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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Mineralische Düngungsmittel.
Dieses Wegschaffen giebt man dann zugleich mit in Verding. Manchmal kann man
sich auch des Mollbretts, welches in der Folge beschrieben werden wird, nützlich
bedienen.

Zuweilen ist es rathsamer den Abra[ - 2 Zeichen fehlen] von der ganzen Fläche und in der vollen
Breite, die man der Grube zu geben gedenkt, wegschaffen zu lassen; zuweilen aber
erst eine schmälere Breite zu nehmen, nämlich in dem Fall, wo man nicht sehr tief zu
gehen gedenkt, und den fernern Abraum dann wieder zur Ausfüllung der ausge-
stochenen Breite gebrauchen will. Man kann sich auf die Weise von einer niedern
Stelle eines Mergelhügels immer weiter nach dessen Gipfel zu hineinarbeiten. Will
man hingegen stark in die Tiefe gehen, wozu man sich oft, weil der Mergel immer
gleichartiger und kalkreicher wird, veranlaßt findet, so muß die Mergelgrube gleich
weit genug angelegt werden, damit man mehr Raum darin habe, und sich gegen das
Einstürzen der Wände sichern könne.

Eine Breite von 6 Ruthen und eine Länge von 8 Ruthen machen eine mäßige
Mergelgrube aus. Jedoch giebt es Fälle, wo man sie doppelt so groß macht.

Sodann muß man der Mergelgrube eine besondere Einfahrt und Ausfahrt geben,
damit das Fuhrwerk nicht darin zu wenden brauche. Beide müssen gelinde abgedacht
seyn, so daß sie bequem in die Grube hinein und herausführen.

§. 66.

Laden und
Ausfuhr des
Mergels.
Bei der Arbeit der Mergelausfuhr muß man das gerechte Verhältniß zwischen
den Arbeitern, die den Mergel loshacken und laden, und dem Fuhrwerke zu treffen
suchen; so daß eins nie auf das andere zu warten braucht. Dies Verhältniß ist nach
der Entfernung verschieden, wohin der Mergel abgefahren wird, und wiederum nach
der Tiefe, aus welcher er hervorgeholt werden muß, nach seiner Zähigkeit, nach der
Witterung, und oft nach dem Wasser, welches sich in der Grube sammelt. Es muß
so eingerichtet werden, daß immer ein Fuhrwerk zum Laden in der Grube bereit stehe,
aber auch nicht zu warten brauche, um voll geladen zu werden. Es dürfen für die
Lader wenigstens nur so lange Pausen eintreten, als nöthig sind den Mergel loszu-
hacken, oder ihn aus einer größern Tiefe herauf zu werfen. Geht die Arbeit schnell,
so müssen besondere Hacker und besondere Lader da seyn.

Wenn die Entfernung größer ist, so kann natürlich jedes Fuhrwerk nicht so
schnell wieder zurückkehren, als wenn in der Nähe abgestoßen wird. Es muß sich

Mineraliſche Duͤngungsmittel.
Dieſes Wegſchaffen giebt man dann zugleich mit in Verding. Manchmal kann man
ſich auch des Mollbretts, welches in der Folge beſchrieben werden wird, nuͤtzlich
bedienen.

Zuweilen iſt es rathſamer den Abra[ – 2 Zeichen fehlen] von der ganzen Flaͤche und in der vollen
Breite, die man der Grube zu geben gedenkt, wegſchaffen zu laſſen; zuweilen aber
erſt eine ſchmaͤlere Breite zu nehmen, naͤmlich in dem Fall, wo man nicht ſehr tief zu
gehen gedenkt, und den fernern Abraum dann wieder zur Ausfuͤllung der ausge-
ſtochenen Breite gebrauchen will. Man kann ſich auf die Weiſe von einer niedern
Stelle eines Mergelhuͤgels immer weiter nach deſſen Gipfel zu hineinarbeiten. Will
man hingegen ſtark in die Tiefe gehen, wozu man ſich oft, weil der Mergel immer
gleichartiger und kalkreicher wird, veranlaßt findet, ſo muß die Mergelgrube gleich
weit genug angelegt werden, damit man mehr Raum darin habe, und ſich gegen das
Einſtuͤrzen der Waͤnde ſichern koͤnne.

Eine Breite von 6 Ruthen und eine Laͤnge von 8 Ruthen machen eine maͤßige
Mergelgrube aus. Jedoch giebt es Faͤlle, wo man ſie doppelt ſo groß macht.

Sodann muß man der Mergelgrube eine beſondere Einfahrt und Ausfahrt geben,
damit das Fuhrwerk nicht darin zu wenden brauche. Beide muͤſſen gelinde abgedacht
ſeyn, ſo daß ſie bequem in die Grube hinein und herausfuͤhren.

§. 66.

Laden und
Ausfuhr des
Mergels.
Bei der Arbeit der Mergelausfuhr muß man das gerechte Verhaͤltniß zwiſchen
den Arbeitern, die den Mergel loshacken und laden, und dem Fuhrwerke zu treffen
ſuchen; ſo daß eins nie auf das andere zu warten braucht. Dies Verhaͤltniß iſt nach
der Entfernung verſchieden, wohin der Mergel abgefahren wird, und wiederum nach
der Tiefe, aus welcher er hervorgeholt werden muß, nach ſeiner Zaͤhigkeit, nach der
Witterung, und oft nach dem Waſſer, welches ſich in der Grube ſammelt. Es muß
ſo eingerichtet werden, daß immer ein Fuhrwerk zum Laden in der Grube bereit ſtehe,
aber auch nicht zu warten brauche, um voll geladen zu werden. Es duͤrfen fuͤr die
Lader wenigſtens nur ſo lange Pauſen eintreten, als noͤthig ſind den Mergel loszu-
hacken, oder ihn aus einer groͤßern Tiefe herauf zu werfen. Geht die Arbeit ſchnell,
ſo muͤſſen beſondere Hacker und beſondere Lader da ſeyn.

Wenn die Entfernung groͤßer iſt, ſo kann natuͤrlich jedes Fuhrwerk nicht ſo
ſchnell wieder zuruͤckkehren, als wenn in der Naͤhe abgeſtoßen wird. Es muß ſich

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[250/0298] Mineraliſche Duͤngungsmittel. Dieſes Wegſchaffen giebt man dann zugleich mit in Verding. Manchmal kann man ſich auch des Mollbretts, welches in der Folge beſchrieben werden wird, nuͤtzlich bedienen. Zuweilen iſt es rathſamer den Abra__ von der ganzen Flaͤche und in der vollen Breite, die man der Grube zu geben gedenkt, wegſchaffen zu laſſen; zuweilen aber erſt eine ſchmaͤlere Breite zu nehmen, naͤmlich in dem Fall, wo man nicht ſehr tief zu gehen gedenkt, und den fernern Abraum dann wieder zur Ausfuͤllung der ausge- ſtochenen Breite gebrauchen will. Man kann ſich auf die Weiſe von einer niedern Stelle eines Mergelhuͤgels immer weiter nach deſſen Gipfel zu hineinarbeiten. Will man hingegen ſtark in die Tiefe gehen, wozu man ſich oft, weil der Mergel immer gleichartiger und kalkreicher wird, veranlaßt findet, ſo muß die Mergelgrube gleich weit genug angelegt werden, damit man mehr Raum darin habe, und ſich gegen das Einſtuͤrzen der Waͤnde ſichern koͤnne. Eine Breite von 6 Ruthen und eine Laͤnge von 8 Ruthen machen eine maͤßige Mergelgrube aus. Jedoch giebt es Faͤlle, wo man ſie doppelt ſo groß macht. Sodann muß man der Mergelgrube eine beſondere Einfahrt und Ausfahrt geben, damit das Fuhrwerk nicht darin zu wenden brauche. Beide muͤſſen gelinde abgedacht ſeyn, ſo daß ſie bequem in die Grube hinein und herausfuͤhren. §. 66. Bei der Arbeit der Mergelausfuhr muß man das gerechte Verhaͤltniß zwiſchen den Arbeitern, die den Mergel loshacken und laden, und dem Fuhrwerke zu treffen ſuchen; ſo daß eins nie auf das andere zu warten braucht. Dies Verhaͤltniß iſt nach der Entfernung verſchieden, wohin der Mergel abgefahren wird, und wiederum nach der Tiefe, aus welcher er hervorgeholt werden muß, nach ſeiner Zaͤhigkeit, nach der Witterung, und oft nach dem Waſſer, welches ſich in der Grube ſammelt. Es muß ſo eingerichtet werden, daß immer ein Fuhrwerk zum Laden in der Grube bereit ſtehe, aber auch nicht zu warten brauche, um voll geladen zu werden. Es duͤrfen fuͤr die Lader wenigſtens nur ſo lange Pauſen eintreten, als noͤthig ſind den Mergel loszu- hacken, oder ihn aus einer groͤßern Tiefe herauf zu werfen. Geht die Arbeit ſchnell, ſo muͤſſen beſondere Hacker und beſondere Lader da ſeyn. Laden und Ausfuhr des Mergels. Wenn die Entfernung groͤßer iſt, ſo kann natuͤrlich jedes Fuhrwerk nicht ſo ſchnell wieder zuruͤckkehren, als wenn in der Naͤhe abgeſtoßen wird. Es muß ſich

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 250. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/298>, abgerufen am 23.03.2019.