Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Tetens, Johann Nicolas: Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung. Bd. 2. Leipzig, 1777.

Bild:
<< vorherige Seite

XIV. Vers. Ueber die Perfektibilität
es muß auch leicht seyn, diese Jdeen zur Empfindung
zu machen, und die ganze ehemalige Wirksamkeit wie-
derum in dem Jnnern hervorzuziehen. Jn den ver-
schiedenen Stufen, welche diese letztere Leichtigkeit an-
nimmt, und um welche sie größer wird, bestehet der ei-
gentliche Zuwachs oder die Erhöhung des Vermögens
und der thätigen Kraft. Da sie vorher nur bloßes
Vermögen war wirken zu können, so hat sie eine
Leichtigkeit so zu wirken empfangen, das ist, eine
Vergrößerung derselbigen positiven Beschaffenheit oder
Realität in ihr, wovon das Vermögen auf eine solche
Art wirken zu können abhängt. Die Beobachtungen,
woraus man sieht, daß diese angeführten Bestandtheile
in unsern Fertigkeiten wirklich enthalten sind, habe ich
oben in dem zehnten Versuche beygebracht; *) daher ich
hier nur blos für nöthig gehalten habe, die Hauptpunkte
zu wiederholen, ohne die obigen Betrachtungen noch
einmal anzustellen.

4.

Nimmt man diesen Begriff vor sich, und verglei-
chet alsdann die verschiedenen Erfahrungen von den
Wirkungen, die aus dem Gebrauch unserer Vermögen
bey gewissen Objekten entspringen, so kommen wir von
selbst auf die folgenden Bemerkungen, die sowol die Art,
als die Natur der Vervollkommnung der Kräfte ange-
ben. Jch will aber auch hier wiederum nur zunächst
auf die Verstandesvermögen Rücksicht nehmen, bey de-
nen das Allgemeine am leichtesten bemerket wird,
und davon das Aehnliche bey den übrigen Vermögen
sich ohne Mühe finden oder nach der Analogie anneh-
men läßt.

1) "Jede
*) Erster Band, zehnter Versuch. III.

XIV. Verſ. Ueber die Perfektibilitaͤt
es muß auch leicht ſeyn, dieſe Jdeen zur Empfindung
zu machen, und die ganze ehemalige Wirkſamkeit wie-
derum in dem Jnnern hervorzuziehen. Jn den ver-
ſchiedenen Stufen, welche dieſe letztere Leichtigkeit an-
nimmt, und um welche ſie groͤßer wird, beſtehet der ei-
gentliche Zuwachs oder die Erhoͤhung des Vermoͤgens
und der thaͤtigen Kraft. Da ſie vorher nur bloßes
Vermoͤgen war wirken zu koͤnnen, ſo hat ſie eine
Leichtigkeit ſo zu wirken empfangen, das iſt, eine
Vergroͤßerung derſelbigen poſitiven Beſchaffenheit oder
Realitaͤt in ihr, wovon das Vermoͤgen auf eine ſolche
Art wirken zu koͤnnen abhaͤngt. Die Beobachtungen,
woraus man ſieht, daß dieſe angefuͤhrten Beſtandtheile
in unſern Fertigkeiten wirklich enthalten ſind, habe ich
oben in dem zehnten Verſuche beygebracht; *) daher ich
hier nur blos fuͤr noͤthig gehalten habe, die Hauptpunkte
zu wiederholen, ohne die obigen Betrachtungen noch
einmal anzuſtellen.

4.

Nimmt man dieſen Begriff vor ſich, und verglei-
chet alsdann die verſchiedenen Erfahrungen von den
Wirkungen, die aus dem Gebrauch unſerer Vermoͤgen
bey gewiſſen Objekten entſpringen, ſo kommen wir von
ſelbſt auf die folgenden Bemerkungen, die ſowol die Art,
als die Natur der Vervollkommnung der Kraͤfte ange-
ben. Jch will aber auch hier wiederum nur zunaͤchſt
auf die Verſtandesvermoͤgen Ruͤckſicht nehmen, bey de-
nen das Allgemeine am leichteſten bemerket wird,
und davon das Aehnliche bey den uͤbrigen Vermoͤgen
ſich ohne Muͤhe finden oder nach der Analogie anneh-
men laͤßt.

1) „Jede
*) Erſter Band, zehnter Verſuch. III.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0422" n="392"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XIV.</hi> Ver&#x017F;. Ueber die Perfektibilita&#x0364;t</hi></fw><lb/>
es muß auch leicht &#x017F;eyn, die&#x017F;e Jdeen zur Empfindung<lb/>
zu machen, und die ganze ehemalige Wirk&#x017F;amkeit wie-<lb/>
derum in dem Jnnern hervorzuziehen. Jn den ver-<lb/>
&#x017F;chiedenen Stufen, welche die&#x017F;e letztere Leichtigkeit an-<lb/>
nimmt, und um welche &#x017F;ie gro&#x0364;ßer wird, be&#x017F;tehet der ei-<lb/>
gentliche Zuwachs oder die Erho&#x0364;hung des Vermo&#x0364;gens<lb/>
und der tha&#x0364;tigen Kraft. Da &#x017F;ie vorher nur bloßes<lb/>
Vermo&#x0364;gen war wirken zu ko&#x0364;nnen, &#x017F;o hat &#x017F;ie eine<lb/><hi rendition="#fr">Leichtigkeit</hi> &#x017F;o zu wirken empfangen, das i&#x017F;t, eine<lb/>
Vergro&#x0364;ßerung der&#x017F;elbigen po&#x017F;itiven Be&#x017F;chaffenheit oder<lb/>
Realita&#x0364;t in ihr, wovon das <hi rendition="#fr">Vermo&#x0364;gen</hi> auf eine &#x017F;olche<lb/>
Art wirken zu ko&#x0364;nnen abha&#x0364;ngt. Die Beobachtungen,<lb/>
woraus man &#x017F;ieht, daß die&#x017F;e angefu&#x0364;hrten Be&#x017F;tandtheile<lb/>
in un&#x017F;ern Fertigkeiten wirklich enthalten &#x017F;ind, habe ich<lb/>
oben in dem zehnten Ver&#x017F;uche beygebracht; <note place="foot" n="*)">Er&#x017F;ter Band, zehnter Ver&#x017F;uch. <hi rendition="#aq">III.</hi></note> daher ich<lb/>
hier nur blos fu&#x0364;r no&#x0364;thig gehalten habe, die Hauptpunkte<lb/>
zu wiederholen, ohne die obigen Betrachtungen noch<lb/>
einmal anzu&#x017F;tellen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>4.</head><lb/>
              <p>Nimmt man die&#x017F;en Begriff vor &#x017F;ich, und verglei-<lb/>
chet alsdann die ver&#x017F;chiedenen Erfahrungen von den<lb/>
Wirkungen, die aus dem Gebrauch un&#x017F;erer Vermo&#x0364;gen<lb/>
bey gewi&#x017F;&#x017F;en Objekten ent&#x017F;pringen, &#x017F;o kommen wir von<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t auf die folgenden Bemerkungen, die &#x017F;owol die Art,<lb/>
als die Natur der Vervollkommnung der Kra&#x0364;fte ange-<lb/>
ben. Jch will aber auch hier wiederum nur zuna&#x0364;ch&#x017F;t<lb/>
auf die Ver&#x017F;tandesvermo&#x0364;gen Ru&#x0364;ck&#x017F;icht nehmen, bey de-<lb/>
nen das Allgemeine am leichte&#x017F;ten bemerket wird,<lb/>
und davon das Aehnliche bey den u&#x0364;brigen Vermo&#x0364;gen<lb/>
&#x017F;ich ohne Mu&#x0364;he finden oder nach der Analogie anneh-<lb/>
men la&#x0364;ßt.</p><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch">1) &#x201E;Jede</fw><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[392/0422] XIV. Verſ. Ueber die Perfektibilitaͤt es muß auch leicht ſeyn, dieſe Jdeen zur Empfindung zu machen, und die ganze ehemalige Wirkſamkeit wie- derum in dem Jnnern hervorzuziehen. Jn den ver- ſchiedenen Stufen, welche dieſe letztere Leichtigkeit an- nimmt, und um welche ſie groͤßer wird, beſtehet der ei- gentliche Zuwachs oder die Erhoͤhung des Vermoͤgens und der thaͤtigen Kraft. Da ſie vorher nur bloßes Vermoͤgen war wirken zu koͤnnen, ſo hat ſie eine Leichtigkeit ſo zu wirken empfangen, das iſt, eine Vergroͤßerung derſelbigen poſitiven Beſchaffenheit oder Realitaͤt in ihr, wovon das Vermoͤgen auf eine ſolche Art wirken zu koͤnnen abhaͤngt. Die Beobachtungen, woraus man ſieht, daß dieſe angefuͤhrten Beſtandtheile in unſern Fertigkeiten wirklich enthalten ſind, habe ich oben in dem zehnten Verſuche beygebracht; *) daher ich hier nur blos fuͤr noͤthig gehalten habe, die Hauptpunkte zu wiederholen, ohne die obigen Betrachtungen noch einmal anzuſtellen. 4. Nimmt man dieſen Begriff vor ſich, und verglei- chet alsdann die verſchiedenen Erfahrungen von den Wirkungen, die aus dem Gebrauch unſerer Vermoͤgen bey gewiſſen Objekten entſpringen, ſo kommen wir von ſelbſt auf die folgenden Bemerkungen, die ſowol die Art, als die Natur der Vervollkommnung der Kraͤfte ange- ben. Jch will aber auch hier wiederum nur zunaͤchſt auf die Verſtandesvermoͤgen Ruͤckſicht nehmen, bey de- nen das Allgemeine am leichteſten bemerket wird, und davon das Aehnliche bey den uͤbrigen Vermoͤgen ſich ohne Muͤhe finden oder nach der Analogie anneh- men laͤßt. 1) „Jede *) Erſter Band, zehnter Verſuch. III.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/tetens_versuche02_1777
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/tetens_versuche02_1777/422
Zitationshilfe: Tetens, Johann Nicolas: Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung. Bd. 2. Leipzig, 1777, S. 392. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tetens_versuche02_1777/422>, abgerufen am 25.08.2019.