Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Spyri, Johanna: Heidi's Lehr- und Wanderjahre. Gotha, 1880.

Bild:
<< vorherige Seite
Capitel XIV.
Am Sonntag, wenn's läutet.


Heidi stand unter den wogenden Tannen und wartete
auf den Großvater, der mitgehen und den Koffer vom
Dörfli heraufholen wollte, während es bei der Großmutter
wäre. Das Kind konnte es fast nicht erwarten, die Gro߬
mutter wiederzusehen und zu hören, wie ihr die Brödchen
geschmeckt hatten, und doch wurde ihm wieder die Zeit nicht
lange, denn es konnte ja nicht genug die heimathlichen Töne
von dem Tannenrauschen über ihm und das Duften und
Leuchten der grünen Weiden und der goldenen Blumen
darauf eintrinken.

Jetzt trat der Großvater aus der Hütte, schaute noch
einmal rings um sich und sagte dann mit zufriedenem Ton:
"So, nun können wir gehen."

Denn es war Sonnabend heut', und an dem Tage
machte der Alm-Oehi Alles sauber und in Ordnung in der
Hütte, im Stall und ringsherum, das war seine Gewohn¬
heit, und heut' hatte er den Morgen dazu genommen, um

Capitel XIV.
Am Sonntag, wenn's läutet.


Heidi ſtand unter den wogenden Tannen und wartete
auf den Großvater, der mitgehen und den Koffer vom
Dörfli heraufholen wollte, während es bei der Großmutter
wäre. Das Kind konnte es faſt nicht erwarten, die Gro߬
mutter wiederzuſehen und zu hören, wie ihr die Brödchen
geſchmeckt hatten, und doch wurde ihm wieder die Zeit nicht
lange, denn es konnte ja nicht genug die heimathlichen Töne
von dem Tannenrauſchen über ihm und das Duften und
Leuchten der grünen Weiden und der goldenen Blumen
darauf eintrinken.

Jetzt trat der Großvater aus der Hütte, ſchaute noch
einmal rings um ſich und ſagte dann mit zufriedenem Ton:
„So, nun können wir gehen.“

Denn es war Sonnabend heut', und an dem Tage
machte der Alm-Oehi Alles ſauber und in Ordnung in der
Hütte, im Stall und ringsherum, das war ſeine Gewohn¬
heit, und heut' hatte er den Morgen dazu genommen, um

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0229"/>
      <div n="1">
        <head rendition="#c"> <hi rendition="#b">Capitel <hi rendition="#aq">XIV</hi>.<lb/>
Am Sonntag, wenn's läutet.</hi><lb/>
        </head>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p>Heidi &#x017F;tand unter den wogenden Tannen und wartete<lb/>
auf den Großvater, der mitgehen und den Koffer vom<lb/>
Dörfli heraufholen wollte, während es bei der Großmutter<lb/>
wäre. Das Kind konnte es fa&#x017F;t nicht erwarten, die Gro߬<lb/>
mutter wiederzu&#x017F;ehen und zu hören, wie ihr die Brödchen<lb/>
ge&#x017F;chmeckt hatten, und doch wurde ihm wieder die Zeit nicht<lb/>
lange, denn es konnte ja nicht genug die heimathlichen Töne<lb/>
von dem Tannenrau&#x017F;chen über ihm und das Duften und<lb/>
Leuchten der grünen Weiden und der goldenen Blumen<lb/>
darauf eintrinken.</p><lb/>
        <p>Jetzt trat der Großvater aus der Hütte, &#x017F;chaute noch<lb/>
einmal rings um &#x017F;ich und &#x017F;agte dann mit zufriedenem Ton:<lb/>
&#x201E;So, nun können wir gehen.&#x201C;</p><lb/>
        <p>Denn es war Sonnabend heut', und an dem Tage<lb/>
machte der Alm-Oehi Alles &#x017F;auber und in Ordnung in der<lb/>
Hütte, im Stall und ringsherum, das war &#x017F;eine Gewohn¬<lb/>
heit, und heut' hatte er den Morgen dazu genommen, um<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0229] Capitel XIV. Am Sonntag, wenn's läutet. Heidi ſtand unter den wogenden Tannen und wartete auf den Großvater, der mitgehen und den Koffer vom Dörfli heraufholen wollte, während es bei der Großmutter wäre. Das Kind konnte es faſt nicht erwarten, die Gro߬ mutter wiederzuſehen und zu hören, wie ihr die Brödchen geſchmeckt hatten, und doch wurde ihm wieder die Zeit nicht lange, denn es konnte ja nicht genug die heimathlichen Töne von dem Tannenrauſchen über ihm und das Duften und Leuchten der grünen Weiden und der goldenen Blumen darauf eintrinken. Jetzt trat der Großvater aus der Hütte, ſchaute noch einmal rings um ſich und ſagte dann mit zufriedenem Ton: „So, nun können wir gehen.“ Denn es war Sonnabend heut', und an dem Tage machte der Alm-Oehi Alles ſauber und in Ordnung in der Hütte, im Stall und ringsherum, das war ſeine Gewohn¬ heit, und heut' hatte er den Morgen dazu genommen, um

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/spyri_heidi_1880
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/spyri_heidi_1880/229
Zitationshilfe: Spyri, Johanna: Heidi's Lehr- und Wanderjahre. Gotha, 1880, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/spyri_heidi_1880/229>, abgerufen am 20.04.2019.