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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Der Thon.
nicht Sand nennen kann, welche aber doch grobkörniger, als die aus der Kieselseuch-
tigkeit niedergeschlagene ist. Die Menge dieser, bloß durch das Sieden abgetrennete
Kieselerde ist in verschiedenen Thonarten verschieden. Sie ist aber schwer völlig da-
von zu trennen. Indessen wenn dieses auch auf das sorgfältigste geschehen ist, so
bleibt dennoch im Thone noch beträchtlich viel Kieselerde zurück, die sich nur durch
chemische Reagentien entscheiden läßt. Wir setzen diese genaueren Versuche fort,
besonders um zu entscheiden, was uns jetzt fast wahrscheinlich ist -- ob alle Thon-
arten, nach Absonderung dieser minder und wohl nur mechanisch gebundenen Kiesel-
erde, sich in ihrem Gehalte an Kiesel- und Thonerde, vielleicht völlig oder beinahe
gleich seyn.

Das Eisenoxyd weicht in seiner Menge sehr ab, von 1 bis zu 10 und
12 Prozent.

Zuweilen enthält der Thon auch Manganesoxyd, welches aber nicht häufig und
nur in sehr geringer Menge vorkommt, und deshalb von uns nicht in Betracht ge-
zogen wird.

§. 36.

Man findet den Thon mit sehr verschiedenen Farben, weiß, grau, braun, roth,Farbe des
Thons.

schwarz und in den mannigfaltigsten Schattirungen dieser Farben. Zuweilen sind
brennbare Körper, Humus und erdharzige Materie die Hauptursache dieser Farben;
und diese machen ihn gewöhnlich grau, ins Schwarze übergehend, oder ganz schwarz.
Diese Thonarten brennen sich aber im Feuer ganz weiß, indem sich der Kohlenstoff
mit Oxygen verbindet, und als Kohlensäure entweicht. In den meisten Fällen ist
aber das Eisenoxyd, zuweilen auch das Manganesoxyd, die Ursach der Farbe. Nicht
bloß die Quantität, in welcher dieses dem Thone beigemischt ist, sondern auch der
Grad der Oxydation, worin es sich befindet, bringen die mannigfaltigen Nuancirun-
gen der Farbe hervor. Sie geht um so mehr von der hellgelben in die dunkelgelbe
und rothe über, je höher der Oxydationszustand des Eisens steigt. Diese Thonar-
ten brennen im Feuer nicht weiß. Ihr Eisenoxyd zieht vielmehr noch mehr Oxygen
an, wird damit völlig gesättigt, und dadurch ziegelroth. Diese Farben erhalten da-
her beim Brennen alle die Thonarten, welche 4 bis 6 Prozent Eisenoxyd enthalten,
und sie fällt um so dunkler aus, je höher das Verhältniß des Eisenoxyds steigt.


J 2

Der Thon.
nicht Sand nennen kann, welche aber doch grobkoͤrniger, als die aus der Kieſelſeuch-
tigkeit niedergeſchlagene iſt. Die Menge dieſer, bloß durch das Sieden abgetrennete
Kieſelerde iſt in verſchiedenen Thonarten verſchieden. Sie iſt aber ſchwer voͤllig da-
von zu trennen. Indeſſen wenn dieſes auch auf das ſorgfaͤltigſte geſchehen iſt, ſo
bleibt dennoch im Thone noch betraͤchtlich viel Kieſelerde zuruͤck, die ſich nur durch
chemiſche Reagentien entſcheiden laͤßt. Wir ſetzen dieſe genaueren Verſuche fort,
beſonders um zu entſcheiden, was uns jetzt faſt wahrſcheinlich iſt — ob alle Thon-
arten, nach Abſonderung dieſer minder und wohl nur mechaniſch gebundenen Kieſel-
erde, ſich in ihrem Gehalte an Kieſel- und Thonerde, vielleicht voͤllig oder beinahe
gleich ſeyn.

Das Eiſenoxyd weicht in ſeiner Menge ſehr ab, von 1 bis zu 10 und
12 Prozent.

Zuweilen enthaͤlt der Thon auch Manganesoxyd, welches aber nicht haͤufig und
nur in ſehr geringer Menge vorkommt, und deshalb von uns nicht in Betracht ge-
zogen wird.

§. 36.

Man findet den Thon mit ſehr verſchiedenen Farben, weiß, grau, braun, roth,Farbe des
Thons.

ſchwarz und in den mannigfaltigſten Schattirungen dieſer Farben. Zuweilen ſind
brennbare Koͤrper, Humus und erdharzige Materie die Haupturſache dieſer Farben;
und dieſe machen ihn gewoͤhnlich grau, ins Schwarze uͤbergehend, oder ganz ſchwarz.
Dieſe Thonarten brennen ſich aber im Feuer ganz weiß, indem ſich der Kohlenſtoff
mit Oxygen verbindet, und als Kohlenſaͤure entweicht. In den meiſten Faͤllen iſt
aber das Eiſenoxyd, zuweilen auch das Manganesoxyd, die Urſach der Farbe. Nicht
bloß die Quantitaͤt, in welcher dieſes dem Thone beigemiſcht iſt, ſondern auch der
Grad der Oxydation, worin es ſich befindet, bringen die mannigfaltigen Nuancirun-
gen der Farbe hervor. Sie geht um ſo mehr von der hellgelben in die dunkelgelbe
und rothe uͤber, je hoͤher der Oxydationszuſtand des Eiſens ſteigt. Dieſe Thonar-
ten brennen im Feuer nicht weiß. Ihr Eiſenoxyd zieht vielmehr noch mehr Oxygen
an, wird damit voͤllig geſaͤttigt, und dadurch ziegelroth. Dieſe Farben erhalten da-
her beim Brennen alle die Thonarten, welche 4 bis 6 Prozent Eiſenoxyd enthalten,
und ſie faͤllt um ſo dunkler aus, je hoͤher das Verhaͤltniß des Eiſenoxyds ſteigt.


J 2
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[67/0111] Der Thon. nicht Sand nennen kann, welche aber doch grobkoͤrniger, als die aus der Kieſelſeuch- tigkeit niedergeſchlagene iſt. Die Menge dieſer, bloß durch das Sieden abgetrennete Kieſelerde iſt in verſchiedenen Thonarten verſchieden. Sie iſt aber ſchwer voͤllig da- von zu trennen. Indeſſen wenn dieſes auch auf das ſorgfaͤltigſte geſchehen iſt, ſo bleibt dennoch im Thone noch betraͤchtlich viel Kieſelerde zuruͤck, die ſich nur durch chemiſche Reagentien entſcheiden laͤßt. Wir ſetzen dieſe genaueren Verſuche fort, beſonders um zu entſcheiden, was uns jetzt faſt wahrſcheinlich iſt — ob alle Thon- arten, nach Abſonderung dieſer minder und wohl nur mechaniſch gebundenen Kieſel- erde, ſich in ihrem Gehalte an Kieſel- und Thonerde, vielleicht voͤllig oder beinahe gleich ſeyn. Das Eiſenoxyd weicht in ſeiner Menge ſehr ab, von 1 bis zu 10 und 12 Prozent. Zuweilen enthaͤlt der Thon auch Manganesoxyd, welches aber nicht haͤufig und nur in ſehr geringer Menge vorkommt, und deshalb von uns nicht in Betracht ge- zogen wird. §. 36. Man findet den Thon mit ſehr verſchiedenen Farben, weiß, grau, braun, roth, ſchwarz und in den mannigfaltigſten Schattirungen dieſer Farben. Zuweilen ſind brennbare Koͤrper, Humus und erdharzige Materie die Haupturſache dieſer Farben; und dieſe machen ihn gewoͤhnlich grau, ins Schwarze uͤbergehend, oder ganz ſchwarz. Dieſe Thonarten brennen ſich aber im Feuer ganz weiß, indem ſich der Kohlenſtoff mit Oxygen verbindet, und als Kohlenſaͤure entweicht. In den meiſten Faͤllen iſt aber das Eiſenoxyd, zuweilen auch das Manganesoxyd, die Urſach der Farbe. Nicht bloß die Quantitaͤt, in welcher dieſes dem Thone beigemiſcht iſt, ſondern auch der Grad der Oxydation, worin es ſich befindet, bringen die mannigfaltigen Nuancirun- gen der Farbe hervor. Sie geht um ſo mehr von der hellgelben in die dunkelgelbe und rothe uͤber, je hoͤher der Oxydationszuſtand des Eiſens ſteigt. Dieſe Thonar- ten brennen im Feuer nicht weiß. Ihr Eiſenoxyd zieht vielmehr noch mehr Oxygen an, wird damit voͤllig geſaͤttigt, und dadurch ziegelroth. Dieſe Farben erhalten da- her beim Brennen alle die Thonarten, welche 4 bis 6 Prozent Eiſenoxyd enthalten, und ſie faͤllt um ſo dunkler aus, je hoͤher das Verhaͤltniß des Eiſenoxyds ſteigt. Farbe des Thons. J 2

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/111>, abgerufen am 26.03.2019.