihrer regel machen.) liebhaber mit mir<lb/>
ein&#x017F;timmig &#x017F;eyn werden. Daher von dem&#x017F;elben vor andern mich ver&#x017F;ehe/<lb/>
daß de&#x017F;&#x017F;en zweck auff gleiches ziehlen werde: wie &#x017F;olte mich aber auch dabey<lb/>
erfreuen/ da von dem&#x017F;elben benachrichtiget werden ko&#x0364;nte/ daß dero&#x017F;elben ihre<lb/>
Univer&#x017F;ita&#x0364;t nach &#x017F;olchem zweck in allem &#x017F;ich <hi rendition="#aq">reguli</hi>re: &#x017F;o ich allen von grund<lb/>
der &#x017F;eelen wu&#x0364;n&#x017F;che. 1683.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">SECTIO IV.</hi></hi><lb/>
An einen <hi rendition="#aq">Doctorem Theologiæ</hi> von anfu&#x0364;h-<lb/>
rung der <hi rendition="#aq">Studio&#x017F;orum Theologiæ.</hi></hi> </head><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">Jch</fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[404/0420] Das andere Capitel. kan; daß alſo wo ich hart gegen ſelbige zu eiffern einigen geſchienen/ beſſer- verſtaͤndige leicht erkennen werden/ der jenige verwerffe eine ſache nicht/ ſon- dern ehre ſie in der wahrheit/ welcher derſelben verderbnuͤß gebeſſert/ und ſie ihrem zweck gemaͤß eingerichtet zu werden verlanget. Hingegen hoffe ich/ werden alle diejenige/ ſo ſelbs an ſolchen orten ſind/ und gern alles zu der ehre Gottes dirigiret ſehen moͤchten/ manches/ was ſie ſehen und ſehen muͤſſen/ zu gegenwaͤrtiger zeit beſeufftzen. Mein einiger haupt-zweck/ den ich an allen or- ten bey hohen ſchulen nach meiner einfalt verlangte/ wuͤrde derjenige ſeyn/ daß was das ſtudium Theologicum und die Philoſophiam (wie ſie mit de- nen/ welche zu jenem beſtimmet ſind/ gehandelt wird) anlangt/ alles nach der abſicht eingerichtet wuͤrde/ wie am fuͤglichſten die jugend zu der Heil. Schrifft ſelbs angewieſen/ und der verſtand derſelben durch treuliche beybringung der ſprachen/ und ſo viel aus andern menſchlichen wiſſenſchafften den ver- ſtand zu einer ſolchen faͤhigkeit mehr bereiten kan/ derſelben mehr erleichtert wuͤrde: ſo dann daß ſo wol die materien ſelbs alſo gehandelt als auff alle uͤ- brige moͤgliche weiſe dieſes geſucht wuͤrde/ daß die zu einem ſolchen heiligen zweck gewidmete jugend zu einem ſolchen leben gebracht/ und die gemuͤther alſo durch goͤttliche gnade bereitet wuͤrden/ daß ſie ihre ſtudia in wahrer got- tesforcht fuͤhrten/ und alſo ſolche ſubjecta waͤren/ die nicht nur mit ihrem menſchlichen fleiß von ihren Præceptoribus lerneten/ ſondern durch dieſelbe und in ihrer eigenen arbeit/ leſen und meditiren wahrhafftig der wirckung des Heiligen Geiſtes faͤhig waͤren/ von ihrer Theologia eine nicht nur buchſtaͤbliche ſondern wahrhafftig lebendige erkaͤntnuͤß zu haben: von wel- cherley leuten wir gewißlich gar viel anders/ als wir leider jetzo insgemein zu geſchehen ſehen/ in der Chriſtlichen kirche nutzen haben moͤchten. Auff die- ſe beyde ſtuͤcke gehet alle meine abſicht/ und hoffe ich/ daß alle cordati und der reinen Evangeliſchen wahrheit (was Papiſten anlangt/ muͤſſen wir denſel- ben nachgeben/ daß ſie ihrem principio gemaͤß zu der ſchrifft die ihrige nicht fuͤhren/ ſondern der kirche lehr zu ihrer regel machen.) liebhaber mit mir einſtimmig ſeyn werden. Daher von demſelben vor andern mich verſehe/ daß deſſen zweck auff gleiches ziehlen werde: wie ſolte mich aber auch dabey erfreuen/ da von demſelben benachrichtiget werden koͤnte/ daß deroſelben ihre Univerſitaͤt nach ſolchem zweck in allem ſich regulire: ſo ich allen von grund der ſeelen wuͤnſche. 1683. SECTIO IV. An einen Doctorem Theologiæ von anfuͤh- rung der Studioſorum Theologiæ. Jch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700/420
Zitationshilfe: Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700, S. 404. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700/420>, abgerufen am 21.10.2019.