Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite
Hackfruchtbau.
§. 171.

Pferdehacken
oder Anhäufe-
Pflüge.
Allein dieses Behacken erforderte zu viele Handarbeit, um den Bau sol-
cher Früchte im offnen Felde im Großen betreiben zu können. Und da man
doch den Vortheil desselben fühlte, und sich der Kartoffelbau besonders mehr
verbreitete, so sing man an, den Haken oder andre landübliche Pflugwerk-
zeuge dazu zu gebrauchen. Mehrere haben eine Abänderung des Hakens ge-
troffen, um ihn zu dem Zwecke bequemer einzurichten. Meine Umformung
des Mecklenburgischen Hakens, so wie ich ihn in meiner Ausgabe von Ber-
gens
Viehzucht abbildete, erhielt Beifall, und verbreitete sich unter dem Na-
men der Kartoffelhacke am meisten. Ich habe ihn nachmals hauptsächlich
durch Weglassung der Scheerdeichsel und durch eine freiere Anspannung, die
das Instrument mehr der Gewalt des Führers überläßt, verbessert, und im
3ten Hefte meiner Beschreibung der nutzbarsten Ackerwerkzeuge abgebildet.
Seitdem habe ich es zweckmäßig gefunden, ihm statt der vordern eisernen
Spitze, womit er in die Erde eingreift, ein breiteres weniger spitzes, Schaar
zu geben, damit er mehrere Erde aus dem Grunde der Furche heraushebe,
und an die Rücken anhäufe.

Wir haben diesem Instrumente auch bewegliche Streichbretter gegeben,
welche durch Bügel an ihren hintern Theilen weiter oder enger gespannt wer-
den können, und die man dann am besten von gegossenem Eisen nimmt. Hier-
bei fand sich zwar nichts zu erinnern, da man aber so allgemein mit jenem
Instrumente zufrieden war, so haben wir Bedenken getragen, es complizirter
zu machen, damit seine Verbreitung dadurch nicht erschweret werde.

Dasjenige englische Instrument, welches im 3ten Hefte meiner Beschrei-
bung der Ackerwerkzeuge, Tafel I. und II. abgebildet und der doppelte Streich-
brett-Pflug benannt ist, verrichtet die Arbeit des Anhäufelns freilich auf eine
noch vollkommnere Weise, bringt höhere Rücken mit tieferen Furchen hervor,
und streift das an den Anwänden häufig ausschlagende Unkraut, wenn die
Streichbretter mehr auseinander gespannt werden, schärfer ab; weswegen durch
Anwendung desselben der Hackfruchtbau ungleich vollkommener, als ohne sel-
biges betrieben werden kann. Man gebraucht es selten bei der ersten Anhäu-
fung, weil diese nicht so stark zu seyn braucht, und das Instrument eine An-

Hackfruchtbau.
§. 171.

Pferdehacken
oder Anhaͤufe-
Pfluͤge.
Allein dieſes Behacken erforderte zu viele Handarbeit, um den Bau ſol-
cher Fruͤchte im offnen Felde im Großen betreiben zu koͤnnen. Und da man
doch den Vortheil deſſelben fuͤhlte, und ſich der Kartoffelbau beſonders mehr
verbreitete, ſo ſing man an, den Haken oder andre landuͤbliche Pflugwerk-
zeuge dazu zu gebrauchen. Mehrere haben eine Abaͤnderung des Hakens ge-
troffen, um ihn zu dem Zwecke bequemer einzurichten. Meine Umformung
des Mecklenburgiſchen Hakens, ſo wie ich ihn in meiner Ausgabe von Ber-
gens
Viehzucht abbildete, erhielt Beifall, und verbreitete ſich unter dem Na-
men der Kartoffelhacke am meiſten. Ich habe ihn nachmals hauptſaͤchlich
durch Weglaſſung der Scheerdeichſel und durch eine freiere Anſpannung, die
das Inſtrument mehr der Gewalt des Fuͤhrers uͤberlaͤßt, verbeſſert, und im
3ten Hefte meiner Beſchreibung der nutzbarſten Ackerwerkzeuge abgebildet.
Seitdem habe ich es zweckmaͤßig gefunden, ihm ſtatt der vordern eiſernen
Spitze, womit er in die Erde eingreift, ein breiteres weniger ſpitzes, Schaar
zu geben, damit er mehrere Erde aus dem Grunde der Furche heraushebe,
und an die Ruͤcken anhaͤufe.

Wir haben dieſem Inſtrumente auch bewegliche Streichbretter gegeben,
welche durch Buͤgel an ihren hintern Theilen weiter oder enger geſpannt wer-
den koͤnnen, und die man dann am beſten von gegoſſenem Eiſen nimmt. Hier-
bei fand ſich zwar nichts zu erinnern, da man aber ſo allgemein mit jenem
Inſtrumente zufrieden war, ſo haben wir Bedenken getragen, es complizirter
zu machen, damit ſeine Verbreitung dadurch nicht erſchweret werde.

Dasjenige engliſche Inſtrument, welches im 3ten Hefte meiner Beſchrei-
bung der Ackerwerkzeuge, Tafel I. und II. abgebildet und der doppelte Streich-
brett-Pflug benannt iſt, verrichtet die Arbeit des Anhaͤufelns freilich auf eine
noch vollkommnere Weiſe, bringt hoͤhere Ruͤcken mit tieferen Furchen hervor,
und ſtreift das an den Anwaͤnden haͤufig ausſchlagende Unkraut, wenn die
Streichbretter mehr auseinander geſpannt werden, ſchaͤrfer ab; weswegen durch
Anwendung deſſelben der Hackfruchtbau ungleich vollkommener, als ohne ſel-
biges betrieben werden kann. Man gebraucht es ſelten bei der erſten Anhaͤu-
fung, weil dieſe nicht ſo ſtark zu ſeyn braucht, und das Inſtrument eine An-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0162" n="138"/>
          <fw place="top" type="header">Hackfruchtbau.</fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 171.</head><lb/>
            <p><note place="left">Pferdehacken<lb/>
oder Anha&#x0364;ufe-<lb/>
Pflu&#x0364;ge.</note>Allein die&#x017F;es Behacken erforderte zu viele Handarbeit, um den Bau &#x017F;ol-<lb/>
cher Fru&#x0364;chte im offnen Felde im Großen betreiben zu ko&#x0364;nnen. Und da man<lb/>
doch den Vortheil de&#x017F;&#x017F;elben fu&#x0364;hlte, und &#x017F;ich der Kartoffelbau be&#x017F;onders mehr<lb/>
verbreitete, &#x017F;o &#x017F;ing man an, den Haken oder andre landu&#x0364;bliche Pflugwerk-<lb/>
zeuge dazu zu gebrauchen. Mehrere haben eine Aba&#x0364;nderung des Hakens ge-<lb/>
troffen, um ihn zu dem Zwecke bequemer einzurichten. Meine Umformung<lb/>
des Mecklenburgi&#x017F;chen Hakens, &#x017F;o wie ich ihn in meiner Ausgabe von <hi rendition="#g">Ber-<lb/>
gens</hi> Viehzucht abbildete, erhielt Beifall, und verbreitete &#x017F;ich unter dem Na-<lb/>
men der Kartoffelhacke am mei&#x017F;ten. Ich habe ihn nachmals haupt&#x017F;a&#x0364;chlich<lb/>
durch Wegla&#x017F;&#x017F;ung der Scheerdeich&#x017F;el und durch eine freiere An&#x017F;pannung, die<lb/>
das In&#x017F;trument mehr der Gewalt des Fu&#x0364;hrers u&#x0364;berla&#x0364;ßt, verbe&#x017F;&#x017F;ert, und im<lb/>
3ten Hefte meiner Be&#x017F;chreibung der nutzbar&#x017F;ten Ackerwerkzeuge abgebildet.<lb/>
Seitdem habe ich es zweckma&#x0364;ßig gefunden, ihm &#x017F;tatt der vordern ei&#x017F;ernen<lb/>
Spitze, womit er in die Erde eingreift, ein breiteres weniger &#x017F;pitzes, Schaar<lb/>
zu geben, damit er mehrere Erde aus dem Grunde der Furche heraushebe,<lb/>
und an die Ru&#x0364;cken anha&#x0364;ufe.</p><lb/>
            <p>Wir haben die&#x017F;em In&#x017F;trumente auch bewegliche Streichbretter gegeben,<lb/>
welche durch Bu&#x0364;gel an ihren hintern Theilen weiter oder enger ge&#x017F;pannt wer-<lb/>
den ko&#x0364;nnen, und die man dann am be&#x017F;ten von gego&#x017F;&#x017F;enem Ei&#x017F;en nimmt. Hier-<lb/>
bei fand &#x017F;ich zwar nichts zu erinnern, da man aber &#x017F;o allgemein mit jenem<lb/>
In&#x017F;trumente zufrieden war, &#x017F;o haben wir Bedenken getragen, es complizirter<lb/>
zu machen, damit &#x017F;eine Verbreitung dadurch nicht er&#x017F;chweret werde.</p><lb/>
            <p>Dasjenige engli&#x017F;che In&#x017F;trument, welches im 3ten Hefte meiner Be&#x017F;chrei-<lb/>
bung der Ackerwerkzeuge, Tafel <hi rendition="#aq">I.</hi> und <hi rendition="#aq">II.</hi> abgebildet und der doppelte Streich-<lb/>
brett-Pflug benannt i&#x017F;t, verrichtet die Arbeit des Anha&#x0364;ufelns freilich auf eine<lb/>
noch vollkommnere Wei&#x017F;e, bringt ho&#x0364;here Ru&#x0364;cken mit tieferen Furchen hervor,<lb/>
und &#x017F;treift das an den Anwa&#x0364;nden ha&#x0364;ufig aus&#x017F;chlagende Unkraut, wenn die<lb/>
Streichbretter mehr auseinander ge&#x017F;pannt werden, &#x017F;cha&#x0364;rfer ab; weswegen durch<lb/>
Anwendung de&#x017F;&#x017F;elben der Hackfruchtbau ungleich vollkommener, als ohne &#x017F;el-<lb/>
biges betrieben werden kann. Man gebraucht es &#x017F;elten bei der er&#x017F;ten Anha&#x0364;u-<lb/>
fung, weil die&#x017F;e nicht &#x017F;o &#x017F;tark zu &#x017F;eyn braucht, und das In&#x017F;trument eine An-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[138/0162] Hackfruchtbau. §. 171. Allein dieſes Behacken erforderte zu viele Handarbeit, um den Bau ſol- cher Fruͤchte im offnen Felde im Großen betreiben zu koͤnnen. Und da man doch den Vortheil deſſelben fuͤhlte, und ſich der Kartoffelbau beſonders mehr verbreitete, ſo ſing man an, den Haken oder andre landuͤbliche Pflugwerk- zeuge dazu zu gebrauchen. Mehrere haben eine Abaͤnderung des Hakens ge- troffen, um ihn zu dem Zwecke bequemer einzurichten. Meine Umformung des Mecklenburgiſchen Hakens, ſo wie ich ihn in meiner Ausgabe von Ber- gens Viehzucht abbildete, erhielt Beifall, und verbreitete ſich unter dem Na- men der Kartoffelhacke am meiſten. Ich habe ihn nachmals hauptſaͤchlich durch Weglaſſung der Scheerdeichſel und durch eine freiere Anſpannung, die das Inſtrument mehr der Gewalt des Fuͤhrers uͤberlaͤßt, verbeſſert, und im 3ten Hefte meiner Beſchreibung der nutzbarſten Ackerwerkzeuge abgebildet. Seitdem habe ich es zweckmaͤßig gefunden, ihm ſtatt der vordern eiſernen Spitze, womit er in die Erde eingreift, ein breiteres weniger ſpitzes, Schaar zu geben, damit er mehrere Erde aus dem Grunde der Furche heraushebe, und an die Ruͤcken anhaͤufe. Pferdehacken oder Anhaͤufe- Pfluͤge. Wir haben dieſem Inſtrumente auch bewegliche Streichbretter gegeben, welche durch Buͤgel an ihren hintern Theilen weiter oder enger geſpannt wer- den koͤnnen, und die man dann am beſten von gegoſſenem Eiſen nimmt. Hier- bei fand ſich zwar nichts zu erinnern, da man aber ſo allgemein mit jenem Inſtrumente zufrieden war, ſo haben wir Bedenken getragen, es complizirter zu machen, damit ſeine Verbreitung dadurch nicht erſchweret werde. Dasjenige engliſche Inſtrument, welches im 3ten Hefte meiner Beſchrei- bung der Ackerwerkzeuge, Tafel I. und II. abgebildet und der doppelte Streich- brett-Pflug benannt iſt, verrichtet die Arbeit des Anhaͤufelns freilich auf eine noch vollkommnere Weiſe, bringt hoͤhere Ruͤcken mit tieferen Furchen hervor, und ſtreift das an den Anwaͤnden haͤufig ausſchlagende Unkraut, wenn die Streichbretter mehr auseinander geſpannt werden, ſchaͤrfer ab; weswegen durch Anwendung deſſelben der Hackfruchtbau ungleich vollkommener, als ohne ſel- biges betrieben werden kann. Man gebraucht es ſelten bei der erſten Anhaͤu- fung, weil dieſe nicht ſo ſtark zu ſeyn braucht, und das Inſtrument eine An-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/162
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/162>, abgerufen am 21.03.2019.