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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Die Kieselerde.
ist vom Winde leicht beweglich, woher er seinen Namen erhalten hat, und wird daher
durch diesen und durch Wasser gleich einer Flüssigkeit nach den niedrigsten Stellen
fortgetrieben, bis er sich vor einem Widerstande in großer Masse zusammenhäuft, und
solche angehäufte Hügel werden dann, wenn ihre Oberfläche nicht durch solche Pflan-
zen, die mit Hülfe einiger Dammerde darauf wachsen, befestiget ist, durch West-
und Ostwinde fortgewälzt, und übersanden oft fruchtbare Fluren.

In der Tiefe des Erdbodens findet man den Sand zwischen andern Erdlagen in
fortlaufenden Adern oder Schichten. Diesen verdanken wir unser reinstes Brunnen-
und Quell-Wasser. Das Wasser sintert hindurch, setzt seine unreinen Theile darin
ab, und erscheint in desto größerer Reinheit, je weiter es sich durch den Sand gezo-
gen hat.

Die Sandkörner haben außer dem überwiegenden Antheile von Kieselerde noch
immer etwas Thonerde in sich, auch Eisenoxyd. Der Sand besitzt eine noch gerin-
gere wasserhaltende Kraft, wie die staubige Kieselerde. Daher, und weil er auch
mit dem Humus wenig mechanische Anziehung hat, rührt seine Unfruchtbarkeit.

Ist der Sand durch ein Bindungsmittel, Thon oder Kalk, und durch mecha-
nische Zusammenpressung in harte Massen verbunden, so heißt er Sandstein. In
Ansehung der Feinheit und Dichtigkeit giebt es verschiedene Sorten, welche, wenn
sie noch weicher aus dem Boden kommen, in kubische Bausteine, Quadersteine,
Mühlsteine, Schleifsteine, Wetzsteine u. s. w. verarbeitet werden. Zu diesen gehört
auch der Filtrirstein, welcher das Wasser wie ein feiner Schwamm durchlaufen läßt,
und den man gebraucht, um trübes Wasser zu reinigen. Er war sonst eine Selten-
heit; jetzt findet man ihn in Sachsen und an mehreren Orten häufig.

Thonerde. Alaunerde.
§. 19.

Thonerde
im reinen Zu-
stande.
Man findet diese reine Erdart am meisten in derjenigen Masse, die man längst
Thon nannte, und hiervon hat sie den Namen Thonerde erhalten. Sie macht
aber auch einen wesentlichen Bestandtheil eines unter dem Namen Alaun bekannten
Salzes aus, und ist daher von der neuern chemischen Schule Alaunerde genannt
worden. Weil indessen der Name Thonerde unter den Deutschen gebräuchlicher

Die Kieſelerde.
iſt vom Winde leicht beweglich, woher er ſeinen Namen erhalten hat, und wird daher
durch dieſen und durch Waſſer gleich einer Fluͤſſigkeit nach den niedrigſten Stellen
fortgetrieben, bis er ſich vor einem Widerſtande in großer Maſſe zuſammenhaͤuft, und
ſolche angehaͤufte Huͤgel werden dann, wenn ihre Oberflaͤche nicht durch ſolche Pflan-
zen, die mit Huͤlfe einiger Dammerde darauf wachſen, befeſtiget iſt, durch Weſt-
und Oſtwinde fortgewaͤlzt, und uͤberſanden oft fruchtbare Fluren.

In der Tiefe des Erdbodens findet man den Sand zwiſchen andern Erdlagen in
fortlaufenden Adern oder Schichten. Dieſen verdanken wir unſer reinſtes Brunnen-
und Quell-Waſſer. Das Waſſer ſintert hindurch, ſetzt ſeine unreinen Theile darin
ab, und erſcheint in deſto groͤßerer Reinheit, je weiter es ſich durch den Sand gezo-
gen hat.

Die Sandkoͤrner haben außer dem uͤberwiegenden Antheile von Kieſelerde noch
immer etwas Thonerde in ſich, auch Eiſenoxyd. Der Sand beſitzt eine noch gerin-
gere waſſerhaltende Kraft, wie die ſtaubige Kieſelerde. Daher, und weil er auch
mit dem Humus wenig mechaniſche Anziehung hat, ruͤhrt ſeine Unfruchtbarkeit.

Iſt der Sand durch ein Bindungsmittel, Thon oder Kalk, und durch mecha-
niſche Zuſammenpreſſung in harte Maſſen verbunden, ſo heißt er Sandſtein. In
Anſehung der Feinheit und Dichtigkeit giebt es verſchiedene Sorten, welche, wenn
ſie noch weicher aus dem Boden kommen, in kubiſche Bauſteine, Quaderſteine,
Muͤhlſteine, Schleifſteine, Wetzſteine u. ſ. w. verarbeitet werden. Zu dieſen gehoͤrt
auch der Filtrirſtein, welcher das Waſſer wie ein feiner Schwamm durchlaufen laͤßt,
und den man gebraucht, um truͤbes Waſſer zu reinigen. Er war ſonſt eine Selten-
heit; jetzt findet man ihn in Sachſen und an mehreren Orten haͤufig.

Thonerde. Alaunerde.
§. 19.

Thonerde
im reinen Zu-
ſtande.
Man findet dieſe reine Erdart am meiſten in derjenigen Maſſe, die man laͤngſt
Thon nannte, und hiervon hat ſie den Namen Thonerde erhalten. Sie macht
aber auch einen weſentlichen Beſtandtheil eines unter dem Namen Alaun bekannten
Salzes aus, und iſt daher von der neuern chemiſchen Schule Alaunerde genannt
worden. Weil indeſſen der Name Thonerde unter den Deutſchen gebraͤuchlicher

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[58/0102] Die Kieſelerde. iſt vom Winde leicht beweglich, woher er ſeinen Namen erhalten hat, und wird daher durch dieſen und durch Waſſer gleich einer Fluͤſſigkeit nach den niedrigſten Stellen fortgetrieben, bis er ſich vor einem Widerſtande in großer Maſſe zuſammenhaͤuft, und ſolche angehaͤufte Huͤgel werden dann, wenn ihre Oberflaͤche nicht durch ſolche Pflan- zen, die mit Huͤlfe einiger Dammerde darauf wachſen, befeſtiget iſt, durch Weſt- und Oſtwinde fortgewaͤlzt, und uͤberſanden oft fruchtbare Fluren. In der Tiefe des Erdbodens findet man den Sand zwiſchen andern Erdlagen in fortlaufenden Adern oder Schichten. Dieſen verdanken wir unſer reinſtes Brunnen- und Quell-Waſſer. Das Waſſer ſintert hindurch, ſetzt ſeine unreinen Theile darin ab, und erſcheint in deſto groͤßerer Reinheit, je weiter es ſich durch den Sand gezo- gen hat. Die Sandkoͤrner haben außer dem uͤberwiegenden Antheile von Kieſelerde noch immer etwas Thonerde in ſich, auch Eiſenoxyd. Der Sand beſitzt eine noch gerin- gere waſſerhaltende Kraft, wie die ſtaubige Kieſelerde. Daher, und weil er auch mit dem Humus wenig mechaniſche Anziehung hat, ruͤhrt ſeine Unfruchtbarkeit. Iſt der Sand durch ein Bindungsmittel, Thon oder Kalk, und durch mecha- niſche Zuſammenpreſſung in harte Maſſen verbunden, ſo heißt er Sandſtein. In Anſehung der Feinheit und Dichtigkeit giebt es verſchiedene Sorten, welche, wenn ſie noch weicher aus dem Boden kommen, in kubiſche Bauſteine, Quaderſteine, Muͤhlſteine, Schleifſteine, Wetzſteine u. ſ. w. verarbeitet werden. Zu dieſen gehoͤrt auch der Filtrirſtein, welcher das Waſſer wie ein feiner Schwamm durchlaufen laͤßt, und den man gebraucht, um truͤbes Waſſer zu reinigen. Er war ſonſt eine Selten- heit; jetzt findet man ihn in Sachſen und an mehreren Orten haͤufig. Thonerde. Alaunerde. §. 19. Man findet dieſe reine Erdart am meiſten in derjenigen Maſſe, die man laͤngſt Thon nannte, und hiervon hat ſie den Namen Thonerde erhalten. Sie macht aber auch einen weſentlichen Beſtandtheil eines unter dem Namen Alaun bekannten Salzes aus, und iſt daher von der neuern chemiſchen Schule Alaunerde genannt worden. Weil indeſſen der Name Thonerde unter den Deutſchen gebraͤuchlicher Thonerde im reinen Zu- ſtande.

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/102>, abgerufen am 21.03.2019.