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Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894.

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brasilische Soldat, den guten und ehrlichen eingeschlossenen, der wahrlich nicht
leichten Aufgabe überhaupt gewachsen wäre, die Indianer zu einem nützlichen
Element des Gemeinwesens heranzubilden, lohnt es sich nicht einzugehen. Die
folgenden Seiten mögen es lehren.



II. Bilder aus der Katechese.

Nach dem S. Lourenco. (Erste Bekanntschaft mit Täuflingen in Cuyaba. Reise.) Die Bewohner
(Clemente) und die Anlage der Kolonie. Europäische Kleidung. Feldbau. Unsere Eindrücke. Streit
und Weiberringkampf (Maria). Fleischverteilung. Nächtliches Klagegeheul. Vespergebet. Skandal
mit Arateba. Charfreitag. Totenklage. Halleluja-Sonnabend (Judas). Kayapo. Drohende Auf-
lösung der Kolonie. Schule. Die feindlichen Brüder. Disziplin. Duarte's Ankunft.
"Voluntarios da patria." Frühstück und Serenade.

Nach dem S. Lourenco. Die ersten Bororo konnten wir schon im Juli
1887 in Cuyaba untersuchen; Duarte hatte Einige zur Taufe mitgebracht. Andere
lernten wir Anfangs März 1888 kennen. Sie waren barfuss, aber sonst vorschrift-
mässig bürgerlich angezogen und trugen an einer Schnur um den Hals einen
grünen Karton von der Grösse einer Visitenkarte, auf dem ihr neuer Name zu
lesen stand: "Atahualpa", "Montezuma", "Jose Domingo" u. s. w. Jose Domingo
hustete heftig; man sagte, er habe sich bei der Taufe erkältet. Unter der
Kleidung trugen sie ihren heimischen Strohstulp; sobald sie vor den Mauern der
Stadt waren, zogen sie Alles aus, packten die Herrlichkeit ein und behielten nur
ihre grüne Karte noch einige Tage am Halse zum Andenken an die Bekehrung.

Es waren grosse, stämmige Burschen; auffallend durch dicke Stirnwülste,
ohne Brauen und Wimpern. Sie hatten grosse Freude an den Sehenswürdigkeiten
von Cuyaba, wo man sie wie Kinder verwöhnte, nur dass man ihnen statt Süssig-
keiten Alkoholika gab. Ihr besonderes Wohlgefallen erregte Wilhelm's Chapeau
claque; sie begrüssten den Knalleffekt mit bärenbrummigem hu hu-Lachen und
schlugen Wilhelm anerkennend auf die Schulter. Bei uns im Hause wollten sie
immer trinken oder essen "Mandioka" oder "Tapira", was Rindfleisch und nicht
Tapir bedeutete, oder schlafen oder sich frisieren. Ueberall fanden sie Freunde
und wenn sie bei uns an der Hausthüre standen, nickte ihnen jede vorüber-
schreitende Negerin behaglich zu: "Ah, die Gevattern! Wie geht es, Gevatter?
Esta bom, compadre."

Am 14. Marz 1888 brachen wir zum Besuch von Thereza Christina auf,
während wir auf den Besuch von Izabel verzichten mussten. Duarte hatte noch
längeren Aufenthalt in Cuyaba und wollte später nachkommen. Der Bakairi An-
tonio und die beiden Kameraden Carlos und Peter begleiteten uns. Die Maul-
tiere waren wieder in so gutem Zustande, dass wir die besten als Reittiere ge-
brauchen konnten.

Unser erstes Ziel, die alte Militärkolonie, liegt 16° 32', 6 südlicher Breite
und 0° 59', 9 östlich von Cuyaba am rechten Ufer des S. Lourenco, ziemlich genau

brasilische Soldat, den guten und ehrlichen eingeschlossenen, der wahrlich nicht
leichten Aufgabe überhaupt gewachsen wäre, die Indianer zu einem nützlichen
Element des Gemeinwesens heranzubilden, lohnt es sich nicht einzugehen. Die
folgenden Seiten mögen es lehren.



II. Bilder aus der Katechese.

Nach dem S. Lourenço. (Erste Bekanntschaft mit Täuflingen in Cuyabá. Reise.) Die Bewohner
(Clemente) und die Anlage der Kolonie. Europäische Kleidung. Feldbau. Unsere Eindrücke. Streit
und Weiberringkampf (Maria). Fleischverteilung. Nächtliches Klagegeheul. Vespergebet. Skandal
mit Arateba. Charfreitag. Totenklage. Halleluja-Sonnabend (Judas). Kayapó. Drohende Auf-
lösung der Kolonie. Schule. Die feindlichen Brüder. Disziplin. Duarte’s Ankunft.
»Voluntarios da patria.« Frühstück und Serenade.

Nach dem S. Lourenço. Die ersten Bororó konnten wir schon im Juli
1887 in Cuyabá untersuchen; Duarte hatte Einige zur Taufe mitgebracht. Andere
lernten wir Anfangs März 1888 kennen. Sie waren barfuss, aber sonst vorschrift-
mässig bürgerlich angezogen und trugen an einer Schnur um den Hals einen
grünen Karton von der Grösse einer Visitenkarte, auf dem ihr neuer Name zu
lesen stand: »Atahualpa«, »Montezuma«, »José Domingo« u. s. w. José Domingo
hustete heftig; man sagte, er habe sich bei der Taufe erkältet. Unter der
Kleidung trugen sie ihren heimischen Strohstulp; sobald sie vor den Mauern der
Stadt waren, zogen sie Alles aus, packten die Herrlichkeit ein und behielten nur
ihre grüne Karte noch einige Tage am Halse zum Andenken an die Bekehrung.

Es waren grosse, stämmige Burschen; auffallend durch dicke Stirnwülste,
ohne Brauen und Wimpern. Sie hatten grosse Freude an den Sehenswürdigkeiten
von Cuyabá, wo man sie wie Kinder verwöhnte, nur dass man ihnen statt Süssig-
keiten Alkoholika gab. Ihr besonderes Wohlgefallen erregte Wilhelm’s Chapeau
claque; sie begrüssten den Knalleffekt mit bärenbrummigem hu hú-Lachen und
schlugen Wilhelm anerkennend auf die Schulter. Bei uns im Hause wollten sie
immer trinken oder essen »Mandioka« oder »Tapira«, was Rindfleisch und nicht
Tapir bedeutete, oder schlafen oder sich frisieren. Ueberall fanden sie Freunde
und wenn sie bei uns an der Hausthüre standen, nickte ihnen jede vorüber-
schreitende Negerin behaglich zu: »Ah, die Gevattern! Wie geht es, Gevatter?
Está bom, compadre.«

Am 14. Marz 1888 brachen wir zum Besuch von Thereza Christina auf,
während wir auf den Besuch von Izabel verzichten mussten. Duarte hatte noch
längeren Aufenthalt in Cuyabá und wollte später nachkommen. Der Bakaïrí An-
tonio und die beiden Kameraden Carlos und Peter begleiteten uns. Die Maul-
tiere waren wieder in so gutem Zustande, dass wir die besten als Reittiere ge-
brauchen konnten.

Unser erstes Ziel, die alte Militärkolonie, liegt 16° 32', 6 südlicher Breite
und 0° 59', 9 östlich von Cuyabá am rechten Ufer des S. Lourenço, ziemlich genau

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[448/0512] brasilische Soldat, den guten und ehrlichen eingeschlossenen, der wahrlich nicht leichten Aufgabe überhaupt gewachsen wäre, die Indianer zu einem nützlichen Element des Gemeinwesens heranzubilden, lohnt es sich nicht einzugehen. Die folgenden Seiten mögen es lehren. II. Bilder aus der Katechese. Nach dem S. Lourenço. (Erste Bekanntschaft mit Täuflingen in Cuyabá. Reise.) Die Bewohner (Clemente) und die Anlage der Kolonie. Europäische Kleidung. Feldbau. Unsere Eindrücke. Streit und Weiberringkampf (Maria). Fleischverteilung. Nächtliches Klagegeheul. Vespergebet. Skandal mit Arateba. Charfreitag. Totenklage. Halleluja-Sonnabend (Judas). Kayapó. Drohende Auf- lösung der Kolonie. Schule. Die feindlichen Brüder. Disziplin. Duarte’s Ankunft. »Voluntarios da patria.« Frühstück und Serenade. Nach dem S. Lourenço. Die ersten Bororó konnten wir schon im Juli 1887 in Cuyabá untersuchen; Duarte hatte Einige zur Taufe mitgebracht. Andere lernten wir Anfangs März 1888 kennen. Sie waren barfuss, aber sonst vorschrift- mässig bürgerlich angezogen und trugen an einer Schnur um den Hals einen grünen Karton von der Grösse einer Visitenkarte, auf dem ihr neuer Name zu lesen stand: »Atahualpa«, »Montezuma«, »José Domingo« u. s. w. José Domingo hustete heftig; man sagte, er habe sich bei der Taufe erkältet. Unter der Kleidung trugen sie ihren heimischen Strohstulp; sobald sie vor den Mauern der Stadt waren, zogen sie Alles aus, packten die Herrlichkeit ein und behielten nur ihre grüne Karte noch einige Tage am Halse zum Andenken an die Bekehrung. Es waren grosse, stämmige Burschen; auffallend durch dicke Stirnwülste, ohne Brauen und Wimpern. Sie hatten grosse Freude an den Sehenswürdigkeiten von Cuyabá, wo man sie wie Kinder verwöhnte, nur dass man ihnen statt Süssig- keiten Alkoholika gab. Ihr besonderes Wohlgefallen erregte Wilhelm’s Chapeau claque; sie begrüssten den Knalleffekt mit bärenbrummigem hu hú-Lachen und schlugen Wilhelm anerkennend auf die Schulter. Bei uns im Hause wollten sie immer trinken oder essen »Mandioka« oder »Tapira«, was Rindfleisch und nicht Tapir bedeutete, oder schlafen oder sich frisieren. Ueberall fanden sie Freunde und wenn sie bei uns an der Hausthüre standen, nickte ihnen jede vorüber- schreitende Negerin behaglich zu: »Ah, die Gevattern! Wie geht es, Gevatter? Está bom, compadre.« Am 14. Marz 1888 brachen wir zum Besuch von Thereza Christina auf, während wir auf den Besuch von Izabel verzichten mussten. Duarte hatte noch längeren Aufenthalt in Cuyabá und wollte später nachkommen. Der Bakaïrí An- tonio und die beiden Kameraden Carlos und Peter begleiteten uns. Die Maul- tiere waren wieder in so gutem Zustande, dass wir die besten als Reittiere ge- brauchen konnten. Unser erstes Ziel, die alte Militärkolonie, liegt 16° 32', 6 südlicher Breite und 0° 59', 9 östlich von Cuyabá am rechten Ufer des S. Lourenço, ziemlich genau

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Zitationshilfe: Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens. Berlin, 1894, S. 448. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/steinen_naturvoelker_1894/512>, abgerufen am 24.03.2019.