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Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852.

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Die Zeit ist hin.
Die Zeit ist hin; du lös't dich unbewußt
Und leise mehr und mehr von meiner Brust;
Ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen,
Doch fühl' ich wohl, ich muß dich gehen lassen.
So laß mich denn, bevor du weit von mir
Im Leben gehst, noch einmal danken dir;
Und magst du nie, was rettungslos vergangen,
In schlummerlosen Nächten heim verlangen.
Hier steh' ich nun und schaue bang zurück;
Vorüber rinnt auch dieser Augenblick,
Und wie viel Stunden dir und mir gegeben,
Wir werden keine mehr zusammen leben.

Die Zeit iſt hin.
Die Zeit iſt hin; du löſ't dich unbewußt
Und leiſe mehr und mehr von meiner Bruſt;
Ich ſuche dich mit ſanftem Druck zu faſſen,
Doch fühl' ich wohl, ich muß dich gehen laſſen.
So laß mich denn, bevor du weit von mir
Im Leben gehſt, noch einmal danken dir;
Und magſt du nie, was rettungslos vergangen,
In ſchlummerloſen Nächten heim verlangen.
Hier ſteh' ich nun und ſchaue bang zurück;
Vorüber rinnt auch dieſer Augenblick,
Und wie viel Stunden dir und mir gegeben,
Wir werden keine mehr zuſammen leben.

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[23/0033] Die Zeit iſt hin. Die Zeit iſt hin; du löſ't dich unbewußt Und leiſe mehr und mehr von meiner Bruſt; Ich ſuche dich mit ſanftem Druck zu faſſen, Doch fühl' ich wohl, ich muß dich gehen laſſen. So laß mich denn, bevor du weit von mir Im Leben gehſt, noch einmal danken dir; Und magſt du nie, was rettungslos vergangen, In ſchlummerloſen Nächten heim verlangen. Hier ſteh' ich nun und ſchaue bang zurück; Vorüber rinnt auch dieſer Augenblick, Und wie viel Stunden dir und mir gegeben, Wir werden keine mehr zuſammen leben.

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Zitationshilfe: Storm, Theodor: Gedichte. Kiel, 1852, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/storm_gedichte_1852/33>, abgerufen am 21.04.2019.