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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812.

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Die Luzerne.
müssen; und dies scheint wohl der Hauptgrund ihrer Anwendung zu seyn. Ich
habe sie im Kleinen versucht, aber das Beschwerliche dabei gefunden, daß die
ungemein erstarkenden Pflanzen holzige Kronen bekamen, die, weil sie mit der
Sense nicht gefaßt werden durften, immer höher wurden, so daß die Luzerne
nach einigen Jahren schon 1/2 Fuß hoch über der Erde abgehauen werden mußte.
Die Methode ist übrigens sehr mühsam, erfordert häufiges Nachpflanzen und es
dauert bis zum dritten Jahre, eher sich das Kraut der Luzerne gehörig schließt.
Sie scheint auch in England außer Gebrauch gekommen seyn. Allenfalls bleibt
sie anwendbar, wo auf einem Felde, aus der §. 370. erwähnten Urfach Lücken
entstehen, die man bepflanzen kann.

Das Drillen der Luzerne aber, zwischen Getreide in Reihen von acht- bis
zehnzölliger Distanz, ist in England immer beliebter geworden, weil man die die-
ser Pflanze so nützliche Auflockerung der Oberfläche dann durch die Pferdehacken
noch weit kräftiger geben kann, als durch die Egge. Selbst habe ich diesen Ver-
such noch nicht gemacht.

§. 377.

Ein gut bestandenes und sich durch jährliche Anlage immer erneuerndes Lu-
zernefeld, giebt einer Wirthschaft einen hohen Schwung, und kann den Wiesen-
Mangel völlig und sicher ersetzen. Keine Wiese giebt den Ertrag an gleicher
Fläche, wie die Luzerne, und selten giebt sie ihn so sicher.

Die Esparsette, der Espar, St. Foin,
Hedyfarum onobrychis.
§. 378.

Dieses schätzbare Futtergewächs erfordert nothwendig einen kalkhaltigen Un-Boden.
tergrund. Wo es diesen findet, wächst es auch mit Hülfe einigen Düngers auf
einer ganz schlechten flachen Ackerkrume, wogegen es ohne solchen durchaus nicht
fortkommt, wenn man ihm auch die beste Ackererde giebt. Es gehet zwar darin
auf und zeigt sich im ersten Jahre sehr üppig; aber dann vergeht es, statt sich
zu bestauden. Nur Kalk oder Kreide muß es haben, wenn es auch Felsen
wäre, in welchen es sich mit seinen Wurzeln hineinbohret. Wer es anbauen

Vierter Theil. N n

Die Luzerne.
muͤſſen; und dies ſcheint wohl der Hauptgrund ihrer Anwendung zu ſeyn. Ich
habe ſie im Kleinen verſucht, aber das Beſchwerliche dabei gefunden, daß die
ungemein erſtarkenden Pflanzen holzige Kronen bekamen, die, weil ſie mit der
Senſe nicht gefaßt werden durften, immer hoͤher wurden, ſo daß die Luzerne
nach einigen Jahren ſchon ½ Fuß hoch uͤber der Erde abgehauen werden mußte.
Die Methode iſt uͤbrigens ſehr muͤhſam, erfordert haͤufiges Nachpflanzen und es
dauert bis zum dritten Jahre, eher ſich das Kraut der Luzerne gehoͤrig ſchließt.
Sie ſcheint auch in England außer Gebrauch gekommen ſeyn. Allenfalls bleibt
ſie anwendbar, wo auf einem Felde, aus der §. 370. erwaͤhnten Urfach Luͤcken
entſtehen, die man bepflanzen kann.

Das Drillen der Luzerne aber, zwiſchen Getreide in Reihen von acht- bis
zehnzoͤlliger Diſtanz, iſt in England immer beliebter geworden, weil man die die-
ſer Pflanze ſo nuͤtzliche Auflockerung der Oberflaͤche dann durch die Pferdehacken
noch weit kraͤftiger geben kann, als durch die Egge. Selbſt habe ich dieſen Ver-
ſuch noch nicht gemacht.

§. 377.

Ein gut beſtandenes und ſich durch jaͤhrliche Anlage immer erneuerndes Lu-
zernefeld, giebt einer Wirthſchaft einen hohen Schwung, und kann den Wieſen-
Mangel voͤllig und ſicher erſetzen. Keine Wieſe giebt den Ertrag an gleicher
Flaͤche, wie die Luzerne, und ſelten giebt ſie ihn ſo ſicher.

Die Esparſette, der Espar, St. Foin,
Hedyfarum onobrychis.
§. 378.

Dieſes ſchaͤtzbare Futtergewaͤchs erfordert nothwendig einen kalkhaltigen Un-Boden.
tergrund. Wo es dieſen findet, waͤchſt es auch mit Huͤlfe einigen Duͤngers auf
einer ganz ſchlechten flachen Ackerkrume, wogegen es ohne ſolchen durchaus nicht
fortkommt, wenn man ihm auch die beſte Ackererde giebt. Es gehet zwar darin
auf und zeigt ſich im erſten Jahre ſehr uͤppig; aber dann vergeht es, ſtatt ſich
zu beſtauden. Nur Kalk oder Kreide muß es haben, wenn es auch Felſen
waͤre, in welchen es ſich mit ſeinen Wurzeln hineinbohret. Wer es anbauen

Vierter Theil. N n
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[281/0305] Die Luzerne. muͤſſen; und dies ſcheint wohl der Hauptgrund ihrer Anwendung zu ſeyn. Ich habe ſie im Kleinen verſucht, aber das Beſchwerliche dabei gefunden, daß die ungemein erſtarkenden Pflanzen holzige Kronen bekamen, die, weil ſie mit der Senſe nicht gefaßt werden durften, immer hoͤher wurden, ſo daß die Luzerne nach einigen Jahren ſchon ½ Fuß hoch uͤber der Erde abgehauen werden mußte. Die Methode iſt uͤbrigens ſehr muͤhſam, erfordert haͤufiges Nachpflanzen und es dauert bis zum dritten Jahre, eher ſich das Kraut der Luzerne gehoͤrig ſchließt. Sie ſcheint auch in England außer Gebrauch gekommen ſeyn. Allenfalls bleibt ſie anwendbar, wo auf einem Felde, aus der §. 370. erwaͤhnten Urfach Luͤcken entſtehen, die man bepflanzen kann. Das Drillen der Luzerne aber, zwiſchen Getreide in Reihen von acht- bis zehnzoͤlliger Diſtanz, iſt in England immer beliebter geworden, weil man die die- ſer Pflanze ſo nuͤtzliche Auflockerung der Oberflaͤche dann durch die Pferdehacken noch weit kraͤftiger geben kann, als durch die Egge. Selbſt habe ich dieſen Ver- ſuch noch nicht gemacht. §. 377. Ein gut beſtandenes und ſich durch jaͤhrliche Anlage immer erneuerndes Lu- zernefeld, giebt einer Wirthſchaft einen hohen Schwung, und kann den Wieſen- Mangel voͤllig und ſicher erſetzen. Keine Wieſe giebt den Ertrag an gleicher Flaͤche, wie die Luzerne, und ſelten giebt ſie ihn ſo ſicher. Die Esparſette, der Espar, St. Foin, Hedyfarum onobrychis. §. 378. Dieſes ſchaͤtzbare Futtergewaͤchs erfordert nothwendig einen kalkhaltigen Un- tergrund. Wo es dieſen findet, waͤchſt es auch mit Huͤlfe einigen Duͤngers auf einer ganz ſchlechten flachen Ackerkrume, wogegen es ohne ſolchen durchaus nicht fortkommt, wenn man ihm auch die beſte Ackererde giebt. Es gehet zwar darin auf und zeigt ſich im erſten Jahre ſehr uͤppig; aber dann vergeht es, ſtatt ſich zu beſtauden. Nur Kalk oder Kreide muß es haben, wenn es auch Felſen waͤre, in welchen es ſich mit ſeinen Wurzeln hineinbohret. Wer es anbauen Boden. Vierter Theil. N n

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Zitationshilfe: Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 4. Berlin, 1812, S. 281. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft04_1812/305>, abgerufen am 20.03.2019.