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Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 3. Halle (Saale), 1702.

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ARTIC. I. DISTINCT. III. SECT. XXI.
SECTIO XXI.

Freude über anderer vorbitte. Zustand in Franck-
furt noch nicht so gut/ als er anderwo gerühmet
wird. Haltung Göttlicher Geboth. Ob Got-
tes wort von einem todten prediger ohne wür-
ckung seye. Von mir nichts sonderliches zu er-
warten. Uns bevorstehende schwere ge-
richte. Nutzs der gebethe vor
einander.

JCh dancke billich dem vater der barmhertzigkeit vor seine gnade/ daß er
in der zwar fast allgemeinen verderbnüß annoch in allen ständen liebe
seelen erhält/ welche die zeit mit andern/ als insgemein geschichet/
augen ansehen/ und sich nicht lassen von solchem verderben/ als einem
strohm/ mit hingerissen werden: auch/ daß er mir zu meiner hertzlichen
freude/ aufmunterung und stärckung mehrere hin und wieder bekannt wer-
den lässet/ an denen ich solche gnade und daraus ferner dieses erkenne/ daß
der HErr seines armen Zions noch nicht vergessen habe/ sondern seinen
saamen zu erhalten wisse/ und daher auch ohne allen zweiffel zu rechter zeit
seine übrige verheissungen annoch erfüllen werde/ dero hoffnung uns die ge-
genwärtige trübsalen überwinden hilffet. Mich erfreuet auch solches so viel
mehr/ so offt ich einiges schreiben wiederum von einem neuen freunde em-
pfange/ als mehr ich weiß/ daß das gebeth der gläubigen und gottseligen/
wo es ernstlich geschiehet/ viel vor dem thron der gnaden ausrichtet/ und
ich also/ als grösser solche zahl zu seyn mit vielen exempeln überzeuget werde/
desto mehr hoffnung habe/ der HErr werde/ da seine aus[e]rwehlte tag und
nacht zu ihm ruffen/ sie erretten in einer kürtze: ja daß ich daraus eine zu-
versicht gewinne/ daß auch mir armen durch so vieler brüder vorbitte vieles
von dem HErrn werde annoch erlangt werden/ welches ich sonsten schwer-
lich zu hossen hätte/ und ie vor mich selbst dessen nicht würdig bin. Wie dann
auch das meiste des segens/ so der HErr bißher zu etlichen meinen an sich selbst
ja geringen schrifften verliehen hat/ dieser treuen vorbitte mancher in dem

ver-
Fff 3
ARTIC. I. DISTINCT. III. SECT. XXI.
SECTIO XXI.

Freude uͤber anderer vorbitte. Zuſtand in Franck-
furt noch nicht ſo gut/ als er anderwo geruͤhmet
wird. Haltung Goͤttlicher Geboth. Ob Got-
tes wort von einem todten prediger ohne wuͤr-
ckung ſeye. Von mir nichts ſonderliches zu er-
warten. Uns bevorſtehende ſchwere ge-
richte. Nutzs der gebethe vor
einander.

JCh dancke billich dem vater der barmhertzigkeit vor ſeine gnade/ daß er
in der zwar faſt allgemeinen verderbnuͤß annoch in allen ſtaͤnden liebe
ſeelen erhaͤlt/ welche die zeit mit andern/ als insgemein geſchichet/
augen anſehen/ und ſich nicht laſſen von ſolchem verderben/ als einem
ſtrohm/ mit hingeriſſen werden: auch/ daß er mir zu meiner hertzlichen
freude/ aufmunterung und ſtaͤrckung mehrere hin und wieder bekannt wer-
den laͤſſet/ an denen ich ſolche gnade und daraus ferner dieſes erkenne/ daß
der HErr ſeines armen Zions noch nicht vergeſſen habe/ ſondern ſeinen
ſaamen zu erhalten wiſſe/ und daher auch ohne allen zweiffel zu rechter zeit
ſeine uͤbrige verheiſſungen annoch erfuͤllen werde/ dero hoffnung uns die ge-
genwaͤrtige truͤbſalen uͤberwinden hilffet. Mich erfreuet auch ſolches ſo viel
mehr/ ſo offt ich einiges ſchreiben wiederum von einem neuen freunde em-
pfange/ als mehr ich weiß/ daß das gebeth der glaͤubigen und gottſeligen/
wo es ernſtlich geſchiehet/ viel vor dem thron der gnaden ausrichtet/ und
ich alſo/ als groͤſſer ſolche zahl zu ſeyn mit vielen exempeln uͤberzeuget werde/
deſto mehr hoffnung habe/ der HErr werde/ da ſeine aus[e]rwehlte tag und
nacht zu ihm ruffen/ ſie erretten in einer kuͤrtze: ja daß ich daraus eine zu-
verſicht gewinne/ daß auch mir armen durch ſo vieler bruͤder vorbitte vieles
von dem HErrn werde annoch erlangt werden/ welches ich ſonſten ſchwer-
lich zu hoſſen haͤtte/ und ie vor mich ſelbſt deſſen nicht wuͤrdig bin. Wie dann
auch das meiſte des ſegens/ ſo der HErr bißher zu etlichen meinen an ſich ſelbſt
ja geringen ſchrifften verliehen hat/ dieſer treuen vorbitte mancher in dem

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[413/0431] ARTIC. I. DISTINCT. III. SECT. XXI. SECTIO XXI. Freude uͤber anderer vorbitte. Zuſtand in Franck- furt noch nicht ſo gut/ als er anderwo geruͤhmet wird. Haltung Goͤttlicher Geboth. Ob Got- tes wort von einem todten prediger ohne wuͤr- ckung ſeye. Von mir nichts ſonderliches zu er- warten. Uns bevorſtehende ſchwere ge- richte. Nutzs der gebethe vor einander. JCh dancke billich dem vater der barmhertzigkeit vor ſeine gnade/ daß er in der zwar faſt allgemeinen verderbnuͤß annoch in allen ſtaͤnden liebe ſeelen erhaͤlt/ welche die zeit mit andern/ als insgemein geſchichet/ augen anſehen/ und ſich nicht laſſen von ſolchem verderben/ als einem ſtrohm/ mit hingeriſſen werden: auch/ daß er mir zu meiner hertzlichen freude/ aufmunterung und ſtaͤrckung mehrere hin und wieder bekannt wer- den laͤſſet/ an denen ich ſolche gnade und daraus ferner dieſes erkenne/ daß der HErr ſeines armen Zions noch nicht vergeſſen habe/ ſondern ſeinen ſaamen zu erhalten wiſſe/ und daher auch ohne allen zweiffel zu rechter zeit ſeine uͤbrige verheiſſungen annoch erfuͤllen werde/ dero hoffnung uns die ge- genwaͤrtige truͤbſalen uͤberwinden hilffet. Mich erfreuet auch ſolches ſo viel mehr/ ſo offt ich einiges ſchreiben wiederum von einem neuen freunde em- pfange/ als mehr ich weiß/ daß das gebeth der glaͤubigen und gottſeligen/ wo es ernſtlich geſchiehet/ viel vor dem thron der gnaden ausrichtet/ und ich alſo/ als groͤſſer ſolche zahl zu ſeyn mit vielen exempeln uͤberzeuget werde/ deſto mehr hoffnung habe/ der HErr werde/ da ſeine auserwehlte tag und nacht zu ihm ruffen/ ſie erretten in einer kuͤrtze: ja daß ich daraus eine zu- verſicht gewinne/ daß auch mir armen durch ſo vieler bruͤder vorbitte vieles von dem HErrn werde annoch erlangt werden/ welches ich ſonſten ſchwer- lich zu hoſſen haͤtte/ und ie vor mich ſelbſt deſſen nicht wuͤrdig bin. Wie dann auch das meiſte des ſegens/ ſo der HErr bißher zu etlichen meinen an ſich ſelbſt ja geringen ſchrifften verliehen hat/ dieſer treuen vorbitte mancher in dem ver- Fff 3

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Zitationshilfe: Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 3. Halle (Saale), 1702, S. 413. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken03_1702/431>, abgerufen am 21.08.2019.