Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite
Drittes Buch.
Die Freundschaft.

Pylades! ach! wie so lange!
Komm! besuche deinen Freund!
Folge doch nur dem Gesange,
Denn du bist damit gemeynt;
Laß mein Lied dich jetzt verführen,
Alle meine Stubenthüren
Sperren sich mit Freuden auf,
Komm! vollstrecke deinen Lauf!
Ey! wie hab ich doch geschmachtet!
Und wornach sonst, als nach dir?
Ueber alles werth geachtet,
Andre Seele, bist du mir;
Ohne dich ist dieses Gosen,
Säß ich hier auch unter Rosen,
Ohne Dornen, frey von Leid,
Dennoch voll Gleichgültigkeit.
Du mir so getreues Herze!
Fort! verdopple deinen Schritt!
Aber bringe deine Scherze,
Bringe mir auch Damon mit,
Den gelehrten klugen Alten,
Der uns munter wird erhalten,
Wenn mein runzelndes Gesicht
Etwa von dem Wetter spricht.
Kennest
Drittes Buch.
Die Freundſchaft.

Pylades! ach! wie ſo lange!
Komm! beſuche deinen Freund!
Folge doch nur dem Geſange,
Denn du biſt damit gemeynt;
Laß mein Lied dich jetzt verfuͤhren,
Alle meine Stubenthuͤren
Sperren ſich mit Freuden auf,
Komm! vollſtrecke deinen Lauf!
Ey! wie hab ich doch geſchmachtet!
Und wornach ſonſt, als nach dir?
Ueber alles werth geachtet,
Andre Seele, biſt du mir;
Ohne dich iſt dieſes Goſen,
Saͤß ich hier auch unter Roſen,
Ohne Dornen, frey von Leid,
Dennoch voll Gleichguͤltigkeit.
Du mir ſo getreues Herze!
Fort! verdopple deinen Schritt!
Aber bringe deine Scherze,
Bringe mir auch Damon mit,
Den gelehrten klugen Alten,
Der uns munter wird erhalten,
Wenn mein runzelndes Geſicht
Etwa von dem Wetter ſpricht.
Kenneſt
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0182" n="162"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Drittes Buch.</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <head> <hi rendition="#b">Die Freund&#x017F;chaft.</hi> </head><lb/>
            <dateline>1735.</dateline><lb/>
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">P</hi>ylades! ach! wie &#x017F;o lange!</l><lb/>
              <l>Komm! be&#x017F;uche deinen Freund!</l><lb/>
              <l>Folge doch nur dem Ge&#x017F;ange,</l><lb/>
              <l>Denn du bi&#x017F;t damit gemeynt;</l><lb/>
              <l>Laß mein Lied dich jetzt verfu&#x0364;hren,</l><lb/>
              <l>Alle meine Stubenthu&#x0364;ren</l><lb/>
              <l>Sperren &#x017F;ich mit Freuden auf,</l><lb/>
              <l>Komm! voll&#x017F;trecke deinen Lauf!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Ey! wie hab ich doch ge&#x017F;chmachtet!</l><lb/>
              <l>Und wornach &#x017F;on&#x017F;t, als nach dir?</l><lb/>
              <l>Ueber alles werth geachtet,</l><lb/>
              <l>Andre Seele, bi&#x017F;t du mir;</l><lb/>
              <l>Ohne dich i&#x017F;t die&#x017F;es Go&#x017F;en,</l><lb/>
              <l>Sa&#x0364;ß ich hier auch unter Ro&#x017F;en,</l><lb/>
              <l>Ohne Dornen, frey von Leid,</l><lb/>
              <l>Dennoch voll Gleichgu&#x0364;ltigkeit.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>Du mir &#x017F;o getreues Herze!</l><lb/>
              <l>Fort! verdopple deinen Schritt!</l><lb/>
              <l>Aber bringe deine Scherze,</l><lb/>
              <l>Bringe mir auch Damon mit,</l><lb/>
              <l>Den gelehrten klugen Alten,</l><lb/>
              <l>Der uns munter wird erhalten,</l><lb/>
              <l>Wenn mein runzelndes Ge&#x017F;icht</l><lb/>
              <l>Etwa von dem Wetter &#x017F;pricht.</l>
            </lg><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">Kenne&#x017F;t</fw><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[162/0182] Drittes Buch. Die Freundſchaft. 1735. Pylades! ach! wie ſo lange! Komm! beſuche deinen Freund! Folge doch nur dem Geſange, Denn du biſt damit gemeynt; Laß mein Lied dich jetzt verfuͤhren, Alle meine Stubenthuͤren Sperren ſich mit Freuden auf, Komm! vollſtrecke deinen Lauf! Ey! wie hab ich doch geſchmachtet! Und wornach ſonſt, als nach dir? Ueber alles werth geachtet, Andre Seele, biſt du mir; Ohne dich iſt dieſes Goſen, Saͤß ich hier auch unter Roſen, Ohne Dornen, frey von Leid, Dennoch voll Gleichguͤltigkeit. Du mir ſo getreues Herze! Fort! verdopple deinen Schritt! Aber bringe deine Scherze, Bringe mir auch Damon mit, Den gelehrten klugen Alten, Der uns munter wird erhalten, Wenn mein runzelndes Geſicht Etwa von dem Wetter ſpricht. Kenneſt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/182
Zitationshilfe: Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749, S. 162. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/suppius_oden_1749/182>, abgerufen am 20.04.2019.