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Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894.

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schon vorkommt, sondern dreifach und zwischen die beiden inneren Tüpfel
und zwischen die beiden äusseren Schlangen-Zickzacke gemalt sind. Kleinere
Bogen, wie die Frauen sie auf den Armen tätowiert haben, sind oberhalb des mit
Farbe ausgefüllten Mittelfeldes angebracht. Der Topfboden im Vordergrund ent-
hält einen Mittelkreis mit Netzwerk und ringsum das Schlangen-Zickzack sowie
ein paar Striche in der Richtung der Seitenstreifen. Die Zeichnung ist unregel-
mässig genug, um uns davor zu bewahren, dass wir in ihr einen "Stern" erblicken,
an den die Indianerin nicht gedacht hat.



III. Plastische Darstellung und Keramik.

Einleitung. Kettenfigürchen. Strohfiguren. Lehmpuppen. Wachsfiguren. Holzfiguren
(Tanz-Vögel und -Fische, Mandioka-Grabhölzer, Beijuwender, Kämme, Schemel). Töpfe.

Die Kunst der Indianer, körperliche Formen nachzuahmen, ist ungleich weiter
fortgeschritten als die der Zeichnung. Sie hat von vornherein, wie Ricci auch
für die Versuche der Kinder hervorhebt, den grossen Vorteil, dass die per-
spektivischen Schwierigkeiten wegfallen. Die Teile mögen ungeschickt herausge-
arbeitet sein, sitzen aber doch an ihrer richtigen Stelle, es ist nicht nötig, sie an
einen falschen Platz zu setzen, um sie zu zeigen. Genau so wie in der Zeichnung,
ja, da die Zahl der Motive weit ansehnlicher ist, in grösserem Umfang tritt hier
das Tiermotiv hervor. Abgesehen davon, dass Töpfe als Kürbisse dargestellt
werden, aus denen sie wahrscheinlich hervorgegangen sind, handelt es sich ganz
allein um Nachahmung von Tieren. Nur in der Tanzkunst tritt noch eine gleich
unerschöpfliche Fülle von Motiven hervor, die der Freude am Jägerleben und
seinen Beobachtungen entspringen.

Auch in der plastischen Kunst lässt sich noch deutlich erkennen, dass sie
von Haus aus nur beschreibend ist. Wir dürfen hier nicht erwarten, den Weg
soweit zurückverfolgen zu können, wie bei der Zeichnung, deren beste Leistungen
noch eine Art kartographische Aufzählung der charakteristischen Merkmale bleiben
und diese selbst noch in der geometrischen Umgestaltung konservieren, allein wir
haben hier einen andern Hinweis, der nicht minder deutlich ist. Bei dem Bilden
körperlicher Formen tritt das zu bearbeitende Material in viel höherem Grade in
den Vordergrund als beim Einritzen von Linien. Wie der Reim häufig den Ge-
danken liefert, so liefert auch eine schon vorhandene Form häufig das Motiv.
Da zeigt sich denn eine ganz auffallende Genügsamkeit in den charakte-
ristischen Merkmalen
, die beansprucht werden; eine beliebige kleine Aehnlich-
keit reicht aus, um das Objekt für ein bestimmtes Geschöpf zu erklären. Auf einer
höhern Stufe schmückt der Eingeborene einen Gebrauchsgegenstand durch ein frei
erfundenes Motiv, und dieses verfällt alsdann der geometrischen Stilisierung genau
so wie die Zeichnungen.


schon vorkommt, sondern dreifach und zwischen die beiden inneren Tüpfel
und zwischen die beiden äusseren Schlangen-Zickzacke gemalt sind. Kleinere
Bogen, wie die Frauen sie auf den Armen tätowiert haben, sind oberhalb des mit
Farbe ausgefüllten Mittelfeldes angebracht. Der Topfboden im Vordergrund ent-
hält einen Mittelkreis mit Netzwerk und ringsum das Schlangen-Zickzack sowie
ein paar Striche in der Richtung der Seitenstreifen. Die Zeichnung ist unregel-
mässig genug, um uns davor zu bewahren, dass wir in ihr einen »Stern« erblicken,
an den die Indianerin nicht gedacht hat.



III. Plastische Darstellung und Keramik.

Einleitung. Kettenfigürchen. Strohfiguren. Lehmpuppen. Wachsfiguren. Holzfiguren
(Tanz-Vögel und -Fische, Mandioka-Grabhölzer, Beijúwender, Kämme, Schemel). Töpfe.

Die Kunst der Indianer, körperliche Formen nachzuahmen, ist ungleich weiter
fortgeschritten als die der Zeichnung. Sie hat von vornherein, wie Ricci auch
für die Versuche der Kinder hervorhebt, den grossen Vorteil, dass die per-
spektivischen Schwierigkeiten wegfallen. Die Teile mögen ungeschickt herausge-
arbeitet sein, sitzen aber doch an ihrer richtigen Stelle, es ist nicht nötig, sie an
einen falschen Platz zu setzen, um sie zu zeigen. Genau so wie in der Zeichnung,
ja, da die Zahl der Motive weit ansehnlicher ist, in grösserem Umfang tritt hier
das Tiermotiv hervor. Abgesehen davon, dass Töpfe als Kürbisse dargestellt
werden, aus denen sie wahrscheinlich hervorgegangen sind, handelt es sich ganz
allein um Nachahmung von Tieren. Nur in der Tanzkunst tritt noch eine gleich
unerschöpfliche Fülle von Motiven hervor, die der Freude am Jägerleben und
seinen Beobachtungen entspringen.

Auch in der plastischen Kunst lässt sich noch deutlich erkennen, dass sie
von Haus aus nur beschreibend ist. Wir dürfen hier nicht erwarten, den Weg
soweit zurückverfolgen zu können, wie bei der Zeichnung, deren beste Leistungen
noch eine Art kartographische Aufzählung der charakteristischen Merkmale bleiben
und diese selbst noch in der geometrischen Umgestaltung konservieren, allein wir
haben hier einen andern Hinweis, der nicht minder deutlich ist. Bei dem Bilden
körperlicher Formen tritt das zu bearbeitende Material in viel höherem Grade in
den Vordergrund als beim Einritzen von Linien. Wie der Reim häufig den Ge-
danken liefert, so liefert auch eine schon vorhandene Form häufig das Motiv.
Da zeigt sich denn eine ganz auffallende Genügsamkeit in den charakte-
ristischen Merkmalen
, die beansprucht werden; eine beliebige kleine Aehnlich-
keit reicht aus, um das Objekt für ein bestimmtes Geschöpf zu erklären. Auf einer
höhern Stufe schmückt der Eingeborene einen Gebrauchsgegenstand durch ein frei
erfundenes Motiv, und dieses verfällt alsdann der geometrischen Stilisierung genau
so wie die Zeichnungen.


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[277/0337] schon vorkommt, sondern dreifach und zwischen die beiden inneren Tüpfel und zwischen die beiden äusseren Schlangen-Zickzacke gemalt sind. Kleinere Bogen, wie die Frauen sie auf den Armen tätowiert haben, sind oberhalb des mit Farbe ausgefüllten Mittelfeldes angebracht. Der Topfboden im Vordergrund ent- hält einen Mittelkreis mit Netzwerk und ringsum das Schlangen-Zickzack sowie ein paar Striche in der Richtung der Seitenstreifen. Die Zeichnung ist unregel- mässig genug, um uns davor zu bewahren, dass wir in ihr einen »Stern« erblicken, an den die Indianerin nicht gedacht hat. III. Plastische Darstellung und Keramik. Einleitung. Kettenfigürchen. Strohfiguren. Lehmpuppen. Wachsfiguren. Holzfiguren (Tanz-Vögel und -Fische, Mandioka-Grabhölzer, Beijúwender, Kämme, Schemel). Töpfe. Die Kunst der Indianer, körperliche Formen nachzuahmen, ist ungleich weiter fortgeschritten als die der Zeichnung. Sie hat von vornherein, wie Ricci auch für die Versuche der Kinder hervorhebt, den grossen Vorteil, dass die per- spektivischen Schwierigkeiten wegfallen. Die Teile mögen ungeschickt herausge- arbeitet sein, sitzen aber doch an ihrer richtigen Stelle, es ist nicht nötig, sie an einen falschen Platz zu setzen, um sie zu zeigen. Genau so wie in der Zeichnung, ja, da die Zahl der Motive weit ansehnlicher ist, in grösserem Umfang tritt hier das Tiermotiv hervor. Abgesehen davon, dass Töpfe als Kürbisse dargestellt werden, aus denen sie wahrscheinlich hervorgegangen sind, handelt es sich ganz allein um Nachahmung von Tieren. Nur in der Tanzkunst tritt noch eine gleich unerschöpfliche Fülle von Motiven hervor, die der Freude am Jägerleben und seinen Beobachtungen entspringen. Auch in der plastischen Kunst lässt sich noch deutlich erkennen, dass sie von Haus aus nur beschreibend ist. Wir dürfen hier nicht erwarten, den Weg soweit zurückverfolgen zu können, wie bei der Zeichnung, deren beste Leistungen noch eine Art kartographische Aufzählung der charakteristischen Merkmale bleiben und diese selbst noch in der geometrischen Umgestaltung konservieren, allein wir haben hier einen andern Hinweis, der nicht minder deutlich ist. Bei dem Bilden körperlicher Formen tritt das zu bearbeitende Material in viel höherem Grade in den Vordergrund als beim Einritzen von Linien. Wie der Reim häufig den Ge- danken liefert, so liefert auch eine schon vorhandene Form häufig das Motiv. Da zeigt sich denn eine ganz auffallende Genügsamkeit in den charakte- ristischen Merkmalen, die beansprucht werden; eine beliebige kleine Aehnlich- keit reicht aus, um das Objekt für ein bestimmtes Geschöpf zu erklären. Auf einer höhern Stufe schmückt der Eingeborene einen Gebrauchsgegenstand durch ein frei erfundenes Motiv, und dieses verfällt alsdann der geometrischen Stilisierung genau so wie die Zeichnungen.

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Zitationshilfe: Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894, S. 277. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/steinen_naturvoelker_1894/337>, abgerufen am 20.03.2019.