Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 1. Berlin, 1809.

Bild:
<< vorherige Seite

Werthschätzung eines Landguts.
bei der Eintheilung und der Wahl der Rotationen manche Schwierigkeiten, welche
glücklich zu überwinden großen Scharfsinn fordert. Ist jedoch der Boden fehler-
haft,
so ist es immer erwünscht, wenn er es auf verschiedene Weise ist, und der
Fehler eines Theils von entgegengesetzter Art, wie der eines andern Theils ist. Wo
man einen Theil von zähem, widerspenstigem, nur bei einem gewissen bald vorüber-
gehenden Grade der Trockenheit bearbeitbarem Boden hat, da ist ein verhältnißmäßi-
ger Theil leichten Landes, welches sich bei jeder Witterung bearbeiten läßt, erwünscht
und mehr als sonst werth, weil man Gespann und Menschen auf letzteren beschäftigen
kann, wenn jenes keine Arbeit zuläßt; in dem Zeitpunkte aber, wo günstige Witte-
rung eintritt, um so mehrere Kräfte auf das schwer bearbeitbare Land zu verwenden
hat. Einige hundert Morgen strenger Thonboden werden schätzbarer, wenn man eben
so viel lehmigen Sand dabei hat. Auch kompensirt bei Extremen der Witterung der
höhere Ertrag des einen den Miswachs des andern. Verstattet es die Lage, so läßt
sich so verschiedenartiger Boden zuweilen ziemlich gleichmäßig unter den Schlägen
vertheilen, in welchem Falle jedoch einige Abänderung der Früchte nach der Bodenart
in demselben Schlage zu machen ist. Bei einer andern Lage wird man freilich meh-
rere Schlagrotationen wählen müssen, und die einer Art nicht leicht in völligem Zu-
sammenhange bringen können.

§. 108.

Merkantili-
sche Verhält-
nisse.
Unter den relativen Qualitäten eines Landgutes kommen die merkantilischen Ver-
hältnisse und alle darauf Bezug habende Umstände in wichtigen Betracht. Diese
hangen zum Theil von der geographischen Lage ab. Die Nachbarschaft großer
Städte kann den Werth des Bodens um das Doppelte und Dreifache für den spekuli-
renden Landwirth erhöhen, der sie richtig zu benutzen weiß. Aber auch eine mehrere
oder mindere Entfernung von großen Marktplätzen und Seehäfen verändert den
Werth beträchtlich. Man pflegt aber in den Anschlägen den Preis des Getreides
schon nach diesen Verhältnissen zu berechnen. Die Kommunikation mit diesen durch
schiffbare Flüsse und Kanäle, oder doch durch gute immer fahrbare Heerstraßen, die
nicht durch zu hohe Zölle beschwert ist, bringt das Gut ihnen gewissermaßen näher,
indem sie die Kosten des Verfahrens der Produkte vermindert, weswegen auch jeder
vernünftige Gutsbesitzer mit Vergnügen zu ihrer Anlegung und Erhaltung bei-
tragen wird.


Werthſchaͤtzung eines Landguts.
bei der Eintheilung und der Wahl der Rotationen manche Schwierigkeiten, welche
gluͤcklich zu uͤberwinden großen Scharfſinn fordert. Iſt jedoch der Boden fehler-
haft,
ſo iſt es immer erwuͤnſcht, wenn er es auf verſchiedene Weiſe iſt, und der
Fehler eines Theils von entgegengeſetzter Art, wie der eines andern Theils iſt. Wo
man einen Theil von zaͤhem, widerſpenſtigem, nur bei einem gewiſſen bald voruͤber-
gehenden Grade der Trockenheit bearbeitbarem Boden hat, da iſt ein verhaͤltnißmaͤßi-
ger Theil leichten Landes, welches ſich bei jeder Witterung bearbeiten laͤßt, erwuͤnſcht
und mehr als ſonſt werth, weil man Geſpann und Menſchen auf letzteren beſchaͤftigen
kann, wenn jenes keine Arbeit zulaͤßt; in dem Zeitpunkte aber, wo guͤnſtige Witte-
rung eintritt, um ſo mehrere Kraͤfte auf das ſchwer bearbeitbare Land zu verwenden
hat. Einige hundert Morgen ſtrenger Thonboden werden ſchaͤtzbarer, wenn man eben
ſo viel lehmigen Sand dabei hat. Auch kompenſirt bei Extremen der Witterung der
hoͤhere Ertrag des einen den Miswachs des andern. Verſtattet es die Lage, ſo laͤßt
ſich ſo verſchiedenartiger Boden zuweilen ziemlich gleichmaͤßig unter den Schlaͤgen
vertheilen, in welchem Falle jedoch einige Abaͤnderung der Fruͤchte nach der Bodenart
in demſelben Schlage zu machen iſt. Bei einer andern Lage wird man freilich meh-
rere Schlagrotationen waͤhlen muͤſſen, und die einer Art nicht leicht in voͤlligem Zu-
ſammenhange bringen koͤnnen.

§. 108.

Merkantili-
ſche Verhaͤlt-
niſſe.
Unter den relativen Qualitaͤten eines Landgutes kommen die merkantiliſchen Ver-
haͤltniſſe und alle darauf Bezug habende Umſtaͤnde in wichtigen Betracht. Dieſe
hangen zum Theil von der geographiſchen Lage ab. Die Nachbarſchaft großer
Staͤdte kann den Werth des Bodens um das Doppelte und Dreifache fuͤr den ſpekuli-
renden Landwirth erhoͤhen, der ſie richtig zu benutzen weiß. Aber auch eine mehrere
oder mindere Entfernung von großen Marktplaͤtzen und Seehaͤfen veraͤndert den
Werth betraͤchtlich. Man pflegt aber in den Anſchlaͤgen den Preis des Getreides
ſchon nach dieſen Verhaͤltniſſen zu berechnen. Die Kommunikation mit dieſen durch
ſchiffbare Fluͤſſe und Kanaͤle, oder doch durch gute immer fahrbare Heerſtraßen, die
nicht durch zu hohe Zoͤlle beſchwert iſt, bringt das Gut ihnen gewiſſermaßen naͤher,
indem ſie die Koſten des Verfahrens der Produkte vermindert, weswegen auch jeder
vernuͤnftige Gutsbeſitzer mit Vergnuͤgen zu ihrer Anlegung und Erhaltung bei-
tragen wird.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0100" n="70"/><fw place="top" type="header">Werth&#x017F;cha&#x0364;tzung eines Landguts.</fw><lb/>
bei der Eintheilung und der Wahl der Rotationen manche Schwierigkeiten, welche<lb/>
glu&#x0364;cklich zu u&#x0364;berwinden großen Scharf&#x017F;inn fordert. I&#x017F;t jedoch der Boden <hi rendition="#g">fehler-<lb/>
haft,</hi> &#x017F;o i&#x017F;t es immer erwu&#x0364;n&#x017F;cht, wenn er es auf ver&#x017F;chiedene Wei&#x017F;e i&#x017F;t, und der<lb/>
Fehler eines Theils von entgegenge&#x017F;etzter Art, wie der eines andern Theils i&#x017F;t. Wo<lb/>
man einen Theil von za&#x0364;hem, wider&#x017F;pen&#x017F;tigem, nur bei einem gewi&#x017F;&#x017F;en bald voru&#x0364;ber-<lb/>
gehenden Grade der Trockenheit bearbeitbarem Boden hat, da i&#x017F;t ein verha&#x0364;ltnißma&#x0364;ßi-<lb/>
ger Theil leichten Landes, welches &#x017F;ich bei jeder Witterung bearbeiten la&#x0364;ßt, erwu&#x0364;n&#x017F;cht<lb/>
und mehr als &#x017F;on&#x017F;t werth, weil man Ge&#x017F;pann und Men&#x017F;chen auf letzteren be&#x017F;cha&#x0364;ftigen<lb/>
kann, wenn jenes keine Arbeit zula&#x0364;ßt; in dem Zeitpunkte aber, wo gu&#x0364;n&#x017F;tige Witte-<lb/>
rung eintritt, um &#x017F;o mehrere Kra&#x0364;fte auf das &#x017F;chwer bearbeitbare Land zu verwenden<lb/>
hat. Einige hundert Morgen &#x017F;trenger Thonboden werden &#x017F;cha&#x0364;tzbarer, wenn man eben<lb/>
&#x017F;o viel lehmigen Sand dabei hat. Auch kompen&#x017F;irt bei Extremen der Witterung der<lb/>
ho&#x0364;here Ertrag des einen den Miswachs des andern. Ver&#x017F;tattet es die Lage, &#x017F;o la&#x0364;ßt<lb/>
&#x017F;ich &#x017F;o ver&#x017F;chiedenartiger Boden zuweilen ziemlich gleichma&#x0364;ßig unter den Schla&#x0364;gen<lb/>
vertheilen, in welchem Falle jedoch einige Aba&#x0364;nderung der Fru&#x0364;chte nach der Bodenart<lb/>
in dem&#x017F;elben Schlage zu machen i&#x017F;t. Bei einer andern Lage wird man freilich meh-<lb/>
rere Schlagrotationen wa&#x0364;hlen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, und die einer Art nicht leicht in vo&#x0364;lligem Zu-<lb/>
&#x017F;ammenhange bringen ko&#x0364;nnen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 108.</head><lb/>
              <p><note place="left">Merkantili-<lb/>
&#x017F;che Verha&#x0364;lt-<lb/>
ni&#x017F;&#x017F;e.</note>Unter den relativen Qualita&#x0364;ten eines Landgutes kommen die merkantili&#x017F;chen Ver-<lb/>
ha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e und alle darauf Bezug habende Um&#x017F;ta&#x0364;nde in wichtigen Betracht. Die&#x017F;e<lb/>
hangen zum Theil von der geographi&#x017F;chen Lage ab. Die Nachbar&#x017F;chaft großer<lb/>
Sta&#x0364;dte kann den Werth des Bodens um das Doppelte und Dreifache fu&#x0364;r den &#x017F;pekuli-<lb/>
renden Landwirth erho&#x0364;hen, der &#x017F;ie richtig zu benutzen weiß. Aber auch eine mehrere<lb/>
oder mindere Entfernung von großen Marktpla&#x0364;tzen und Seeha&#x0364;fen vera&#x0364;ndert den<lb/>
Werth betra&#x0364;chtlich. Man pflegt aber in den An&#x017F;chla&#x0364;gen den Preis des Getreides<lb/>
&#x017F;chon nach die&#x017F;en Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en zu berechnen. Die Kommunikation mit die&#x017F;en durch<lb/>
&#x017F;chiffbare Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e und Kana&#x0364;le, oder doch durch gute immer fahrbare Heer&#x017F;traßen, die<lb/>
nicht durch zu hohe Zo&#x0364;lle be&#x017F;chwert i&#x017F;t, bringt das Gut ihnen gewi&#x017F;&#x017F;ermaßen na&#x0364;her,<lb/>
indem &#x017F;ie die Ko&#x017F;ten des Verfahrens der Produkte vermindert, weswegen auch jeder<lb/>
vernu&#x0364;nftige Gutsbe&#x017F;itzer mit Vergnu&#x0364;gen zu ihrer Anlegung und Erhaltung bei-<lb/>
tragen wird.</p><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[70/0100] Werthſchaͤtzung eines Landguts. bei der Eintheilung und der Wahl der Rotationen manche Schwierigkeiten, welche gluͤcklich zu uͤberwinden großen Scharfſinn fordert. Iſt jedoch der Boden fehler- haft, ſo iſt es immer erwuͤnſcht, wenn er es auf verſchiedene Weiſe iſt, und der Fehler eines Theils von entgegengeſetzter Art, wie der eines andern Theils iſt. Wo man einen Theil von zaͤhem, widerſpenſtigem, nur bei einem gewiſſen bald voruͤber- gehenden Grade der Trockenheit bearbeitbarem Boden hat, da iſt ein verhaͤltnißmaͤßi- ger Theil leichten Landes, welches ſich bei jeder Witterung bearbeiten laͤßt, erwuͤnſcht und mehr als ſonſt werth, weil man Geſpann und Menſchen auf letzteren beſchaͤftigen kann, wenn jenes keine Arbeit zulaͤßt; in dem Zeitpunkte aber, wo guͤnſtige Witte- rung eintritt, um ſo mehrere Kraͤfte auf das ſchwer bearbeitbare Land zu verwenden hat. Einige hundert Morgen ſtrenger Thonboden werden ſchaͤtzbarer, wenn man eben ſo viel lehmigen Sand dabei hat. Auch kompenſirt bei Extremen der Witterung der hoͤhere Ertrag des einen den Miswachs des andern. Verſtattet es die Lage, ſo laͤßt ſich ſo verſchiedenartiger Boden zuweilen ziemlich gleichmaͤßig unter den Schlaͤgen vertheilen, in welchem Falle jedoch einige Abaͤnderung der Fruͤchte nach der Bodenart in demſelben Schlage zu machen iſt. Bei einer andern Lage wird man freilich meh- rere Schlagrotationen waͤhlen muͤſſen, und die einer Art nicht leicht in voͤlligem Zu- ſammenhange bringen koͤnnen. §. 108. Unter den relativen Qualitaͤten eines Landgutes kommen die merkantiliſchen Ver- haͤltniſſe und alle darauf Bezug habende Umſtaͤnde in wichtigen Betracht. Dieſe hangen zum Theil von der geographiſchen Lage ab. Die Nachbarſchaft großer Staͤdte kann den Werth des Bodens um das Doppelte und Dreifache fuͤr den ſpekuli- renden Landwirth erhoͤhen, der ſie richtig zu benutzen weiß. Aber auch eine mehrere oder mindere Entfernung von großen Marktplaͤtzen und Seehaͤfen veraͤndert den Werth betraͤchtlich. Man pflegt aber in den Anſchlaͤgen den Preis des Getreides ſchon nach dieſen Verhaͤltniſſen zu berechnen. Die Kommunikation mit dieſen durch ſchiffbare Fluͤſſe und Kanaͤle, oder doch durch gute immer fahrbare Heerſtraßen, die nicht durch zu hohe Zoͤlle beſchwert iſt, bringt das Gut ihnen gewiſſermaßen naͤher, indem ſie die Koſten des Verfahrens der Produkte vermindert, weswegen auch jeder vernuͤnftige Gutsbeſitzer mit Vergnuͤgen zu ihrer Anlegung und Erhaltung bei- tragen wird. Merkantili- ſche Verhaͤlt- niſſe.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft01_1809
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft01_1809/100
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 1. Berlin, 1809, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft01_1809/100>, abgerufen am 17.07.2019.