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Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857.

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seine Gattin trat aus der Thür ihrer Wohnung, um
sich von mir zu verabschieden.

In dem Blumengarten und in der Abtheilung der
Gemüse blieben die Arbeitsleute vor mir stehen, nahmen
den Hut ab, und grüßten mich artig.

Eustach war mild und freundlich wie gewöhnlich;
aber er war noch weit inniger, als er es in früheren
Zeiten gewesen war. Mich freute die Billigung gerade
von diesem Menschen ungemein. Er zeigte mir alles,
was in der Arbeit war, und was sich an wirklichen
Dingen was an Zeichnungen was an Nachrichten in
der jüngsten Zeit zu dem bereits Vorhandenen hinzu¬
gefunden hatte. Er sagte, daß mein Gastfreund in
Kurzem eine ziemlich weit entfernte Kirche besuchen
werde, in welcher man auf seine Kosten Wiederher¬
stellungen mache, und daß er mich zu dieser Reise ein¬
laden wolle. Ich sah unter allen vorhandenen Dingen
und Stoffen den sehr schönen Marmor nicht, den ich
meinem Gastfreunde zum Geschenke gemacht hatte,
und war auch nie in Kenntniß gekommen, daß daraus
etwas verfertigt worden sei. Es sprach niemand da¬
von, und ich fragte auch nicht. In mancher Stunde
sah ich den Arbeiten zu, welche in dem Schreinerhause
ausgeführt wurden.

ſeine Gattin trat aus der Thür ihrer Wohnung, um
ſich von mir zu verabſchieden.

In dem Blumengarten und in der Abtheilung der
Gemüſe blieben die Arbeitsleute vor mir ſtehen, nahmen
den Hut ab, und grüßten mich artig.

Euſtach war mild und freundlich wie gewöhnlich;
aber er war noch weit inniger, als er es in früheren
Zeiten geweſen war. Mich freute die Billigung gerade
von dieſem Menſchen ungemein. Er zeigte mir alles,
was in der Arbeit war, und was ſich an wirklichen
Dingen was an Zeichnungen was an Nachrichten in
der jüngſten Zeit zu dem bereits Vorhandenen hinzu¬
gefunden hatte. Er ſagte, daß mein Gaſtfreund in
Kurzem eine ziemlich weit entfernte Kirche beſuchen
werde, in welcher man auf ſeine Koſten Wiederher¬
ſtellungen mache, und daß er mich zu dieſer Reiſe ein¬
laden wolle. Ich ſah unter allen vorhandenen Dingen
und Stoffen den ſehr ſchönen Marmor nicht, den ich
meinem Gaſtfreunde zum Geſchenke gemacht hatte,
und war auch nie in Kenntniß gekommen, daß daraus
etwas verfertigt worden ſei. Es ſprach niemand da¬
von, und ich fragte auch nicht. In mancher Stunde
ſah ich den Arbeiten zu, welche in dem Schreinerhauſe
ausgeführt wurden.

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[69/0083] ſeine Gattin trat aus der Thür ihrer Wohnung, um ſich von mir zu verabſchieden. In dem Blumengarten und in der Abtheilung der Gemüſe blieben die Arbeitsleute vor mir ſtehen, nahmen den Hut ab, und grüßten mich artig. Euſtach war mild und freundlich wie gewöhnlich; aber er war noch weit inniger, als er es in früheren Zeiten geweſen war. Mich freute die Billigung gerade von dieſem Menſchen ungemein. Er zeigte mir alles, was in der Arbeit war, und was ſich an wirklichen Dingen was an Zeichnungen was an Nachrichten in der jüngſten Zeit zu dem bereits Vorhandenen hinzu¬ gefunden hatte. Er ſagte, daß mein Gaſtfreund in Kurzem eine ziemlich weit entfernte Kirche beſuchen werde, in welcher man auf ſeine Koſten Wiederher¬ ſtellungen mache, und daß er mich zu dieſer Reiſe ein¬ laden wolle. Ich ſah unter allen vorhandenen Dingen und Stoffen den ſehr ſchönen Marmor nicht, den ich meinem Gaſtfreunde zum Geſchenke gemacht hatte, und war auch nie in Kenntniß gekommen, daß daraus etwas verfertigt worden ſei. Es ſprach niemand da¬ von, und ich fragte auch nicht. In mancher Stunde ſah ich den Arbeiten zu, welche in dem Schreinerhauſe ausgeführt wurden.

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Zitationshilfe: Stifter, Adalbert: Der Nachsommer. Bd. 3. Pesth, 1857, S. 69. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stifter_nachsommer03_1857/83>, abgerufen am 22.04.2019.