Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Abschwemmung oder Anlage der Schwemmwiesen.
bilden und den reichlichsten Ertrag geben. Es ist kaum erklärbar, aber die Erfah-
rung hat es oft gezeigt, daß sich auf bewässerten Wiesen, ohne alle Besaamung,
gerade diejenigen Kräuter und Gräser von selbst erzeugen, welche dem Boden am
angemessensten sind, und sich mit der Wässerung am besten vertragen. Manche
Gräser, die auf unbewässertem Boden sich schlecht zeigen, geben bei zureichendem
Wasserzufluß gerade den reichlichsten Ertrag. Ohne auf die Oberfläche Dünger
und Moder zu bringen, geht es mit der natürlichen Berasung freilich langsam;
düngt man sie aber, so geht es schnell, und man begreift dann kaum, wo die
Menge der Saamen und Keime hergekommen seyn. Mehreres von der Besaa-
mung der Wiese in der Lehre von der Wiesenkultur.

Weil es indessen sehr darauf ankommt, die Oberfläche so zu befestigen, daß
man das Wasser gleich überlaufen lassen könne, so habe ich zu diesem Zwecke nichts
besser befunden, als den Spergel. Wenn die Wiese zu Anfange des Sommers
geschwemmt worden, so säe man diesen Spergel, wenn man will, vermischt mit
Wiesenfaamen, im Nachsommer bei feuchter Witterung auf. Sobald er hervor-
getrieben ist, befestigt er den Boden genug, um Wasser überlassen zu dürfen.
Der Spergel, der dann nicht mehr zur Reife kommen kann, bleibe stehen, bis
ihn die Kälte tödtet, und er somit verfaule. Allenfalls, wenn der Boden fest ist,
kann man ihn auch durch Vieh abhüten lassen. Er giebt dann dem Boden nicht
nur Festigkeit, sondern auch Dünger, und es werden sich nun im folgenden Jähre,
zumal wenn man auch einigen andern Dünger gegeben hatte, schon viele
Gräser zeigen.

§. 306.

Denen, die noch keine Erfahrung über solche Wiesen gemacht haben, scheintWirkung der
Berieselung
auf Sandbo-
den.

es mehrentheils unglaublich, daß der schlechteste kiesige Sand jemals zu einem
reichlichen Grasertrag werde gebracht werden können. Aber hiervon haben wir
zu viele überzeugende Beispiele gehabt, als daß nur noch der mindeste Zweifel dar-
über statt finden könnte. Gerade der sandigste und kiesigste Boden ist für diese
Wiesen, unter der Bedingung einer beständig zureichenden Wässerung,
der vorzüglichste. Man kann demselben die Wässerung am stärksten geben, ohne
ihn morastig zu machen. Das Wasser setzt seine düngenden Theile auf der Ober-
fläche ab, und das Uebrige zieht ein. Sobald man die Berieselung staut, ist er

E e 2

Die Abſchwemmung oder Anlage der Schwemmwieſen.
bilden und den reichlichſten Ertrag geben. Es iſt kaum erklaͤrbar, aber die Erfah-
rung hat es oft gezeigt, daß ſich auf bewaͤſſerten Wieſen, ohne alle Beſaamung,
gerade diejenigen Kraͤuter und Graͤſer von ſelbſt erzeugen, welche dem Boden am
angemeſſenſten ſind, und ſich mit der Waͤſſerung am beſten vertragen. Manche
Graͤſer, die auf unbewaͤſſertem Boden ſich ſchlecht zeigen, geben bei zureichendem
Waſſerzufluß gerade den reichlichſten Ertrag. Ohne auf die Oberflaͤche Duͤnger
und Moder zu bringen, geht es mit der natuͤrlichen Beraſung freilich langſam;
duͤngt man ſie aber, ſo geht es ſchnell, und man begreift dann kaum, wo die
Menge der Saamen und Keime hergekommen ſeyn. Mehreres von der Beſaa-
mung der Wieſe in der Lehre von der Wieſenkultur.

Weil es indeſſen ſehr darauf ankommt, die Oberflaͤche ſo zu befeſtigen, daß
man das Waſſer gleich uͤberlaufen laſſen koͤnne, ſo habe ich zu dieſem Zwecke nichts
beſſer befunden, als den Spergel. Wenn die Wieſe zu Anfange des Sommers
geſchwemmt worden, ſo ſaͤe man dieſen Spergel, wenn man will, vermiſcht mit
Wieſenfaamen, im Nachſommer bei feuchter Witterung auf. Sobald er hervor-
getrieben iſt, befeſtigt er den Boden genug, um Waſſer uͤberlaſſen zu duͤrfen.
Der Spergel, der dann nicht mehr zur Reife kommen kann, bleibe ſtehen, bis
ihn die Kaͤlte toͤdtet, und er ſomit verfaule. Allenfalls, wenn der Boden feſt iſt,
kann man ihn auch durch Vieh abhuͤten laſſen. Er giebt dann dem Boden nicht
nur Feſtigkeit, ſondern auch Duͤnger, und es werden ſich nun im folgenden Jaͤhre,
zumal wenn man auch einigen andern Duͤnger gegeben hatte, ſchon viele
Graͤſer zeigen.

§. 306.

Denen, die noch keine Erfahrung uͤber ſolche Wieſen gemacht haben, ſcheintWirkung der
Berieſelung
auf Sandbo-
den.

es mehrentheils unglaublich, daß der ſchlechteſte kieſige Sand jemals zu einem
reichlichen Grasertrag werde gebracht werden koͤnnen. Aber hiervon haben wir
zu viele uͤberzeugende Beiſpiele gehabt, als daß nur noch der mindeſte Zweifel dar-
uͤber ſtatt finden koͤnnte. Gerade der ſandigſte und kieſigſte Boden iſt fuͤr dieſe
Wieſen, unter der Bedingung einer beſtaͤndig zureichenden Waͤſſerung,
der vorzuͤglichſte. Man kann demſelben die Waͤſſerung am ſtaͤrkſten geben, ohne
ihn moraſtig zu machen. Das Waſſer ſetzt ſeine duͤngenden Theile auf der Ober-
flaͤche ab, und das Uebrige zieht ein. Sobald man die Berieſelung ſtaut, iſt er

E e 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0241" n="219"/><fw place="top" type="header">Die Ab&#x017F;chwemmung oder Anlage der Schwemmwie&#x017F;en.</fw><lb/>
bilden und den reichlich&#x017F;ten Ertrag geben. Es i&#x017F;t kaum erkla&#x0364;rbar, aber die Erfah-<lb/>
rung hat es oft gezeigt, daß &#x017F;ich auf bewa&#x0364;&#x017F;&#x017F;erten Wie&#x017F;en, ohne alle Be&#x017F;aamung,<lb/>
gerade diejenigen Kra&#x0364;uter und Gra&#x0364;&#x017F;er von &#x017F;elb&#x017F;t erzeugen, welche dem Boden am<lb/>
angeme&#x017F;&#x017F;en&#x017F;ten &#x017F;ind, und &#x017F;ich mit der Wa&#x0364;&#x017F;&#x017F;erung am be&#x017F;ten vertragen. Manche<lb/>
Gra&#x0364;&#x017F;er, die auf unbewa&#x0364;&#x017F;&#x017F;ertem Boden &#x017F;ich &#x017F;chlecht zeigen, geben bei zureichendem<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;erzufluß gerade den reichlich&#x017F;ten Ertrag. Ohne auf die Oberfla&#x0364;che Du&#x0364;nger<lb/>
und Moder zu bringen, geht es mit der natu&#x0364;rlichen Bera&#x017F;ung freilich lang&#x017F;am;<lb/>
du&#x0364;ngt man &#x017F;ie aber, &#x017F;o geht es &#x017F;chnell, und man begreift dann kaum, wo die<lb/>
Menge der Saamen und Keime hergekommen &#x017F;eyn. Mehreres von der Be&#x017F;aa-<lb/>
mung der Wie&#x017F;e in der Lehre von der Wie&#x017F;enkultur.</p><lb/>
              <p>Weil es inde&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ehr darauf ankommt, die Oberfla&#x0364;che &#x017F;o zu befe&#x017F;tigen, daß<lb/>
man das Wa&#x017F;&#x017F;er gleich u&#x0364;berlaufen la&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;nne, &#x017F;o habe ich zu die&#x017F;em Zwecke nichts<lb/>
be&#x017F;&#x017F;er befunden, als den Spergel. Wenn die Wie&#x017F;e zu Anfange des Sommers<lb/>
ge&#x017F;chwemmt worden, &#x017F;o &#x017F;a&#x0364;e man die&#x017F;en Spergel, wenn man will, vermi&#x017F;cht mit<lb/>
Wie&#x017F;enfaamen, im Nach&#x017F;ommer bei feuchter Witterung auf. Sobald er hervor-<lb/>
getrieben i&#x017F;t, befe&#x017F;tigt er den Boden genug, um Wa&#x017F;&#x017F;er u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;en zu du&#x0364;rfen.<lb/>
Der Spergel, der dann nicht mehr zur Reife kommen kann, bleibe &#x017F;tehen, bis<lb/>
ihn die Ka&#x0364;lte to&#x0364;dtet, und er &#x017F;omit verfaule. Allenfalls, wenn der Boden fe&#x017F;t i&#x017F;t,<lb/>
kann man ihn auch durch Vieh abhu&#x0364;ten la&#x017F;&#x017F;en. Er giebt dann dem Boden nicht<lb/>
nur Fe&#x017F;tigkeit, &#x017F;ondern auch Du&#x0364;nger, und es werden &#x017F;ich nun im folgenden Ja&#x0364;hre,<lb/>
zumal wenn man auch einigen andern Du&#x0364;nger gegeben hatte, &#x017F;chon viele<lb/>
Gra&#x0364;&#x017F;er zeigen.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 306.</head><lb/>
              <p>Denen, die noch keine Erfahrung u&#x0364;ber &#x017F;olche Wie&#x017F;en gemacht haben, &#x017F;cheint<note place="right">Wirkung der<lb/>
Berie&#x017F;elung<lb/>
auf Sandbo-<lb/>
den.</note><lb/>
es mehrentheils unglaublich, daß der &#x017F;chlechte&#x017F;te kie&#x017F;ige Sand jemals zu einem<lb/>
reichlichen Grasertrag werde gebracht werden ko&#x0364;nnen. Aber hiervon haben wir<lb/>
zu viele u&#x0364;berzeugende Bei&#x017F;piele gehabt, als daß nur noch der minde&#x017F;te Zweifel dar-<lb/>
u&#x0364;ber &#x017F;tatt finden ko&#x0364;nnte. Gerade der &#x017F;andig&#x017F;te und kie&#x017F;ig&#x017F;te Boden i&#x017F;t fu&#x0364;r die&#x017F;e<lb/>
Wie&#x017F;en, unter der Bedingung einer <hi rendition="#g">be&#x017F;ta&#x0364;ndig zureichenden</hi> Wa&#x0364;&#x017F;&#x017F;erung,<lb/>
der vorzu&#x0364;glich&#x017F;te. Man kann dem&#x017F;elben die Wa&#x0364;&#x017F;&#x017F;erung am &#x017F;ta&#x0364;rk&#x017F;ten geben, ohne<lb/>
ihn mora&#x017F;tig zu machen. Das Wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;etzt &#x017F;eine du&#x0364;ngenden Theile auf der Ober-<lb/>
fla&#x0364;che ab, und das Uebrige zieht ein. Sobald man die Berie&#x017F;elung &#x017F;taut, i&#x017F;t er<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E e 2</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[219/0241] Die Abſchwemmung oder Anlage der Schwemmwieſen. bilden und den reichlichſten Ertrag geben. Es iſt kaum erklaͤrbar, aber die Erfah- rung hat es oft gezeigt, daß ſich auf bewaͤſſerten Wieſen, ohne alle Beſaamung, gerade diejenigen Kraͤuter und Graͤſer von ſelbſt erzeugen, welche dem Boden am angemeſſenſten ſind, und ſich mit der Waͤſſerung am beſten vertragen. Manche Graͤſer, die auf unbewaͤſſertem Boden ſich ſchlecht zeigen, geben bei zureichendem Waſſerzufluß gerade den reichlichſten Ertrag. Ohne auf die Oberflaͤche Duͤnger und Moder zu bringen, geht es mit der natuͤrlichen Beraſung freilich langſam; duͤngt man ſie aber, ſo geht es ſchnell, und man begreift dann kaum, wo die Menge der Saamen und Keime hergekommen ſeyn. Mehreres von der Beſaa- mung der Wieſe in der Lehre von der Wieſenkultur. Weil es indeſſen ſehr darauf ankommt, die Oberflaͤche ſo zu befeſtigen, daß man das Waſſer gleich uͤberlaufen laſſen koͤnne, ſo habe ich zu dieſem Zwecke nichts beſſer befunden, als den Spergel. Wenn die Wieſe zu Anfange des Sommers geſchwemmt worden, ſo ſaͤe man dieſen Spergel, wenn man will, vermiſcht mit Wieſenfaamen, im Nachſommer bei feuchter Witterung auf. Sobald er hervor- getrieben iſt, befeſtigt er den Boden genug, um Waſſer uͤberlaſſen zu duͤrfen. Der Spergel, der dann nicht mehr zur Reife kommen kann, bleibe ſtehen, bis ihn die Kaͤlte toͤdtet, und er ſomit verfaule. Allenfalls, wenn der Boden feſt iſt, kann man ihn auch durch Vieh abhuͤten laſſen. Er giebt dann dem Boden nicht nur Feſtigkeit, ſondern auch Duͤnger, und es werden ſich nun im folgenden Jaͤhre, zumal wenn man auch einigen andern Duͤnger gegeben hatte, ſchon viele Graͤſer zeigen. §. 306. Denen, die noch keine Erfahrung uͤber ſolche Wieſen gemacht haben, ſcheint es mehrentheils unglaublich, daß der ſchlechteſte kieſige Sand jemals zu einem reichlichen Grasertrag werde gebracht werden koͤnnen. Aber hiervon haben wir zu viele uͤberzeugende Beiſpiele gehabt, als daß nur noch der mindeſte Zweifel dar- uͤber ſtatt finden koͤnnte. Gerade der ſandigſte und kieſigſte Boden iſt fuͤr dieſe Wieſen, unter der Bedingung einer beſtaͤndig zureichenden Waͤſſerung, der vorzuͤglichſte. Man kann demſelben die Waͤſſerung am ſtaͤrkſten geben, ohne ihn moraſtig zu machen. Das Waſſer ſetzt ſeine duͤngenden Theile auf der Ober- flaͤche ab, und das Uebrige zieht ein. Sobald man die Berieſelung ſtaut, iſt er Wirkung der Berieſelung auf Sandbo- den. E e 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/241
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 3. Berlin, 1812, S. 219. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft03_1810/241>, abgerufen am 17.08.2019.