Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Leinbau.
§. 230.

Man hat zwei Sorten von Lein: den Klang- oder Springlein, der soAbartest.
genannt wird, weil seine reife Saamenkapsel durch die Sonnenhitze mit einem Ge-
räusch aufspringt. Er giebt feinern, weichern, aber kurzen Flachs. Dann den
Drösch- oder Schließlein, der ausgedroschen werden muß. Der letztere wird
hier nur gewöhnlich gebauet, weil man den erstern nicht für vortheilhaft hält. Der
Unterschied von Frühlein, Mittellein und Spätlein hängt aber bloß von der Saat-
zeit ab, und der Saamen ist gleicher Art. Der frühe und mittlere pflegt im
Durchschnitt sicherer zu seyn. Indessen bauet man nur den späten in manchen Ge-
genden und Wirthschaften bloß aus der Ursach, weil feine Ernte erst nach der Ge-
treideernte einfällt, und man in dieser nicht gestört seyn will.

§. 231.

Die übrige Behandlung des Leins übergehe ich als bekannt, und weil ichDas Rötten.
nur wiederholen könnte, was schon hundertmale gesagt ist; doch muß ich der Wi-
dersprüche über den Vorzug der Thaurötte oder der Wasserrötte erwähnen.
Die erstere ist sicherer, erfordert aber eine lange Zeit, besonders wenn sehr trockne
Witterung eintritt. In dem trockenen Nachsommer von 1810 wollte es durchaus
nicht damit gehen, und man war doch genöthigt, die Wasserrötte zu Hülfe zu neh-
men, oder den Flachs oft zu begießen. Die Wasserrötte geht schnell, erfordert
aber eine große Aufmerksamkeit und Sorgfalt, wenn der Flachs dabei nicht Scha-
den nehmen soll. Nicht allenthalben hat man das gehörige Wasser dazu; sie füllt
die Luft mit einem faulen Gestanke, und das Wasser mit fauler Materie an,
welche die Fische tödtet. Man muß diese Vorrichtungen doch unter weibliche
Direktion geben, welche nicht gern von der angenommenen Gewohnheit abgeht,
und man thut daher am besten, bei derjenigen Methode zu bleiben, welche in
der Gegend eingeführt ist.

Beim Abdreschen sondert der Landwirth den Saamen ab in den besten,
welcher zur Einsaat aufbewahrt wird, in den mittleren, welchen man zum Oel-
schlagen gebraucht, und in den schlechten, der am vortheilhaftesten zur Viehfüt-
terung benutzt wird.


Der Leinbau.
§. 230.

Man hat zwei Sorten von Lein: den Klang- oder Springlein, der ſoAbarteſt.
genannt wird, weil ſeine reife Saamenkapſel durch die Sonnenhitze mit einem Ge-
raͤuſch aufſpringt. Er giebt feinern, weichern, aber kurzen Flachs. Dann den
Droͤſch- oder Schließlein, der ausgedroſchen werden muß. Der letztere wird
hier nur gewoͤhnlich gebauet, weil man den erſtern nicht fuͤr vortheilhaft haͤlt. Der
Unterſchied von Fruͤhlein, Mittellein und Spaͤtlein haͤngt aber bloß von der Saat-
zeit ab, und der Saamen iſt gleicher Art. Der fruͤhe und mittlere pflegt im
Durchſchnitt ſicherer zu ſeyn. Indeſſen bauet man nur den ſpaͤten in manchen Ge-
genden und Wirthſchaften bloß aus der Urſach, weil feine Ernte erſt nach der Ge-
treideernte einfaͤllt, und man in dieſer nicht geſtoͤrt ſeyn will.

§. 231.

Die uͤbrige Behandlung des Leins uͤbergehe ich als bekannt, und weil ichDas Roͤtten.
nur wiederholen koͤnnte, was ſchon hundertmale geſagt iſt; doch muß ich der Wi-
derſpruͤche uͤber den Vorzug der Thauroͤtte oder der Waſſerroͤtte erwaͤhnen.
Die erſtere iſt ſicherer, erfordert aber eine lange Zeit, beſonders wenn ſehr trockne
Witterung eintritt. In dem trockenen Nachſommer von 1810 wollte es durchaus
nicht damit gehen, und man war doch genoͤthigt, die Waſſerroͤtte zu Huͤlfe zu neh-
men, oder den Flachs oft zu begießen. Die Waſſerroͤtte geht ſchnell, erfordert
aber eine große Aufmerkſamkeit und Sorgfalt, wenn der Flachs dabei nicht Scha-
den nehmen ſoll. Nicht allenthalben hat man das gehoͤrige Waſſer dazu; ſie fuͤllt
die Luft mit einem faulen Geſtanke, und das Waſſer mit fauler Materie an,
welche die Fiſche toͤdtet. Man muß dieſe Vorrichtungen doch unter weibliche
Direktion geben, welche nicht gern von der angenommenen Gewohnheit abgeht,
und man thut daher am beſten, bei derjenigen Methode zu bleiben, welche in
der Gegend eingefuͤhrt iſt.

Beim Abdreſchen ſondert der Landwirth den Saamen ab in den beſten,
welcher zur Einſaat aufbewahrt wird, in den mittleren, welchen man zum Oel-
ſchlagen gebraucht, und in den ſchlechten, der am vortheilhafteſten zur Viehfuͤt-
terung benutzt wird.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0205" n="181"/>
            <fw place="top" type="header">Der Leinbau.</fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 230.</head><lb/>
              <p>Man hat zwei Sorten von Lein: den <hi rendition="#g">Klang-</hi> oder <hi rendition="#g">Springlein</hi>, der &#x017F;o<note place="right">Abarte&#x017F;t.</note><lb/>
genannt wird, weil &#x017F;eine reife Saamenkap&#x017F;el durch die Sonnenhitze mit einem Ge-<lb/>
ra&#x0364;u&#x017F;ch auf&#x017F;pringt. Er giebt feinern, weichern, aber kurzen Flachs. Dann den<lb/><hi rendition="#g">Dro&#x0364;&#x017F;ch-</hi> oder <hi rendition="#g">Schließlein</hi>, der ausgedro&#x017F;chen werden muß. Der letztere wird<lb/>
hier nur gewo&#x0364;hnlich gebauet, weil man den er&#x017F;tern nicht fu&#x0364;r vortheilhaft ha&#x0364;lt. Der<lb/>
Unter&#x017F;chied von Fru&#x0364;hlein, Mittellein und Spa&#x0364;tlein ha&#x0364;ngt aber bloß von der Saat-<lb/>
zeit ab, und der Saamen i&#x017F;t gleicher Art. Der fru&#x0364;he und mittlere pflegt im<lb/>
Durch&#x017F;chnitt &#x017F;icherer zu &#x017F;eyn. Inde&#x017F;&#x017F;en bauet man nur den &#x017F;pa&#x0364;ten in manchen Ge-<lb/>
genden und Wirth&#x017F;chaften bloß aus der Ur&#x017F;ach, weil feine Ernte er&#x017F;t nach der Ge-<lb/>
treideernte einfa&#x0364;llt, und man in die&#x017F;er nicht ge&#x017F;to&#x0364;rt &#x017F;eyn will.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 231.</head><lb/>
              <p>Die u&#x0364;brige Behandlung des Leins u&#x0364;bergehe ich als bekannt, und weil ich<note place="right">Das Ro&#x0364;tten.</note><lb/>
nur wiederholen ko&#x0364;nnte, was &#x017F;chon hundertmale ge&#x017F;agt i&#x017F;t; doch muß ich der Wi-<lb/>
der&#x017F;pru&#x0364;che u&#x0364;ber den Vorzug der <hi rendition="#g">Thauro&#x0364;tte</hi> oder der <hi rendition="#g">Wa&#x017F;&#x017F;erro&#x0364;tte</hi> erwa&#x0364;hnen.<lb/>
Die er&#x017F;tere i&#x017F;t &#x017F;icherer, erfordert aber eine lange Zeit, be&#x017F;onders wenn &#x017F;ehr trockne<lb/>
Witterung eintritt. In dem trockenen Nach&#x017F;ommer von 1810 wollte es durchaus<lb/>
nicht damit gehen, und man war doch geno&#x0364;thigt, die Wa&#x017F;&#x017F;erro&#x0364;tte zu Hu&#x0364;lfe zu neh-<lb/>
men, oder den Flachs oft zu begießen. Die Wa&#x017F;&#x017F;erro&#x0364;tte geht &#x017F;chnell, erfordert<lb/>
aber eine große Aufmerk&#x017F;amkeit und Sorgfalt, wenn der Flachs dabei nicht Scha-<lb/>
den nehmen &#x017F;oll. Nicht allenthalben hat man das geho&#x0364;rige Wa&#x017F;&#x017F;er dazu; &#x017F;ie fu&#x0364;llt<lb/>
die Luft mit einem faulen Ge&#x017F;tanke, und das Wa&#x017F;&#x017F;er mit fauler Materie an,<lb/>
welche die Fi&#x017F;che to&#x0364;dtet. Man muß die&#x017F;e Vorrichtungen doch unter weibliche<lb/>
Direktion geben, welche nicht gern von der angenommenen Gewohnheit abgeht,<lb/>
und man thut daher am be&#x017F;ten, bei derjenigen Methode zu bleiben, welche in<lb/>
der Gegend eingefu&#x0364;hrt i&#x017F;t.</p><lb/>
              <p>Beim Abdre&#x017F;chen &#x017F;ondert der Landwirth den Saamen ab in den be&#x017F;ten,<lb/>
welcher zur Ein&#x017F;aat aufbewahrt wird, in den mittleren, welchen man zum Oel-<lb/>
&#x017F;chlagen gebraucht, und in den &#x017F;chlechten, der am vortheilhafte&#x017F;ten zur Viehfu&#x0364;t-<lb/>
terung benutzt wird.</p>
            </div><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[181/0205] Der Leinbau. §. 230. Man hat zwei Sorten von Lein: den Klang- oder Springlein, der ſo genannt wird, weil ſeine reife Saamenkapſel durch die Sonnenhitze mit einem Ge- raͤuſch aufſpringt. Er giebt feinern, weichern, aber kurzen Flachs. Dann den Droͤſch- oder Schließlein, der ausgedroſchen werden muß. Der letztere wird hier nur gewoͤhnlich gebauet, weil man den erſtern nicht fuͤr vortheilhaft haͤlt. Der Unterſchied von Fruͤhlein, Mittellein und Spaͤtlein haͤngt aber bloß von der Saat- zeit ab, und der Saamen iſt gleicher Art. Der fruͤhe und mittlere pflegt im Durchſchnitt ſicherer zu ſeyn. Indeſſen bauet man nur den ſpaͤten in manchen Ge- genden und Wirthſchaften bloß aus der Urſach, weil feine Ernte erſt nach der Ge- treideernte einfaͤllt, und man in dieſer nicht geſtoͤrt ſeyn will. Abarteſt. §. 231. Die uͤbrige Behandlung des Leins uͤbergehe ich als bekannt, und weil ich nur wiederholen koͤnnte, was ſchon hundertmale geſagt iſt; doch muß ich der Wi- derſpruͤche uͤber den Vorzug der Thauroͤtte oder der Waſſerroͤtte erwaͤhnen. Die erſtere iſt ſicherer, erfordert aber eine lange Zeit, beſonders wenn ſehr trockne Witterung eintritt. In dem trockenen Nachſommer von 1810 wollte es durchaus nicht damit gehen, und man war doch genoͤthigt, die Waſſerroͤtte zu Huͤlfe zu neh- men, oder den Flachs oft zu begießen. Die Waſſerroͤtte geht ſchnell, erfordert aber eine große Aufmerkſamkeit und Sorgfalt, wenn der Flachs dabei nicht Scha- den nehmen ſoll. Nicht allenthalben hat man das gehoͤrige Waſſer dazu; ſie fuͤllt die Luft mit einem faulen Geſtanke, und das Waſſer mit fauler Materie an, welche die Fiſche toͤdtet. Man muß dieſe Vorrichtungen doch unter weibliche Direktion geben, welche nicht gern von der angenommenen Gewohnheit abgeht, und man thut daher am beſten, bei derjenigen Methode zu bleiben, welche in der Gegend eingefuͤhrt iſt. Das Roͤtten. Beim Abdreſchen ſondert der Landwirth den Saamen ab in den beſten, welcher zur Einſaat aufbewahrt wird, in den mittleren, welchen man zum Oel- ſchlagen gebraucht, und in den ſchlechten, der am vortheilhafteſten zur Viehfuͤt- terung benutzt wird.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/205
Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 181. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/205>, abgerufen am 24.03.2019.