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Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857.

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Angelegenheit betrafen. Dann gingen wir in einem
großen Bogen längs des Rückens der Anhöhen
herum, die zu einem Theile das Thal beherrschen, in
dem das Schloß liegt. Wir kamen an dem Saume
eines Wäldchens vorüber, von dem man das Schloß
den Garten und die Wirthschaftsgebäude sehen
konnte, und gingen endlich durch den nördlichen Arm
desselben Spazierweges in das Schloß zurück, in
dessen südlichem Theile ich heute Morgens mit Nata¬
lien gewandelt war.

Gegen Abend kam der Wagen mit den Wande¬
rern an.

Mein Gastfreund stieg zuerst heraus, dann folgten
fast gleichzeitig die übrigen jüngeren Männer. Ich
wurde von allen gegrüßt, und von allen getadelt, daß
ich so spät gekommen sei. Man begab sich in das ge¬
meinschaftliche Gesellschaftszimmer, und besprach sich
dort eine Weile, ehe man sich in die Gemächer ver¬
fügen wollte, die für einen jeden bestimmt waren.

Mein Gastfreund fragte mich, wo ich mich heuer
aufgehalten, und welche Theile des Gebirges ich
durchstreift habe. Ich antwortete ihm, daß ich ihm
schon im Allgemeinen gesagt habe, daß ich an den
Simmigletscher gehen werde, daß ich aber meinen

Angelegenheit betrafen. Dann gingen wir in einem
großen Bogen längs des Rückens der Anhöhen
herum, die zu einem Theile das Thal beherrſchen, in
dem das Schloß liegt. Wir kamen an dem Saume
eines Wäldchens vorüber, von dem man das Schloß
den Garten und die Wirthſchaftsgebäude ſehen
konnte, und gingen endlich durch den nördlichen Arm
desſelben Spazierweges in das Schloß zurück, in
deſſen ſüdlichem Theile ich heute Morgens mit Nata¬
lien gewandelt war.

Gegen Abend kam der Wagen mit den Wande¬
rern an.

Mein Gaſtfreund ſtieg zuerſt heraus, dann folgten
faſt gleichzeitig die übrigen jüngeren Männer. Ich
wurde von allen gegrüßt, und von allen getadelt, daß
ich ſo ſpät gekommen ſei. Man begab ſich in das ge¬
meinſchaftliche Geſellſchaftszimmer, und beſprach ſich
dort eine Weile, ehe man ſich in die Gemächer ver¬
fügen wollte, die für einen jeden beſtimmt waren.

Mein Gaſtfreund fragte mich, wo ich mich heuer
aufgehalten, und welche Theile des Gebirges ich
durchſtreift habe. Ich antwortete ihm, daß ich ihm
ſchon im Allgemeinen geſagt habe, daß ich an den
Simmigletſcher gehen werde, daß ich aber meinen

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[30/0044] Angelegenheit betrafen. Dann gingen wir in einem großen Bogen längs des Rückens der Anhöhen herum, die zu einem Theile das Thal beherrſchen, in dem das Schloß liegt. Wir kamen an dem Saume eines Wäldchens vorüber, von dem man das Schloß den Garten und die Wirthſchaftsgebäude ſehen konnte, und gingen endlich durch den nördlichen Arm desſelben Spazierweges in das Schloß zurück, in deſſen ſüdlichem Theile ich heute Morgens mit Nata¬ lien gewandelt war. Gegen Abend kam der Wagen mit den Wande¬ rern an. Mein Gaſtfreund ſtieg zuerſt heraus, dann folgten faſt gleichzeitig die übrigen jüngeren Männer. Ich wurde von allen gegrüßt, und von allen getadelt, daß ich ſo ſpät gekommen ſei. Man begab ſich in das ge¬ meinſchaftliche Geſellſchaftszimmer, und beſprach ſich dort eine Weile, ehe man ſich in die Gemächer ver¬ fügen wollte, die für einen jeden beſtimmt waren. Mein Gaſtfreund fragte mich, wo ich mich heuer aufgehalten, und welche Theile des Gebirges ich durchſtreift habe. Ich antwortete ihm, daß ich ihm ſchon im Allgemeinen geſagt habe, daß ich an den Simmigletſcher gehen werde, daß ich aber meinen

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Zitationshilfe: Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stifter_nachsommer03_1857/44>, abgerufen am 20.03.2019.