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Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857.

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fassen, und in das reine Sammetfach habe legen lassen.
Heute erst sei er noch indem Cactushause gewesen und
habe mit dem Glase die Blüthen und viele Stacheln
angeschaut. Ich bediente mich des Glases, und sah in
den von den seidenartigen Blumenblättern umstandenen
gelben weißen oder rosenfarbigen Kelch hinein, wie
sie eben vorhanden waren. Daß der Glanz dieser Blu¬
menfarben besonders schön weit schöner als die feinste
Seide und als der der meisten Blumen sei, wußte ich
ohnehin, mußte es mir aber doch von dem Gärtner
Simon zeigen lassen, so wie er auch der schönen grün
oder rosig oder dunkelrothbraun dämmernden Tiefe
des Kelches erwähnte, aus der die Wucht der schlan¬
ken Staubfäden aufsteige, die keine Blüthe so zierlich
habe. Überhaupt seien die Cactusblumen die schön¬
sten auf der Welt, wenn man etwa einige Schmarozer¬
gewächse und ganz wenige andere vereinzelte Blumen
ausnehme. Er machte mich auch auf einen Umstand
aufmerksam, den ich nicht wußte, oder den ich nicht
beobachtet hatte, daß nehmlich bei einigen Kugel¬
cactus sich die Blumen stets aus neuen Stachelaugen
meistens mit ganz kurzem Stengel entwickeln, wäh¬
rend sie bei andern auf einem mehr oder minder hohen
Stiele aus vorjährigen oder noch älteren Stachel¬

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faſſen, und in das reine Sammetfach habe legen laſſen.
Heute erſt ſei er noch indem Cactushauſe geweſen und
habe mit dem Glaſe die Blüthen und viele Stacheln
angeſchaut. Ich bediente mich des Glaſes, und ſah in
den von den ſeidenartigen Blumenblättern umſtandenen
gelben weißen oder roſenfarbigen Kelch hinein, wie
ſie eben vorhanden waren. Daß der Glanz dieſer Blu¬
menfarben beſonders ſchön weit ſchöner als die feinſte
Seide und als der der meiſten Blumen ſei, wußte ich
ohnehin, mußte es mir aber doch von dem Gärtner
Simon zeigen laſſen, ſo wie er auch der ſchönen grün
oder roſig oder dunkelrothbraun dämmernden Tiefe
des Kelches erwähnte, aus der die Wucht der ſchlan¬
ken Staubfäden aufſteige, die keine Blüthe ſo zierlich
habe. Überhaupt ſeien die Cactusblumen die ſchön¬
ſten auf der Welt, wenn man etwa einige Schmarozer¬
gewächſe und ganz wenige andere vereinzelte Blumen
ausnehme. Er machte mich auch auf einen Umſtand
aufmerkſam, den ich nicht wußte, oder den ich nicht
beobachtet hatte, daß nehmlich bei einigen Kugel¬
cactus ſich die Blumen ſtets aus neuen Stachelaugen
meiſtens mit ganz kurzem Stengel entwickeln, wäh¬
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Stiele aus vorjährigen oder noch älteren Stachel¬

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[67/0081] faſſen, und in das reine Sammetfach habe legen laſſen. Heute erſt ſei er noch indem Cactushauſe geweſen und habe mit dem Glaſe die Blüthen und viele Stacheln angeſchaut. Ich bediente mich des Glaſes, und ſah in den von den ſeidenartigen Blumenblättern umſtandenen gelben weißen oder roſenfarbigen Kelch hinein, wie ſie eben vorhanden waren. Daß der Glanz dieſer Blu¬ menfarben beſonders ſchön weit ſchöner als die feinſte Seide und als der der meiſten Blumen ſei, wußte ich ohnehin, mußte es mir aber doch von dem Gärtner Simon zeigen laſſen, ſo wie er auch der ſchönen grün oder roſig oder dunkelrothbraun dämmernden Tiefe des Kelches erwähnte, aus der die Wucht der ſchlan¬ ken Staubfäden aufſteige, die keine Blüthe ſo zierlich habe. Überhaupt ſeien die Cactusblumen die ſchön¬ ſten auf der Welt, wenn man etwa einige Schmarozer¬ gewächſe und ganz wenige andere vereinzelte Blumen ausnehme. Er machte mich auch auf einen Umſtand aufmerkſam, den ich nicht wußte, oder den ich nicht beobachtet hatte, daß nehmlich bei einigen Kugel¬ cactus ſich die Blumen ſtets aus neuen Stachelaugen meiſtens mit ganz kurzem Stengel entwickeln, wäh¬ rend ſie bei andern auf einem mehr oder minder hohen Stiele aus vorjährigen oder noch älteren Stachel¬ 5 *

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Zitationshilfe: Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stifter_nachsommer03_1857/81>, abgerufen am 25.04.2019.