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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

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Der Mais.
genannten Koschen, welche in Dr. Burgers trefflichem Werke über den
Maisbau
beschrieben und abgebildet sind.

Nachdem die Kolben völlig ausgetrocknet sind, was aber außer den Darr-
stuben erst im Januar geschiehet, lassen sie sich eben so leicht, wie das Ge-
treide abdreschen, und nur die zur Saat ausgewählten Kolben werden, um die
Körner auf keine Weise zu beschädigen, mit der Hand abgelöst.

§. 335.

Das vorerst auf dem Felde gelassene Stroh wird über der Wurzel abge-Das Stroh.
schnitten, und giebt noch ein sehr nahrhaftes Viehfutter, wenn man es nicht
anderweitig gebrauchen will. Man versichert nämlich, daß daraus, so wie aus
dem abgedroschenen Stuhl der Kolben, noch ein Syrup vortheilhaft bereitet
werden könne. Andre meinen, daß es sich am vortheilhaftesten einäschern,
und zur Pottaschenausscheidung gebrauchen lasse, indem es eine vorzüglich große
Menge Kali enthält.

§. 336.

Das Korn ist eine sehr nahrhafte Substanz. Es macht bei manchen Na-Gebrauch.
tionen den Hauptbestand der menschlichen Nahrung aus, jedoch ohne es als
Brod zu bereiten. Denn Brod läßt sich nur in Vermengung mit andrem Ge-
treide daraus backen. In andren Gegenden wird es nur als das kräftigste
Mastfutter für alle Gattungen von Vieh benutzt. Beim Anbau im Kleinen
kennt man seine Wirksamkeit beim Federvieh fast allenthalben. Es wird dem
Viehe roh, aufgequollen, gekocht oder geschroten gegeben. Den Schweinen
giebt man häufig die unabgedroschenen Kolben, und wenn der Mais seine voll-
kommene Reife nicht erlangen sollte, so wird er doch auf diese Weise noch im-
mer vortheilhaft benutzt werden können.

§. 337.

Man verbindet den Mais, des weiten Zwischenraums wegen, gern mitNebenfrüchte.
einer andren niedrig bleibenden Frucht. Am häufigsten wird die Runkelrübe
dazu gewählt, die man, nachdem er angehäuft worden, in die Mitte des Zwi-
schenraums pflanzt. Ich muß aber nach meinen Versuchen sagen, daß ich im-
mer nur schwache nicht genugsam lohnende Rüben dazwischen erhalten habe.
Weit vortheilhafter habe ich die Aussaat der kleinen Schminkbohne oder Faseole,

J i 2

Der Mais.
genannten Koſchen, welche in Dr. Burgers trefflichem Werke uͤber den
Maisbau
beſchrieben und abgebildet ſind.

Nachdem die Kolben voͤllig ausgetrocknet ſind, was aber außer den Darr-
ſtuben erſt im Januar geſchiehet, laſſen ſie ſich eben ſo leicht, wie das Ge-
treide abdreſchen, und nur die zur Saat ausgewaͤhlten Kolben werden, um die
Koͤrner auf keine Weiſe zu beſchaͤdigen, mit der Hand abgeloͤſt.

§. 335.

Das vorerſt auf dem Felde gelaſſene Stroh wird uͤber der Wurzel abge-Das Stroh.
ſchnitten, und giebt noch ein ſehr nahrhaftes Viehfutter, wenn man es nicht
anderweitig gebrauchen will. Man verſichert naͤmlich, daß daraus, ſo wie aus
dem abgedroſchenen Stuhl der Kolben, noch ein Syrup vortheilhaft bereitet
werden koͤnne. Andre meinen, daß es ſich am vortheilhafteſten einaͤſchern,
und zur Pottaſchenausſcheidung gebrauchen laſſe, indem es eine vorzuͤglich große
Menge Kali enthaͤlt.

§. 336.

Das Korn iſt eine ſehr nahrhafte Subſtanz. Es macht bei manchen Na-Gebrauch.
tionen den Hauptbeſtand der menſchlichen Nahrung aus, jedoch ohne es als
Brod zu bereiten. Denn Brod laͤßt ſich nur in Vermengung mit andrem Ge-
treide daraus backen. In andren Gegenden wird es nur als das kraͤftigſte
Maſtfutter fuͤr alle Gattungen von Vieh benutzt. Beim Anbau im Kleinen
kennt man ſeine Wirkſamkeit beim Federvieh faſt allenthalben. Es wird dem
Viehe roh, aufgequollen, gekocht oder geſchroten gegeben. Den Schweinen
giebt man haͤufig die unabgedroſchenen Kolben, und wenn der Mais ſeine voll-
kommene Reife nicht erlangen ſollte, ſo wird er doch auf dieſe Weiſe noch im-
mer vortheilhaft benutzt werden koͤnnen.

§. 337.

Man verbindet den Mais, des weiten Zwiſchenraums wegen, gern mitNebenfruͤchte.
einer andren niedrig bleibenden Frucht. Am haͤufigſten wird die Runkelruͤbe
dazu gewaͤhlt, die man, nachdem er angehaͤuft worden, in die Mitte des Zwi-
ſchenraums pflanzt. Ich muß aber nach meinen Verſuchen ſagen, daß ich im-
mer nur ſchwache nicht genugſam lohnende Ruͤben dazwiſchen erhalten habe.
Weit vortheilhafter habe ich die Ausſaat der kleinen Schminkbohne oder Faſeole,

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[251/0275] Der Mais. genannten Koſchen, welche in Dr. Burgers trefflichem Werke uͤber den Maisbau beſchrieben und abgebildet ſind. Nachdem die Kolben voͤllig ausgetrocknet ſind, was aber außer den Darr- ſtuben erſt im Januar geſchiehet, laſſen ſie ſich eben ſo leicht, wie das Ge- treide abdreſchen, und nur die zur Saat ausgewaͤhlten Kolben werden, um die Koͤrner auf keine Weiſe zu beſchaͤdigen, mit der Hand abgeloͤſt. §. 335. Das vorerſt auf dem Felde gelaſſene Stroh wird uͤber der Wurzel abge- ſchnitten, und giebt noch ein ſehr nahrhaftes Viehfutter, wenn man es nicht anderweitig gebrauchen will. Man verſichert naͤmlich, daß daraus, ſo wie aus dem abgedroſchenen Stuhl der Kolben, noch ein Syrup vortheilhaft bereitet werden koͤnne. Andre meinen, daß es ſich am vortheilhafteſten einaͤſchern, und zur Pottaſchenausſcheidung gebrauchen laſſe, indem es eine vorzuͤglich große Menge Kali enthaͤlt. Das Stroh. §. 336. Das Korn iſt eine ſehr nahrhafte Subſtanz. Es macht bei manchen Na- tionen den Hauptbeſtand der menſchlichen Nahrung aus, jedoch ohne es als Brod zu bereiten. Denn Brod laͤßt ſich nur in Vermengung mit andrem Ge- treide daraus backen. In andren Gegenden wird es nur als das kraͤftigſte Maſtfutter fuͤr alle Gattungen von Vieh benutzt. Beim Anbau im Kleinen kennt man ſeine Wirkſamkeit beim Federvieh faſt allenthalben. Es wird dem Viehe roh, aufgequollen, gekocht oder geſchroten gegeben. Den Schweinen giebt man haͤufig die unabgedroſchenen Kolben, und wenn der Mais ſeine voll- kommene Reife nicht erlangen ſollte, ſo wird er doch auf dieſe Weiſe noch im- mer vortheilhaft benutzt werden koͤnnen. Gebrauch. §. 337. Man verbindet den Mais, des weiten Zwiſchenraums wegen, gern mit einer andren niedrig bleibenden Frucht. Am haͤufigſten wird die Runkelruͤbe dazu gewaͤhlt, die man, nachdem er angehaͤuft worden, in die Mitte des Zwi- ſchenraums pflanzt. Ich muß aber nach meinen Verſuchen ſagen, daß ich im- mer nur ſchwache nicht genugſam lohnende Ruͤben dazwiſchen erhalten habe. Weit vortheilhafter habe ich die Ausſaat der kleinen Schminkbohne oder Faſeole, Nebenfruͤchte. J i 2

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 251. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/275>, abgerufen am 24.03.2019.