Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700.

Bild:
<< vorherige Seite

ARTIC. V. SECTIO VII.
selben materie aus vorwand dieses mangels den gehorsam dem edict der obern
entziehen wolten. Dazu noch kommet/ welches allemal widerholet werden muß/
und am kräfftigsten den gemachten einwurff ablehnet/ daß in denen gantzen ge-
schäfft hie gar nicht von der abschaffung des exorcismi selbs/ der doch in unser
kirchen erstanden auch wol ohne ausdrückliche befragung und consens der ge-
meinden mag behalten/ und insgesamt alles nach dem gutbefinden der obern
eingerichtet seyn worden (da man sagen möchte/ daß was sie beliebet/ sie auch
wider auffheben könten) sondern gleichsam nur einer dispensation und freyheit
gewisser personen gehandelt wird: Da sonsten auch insgemein die dispensati-
ones
und privilegia allein bey den obern gesucht zuwerden pflegen/ und alsdann
an dero gültigkeit niemand zweiffelt.

Aus allem diesem bin versichert/ daß/ wer ohne vorurtheil die gantze sa-
che wie sie hie vorgestellet/ erwegen wird/ nothwendig werde bekennen müssen/
daß man dem Churf. edicto in diesem den exorcismum angehenden punct nicht
nur nach geleben könne/ und sein gewissen damit nicht verletze/ sondern daß man
mit dessen übertretung sich wahrhafftig versündigen würde.

Der HErr aber zeige uns selbs in allen dingen seinen willen/ und lasse
uns nie davon zur rechten oder lincken abweichen: er lasse zu solchem ende glau-
ben und liebe stets unser regel bleiben/ so werden wir nicht irre/ auch alles was
wir thun/ desto gesegneter zugeschehn erfahren. Amen.

SECTIO VII.
Wie fern andre als prediger sich im nothfall auch
der veraltung der Sacramenten anmassen
dörfften.

DAß ich vor 3. wochen solte in der predigt gelehrt haben/ daß in dem
nothfall iederman solte können consecriren, ist ohne grund/ wie dann
die vorgehabte materien solches auch nichtgebracht haben: Sondern
dieses habe damahl in der materi von der vergebung der sünden vorgetragen/
daß in dem nothfall ieglicher Christ möge die vergebung der sünden seinem bru-
der verkündigen/ welches eine gantz abgesonderte frag von der andern ist/ wegen
der communion. Darinnen unsere Theologi alle einstimmen/ nemlich daß
solche absolution erlaubt und gültig. Wie zu sehen von Luthero, Chemnitio,
Wigando, Hessusio, Brochmanno, Dannhauero,
was aber meine meinung von
der communion seye/ folget hiebey/ wie ich solche von wort zu wort vergange-
nen sommer unserer Christlichen gemeinde vorgetragen habe. Jch möchte die
sache in diese wenige sätze fassen.

1. Ordenlicher weiß wie das gantze kirchen ampt/ lehren/ vermahnen/
trö-

ARTIC. V. SECTIO VII.
ſelben materie aus vorwand dieſes mangels den gehorſam dem edict der obern
entziehen wolten. Dazu noch kommet/ welches allemal widerholet werden muß/
und am kraͤfftigſten den gemachten einwurff ablehnet/ daß in denen gantzen ge-
ſchaͤfft hie gar nicht von der abſchaffung des exorciſmi ſelbs/ der doch in unſer
kirchen erſtanden auch wol ohne ausdruͤckliche befragung und conſens der ge-
meinden mag behalten/ und insgeſamt alles nach dem gutbefinden der obern
eingerichtet ſeyn worden (da man ſagen moͤchte/ daß was ſie beliebet/ ſie auch
wider auffheben koͤnten) ſondern gleichſam nur einer diſpenſation und freyheit
gewiſſer perſonen gehandelt wird: Da ſonſten auch insgemein die diſpenſati-
ones
und privilegia allein bey den obern geſucht zuwerden pflegen/ und alsdann
an dero guͤltigkeit niemand zweiffelt.

Aus allem dieſem bin verſichert/ daß/ wer ohne vorurtheil die gantze ſa-
che wie ſie hie vorgeſtellet/ erwegen wird/ nothwendig werde bekennen muͤſſen/
daß man dem Churf. edicto in dieſem den exorciſmum angehenden punct nicht
nur nach geleben koͤnne/ und ſein gewiſſen damit nicht verletze/ ſondern daß man
mit deſſen uͤbertretung ſich wahrhafftig verſuͤndigen wuͤrde.

Der HErr aber zeige uns ſelbs in allen dingen ſeinen willen/ und laſſe
uns nie davon zur rechten oder lincken abweichen: er laſſe zu ſolchem ende glau-
ben und liebe ſtets unſer regel bleiben/ ſo werden wir nicht irre/ auch alles was
wir thun/ deſto geſegneter zugeſchehn erfahren. Amen.

SECTIO VII.
Wie fern andre als prediger ſich im nothfall auch
der veraltung der Sacramenten anmaſſen
doͤrfften.

DAß ich vor 3. wochen ſolte in der predigt gelehrt haben/ daß in dem
nothfall iederman ſolte koͤnnen conſecriren, iſt ohne grund/ wie dann
die vorgehabte materien ſolches auch nichtgebracht haben: Sondern
dieſes habe damahl in der materi von der vergebung der ſuͤnden vorgetragen/
daß in dem nothfall ieglicher Chriſt moͤge die vergebung der ſuͤnden ſeinem bru-
der verkuͤndigen/ welches eine gantz abgeſonderte frag von der andern iſt/ wegen
der communion. Darinnen unſere Theologi alle einſtimmen/ nemlich daß
ſolche abſolution erlaubt und guͤltig. Wie zu ſehen von Luthero, Chemnitio,
Wigando, Heſſuſio, Brochmanno, Dannhauero,
was aber meine meinung von
der communion ſeye/ folget hiebey/ wie ich ſolche von wort zu wort vergange-
nen ſommer unſerer Chriſtlichen gemeinde vorgetragen habe. Jch moͤchte die
ſache in dieſe wenige ſaͤtze faſſen.

1. Ordenlicher weiß wie das gantze kirchen ampt/ lehren/ vermahnen/
troͤ-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0975" n="175"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">ARTIC. V. SECTIO</hi> VII.</hi></hi></fw><lb/>
&#x017F;elben materie aus vorwand die&#x017F;es mangels den gehor&#x017F;am dem <hi rendition="#aq">edict</hi> der obern<lb/>
entziehen wolten. Dazu noch kommet/ welches allemal widerholet werden muß/<lb/>
und am kra&#x0364;fftig&#x017F;ten den gemachten einwurff ablehnet/ daß in denen gantzen ge-<lb/>
&#x017F;cha&#x0364;fft hie gar nicht von der ab&#x017F;chaffung des <hi rendition="#aq">exorci&#x017F;mi</hi> &#x017F;elbs/ der doch in un&#x017F;er<lb/>
kirchen er&#x017F;tanden auch wol ohne ausdru&#x0364;ckliche befragung und <hi rendition="#aq">con&#x017F;ens</hi> der ge-<lb/>
meinden mag behalten/ und insge&#x017F;amt alles nach dem gutbefinden der obern<lb/>
eingerichtet &#x017F;eyn worden (da man &#x017F;agen mo&#x0364;chte/ daß was &#x017F;ie beliebet/ &#x017F;ie auch<lb/>
wider auffheben ko&#x0364;nten) &#x017F;ondern gleich&#x017F;am nur einer <hi rendition="#aq">di&#x017F;pen&#x017F;ation</hi> und freyheit<lb/>
gewi&#x017F;&#x017F;er per&#x017F;onen gehandelt wird: Da &#x017F;on&#x017F;ten auch insgemein die <hi rendition="#aq">di&#x017F;pen&#x017F;ati-<lb/>
ones</hi> und <hi rendition="#aq">privilegia</hi> allein bey den obern ge&#x017F;ucht zuwerden pflegen/ und alsdann<lb/>
an dero gu&#x0364;ltigkeit niemand zweiffelt.</p><lb/>
            <p>Aus allem die&#x017F;em bin ver&#x017F;ichert/ daß/ wer ohne vorurtheil die gantze &#x017F;a-<lb/>
che wie &#x017F;ie hie vorge&#x017F;tellet/ erwegen wird/ nothwendig werde bekennen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en/<lb/>
daß man dem Churf. <hi rendition="#aq">edicto</hi> in die&#x017F;em den <hi rendition="#aq">exorci&#x017F;mum</hi> angehenden <hi rendition="#aq">punct</hi> nicht<lb/>
nur nach geleben ko&#x0364;nne/ und &#x017F;ein gewi&#x017F;&#x017F;en damit nicht verletze/ &#x017F;ondern daß man<lb/>
mit de&#x017F;&#x017F;en u&#x0364;bertretung &#x017F;ich wahrhafftig ver&#x017F;u&#x0364;ndigen wu&#x0364;rde.</p><lb/>
            <p>Der HErr aber zeige uns &#x017F;elbs in allen dingen &#x017F;einen willen/ und la&#x017F;&#x017F;e<lb/>
uns nie davon zur rechten oder lincken abweichen: er la&#x017F;&#x017F;e zu &#x017F;olchem ende glau-<lb/>
ben und liebe &#x017F;tets un&#x017F;er regel bleiben/ &#x017F;o werden wir nicht irre/ auch alles was<lb/>
wir thun/ de&#x017F;to ge&#x017F;egneter zuge&#x017F;chehn erfahren. Amen.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">SECTIO</hi> VII.</hi><lb/>
Wie fern andre als prediger &#x017F;ich im nothfall auch<lb/>
der veraltung der Sacramenten anma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
do&#x0364;rfften.</hi> </head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>Aß ich vor 3. wochen &#x017F;olte in der predigt gelehrt haben/ daß in dem<lb/>
nothfall iederman &#x017F;olte ko&#x0364;nnen <hi rendition="#aq">con&#x017F;ecriren,</hi> i&#x017F;t ohne grund/ wie dann<lb/>
die vorgehabte materien &#x017F;olches auch nichtgebracht haben: Sondern<lb/>
die&#x017F;es habe damahl in der materi von der vergebung der &#x017F;u&#x0364;nden vorgetragen/<lb/>
daß in dem nothfall ieglicher Chri&#x017F;t mo&#x0364;ge die vergebung der &#x017F;u&#x0364;nden &#x017F;einem bru-<lb/>
der verku&#x0364;ndigen/ welches eine gantz abge&#x017F;onderte frag von der andern i&#x017F;t/ wegen<lb/>
der <hi rendition="#aq">communion.</hi> Darinnen un&#x017F;ere <hi rendition="#aq">Theologi</hi> alle ein&#x017F;timmen/ nemlich daß<lb/>
&#x017F;olche ab&#x017F;olution erlaubt und gu&#x0364;ltig. Wie zu &#x017F;ehen von <hi rendition="#aq">Luthero, Chemnitio,<lb/>
Wigando, He&#x017F;&#x017F;u&#x017F;io, Brochmanno, Dannhauero,</hi> was aber meine meinung von<lb/>
der <hi rendition="#aq">communion</hi> &#x017F;eye/ folget hiebey/ wie ich &#x017F;olche von wort zu wort vergange-<lb/>
nen &#x017F;ommer un&#x017F;erer Chri&#x017F;tlichen gemeinde vorgetragen habe. Jch mo&#x0364;chte die<lb/>
&#x017F;ache in die&#x017F;e wenige &#x017F;a&#x0364;tze fa&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
            <list>
              <item>1. Ordenlicher weiß wie das gantze kirchen ampt/ lehren/ vermahnen/<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">tro&#x0364;-</fw><lb/></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[175/0975] ARTIC. V. SECTIO VII. ſelben materie aus vorwand dieſes mangels den gehorſam dem edict der obern entziehen wolten. Dazu noch kommet/ welches allemal widerholet werden muß/ und am kraͤfftigſten den gemachten einwurff ablehnet/ daß in denen gantzen ge- ſchaͤfft hie gar nicht von der abſchaffung des exorciſmi ſelbs/ der doch in unſer kirchen erſtanden auch wol ohne ausdruͤckliche befragung und conſens der ge- meinden mag behalten/ und insgeſamt alles nach dem gutbefinden der obern eingerichtet ſeyn worden (da man ſagen moͤchte/ daß was ſie beliebet/ ſie auch wider auffheben koͤnten) ſondern gleichſam nur einer diſpenſation und freyheit gewiſſer perſonen gehandelt wird: Da ſonſten auch insgemein die diſpenſati- ones und privilegia allein bey den obern geſucht zuwerden pflegen/ und alsdann an dero guͤltigkeit niemand zweiffelt. Aus allem dieſem bin verſichert/ daß/ wer ohne vorurtheil die gantze ſa- che wie ſie hie vorgeſtellet/ erwegen wird/ nothwendig werde bekennen muͤſſen/ daß man dem Churf. edicto in dieſem den exorciſmum angehenden punct nicht nur nach geleben koͤnne/ und ſein gewiſſen damit nicht verletze/ ſondern daß man mit deſſen uͤbertretung ſich wahrhafftig verſuͤndigen wuͤrde. Der HErr aber zeige uns ſelbs in allen dingen ſeinen willen/ und laſſe uns nie davon zur rechten oder lincken abweichen: er laſſe zu ſolchem ende glau- ben und liebe ſtets unſer regel bleiben/ ſo werden wir nicht irre/ auch alles was wir thun/ deſto geſegneter zugeſchehn erfahren. Amen. SECTIO VII. Wie fern andre als prediger ſich im nothfall auch der veraltung der Sacramenten anmaſſen doͤrfften. DAß ich vor 3. wochen ſolte in der predigt gelehrt haben/ daß in dem nothfall iederman ſolte koͤnnen conſecriren, iſt ohne grund/ wie dann die vorgehabte materien ſolches auch nichtgebracht haben: Sondern dieſes habe damahl in der materi von der vergebung der ſuͤnden vorgetragen/ daß in dem nothfall ieglicher Chriſt moͤge die vergebung der ſuͤnden ſeinem bru- der verkuͤndigen/ welches eine gantz abgeſonderte frag von der andern iſt/ wegen der communion. Darinnen unſere Theologi alle einſtimmen/ nemlich daß ſolche abſolution erlaubt und guͤltig. Wie zu ſehen von Luthero, Chemnitio, Wigando, Heſſuſio, Brochmanno, Dannhauero, was aber meine meinung von der communion ſeye/ folget hiebey/ wie ich ſolche von wort zu wort vergange- nen ſommer unſerer Chriſtlichen gemeinde vorgetragen habe. Jch moͤchte die ſache in dieſe wenige ſaͤtze faſſen. 1. Ordenlicher weiß wie das gantze kirchen ampt/ lehren/ vermahnen/ troͤ-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700/975
Zitationshilfe: Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700/975>, abgerufen am 19.10.2019.