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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

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Die Kartoffeln.

Indessen müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

1) Man nehme zum Einlegen nur sichere und vernünftige Leute, die kei-
nen Platz, wo eine Kartoffel liegen soll, überschlagen.

2) Man nehme lauter gesunde Setzkartoffeln.

3) Man richte seinen Acker so zu, daß das Keimen keiner Kartoffel ge-
stört werde.

Wer diese Bedingungen nicht erfüllen will oder kann, der lege sie lieber
dichter, oder zwei an einer Stelle, weil sonst, wenn viele leere Räume blei-
ben, der Ausfall beträchtlicher seyn könnte.

§. 279.

Die Zeit des Einlegens der Kartoffeln richte sich nach der Witterung.Pflanzungs-
zeit.

Ich lege sie nicht eher, als bis sich der Boden erwärmt hat, und habe immer
gefunden, daß die später gelegten die früheren eingeholt haben. Ich habe sie
mit gutem Erfolge bis zu Anfange des Junius gelegt, indessen suche ich in
der Mitte des Mais damit fertig zu seyn. Will man sie spät legen, so muß
man sie nur an einem wärmeren Orte vorher keimen lassen. In etwas stren-
gerem Boden dürfen sie durchaus nicht eingeschmiert werden, sondern man
muß seine Abtrocknung abwarten.

§. 280.

Im Herbste ist mein Boden so früh als möglich und um 2 Zoll tiefer,Bestellung.
als bisjetzt gepflügt war, umgebrochen und geegget. Im Winter wird der
Mist aufgefahren und sogleich gebreitet. Im ersten Frühjahre wird er flach
untergepflügt; vor der Saatfurche wird geegget. Daß der Mist mit dieser
zum Theil wieder heraufkomme, ist mir sehr lieb, weil er dann um so mehr
an die Wurzeln der Kartoffeln kommt.

Das Einlegen mit dem Spaten nach einer Knotenschnur habe ich nur
einmal versucht, wie ich sie zuerst im Quadrat pflanzen wollte. Wäre ich auch
nicht auf eine andere Methode verfallen, so würde mich die Weitläuftigkeit
dieser Arbeit doch von dieser Bauart abgeschreckt haben.

Sie werden in die Pflugfurche gelegt, und das Verfahren ist folgendes:

Mit dem oben erwähnten Marqueur oder Furchenzieher werden Linien
oder kleine Furchen ins Kreuz mit derjenigen Richtung, welche der Pflug

Die Kartoffeln.

Indeſſen muͤſſen folgende Bedingungen erfuͤllt werden:

1) Man nehme zum Einlegen nur ſichere und vernuͤnftige Leute, die kei-
nen Platz, wo eine Kartoffel liegen ſoll, uͤberſchlagen.

2) Man nehme lauter geſunde Setzkartoffeln.

3) Man richte ſeinen Acker ſo zu, daß das Keimen keiner Kartoffel ge-
ſtoͤrt werde.

Wer dieſe Bedingungen nicht erfuͤllen will oder kann, der lege ſie lieber
dichter, oder zwei an einer Stelle, weil ſonſt, wenn viele leere Raͤume blei-
ben, der Ausfall betraͤchtlicher ſeyn koͤnnte.

§. 279.

Die Zeit des Einlegens der Kartoffeln richte ſich nach der Witterung.Pflanzungs-
zeit.

Ich lege ſie nicht eher, als bis ſich der Boden erwaͤrmt hat, und habe immer
gefunden, daß die ſpaͤter gelegten die fruͤheren eingeholt haben. Ich habe ſie
mit gutem Erfolge bis zu Anfange des Junius gelegt, indeſſen ſuche ich in
der Mitte des Mais damit fertig zu ſeyn. Will man ſie ſpaͤt legen, ſo muß
man ſie nur an einem waͤrmeren Orte vorher keimen laſſen. In etwas ſtren-
gerem Boden duͤrfen ſie durchaus nicht eingeſchmiert werden, ſondern man
muß ſeine Abtrocknung abwarten.

§. 280.

Im Herbſte iſt mein Boden ſo fruͤh als moͤglich und um 2 Zoll tiefer,Beſtellung.
als bisjetzt gepfluͤgt war, umgebrochen und geegget. Im Winter wird der
Miſt aufgefahren und ſogleich gebreitet. Im erſten Fruͤhjahre wird er flach
untergepfluͤgt; vor der Saatfurche wird geegget. Daß der Miſt mit dieſer
zum Theil wieder heraufkomme, iſt mir ſehr lieb, weil er dann um ſo mehr
an die Wurzeln der Kartoffeln kommt.

Das Einlegen mit dem Spaten nach einer Knotenſchnur habe ich nur
einmal verſucht, wie ich ſie zuerſt im Quadrat pflanzen wollte. Waͤre ich auch
nicht auf eine andere Methode verfallen, ſo wuͤrde mich die Weitlaͤuftigkeit
dieſer Arbeit doch von dieſer Bauart abgeſchreckt haben.

Sie werden in die Pflugfurche gelegt, und das Verfahren iſt folgendes:

Mit dem oben erwaͤhnten Marqueur oder Furchenzieher werden Linien
oder kleine Furchen ins Kreuz mit derjenigen Richtung, welche der Pflug

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[215/0239] Die Kartoffeln. Indeſſen muͤſſen folgende Bedingungen erfuͤllt werden: 1) Man nehme zum Einlegen nur ſichere und vernuͤnftige Leute, die kei- nen Platz, wo eine Kartoffel liegen ſoll, uͤberſchlagen. 2) Man nehme lauter geſunde Setzkartoffeln. 3) Man richte ſeinen Acker ſo zu, daß das Keimen keiner Kartoffel ge- ſtoͤrt werde. Wer dieſe Bedingungen nicht erfuͤllen will oder kann, der lege ſie lieber dichter, oder zwei an einer Stelle, weil ſonſt, wenn viele leere Raͤume blei- ben, der Ausfall betraͤchtlicher ſeyn koͤnnte. §. 279. Die Zeit des Einlegens der Kartoffeln richte ſich nach der Witterung. Ich lege ſie nicht eher, als bis ſich der Boden erwaͤrmt hat, und habe immer gefunden, daß die ſpaͤter gelegten die fruͤheren eingeholt haben. Ich habe ſie mit gutem Erfolge bis zu Anfange des Junius gelegt, indeſſen ſuche ich in der Mitte des Mais damit fertig zu ſeyn. Will man ſie ſpaͤt legen, ſo muß man ſie nur an einem waͤrmeren Orte vorher keimen laſſen. In etwas ſtren- gerem Boden duͤrfen ſie durchaus nicht eingeſchmiert werden, ſondern man muß ſeine Abtrocknung abwarten. Pflanzungs- zeit. §. 280. Im Herbſte iſt mein Boden ſo fruͤh als moͤglich und um 2 Zoll tiefer, als bisjetzt gepfluͤgt war, umgebrochen und geegget. Im Winter wird der Miſt aufgefahren und ſogleich gebreitet. Im erſten Fruͤhjahre wird er flach untergepfluͤgt; vor der Saatfurche wird geegget. Daß der Miſt mit dieſer zum Theil wieder heraufkomme, iſt mir ſehr lieb, weil er dann um ſo mehr an die Wurzeln der Kartoffeln kommt. Beſtellung. Das Einlegen mit dem Spaten nach einer Knotenſchnur habe ich nur einmal verſucht, wie ich ſie zuerſt im Quadrat pflanzen wollte. Waͤre ich auch nicht auf eine andere Methode verfallen, ſo wuͤrde mich die Weitlaͤuftigkeit dieſer Arbeit doch von dieſer Bauart abgeſchreckt haben. Sie werden in die Pflugfurche gelegt, und das Verfahren iſt folgendes: Mit dem oben erwaͤhnten Marqueur oder Furchenzieher werden Linien oder kleine Furchen ins Kreuz mit derjenigen Richtung, welche der Pflug

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/239>, abgerufen am 24.03.2019.