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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810.

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Mineralische Düngungsmittel.
liegt, heraus, so tief als man ohne Gefahr kommen kann. Dann setzt man die
Grube fort, legt die Ackererde wieder auf die Seite, stößt nun aber den unfruchtba-
ren Thon in die vorige Grube, und bringt die Düngererde weiter heraus. So fährt
man fort, bis man so viel Düngererde hat, als man gebraucht. Die ganze Grube
wird nun wieder zugeworfen, die Ackererde oben, die Düngererde aber über das Feld
vertheilt.

Diese Düngererde ist für sich allein, wenigstens im Anfange, ganz unfruchtbar,
mit der Ackererde aber vermischt und tüchtig durchgearbeitet bringt sie eine hohe Frucht-
barkeit hervor, und ein solches gekuhltes Land zeichnet sich lange Zeit dadurch aus.

§. 79.

Gypsdün-
gung. Ge-
schichte der-
selben.
Die Düngung mit Gyps oder schwefelsaurem Kalk ist zwar keine neue Ersin-
dung, sondern man trifft schon in älteren Zeiten Spuren ihrer Anwendung auf einzel-
nen Flecken an, deren Kenntniß sich aber nicht verbreitete. Erst nach der Mitte des
vorigen Jahrhunderts lernte der um die Landwirthschaft sehr verdiente Pfarrer
Mayer zu Kupferzell im Hohenloheschen den Gebrauch desselben aus einer
Korrespondenz mit dem Grafen von der Schulenburg auf Hehlen im Han-
növerschen kennen, wo der Gyps in der Gegend von Niedek, unweit Göttingen,
schon seit langer Zeit gebraucht war. Mayer verbreitete den Ruhm desselben in seinen
Schriften, und er fand besonders in der Schweiz Eingang, wo seine Wirkung durch
entscheidende Versuche von Tschiffeli und anderen angestellt und in den Abhand-
lungen der ökonomischen Gesellschaft zu Bern bekannt gemacht wurden. In Deutsch-
land war es hauptsächlich Schubart von Kleefeld, der seine großen Wirkun-
gen auf den Klee ins Licht stellte. Dagegen traten sehr viele Gegner auf, die den-
selben nach angeblichen oder doch unvollkommenen Versuchen für ganz unwirksam oder
gar schädlich erklärten, so daß die Sache wirklich lange zweifelhaft blieb.

Insbesondere setzten sich die Aufseher verschiedener Salinen dagegen, indem sie
eine Schmälerung des Absatzes ihrer Abfälle, welche in den umliegenden Gegenden
gebraucht wurden, besorgten. Dagegen fand die Gypsdüngung in Frankreich, be-
sonders in der Gegend um Paris, vielen Beifall, und sie verbreitete sich von da
nach Amerika, wohin man anfangs, den Gyps von Montmartre in großen Ladungen
hinkommen ließ. Nirgends hat sich der Gebrauch des Gypses so schnell verbreitet,
wie in den verschiedenen Nordamerikanischen Provinzen; nirgends aber fand der

Mineraliſche Duͤngungsmittel.
liegt, heraus, ſo tief als man ohne Gefahr kommen kann. Dann ſetzt man die
Grube fort, legt die Ackererde wieder auf die Seite, ſtoͤßt nun aber den unfruchtba-
ren Thon in die vorige Grube, und bringt die Duͤngererde weiter heraus. So faͤhrt
man fort, bis man ſo viel Duͤngererde hat, als man gebraucht. Die ganze Grube
wird nun wieder zugeworfen, die Ackererde oben, die Duͤngererde aber uͤber das Feld
vertheilt.

Dieſe Duͤngererde iſt fuͤr ſich allein, wenigſtens im Anfange, ganz unfruchtbar,
mit der Ackererde aber vermiſcht und tuͤchtig durchgearbeitet bringt ſie eine hohe Frucht-
barkeit hervor, und ein ſolches gekuhltes Land zeichnet ſich lange Zeit dadurch aus.

§. 79.

Gypsduͤn-
gung. Ge-
ſchichte der-
ſelben.
Die Duͤngung mit Gyps oder ſchwefelſaurem Kalk iſt zwar keine neue Erſin-
dung, ſondern man trifft ſchon in aͤlteren Zeiten Spuren ihrer Anwendung auf einzel-
nen Flecken an, deren Kenntniß ſich aber nicht verbreitete. Erſt nach der Mitte des
vorigen Jahrhunderts lernte der um die Landwirthſchaft ſehr verdiente Pfarrer
Mayer zu Kupferzell im Hohenloheſchen den Gebrauch deſſelben aus einer
Korreſpondenz mit dem Grafen von der Schulenburg auf Hehlen im Han-
noͤverſchen kennen, wo der Gyps in der Gegend von Niedek, unweit Goͤttingen,
ſchon ſeit langer Zeit gebraucht war. Mayer verbreitete den Ruhm deſſelben in ſeinen
Schriften, und er fand beſonders in der Schweiz Eingang, wo ſeine Wirkung durch
entſcheidende Verſuche von Tſchiffeli und anderen angeſtellt und in den Abhand-
lungen der oͤkonomiſchen Geſellſchaft zu Bern bekannt gemacht wurden. In Deutſch-
land war es hauptſaͤchlich Schubart von Kleefeld, der ſeine großen Wirkun-
gen auf den Klee ins Licht ſtellte. Dagegen traten ſehr viele Gegner auf, die den-
ſelben nach angeblichen oder doch unvollkommenen Verſuchen fuͤr ganz unwirkſam oder
gar ſchaͤdlich erklaͤrten, ſo daß die Sache wirklich lange zweifelhaft blieb.

Insbeſondere ſetzten ſich die Aufſeher verſchiedener Salinen dagegen, indem ſie
eine Schmaͤlerung des Abſatzes ihrer Abfaͤlle, welche in den umliegenden Gegenden
gebraucht wurden, beſorgten. Dagegen fand die Gypsduͤngung in Frankreich, be-
ſonders in der Gegend um Paris, vielen Beifall, und ſie verbreitete ſich von da
nach Amerika, wohin man anfangs, den Gyps von Montmartre in großen Ladungen
hinkommen ließ. Nirgends hat ſich der Gebrauch des Gypſes ſo ſchnell verbreitet,
wie in den verſchiedenen Nordamerikaniſchen Provinzen; nirgends aber fand der

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[260/0308] Mineraliſche Duͤngungsmittel. liegt, heraus, ſo tief als man ohne Gefahr kommen kann. Dann ſetzt man die Grube fort, legt die Ackererde wieder auf die Seite, ſtoͤßt nun aber den unfruchtba- ren Thon in die vorige Grube, und bringt die Duͤngererde weiter heraus. So faͤhrt man fort, bis man ſo viel Duͤngererde hat, als man gebraucht. Die ganze Grube wird nun wieder zugeworfen, die Ackererde oben, die Duͤngererde aber uͤber das Feld vertheilt. Dieſe Duͤngererde iſt fuͤr ſich allein, wenigſtens im Anfange, ganz unfruchtbar, mit der Ackererde aber vermiſcht und tuͤchtig durchgearbeitet bringt ſie eine hohe Frucht- barkeit hervor, und ein ſolches gekuhltes Land zeichnet ſich lange Zeit dadurch aus. §. 79. Die Duͤngung mit Gyps oder ſchwefelſaurem Kalk iſt zwar keine neue Erſin- dung, ſondern man trifft ſchon in aͤlteren Zeiten Spuren ihrer Anwendung auf einzel- nen Flecken an, deren Kenntniß ſich aber nicht verbreitete. Erſt nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts lernte der um die Landwirthſchaft ſehr verdiente Pfarrer Mayer zu Kupferzell im Hohenloheſchen den Gebrauch deſſelben aus einer Korreſpondenz mit dem Grafen von der Schulenburg auf Hehlen im Han- noͤverſchen kennen, wo der Gyps in der Gegend von Niedek, unweit Goͤttingen, ſchon ſeit langer Zeit gebraucht war. Mayer verbreitete den Ruhm deſſelben in ſeinen Schriften, und er fand beſonders in der Schweiz Eingang, wo ſeine Wirkung durch entſcheidende Verſuche von Tſchiffeli und anderen angeſtellt und in den Abhand- lungen der oͤkonomiſchen Geſellſchaft zu Bern bekannt gemacht wurden. In Deutſch- land war es hauptſaͤchlich Schubart von Kleefeld, der ſeine großen Wirkun- gen auf den Klee ins Licht ſtellte. Dagegen traten ſehr viele Gegner auf, die den- ſelben nach angeblichen oder doch unvollkommenen Verſuchen fuͤr ganz unwirkſam oder gar ſchaͤdlich erklaͤrten, ſo daß die Sache wirklich lange zweifelhaft blieb. Gypsduͤn- gung. Ge- ſchichte der- ſelben. Insbeſondere ſetzten ſich die Aufſeher verſchiedener Salinen dagegen, indem ſie eine Schmaͤlerung des Abſatzes ihrer Abfaͤlle, welche in den umliegenden Gegenden gebraucht wurden, beſorgten. Dagegen fand die Gypsduͤngung in Frankreich, be- ſonders in der Gegend um Paris, vielen Beifall, und ſie verbreitete ſich von da nach Amerika, wohin man anfangs, den Gyps von Montmartre in großen Ladungen hinkommen ließ. Nirgends hat ſich der Gebrauch des Gypſes ſo ſchnell verbreitet, wie in den verſchiedenen Nordamerikaniſchen Provinzen; nirgends aber fand der

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 260. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/308>, abgerufen am 19.03.2019.