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Strauß, David Friedrich: Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet. Bd. 1. Tübingen, 1835.

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Erstes Kapitel.
Das Verhältniss Jesu zum Täufer
Johannes.

§. 40.
Chronologisches Verhältniss zwischen Johannes und Jesus.

Von dem Auftritt des Täufers Johannes, dessen sämmt-
liche Evangelien gedenken, geben uns das zweite und vierte
keine Zeitbestimmung; das erste eine ungenaue; das dritte
eine, wie es scheint, sehr präcise.

Nach Matth. 3, 1. tritt Johannes als Bussprediger auf
en tais emerais ekeiuais, das hiesse, wenn man auf das zu-
letzt Erzählte (2, 23.) zurückblickt, um die Zeit, als Jesu
Eltern sich in Nazaret ansiedelten 1), wo Jesus noch ein
Kind war. Wenn nun im Folgenden berichtet wird, wie
Jesus, um sich taufen zu lassen, zu Johannes gekommen
sei: so müsste man zwischen dem ersten Auftritt des Täu-
fers, der in die Kindheit Jesu fiele, und dem Zeitpunkt,
in welchem er Jesum taufte, eine Reihe von Jahren ein-
schieben, während welcher Jesus so weit herangereift sein
müsste, um an der johanneischen Taufe Theil nehmen zu
können. Aber die Schilderung der Person und Wirksam-
keit des Täufers bei Matthäus ist so kurz, es wird ihm so
wenig eine selbstständige, so ganz nur eine auf Jesum hin-
zielende Wirksamkeit zugeschrieben, dass es gewiss nicht

1) Die von Süskind (vermischte Aufsätze S. 76 ff.) behauptete Be-
ziehung des en tais em. ek. auf die Zeit, als Jesus noch in
Nazaret wohnte, hat Schneckenburger (über den Ursprung
des ersten kan. Ev. S. 30.), mit Recht wie es scheint, als
einen Nothbehelf von der Hand gewiesen.

Erstes Kapitel.
Das Verhältniss Jesu zum Täufer
Johannes.

§. 40.
Chronologisches Verhältniss zwischen Johannes und Jesus.

Von dem Auftritt des Täufers Johannes, dessen sämmt-
liche Evangelien gedenken, geben uns das zweite und vierte
keine Zeitbestimmung; das erste eine ungenaue; das dritte
eine, wie es scheint, sehr präcise.

Nach Matth. 3, 1. tritt Johannes als Buſsprediger auf
ἐν ταῖς ἡμέραις ἐκείυαις, das hieſse, wenn man auf das zu-
letzt Erzählte (2, 23.) zurückblickt, um die Zeit, als Jesu
Eltern sich in Nazaret ansiedelten 1), wo Jesus noch ein
Kind war. Wenn nun im Folgenden berichtet wird, wie
Jesus, um sich taufen zu lassen, zu Johannes gekommen
sei: so müſste man zwischen dem ersten Auftritt des Täu-
fers, der in die Kindheit Jesu fiele, und dem Zeitpunkt,
in welchem er Jesum taufte, eine Reihe von Jahren ein-
schieben, während welcher Jesus so weit herangereift sein
müſste, um an der johanneischen Taufe Theil nehmen zu
können. Aber die Schilderung der Person und Wirksam-
keit des Täufers bei Matthäus ist so kurz, es wird ihm so
wenig eine selbstständige, so ganz nur eine auf Jesum hin-
zielende Wirksamkeit zugeschrieben, daſs es gewiſs nicht

1) Die von Süskind (vermischte Aufsätze S. 76 ff.) behauptete Be-
ziehung des ἐν ταῖς ἡμ. ἐκ. auf die Zeit, als Jesus noch in
Nazaret wohnte, hat Schneckenburger (über den Ursprung
des ersten kan. Ev. S. 30.), mit Recht wie es scheint, als
einen Nothbehelf von der Hand gewiesen.
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[[309]/0333] Erstes Kapitel. Das Verhältniss Jesu zum Täufer Johannes. §. 40. Chronologisches Verhältniss zwischen Johannes und Jesus. Von dem Auftritt des Täufers Johannes, dessen sämmt- liche Evangelien gedenken, geben uns das zweite und vierte keine Zeitbestimmung; das erste eine ungenaue; das dritte eine, wie es scheint, sehr präcise. Nach Matth. 3, 1. tritt Johannes als Buſsprediger auf ἐν ταῖς ἡμέραις ἐκείυαις, das hieſse, wenn man auf das zu- letzt Erzählte (2, 23.) zurückblickt, um die Zeit, als Jesu Eltern sich in Nazaret ansiedelten 1), wo Jesus noch ein Kind war. Wenn nun im Folgenden berichtet wird, wie Jesus, um sich taufen zu lassen, zu Johannes gekommen sei: so müſste man zwischen dem ersten Auftritt des Täu- fers, der in die Kindheit Jesu fiele, und dem Zeitpunkt, in welchem er Jesum taufte, eine Reihe von Jahren ein- schieben, während welcher Jesus so weit herangereift sein müſste, um an der johanneischen Taufe Theil nehmen zu können. Aber die Schilderung der Person und Wirksam- keit des Täufers bei Matthäus ist so kurz, es wird ihm so wenig eine selbstständige, so ganz nur eine auf Jesum hin- zielende Wirksamkeit zugeschrieben, daſs es gewiſs nicht 1) Die von Süskind (vermischte Aufsätze S. 76 ff.) behauptete Be- ziehung des ἐν ταῖς ἡμ. ἐκ. auf die Zeit, als Jesus noch in Nazaret wohnte, hat Schneckenburger (über den Ursprung des ersten kan. Ev. S. 30.), mit Recht wie es scheint, als einen Nothbehelf von der Hand gewiesen.

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Zitationshilfe: Strauß, David Friedrich: Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet. Bd. 1. Tübingen, 1835, S. [309]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/strauss_jesus01_1835/333>, abgerufen am 20.09.2019.