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Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700.

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ARTIC. V. SECT. IX.
Prediger zu communiciren macht haben solte/ sagt/ es seye nicht leicht zu ge-
statten. Dieses ist also meine lehre und meinung von solcher frag/ dero mich
nicht scheue/ sondern bin versichert/ daß sie mit der analogia fidei gäntzlich ü-
berein komme. 1679.

SECTIO IX.
Ob absonderliche communionen zuzugeben?

WAs die mir zugesandte fragen betrifft/ da ich mehr wünsche als hoffe sa-
tisfaction
geben zu können/ erkläre ich meine einfältige gedancken da-
hin. 1. Ob einem Königlichen Ministro und andern zuzulassen
wäre/ daß sie aus vorwand mehrer und ungehinderter
devotion mit den
ihrigen absonderlich vor der predigt in der kirchen
communicirten? Hier-
auff wäre nun meines erachtens unterschiedliches zu erinnern. Wo solche privat-
communion
gesuchet würde aus hochmuth und verachtung der übrigen gemein-
de/ wäre sie von seiten des also communicirenden simpliciter unrecht/ und
würde solche verachtung die würdigkeit einer solchen person hindern/ deswegen
der Prediger sich auch solcher sünde nicht theilhafftig machen solle. 2. Wo aber
solche ursach nicht vor augen ist/ sondern eine mehrere devotion in einer kleinern
versammlung gehoffet und vorgegeben wird/ (wie denn auch solcher vorwand
nicht eben gewiß allemal ohne grund ist/ sondern in einer engern versamm-
lung manche destractiones verhütet werden können/ und eine inniglichere an-
dacht erhalten werden mag/ die in einer grössern und/ sonderlich bey ietzigen zu-
stand aller unsrer kirchen/ nicht eben von jeden/ der sich von allerley objectis
bald turbiren lässet/ erhalten werden kan/) könte ich nicht eben schlechter dinges
sagen/ daß dergleichen communion simpliciter jure divino verboten wäre/ und
trauete ich die absonderung einiger/ die der anderen nicht warten wolten bey der
Corinthischen kirche/ welche Paulus 1. Cor. 11. straffet/ nicht eben dahin zu zie-
hen. Jch sehe auch nicht eigentlich eine separation von der gemeinde daraus/
nach der ietzigen unserer kirchen beschaffenheit: denn nachdem ietzt niemal/ wie
in der ersten kirchen gemeiniglich zu geschehen pflegte/ die gantze gemeine zugleich
communiciret/ sondern allemal allein diejenige/ welche diesesmal ihre andacht
(und wolte GOtt/ es wäre solches allemal ihre andacht!) dazu treibet/ so tren-
net sich derjenige so wenig von der communion der kirchen/ der einige stunden
vorher das Heil. Sacrament empfänget/ und etwa bey der folgenden communi-
on
allein mit betet und dabey bleibet/ als der jenige/ der sonsten solchen tag nicht
communiciret/ aber doch in der gemeine erscheinet/ der des damaligen aussen-
bleibens von der communion wegen von niemand einer separation beschuldigt wer-
den wird. Sonderlich möchte so vielweniger bedenckens dabey seyn/ wo dergleichen

beson-
z 2

ARTIC. V. SECT. IX.
Prediger zu communiciren macht haben ſolte/ ſagt/ es ſeye nicht leicht zu ge-
ſtatten. Dieſes iſt alſo meine lehre und meinung von ſolcher frag/ dero mich
nicht ſcheue/ ſondern bin verſichert/ daß ſie mit der analogia fidei gaͤntzlich uͤ-
berein komme. 1679.

SECTIO IX.
Ob abſonderliche communionen zuzugeben?

WAs die mir zugeſandte fragen betrifft/ da ich mehr wuͤnſche als hoffe ſa-
tisfaction
geben zu koͤnnen/ erklaͤre ich meine einfaͤltige gedancken da-
hin. 1. Ob einem Koͤniglichen Miniſtro und andern zuzulaſſen
waͤre/ daß ſie aus vorwand mehrer und ungehinderter
devotion mit den
ihrigen abſonderlich vor der predigt in der kirchen
communicirten? Hier-
auff waͤre nun meines erachtens unterſchiedliches zu erinnern. Wo ſolche privat-
communion
geſuchet wuͤrde aus hochmuth und verachtung der uͤbrigen gemein-
de/ waͤre ſie von ſeiten des alſo communicirenden ſimpliciter unrecht/ und
wuͤrde ſolche verachtung die wuͤrdigkeit einer ſolchen perſon hindern/ deswegen
der Prediger ſich auch ſolcher ſuͤnde nicht theilhafftig machen ſolle. 2. Wo aber
ſolche urſach nicht vor augen iſt/ ſondern eine mehrere devotion in einer kleinern
verſammlung gehoffet und vorgegeben wird/ (wie denn auch ſolcher vorwand
nicht eben gewiß allemal ohne grund iſt/ ſondern in einer engern verſamm-
lung manche deſtractiones verhuͤtet werden koͤnnen/ und eine inniglichere an-
dacht erhalten werden mag/ die in einer groͤſſern und/ ſonderlich bey ietzigen zu-
ſtand aller unſrer kirchen/ nicht eben von jeden/ der ſich von allerley objectis
bald turbiren laͤſſet/ erhalten werden kan/) koͤnte ich nicht eben ſchlechter dinges
ſagen/ daß dergleichen communion ſimpliciter jure divino verboten waͤre/ und
trauete ich die abſonderung einiger/ die der anderen nicht warten wolten bey der
Corinthiſchen kirche/ welche Paulus 1. Cor. 11. ſtraffet/ nicht eben dahin zu zie-
hen. Jch ſehe auch nicht eigentlich eine ſeparation von der gemeinde daraus/
nach der ietzigen unſerer kirchen beſchaffenheit: denn nachdem ietzt niemal/ wie
in der erſten kirchen gemeiniglich zu geſchehen pflegte/ die gantze gemeine zugleich
communiciret/ ſondern allemal allein diejenige/ welche dieſesmal ihre andacht
(und wolte GOtt/ es waͤre ſolches allemal ihre andacht!) dazu treibet/ ſo tren-
net ſich derjenige ſo wenig von der communion der kirchen/ der einige ſtunden
vorher das Heil. Sacrament empfaͤnget/ und etwa bey der folgenden communi-
on
allein mit betet und dabey bleibet/ als der jenige/ der ſonſten ſolchen tag nicht
communiciret/ aber doch in der gemeine erſcheinet/ der des damaligen auſſen-
bleibens von der com̃union wegen von niemand einer ſeparation beſchuldigt wer-
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[179/0979] ARTIC. V. SECT. IX. Prediger zu communiciren macht haben ſolte/ ſagt/ es ſeye nicht leicht zu ge- ſtatten. Dieſes iſt alſo meine lehre und meinung von ſolcher frag/ dero mich nicht ſcheue/ ſondern bin verſichert/ daß ſie mit der analogia fidei gaͤntzlich uͤ- berein komme. 1679. SECTIO IX. Ob abſonderliche communionen zuzugeben? WAs die mir zugeſandte fragen betrifft/ da ich mehr wuͤnſche als hoffe ſa- tisfaction geben zu koͤnnen/ erklaͤre ich meine einfaͤltige gedancken da- hin. 1. Ob einem Koͤniglichen Miniſtro und andern zuzulaſſen waͤre/ daß ſie aus vorwand mehrer und ungehinderter devotion mit den ihrigen abſonderlich vor der predigt in der kirchen communicirten? Hier- auff waͤre nun meines erachtens unterſchiedliches zu erinnern. Wo ſolche privat- communion geſuchet wuͤrde aus hochmuth und verachtung der uͤbrigen gemein- de/ waͤre ſie von ſeiten des alſo communicirenden ſimpliciter unrecht/ und wuͤrde ſolche verachtung die wuͤrdigkeit einer ſolchen perſon hindern/ deswegen der Prediger ſich auch ſolcher ſuͤnde nicht theilhafftig machen ſolle. 2. Wo aber ſolche urſach nicht vor augen iſt/ ſondern eine mehrere devotion in einer kleinern verſammlung gehoffet und vorgegeben wird/ (wie denn auch ſolcher vorwand nicht eben gewiß allemal ohne grund iſt/ ſondern in einer engern verſamm- lung manche deſtractiones verhuͤtet werden koͤnnen/ und eine inniglichere an- dacht erhalten werden mag/ die in einer groͤſſern und/ ſonderlich bey ietzigen zu- ſtand aller unſrer kirchen/ nicht eben von jeden/ der ſich von allerley objectis bald turbiren laͤſſet/ erhalten werden kan/) koͤnte ich nicht eben ſchlechter dinges ſagen/ daß dergleichen communion ſimpliciter jure divino verboten waͤre/ und trauete ich die abſonderung einiger/ die der anderen nicht warten wolten bey der Corinthiſchen kirche/ welche Paulus 1. Cor. 11. ſtraffet/ nicht eben dahin zu zie- hen. Jch ſehe auch nicht eigentlich eine ſeparation von der gemeinde daraus/ nach der ietzigen unſerer kirchen beſchaffenheit: denn nachdem ietzt niemal/ wie in der erſten kirchen gemeiniglich zu geſchehen pflegte/ die gantze gemeine zugleich communiciret/ ſondern allemal allein diejenige/ welche dieſesmal ihre andacht (und wolte GOtt/ es waͤre ſolches allemal ihre andacht!) dazu treibet/ ſo tren- net ſich derjenige ſo wenig von der communion der kirchen/ der einige ſtunden vorher das Heil. Sacrament empfaͤnget/ und etwa bey der folgenden communi- on allein mit betet und dabey bleibet/ als der jenige/ der ſonſten ſolchen tag nicht communiciret/ aber doch in der gemeine erſcheinet/ der des damaligen auſſen- bleibens von der com̃union wegen von niemand einer ſeparation beſchuldigt wer- den wiꝛd. Sonderlich moͤchte ſo vielwenigeꝛ bedenckens dabey ſeyn/ wo dergleichen beſon- z 2

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Zitationshilfe: Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 1. Halle (Saale), 1700, S. 179. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken01_1700/979>, abgerufen am 27.01.2020.